Wien 1922. Balthasar Beck kehrt entkräftet, aber - wenigstens körperlich - unverletzt ins heimatliche Wien zurück und sucht nach tagelangem Zögern endlich seine Familie auf. Er wird von grauenvollen Erinnerungen an die Gefangenschaft, die Gemetzel und die Gräuel des Krieges heimgesucht und hat Mühe, in sein altes Leben zurückzufinden. An seinem alten Arbeitsplatz bei der Kriminalpolizei sieht er sich mit rätselhaften, bestialischen Mordfällen konfrontiert, die mit den gerade vergangenen Jahren in Sibirien verknüpft zu sein scheinen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2007
Leopold Federmairs Unbehagen entspricht dem von Goethes Tasso: "Allein man merkt die Absicht und ist verstimmt". Denn einerseits kann der Rezensent eine ganze Galerie von Qualitäten des Romans auflisten: die ambitionierte Darstellung Österreichs nach dem Krieg, genaue Recherche, Sorgfalt und "geschickt" Montage. Aber andererseits gehe die Sorgfalt so weit, dass thematisch aber auch nichts ausgelassen werde, von Frauen bis Juden bis zu Träumen und historischen Exkursen. Einen richtig totalen Roman alter Schule habe Bettina Balaka vorgelegt. Doch vielleicht, sinniert der Rezensent, liege heutzutage ein Fluch auf solcherart Schreiben, und die Autoren würden überziehen. Im vorliegenden Fall wirke vieles "unwahrscheinlich" und gelegentlich sogar an den Haaren herbeigezogen. "Reichlich phantastisch" für einen Krimi, resümiert Leopold Federmair, und zu wenig grotesk, um als gelungene Satire zu reüssieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.12.2006
"Eindrücklich", "überzeugend" und "irritierend" zugleich, das alles ist Bettina Balakas Roman "Eisflüstern" für den nachhaltig begeisterten Rezensenten Sascha Michel. Balaka schaffe in ihrer Geschichte um den Kriegsheimkehrer Balthasar Beck eine Atmosphäre, in der jederzeit eine eruptive Gewalt die dünne Kruste der Zivilisation durchbrechen kann. Dass im Endeffekt alles mehr oder weniger gut geht, ist für den Rezensenten dann auch das "Spannende" an diesem Roman. Die ständige Unruhe im Geschehen wird zudem durch das "souveräne und sichere" Erzählen konterkariert. Sascha Michel gefallen diese formal-inhaltlichen Kontraste, ihn erinnert die hier dargestellte Unsicherheit nach dem Ersten Weltkrieg außerdem aufschlussreich an die Gegenwart.
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