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Magazinrundschau
Tagträume ersetzen keinen Fleiß
Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
15.01.2013. Al Ahram feiert Ibsens "Volksfeind" und sein Vertrauen in die Jugend. In der Irish Times bewundert John Banville eine ganz neue literarische Form, die Michael Gorra mit seiner Studie über Henry James gefunden hat. In Le Point fordert BHL die religiösen Würdenträger auf, sich aus der Schwulenehe herauszuhalten. Der New Yorker porträtiert die neue israelische Rechte unter Naftali Bennett. In der Literary Review porträtiert Edmund de Waal den Töpfer Michael Cardew. Auf Edge.org feiert Daniel Dennett das Bric-à-Brac in unserem Hirn. Der Guardian bewundert die geniale Obszönität Manets. Die NYT beobachtet den splitterfasernackten Paul Schrader bei Dreharbeiten.
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Al Ahram Weekly (Ägypten), 15.01.2013
Ibsens "Ein Volksfeind" ist eine ausgezeichnete Wahl für das heutige Ägypten, gratuliert Nehad Selaiha der Theaterregisseurin Nora Amin, die das Stück mit ihrer Truppe La Musica Troupe in Kairo aufgeführt hat. Es geht im Stück um den Badearzt Thomas Stockmann, der schädliche Bakterien im Wasser eines Kurstädtchens gefunden hat, das durch diese Nachricht seine Einnahmen gefährdet sieht. Stockmann soll aus der Stadt vertrieben werden, doch entscheidet er sich zu bleiben und, so Selaiha, "seinen Glauben an die Werte der Kultur und der Aufklärung an die junge Generation weiterzugeben. Die Hoffnung auf künftige Generationen, mit der das Stück endet, wird in Nora Amins Produktion zu einem Aufruf, in Ägypten zu bleiben und zu widerstehen. Es war, als sprächen Nora und ihre Truppe für die Kopten, die Liberalen, die Säkularisten und die Revolutionäre in Ägypten und sendeten eine klare Botschaft an Scheik Mohammed Hussein Yakub, einen führenden Salafistenprediger, der die Abstimmung über die Verfassung als klares Mandat für die Einrichtung einer islamischen Theokratie interpretierte. 'Jenen, die in einem solchen Land unter einem solchen Gesetz nicht leben können', beschied er: 'Wie ihr wollt, gute Reise, was kümmert uns das? Ersucht um ein Visum für Amerika oder Kanada. Wir [die Islamisten] haben die Schlacht um die Wahlurnen gewonnen - das Land gehört uns und jeder, der das nicht mag, kann gerne gehen.'"
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Irish Times (Irland), 14.01.2013
Der Schriftsteller John Banville ist voller Bewunderung für Michael Gorras Studie über Henry James' Roman "Bildnis einer Dame", denn "Gorra hat eine neue literarische Form erfunden, für die es noch keinen Namen gibt. Sein Buch ist eine kritische Studie über Henry James' Roman, die auf einer liebend engen Lektüre dieses zentralen Meisterwerks beruht. Ebenso ist es eine subtil nuancierte Minibiografie des Autors. Auf einer anderen Ebene ist es aber eine Art Nacherschaffung des Romans, ein sich neu ausdenken - eine Re-Präsentation - die die geheimen Quellen des Werks enthüllt, sogar, wenn sie die komplexe und exquisite Kunstfertigkeit seiner facettenreichen Oberfläche feiert. Für Leser, die mit dem 'Bildnis' vertraut sind, wirft diese Studie ein ganz neues Licht auf etwas, das gut erforschtes Gebiet zu sein schien, während die, die James' Buch noch nicht gelesen haben, es sicher mit großer Erwartung tun werden. Mit Gorra als Führer werden sie nicht enttäuscht werden."
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Le point (Frankreich), 10.01.2013
Bernard-Henri Lévy kann zwar verstehen, dass die Religionsführer ihr Wörtchen zur Schwulenehe sagen wollen, aber dass die "Stimme des Großrabbiners von Frankreichs oder des Erzbischofs von Paris schwerer wiegen soll als die vor irgendjemand anders" will ihm nicht einleuchten. "Heirat ist in Frankreich kein Sakrament, sondern ein Vertrag. Und auch wenn man letzteren durch ersteres besiegeln und vor dem Priester einen zusätzlichen Bund schließen will, dann hat das Gesetz über die Schwulenehe damit doch nichts zu tun. Niemand verlangt von Gläubigen, ihrer Doktrin zu entsagen. Aber umgekehrt kann auch niemand vom Bürger verlangen, dass er seine Lebensführung nach ihren Dogmen ausrichtet." Schade dass niemand Lévy gebeten hat, in der deutschen Beschneidungsdebatte zu intervenieren!
