Adwin de Kluyver
Die Inseln des Guten und Bösen
Von Utopien, Experimenten und Revolten, die es auf dem Festland nie gegeben hätte
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke. Inseln eignen sich perfekt, um Utopien zu verwirklichen, größenwahnsinnige Pläne zu erproben oder der Fantasie freien Lauf zu lassen. Sie bringen das Beste und das Schlechteste im Menschen hervor und waren von jeher Schauplatz für Natur- und Sozialexperimente. In einer fesselnden Mischung aus Kulturgeschichte und Reisebericht erzählt Adwin de Kluyver von Aristoteles' Naturforschung als Flüchtling auf Lesbos, George de Psalmanazars Hochstaplergeschichten über barbarische Sitten auf Formosa, Wernher von Brauns Raketentests auf Usedom, einer eigenen Expedition nach Spitzbergen, die fast am Klimawandel scheitert, oder von der nachhaltigsten Insel der Welt. Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise von den Galápagosinseln bis zum dänischen Samsø - voller weiter Ausblicke, Einblicke in die Vergangenheit und Visionen der Zukunft.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2026
"Null Island" gibt es nicht wirklich, muss Rezensent Hendrik Hess bei der Lektüre von Adwin de Kluyvers Buch feststellen, sie ist nur eine Boje, um den Nullpunkt der Koordinaten für Messsysteme erfassbar zu machen. Aber deswegen eignet sich Null Island genauso wie Atlantis und Thomas Morus' Utopia als Projektionsfläche für Träume und Fantasien, für die sich Kluyver in seinem Text über Inseln und ihre Möglichkeitsräume interessiert, so Hess. Sie ermöglichen Gedanken einer neuen Welt, aber eben durch ihre begrenzte Größe auch den Traum einer abgeschlossen, übersichtlichen Sphäre. Inseln sind für den Autoren alle Landmassen, die kleiner sind als Australien, der kleinste Kontinent, und von Wasser umgeben, lernen wir, 65 davon werden uns in diesem Buch vorgestellt. Leider recht unzusammenhängend, findet der Kritiker: Er versteht zum Beispiel nicht, warum die Insel Usedom dafür verantwortlich sein soll, dass Wernher von Braun in Peenemünde Raketenexperimente durchgeführt hat. Er hätte sich auch gewünscht, dass beispielsweise das Verhältnis von Mensch und Insel systematischer und weniger mit Anekdotencharakter erforscht werden würde. Für ihn ist Kluyvers Buch leider nicht die beste Lektüre für einen Aufenthalt auf einer einsamen Insel.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.08.2026
Eine anregende Inseltour unternimmt Rezensent Gerrit Stratmann mit diesem Buch. Der Historiker Adwin der Kluyver beschäftigt sich mit einer ganzen Reihe von Inseln und rekonstruiert jeweils Geschichten, die sich auf ihnen zugetragen haben, mal geht es dabei brutal zu, manchmal hoffnungsvoll. Forscher landen genauso auf Inseln wie Auswanderer und selbsternannte Inselkönige, Wernher von Braun landet auf Usedom, die Meuterer von der Bounty auf Pitcairn. Warum ausgerechnet Inseln? Interessant sind sie für Kluyver, weil sie als Mikrokosmen funktionieren und dadurch bestimmte Aspekte menschlicher Existenz besonders klar dargestellt werden können. Keineswegs willkürlich findet Stratmann Kluyvers erst einmal erstaunlichen Fokus auf Inselgeschichten deshalb. Vielmehr vermittelt sich hier immer wieder "ein Stück lebendige Geschichte".
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