Adam Soboczynski erzählt von Männern und Frauen, die das schwierige Spiel des Lebens und die hohe Kunst der Verstellung mal blendend, mal mäßig beherrschen. Wenn man nur wüsste, wie sich klug zu verhalten sei! Hier steht es drin. Wir sehen Menschen in peinlichen und verführerischen Situationen wie sie jeder kennt: den jungen Aufsteiger in Gehaltsverhandlungen; die Frau, die beim Bewerbungsgespräch nach ihren eigenen Schwächen gefragt wird; den Professor im nicht rein wissenschaftlichen Austausch mit einer Kollegin.
Von großem Leserglück zeugt die Rezension von Dirk Knipphals, der von "ästhetischem Vergnügen" ebenso wie von einer durch und durch ironischen Erzählweise spricht, bei der nichts vor dem Witz dieses Autors sicher sei. Dabei kam das Buch aus seiner Sicht zunächst mit der Attitüde eines "altklugen Lebensratgebers" daher, und zwar mit "Tendenz zum Putzigen". Erst allmählich realisiert der Rezensent eigenem Bekunden zufolge, "was für treffende Geschichten aus dem heutigen postmodern-hedonistischen Großstädteralltag" Adam Soboczynski hier "zunächst wie nebenbei" erzählt. Und dann hat sich schon eine ganze "Judith-Herrmann-Welt" vor ihm aufgeblättert, nur irgendwie noch lockerer und gewitzter.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2008
Witzig, elegant, weise, verschlagen und verspielt und von schlagender Evidenz. Das alles ist dieser Ratgeber in Sachen Verstellung für Ijoma Mangold. Warum so ein Buch im Geiste Balthasar Gracians und im Tonfall der großen französischen Moralisten vor Adam Soboczynski noch keiner geschrieben hat, ist Mangold ein Rätsel. Die Idee, unser Liebes- und Arbeitsleben szenisch, aphoristisch auf seine Verstellungskünste hin abzuklopfen und uns aus dem süßen Schlaf der Philanthropie zu erwecken (so empfindet es der Rezensent), erscheint Mangold höchst angebracht. Und wenn die deutsche Gegenwart in den Worten des polnischstämmigen Autors als barockes Welttheater ersteht, vermisst er einen "protestantischen Innerlichkeitskult" als letztes.
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