Dieses Buch weist nach, daß der Antisemitismus nicht nur eine Beigabe zum modernen Djihadismus darstellt, sondern dessen Kern ausmacht. Im Zentrum steht die 1928 in Ägypten gegründete Organisation der "Muslimbrüder", die im Kontext der Weltwirtschaftskrise die Idee des kriegerischen Djihad und die Todessehnsucht als Leitideal des Märtyrers neu entdeckt und die wichtigsten gegenwärtigen Djihad-Bewegungen - al-Qaida und Hamas - maßgeblich inspiriert hat. Der antijüdische Wahn der Islamisten ist keinem metaphysischen "Bösen", sondern einer historisch und systematisch erklärbaren Sichtweise auf den Kapitalismus entsprungen. Er generiert einen antijüdischen Krieg, in welchem nicht nur alles Jüdische als Böse, sondern zugleich alles Böse als jüdisch halluziniert wird: Der "große Satan" wird nicht nur wegen seiner Unterstützung für Israel, sondern als das imaginierte Zentrum einer materialistisch-egoistischen (ergo: jüdischen) Weltordnung bekämpft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.04.2004
Ganz entschieden nicht einverstanden zeigt sich Rezensent Alexander Flores mit den Analysen, die der Politikwissenschaftler Matthias Küntzel in seinem Buch über den Antisemitismus in der arabischen Welt Länder vorlegt. Flores hält ihm vor, Entstehung und Geschichte des arabischen Antisemitismus enorm zu vereinfachen und zu verzerren. Küntzel verbaue sich und seinen Lesern die Erkenntnis von dessen realer Dimension, Entstehung und Geschichte, indem er das Phänomen allein mit der Entstehung der ägyptischen Muslimbrüderschaft in den 1930er Jahren, die den Antisemitismus aus Nazideutschland importiert und mit dem antisemitischen Mufti von Jerusalem gemeinsame Sache gemacht hat, erkläre. "Grotesk verzerrt" erscheint Flores dementsprechend schon das vom Generalstreik und der anschließenden Rebellion der Palästinenser 1936-39, das Küntzel entwirft. Die Einsicht, dass Judenfeindschaft auch mit anderen ideologischen Systemen, etwa dem des arabischen Nationalismus, vereinbar sei, passe nicht in Küntzels Schema, kritisiert Flores. "Also ignoriert er sie". Alles in allem kommt Flores zu dem Schluss: "Küntzels Analyse verkennt das Phänomen."
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 29.11.2003
Matthias Küntzels Studie über den islamischen Antisemitismus hat bei Rezensent Robert Misik einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die theoretische Perspektive des Autors erscheint Misik problematisch. Den Großteil der Antiglobalisierungsbewegung halte Küntzel etwa für "zumindest implizit antisemitisch", und der deutschen Außenpolitik unterstelle er, dass sie die "Zentren des Islamismus um jeden Preis auf ihre Seite" ziehen wolle. Allerdings sollte man sich davon nicht allzu sehr irritieren lassen, empfiehlt Misik. Denn trotz dieser Fragwürdigkeiten ist Küntzel seines Erachtens eine "materialreiche, gut komponierte und verstörende Studie" über den islamischen Antisemitismus gelungen. Diesen Antisemitismus charakterisiert Misik als relativ junges Phänomen, das erst mit der jüdischen Kolonisation in Palästina, dem Entstehen der ägyptischen Muslimbrüderschaft und der Radikalisierung des palästinensischen Widerstandes verschärfte Formen annahm. Küntzels Analyse der "ideologische Wahnwelt" hinter diesem Antisemitismus, den er als "eliminatorischen Antizionismus" beschreibe, findet Misik auf jeden Fall empfehlenswert.
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