Ottessa Moshfegh

Heimweh nach einer anderen Welt

Storys
Cover: Heimweh nach einer anderen Welt
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2020
ISBN 9783954381159
Gebunden, 336 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Anke Caroline Burger. In ihren Erzählungen schafft Ottessa Moshfegh ein groteskes Panorama menschlicher Bos- und Dummheit. Da ist beispielsweise John, der sich an seiner verstorbenen Frau rächen will, indem er sie posthum mit demselben Strichjungen betrügt, mit dem sie ihn mutmaßlich hintergangen hat. Larry arbeitet in einer betreuten Wohneinrichtung für "Menschen mit Entwicklungsstörungen", weil er endlich sein Leben mit Leuten verbringen will, die ihn zu schätzen wissen. Und Charles fährt für ein Wochenende in eine Berghütte, weil seine Frau schwanger ist und er ein paar Tage für sich haben will, bevor das Baby auf die Welt kommt und sein Leben für immer ruiniert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2020

Rezensentin Angela Schader taucht ein ins Abseitige, Schmuddelige und Dämonische mit Ottessa Moshfeghs Erzählungen. Nichts für Träumer, warnt die Rezensentin, zumal es der Autorin nicht in jedem der Texte gelingt, die Erzählung über den "niedrigen Horizont" ihrer Figuren hinauszuheben, wie Schader findet. Wer Obsessionen liebt, das Garstige und Gemeine, das Abgründige und Dystopische, dürfte bei Moshfegh aber goldrichtig sein, vermutet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2020

Ottessa Moshfegh braucht keine Authentizität, um zu berühren, findet Rezensent Jens Uthoff. Die Beschreibungen in ihren Erzählungen sind teilweise bewusst überzogen, nicht selten überschreiten Moshfeghs Geschichten die Grenze zum Surrealen, und trotzdem fühlt sich Uthoff von den teils grotesken Erzählungen emotional angesprochen. Ihrem "drastischen Sound" kann er, wie er andeutet, sogar mehr abgewinnen als allen "florierenden Betroffenheitsliteraturen". Moshfeghs Sound zeichnet sich laut Uthoff durch eindrückliche Bilder, scharfe Beobachtungen und einen bitterbösen Humor aus, mit dem die Autorin ihre Figuren jedoch niemals lächerlich mache. Ganz im Gegenteil sogar: Trotz aller Abscheu und Komik kann Uthoff mit diesen Figuren mitfühlen, weshalb Moshfeghs Geschichten den begeisterten Kritiker an die Werke großer amerikanischer Erzähler wie Charles Bukowski oder T.C. Boyle erinnern.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.02.2020

Daniel Haas legt uns Lesern von Bukowski und Tschechow die Stories von Ottessa Moshfegh ans Herz und mahnt zugleich zur Vorsicht. Moshfeghs "virtuose" Erzählungen sind für ihn Vergnügen und Verstörung in einem, raffiniert in der Art, wie sie schonungslos menschliche Abgründe ausmisst und mit Humor auskleidet. Dass der Witz nicht auf Kosten der Figuren, all der Gelangweilten, Drogen- und Sehnsüchtigen in den Texten, geht, findet Haas fein. Eine "gnädige Sympathie" mit ihnen gesellt sich immer wieder zum Horror der geschilderten Existenzen hinzu, meint er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.01.2020

Ein großartiges Buch, ruft Rezensentin Angela Gutzeit. Ottessa Moshfegh erzählt vom Scheitern und vom unwiderruflichen Gescheitertsein, als habe sie es selbst erlebt, als kenne sie die Stimmung in Amerikas Ghettos nur zu gut, so die Rezensentin. Moshfegh erzählt aus verschiedenen Perspektiven, wobei sich die Abgründe im Leben ihrer Figuren für Gutzeit manchmal nur in einer einzigen Bemerkung auftun, sodass der Leser einen kurzen und erschütternden Blick in die Tiefe werfen könne. Und dann ist da natürlich noch die Sehnsucht, die Sehnsucht nach der Flucht aus einem "entfremdeten Leben", nach einem besseren Ort, die Moshfegh mit viel Feingefühl schildere und die der Rezensentin durchaus bekannt vorkommt. Dass die Autorin durchaus Sinn für Komik hat, ohne damit ihren Figuren die Würde zu nehmen, macht Gutzeit das Buch noch lieber, übrigens auch dank der Übersetzerin Anke Caroline Burger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.01.2020

Tilman Spreckelsen analysiert den Kosmos, den Otessa Moshfegh in ihren Erzählungen mit einiger Gnadenlosigkeit ausleuchtet. Hochstapler, Ausweglose, Erniedrigte, die sich mit ihrem Schicksal arrangieren, begegnen dem Rezensenten in diesen Texten, die nicht durch besondere Wendungen geprägt werden, wie Spreckelsen erläutert, sondern eher durch die Meinung, die sich der Leser über die vorgeführten Schicksale bildet. Diese Wertung bezieht sich laut Rezensent auf die (Selbst-)Überredungsstrategien, derer sich die Figuren bedienen, um sich ihr Dasein erträglich zu machen. Die Abgründe darunter lassen die Texte laut Spreckelsen auf meisterhafte, elegante Weise erahnen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.01.2020

Theresa Hein telefoniert mit Ottessa Moshfegh, um herauszufinden, wie es der Autorin in ihren Kurzgeschichten von 2017, übersetzt von Anke Caroline Burger, gelingt, Schönheit und das Elend ihrer Figuren zu vereinen. Es ist, findet Hein heraus, der Respekt der Autorin für die Figuren, ob es frustrierte Arbeitslose, Alkoholiker oder Sexmaniacs sind. Deren Sehnsüchte und abstoßende Fantasien stellt Moshfegh nicht aus, erklärt Hein, sondern beschreibt sie mit liebevollem Humor, wenngleich ohne allzu viel Hoffnung. Carver in lustig, so Hein.
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