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The New Yorker (USA), 21.01.2013
In einem exzellent recherchierten und weit ausholenden Artikel beschäftigt sich David Remnick mit dem Aufstieg einer neuen religiösen Rechten in Israel, die derzeit in dem jungen Geschäftsmann Naftali Bennett ein modernes Gesicht gefunden hat. Bennett, der, zumindest irgendwann einmal, Premier Netanjahu ablösen möchte, lehnt jegliche Verhandlungen mit den Palästinensern ab - einer seiner Wahlkampfparolen lautet: "Die meisten von uns begreifen, dass es bestimmte Dinge einfach nicht geben wird: eine weitere Staffel von 'Die Sopranos' ... und ein Friedensabkommen mit den Palästinensern." Remnick schreibt: "Das national-religiöse Lager unternimmt inzwischen den konzertierten Versuch, in weitere staatliche Institutionen und in die Geschäftswelt 'einzudringen'. Demografie - und Zeit - sind auf ihrer Seite. Die Geburtenrate ist in religiösen Familien weitaus höher als in der nicht-religiösen Gemeinschaft. Chaim Levinson, bei Haaretz für das national-religiöse Lager zuständig, sagte mir: 'Diese Leute glauben, den säkularen Erfindern ihres Staats nicht mehr huldigen zu müsse. Und Naftali Bennett ist ein Repräsentant dieser Generation."
Weitere Artikel: James Wood porträtiert die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante (der Arno Widmann 2003 und 2005 im Perlentaucher zwei wunderbare Kritiken - hier und hier - widmete). Emily Nussbaum stellt die Fernsehserie "Justified" vor, in der es von Waffen nur so wimmelt. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Experience" von Tessa Hadley.
Und noch ein Hinweis auf die vorletzte Ausgabe: Joan Acocella besprach in einer ausführlichen Rezension zwei neue Biografien über Franz von Assisi: "Francis of Assisi: The Life and Afterlife of a Medieval Saint" von André Vauchez (im französischen Original 2009 erschienen) und "Francis of Assisi: A New Biography" von Augustine Thompson.
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The Economist (UK), 12.01.2013
Auch wenn sich der aktuelle, durch die Informationstechnik angetriebene Innovationsschub nicht mit dem zu Zeiten von Industrialisierung und Elektrifizierung messen kann, sieht der Economist ein Jahrhundert der Innovation auf uns zukommen - gesetzt den Fall, dass rigide Regulierungen die Entwicklung nicht hemmen: "Es ist eine gute Sache, dass Medikamente heutzutage gründlich geprüft und der Emissionsausstoß von Fabriken kontrolliert werden. Doch das Offiziösentum neigt dazu, mehr Regeln vorzugeben als für das Wohlergehen der Öffentlichkeit nötig wären; und ein Gestrüpp von Absperrungen strangulieren die Innovationskraft. Selbst viele Regulierungen, die zur Stützung der Innovation gedacht waren, funktionieren nicht gut. Das westliche System des geistigen Eigentums etwa ist ein Chaos, da es zu viele Patente von zweifelhaftem Wert zulässt." Siehe ausführlicher dazu auch diesen Artikel.
Außerdem: Nach der mit Müh' und Not gemeisterten Fiskalklippe sieht der Economist die nächste fiskale Herausforderung auf die USA zukommen. Außerdem macht man sich Hoffnungen, dass das am 19. Januar beginnende Londoner Musikfestival "The Rest is Noise" den Ruf der von Konzertbesuchern ungeliebten klassischen Musik des 20. Jahrhunderts bessern könnte. Dazu passend: Im Youtube-Kanal des London Philharmonic Orchestra erzählen dessen Musiker von ihren Vorbereitungen auf ihre Festivalkonzerte.
