Martha C. Nussbaum

Politische Emotionen

Warum Liebe für Gerechtigkeit wichtig ist
Cover: Politische Emotionen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518586099
Gebunden, 623 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Ilse Utz. Emotionen, so eine weitverbreitete Ansicht, setzen das Denken außer Kraft und sind daher im politischen Kontext generell schädlich. Dem widerspricht Martha C. Nussbaum in ihrem neuen Buch. Um der Gerechtigkeit politisch zur Geltung zu verhelfen, so ihre These, bedarf es nicht nur eines klaren Verstandes, sondern auch einer positiv-emotionalen Bindung der Bürgerinnen und Bürger an diese gemeinsame Sache. Persönlichkeiten wie Lincoln, Gandhi und Martin Luther King haben davon ebenso gewusst wie die Vordenker einer "Zivilreligion", Jean-Jacques Rousseau zum Beispiel oder Rabindranath Tagore.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2014

Die Soziologin Eva Illouz hat entschiedene Einwände gegen Martha Nussbaums Thesen in "Politische Emotionen". Die Philosophin komme nach Sichtung des ihr üblichen breit gestreuten Materials aus Theorie, Literatur und Politik nur zu erstaunlich simplen Schlüssen, erklärt die Rezensentin: Emotionen spielen in verschiedensten Institutionen eine wesentliche Rolle, wobei jene Institutionen, die 'gute' Emotionen - zum Beispiel Liebe und Mitgefühl - befördern, gut sind, und jene, die 'schlechte' Emotionen - Angst, Scham und Neid etwa - voraussetzen, schlecht, fasst Illouz zusammen. Das Problem dieser Argumentation ist der Rezensentin zufolge, dass das individuelle Empfinden einer Emotion als angenehm oder unangenehm wenig über deren institutionellen Nutzen aussage. Gehe man von dem Gefüge moderner liberaler Gesellschaften aus, so Illouz, müsse man die Funktion der Emotionen auch in eben diesem Gefüge betrachten. Nussbaum ignoriere die Empirie nur auf Kosten der Relevanz für eine wirkliche normative Verknüpfung von Emotionen und Politik, kritisiert die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Laut Ute Frevert schließt die Philosophin Martha C. Nussbaum mit diesem Buch an ältere Publikationen an, indem es Bedürfnisse diagnostiziert und Lösungen entwirft. In diesem Fall schlägt die Autorin zu diesem Zweck den Weg in die politische Philosophie und Praxis ein, wie Frevert erklärt, und baut eine moralische Grundlegung "liberaldemokratischer" Gesellschaften mit dem Begriff der Liebe in ihrem Zentrum. Dass Anstand und Respekt und eine emotionale Basis grundlegend sind für die Moral, kann ihr die Autorin anhand autobiografischer Beobachtungen und unter Wiedergabe berühmter Aussprüche großer Politiker, wie Roosevelt, Churchill, Martin Luther King, begreiflich machen. Dass Nussbaum ihr Plädoyer mit Mozart, aber ebenso mit politischer Ideengeschichte untermauert, gefällt Frevert, auch wenn die Qualität der Einlassungen von überzeugend bis bemüht schwankt, wie sie meint. Insgesamt besticht der Band laut Rezensentin durch seine Verve, auch wenn seine Alltagstauglichkeit zweifelhaft bleibt, wie Frevert einräumt.

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