Herausgegeben von Paola Gallo und Dalia Oggero. Eine neue Generation italienischer Autoren: Sie schielt nicht mehr auf die angloamerikanische Großstadtliteratur oder erfindet noch einen weiteren Commissario, sondern bezieht sich auf die Erzähltraditionen des eigenen Landes und seiner sehr unterschiedlichen Regionen. Eine Jugendbande in Rom, die allabendlicheFernsehshow, die brüchige Idylle der Oberschicht, wortkarge piemontesische Bergbewohner - auch wenn ihre Geschichten und literarischen Formen ganz verschieden erscheinen, so eint diese Autoren die Erfahrung, in einem politisch und gesellschaftlich verwüsteten Italien aufgewachsen zu sein. Der Schriftsteller Nicola Lagioia spricht von seiner Heimat als einem Land mit einer "gelähmten Demokratie", das zurückgefallen sei in die "zweite Welt". Aber gerade aus dieser Erfahrung entstehe eine "starke und mutige Generation, die in der Lage ist, neu zu beginnen". Die Herausgeberinnen Paola Gallo und Dalia Oggero, seit vielen Jahren ausgewiesene Kennerinnen und Entdeckerinnen neuer italienischer Autoren, stellen die interessantesten und vielversprechendsten Schriftsteller unter 40 mit Texten vor, die allesamt hier erstmals auf Deutsch erscheinen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011
Für einen scharfen und politischen Blick auf die italienische Gegenwart empfiehlt Rezensentin Jutta Person den Band mit 18 Erzählungen von teils unbekannten, teils verdienten italienischen Autoren. Allerdings muss man mit wachem Auge das Politische dort sehen, wo man es vielleicht nicht erwartet und keine "Rebellionsrhetorik" darauf hinweist, betont die Rezensentin. Ganz so viel Kämpferisches, wie die Herausgeberinnen es in ihrem Vorwort andeuten, hat Person zwar nicht entdeckt. Dafür erkennt sie in den Erzählungen ein nüchternes Gegenwartsbild, das die Lage schon mal an einer kaputten Kaffeemaschine oder einem von der Familie angstvoll beäugten "XXL-Kühlschrank" dingfest macht.
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