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HVG (Ungarn), 05.01.2013
Ende 2012 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGM) in Straßburg mehrere Beschlüsse gefasst, von denen auch Ungarn betroffen war. Mehr als symbolische Urteile kann er allerdings nicht fällen. Da ist es kein Wunder, dass sich kürzlich ein ungarischer Staatsanwalt die Bemerkung erlaubte, die Urteile des EGM taugten lediglich dazu, sie unter einen wackeligen Stuhl zu schieben. Der Rechtsanwalt Gergely Fahidi erinnert daran, dass der Straßburger Gerichtshof dann doch mehr ist, nämlich das lebendige Gewissen Europas, ein Spiegel, in den jedes betroffene Land ab und zu beschämt hineinschauen müsse: "Aus den Urteilen von Strasbourg versteht jeder das und so viel, was und wie viel er will. Auch die zugesprochenen Schadenersatzansprüche in Höhe von einigen zehntausend Euro wird der ansonsten labile Staatshaushalt Ungarns noch verkraften können. Wenn aber die jeweilige Macht auch nur für einen Augenblick ernsthaft daran glaubt, dass es eine europäische Zivilisation gibt, der anzugehören einen Wert an sich darstellt, dann sollte sie nicht den Spiegel unter das Bein des wackeligen Stuhls schieben."
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Edge.org (USA), 08.01.2013
Der Philosoph und Kognitionswissenschaflter Daniel C. Dennett bleibt im Gespräch mit Edge dabei: Das Hirn ähnelt einem Computer. Aber das heißt nicht, dass es ordentlich zugeht: "Wir müssen uns mit der Idee anfreunden, dass das Hirn nicht ein hierarchisches Kontrollsystem ist, wo alles seine Ordnung hat, so eine Bürokratenvision. Viel mehr ist es anarchisch - mit Elementen von Demokratie. Manchmal erreicht es die Stabilität, Gegenseitigkeit und so etwas wie Frieden an der Front, und dann ist alles in Butter. Aber dann kippt es wieder, und das eine oder andere Bündnis übernimmt die Kontrolle, und dann wirst du obsessiv und verrückt. Der wohltemperierte Geist wird so zur Errungenschaft, nicht zum Grundzustand, etwas, das nur zustandekommt, wenn alles glatt geht. Aber immerhin muss man über uns Menschen ja sagen, dass wir die meiste Zeit einigermaßen funktionieren."
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Smithsonian Magazine (USA), 01.01.2013
Jaron Lanier war ein Internet-Pionier, bevor er vor 12 Jahren in einem "halben Manifest" dem Glauben an das Internet als Raum von freier Information und Schwarmintelligenz abschwor. In seinen Augen "gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen einem File-Sharing-Service und einem Hedge Fund. In beiden Fällen gibt es die Vorstellung, dass, wer immer den größten Computer hat, alle anderen zu seinem Vorteil analysieren und Macht und Reichtum anhäufen kann. Gleichzeitig schrumpft die Gesamtwirtschaft. Ich glaube, das ist der große Fehler unseres Zeitalters", erklärt er Ron Rosenbaum. "Der Aufstieg des Networkings geht mit einem Niedergang der Mittelklasse einher, anstatt, wie es eigentlich sein sollte, allgemeines Wachstum zu bringen. Aber wenn wir eine Informationsökonomie schaffen wollen, in der Informationen kostenlos sind, dann zerstören wir die Wirtschaft." (Leser Tony Wilson ist das zu amerikazentriert. Er schreibt in einem Kommentar: "From where I'm standing, about half of China became middle-class overnight.")
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The Guardian (UK), 14.01.2013

Londons Royal Academy widmet Manet eine große Ausstellung, Philip Hensher feiert den französischen Maler als Meister des Schwarzen und des Unanständigen: "Manets Kunst ist dem Unpassenden gewidmet, unberechenbar erfasst und ausgeleuchtet vom hereinfallenden Licht oder dem erbarmungslosen Blick. Das 'Frühstück im Grünen', mit seiner unerhörten Kombination aus bekleideten Männer und einer nackten oder entkleideten Frau, wurde von Zola mit dem Hinweis auf klassische Vorläufer verteidigt (auch wenn es nicht so viele gab, wie Zola behauptete). Es gab Giorgiones Landschaften und Tizians Interieurs, die denselben Kontrast ausnutzen. Aber Manet kommt es auf die Unanständigkeit des Kontrasts im zeitgenössischen Kontext an - die sehr modische Troddelmütze auf dem Kopf des einen Mannes ist das Obszönste am ganzen Bild. Vergleichbar die opulente 'Olympia'. Was macht aus der nackten Frau das schockierende Porträt einer Prostituierten? Es sind die Kleider des Dienstmädchens, die Orchidee im Haar, das schwarze Halsband, die Perlenohrringe und Armbänder und vor allem die Pantoffeln. Es gibt freizügigere Porträts weiblicher Körper im 19. Jahrhundert, wie Courbets 'Urspung der Welt', aber keines ist so genial obszön."
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Vanity Fair (USA), 14.01.2013
Seit Benjamin Franklin täglich das Fortschreiten seiner Tugendhaftigkeit notierte, gehört die Selbstoptimierung zur amerikanischen Lebensweise. James Wolcott hat sich der "Quantified Self"-Bewegung angeschlossen, um mit Hilfe von Self-tracking-Geräten seinen Körper und sein Hirn besser kontrollieren zu können: "Das Ziel ist nicht die Vermehrung christlicher Tugend und weiser Besonnenheit, sondern eine größere Transparenz unser eigenen Biomechanismen auf dem Weg zu Vitalität, mentaler Klarheit, gutem Schlaf, Schmerzmanagement, sanfteren Operationen, verbesserter Produktivität, Zen-artige Ruhe. Also wirklich, ist das zuviel verlangt von dem Gerippe, das wir herumschleppen? Ich zum Beispiel habe angefangen die Diät-Colas zu zählen, die ich am Tag trinke, und damit verglichen, wie oft ich pinkeln gehen muss, denn ich vermute da einen Zusammenhang. Sich selbst zu beobachten wurzelt in der elementaren Neugier des Menschen, unter der Haube nachzusehen und wenn nötig zu frickeln: Self-Tracking als Einfallstor zum Self-Hacking. Tagträume ersetzen keinen Fleiß."
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Literary Review (UK), 14.01.2013
Mit großer Begeisterung stellt der Töpfer und Autor Edmund de Waal Tanya Harrods "wundervolle" Biografie des englischen Töpfers Michael Cardew vor. Cardew wurde 1901 in eine gehobene Mittelstandsfamilie geboren. Er heiratete, bekam Kinder, zog mit seiner Familie in die Wildnis, hatte homosexuelle Beziehungen und ging nach Afrika, um sich als Töpfer zu perfektionieren: "Sein Mangel an Wissen warf ihn immer wieder zurück - die Litanei des Unglücks ist ermüdend. Aber seine Entscheidung, nach seltenen Materialien zu suchen, sich an diesem Ort zu verwurzeln und erfolgreich zu sein, war bewundernswert. Er war, schreibt Harrod, 'teils aufgeregter Schuljunge, teils Kolonialbeamter, teils unbeleckter Anfänger, ein Künstler, der versuchte eine Fabrik zu führen.' Hier ist Harrod, eine Kulturkritikerin und Kunsthistorikerin, am aufschlussreichsten. Ihre Forschung ist eindrucksvoll. Sie stellt die politische Anpassung an das koloniale und postkoloniale Leben und Vorstellungen von nationaler Identität, Authentizität und den Wert und die Bedeutung von Arbeit heraus. Was bedeutete es ein weißer Mann zu sein, der afrikanische Handarbeit neu zu erfinden versucht?"
In diesem Video kann man Cardew bei der Arbeit beobachten und aus seinem Leben erzählen hören:
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The Believer (USA), 01.01.2013
Colin Asher schreibt ein Porträt des Schriftstellers Nelson Algren als großen Unangepassten. "Algren glaubte an die Gleichheit von Ideen - nicht, dass alle Ideen gleich sind, aber dass der Wert einer Idee nicht vom sozialen Status der Person abhängt, die sie formuliert. Dieser Glaube formt die Erzählung von 'Nonconformity'. Algren entwickelt und hinterfragt diese Vorstellung, indem er seine eigene Stimme benutzt und die Stimmen dutzender anderer - darunter Dostojewski, Fitzgerald, Carpentier, Dooley, de Beauvoir und Durocher - bevor er am Ende zu dem Schluss kommt, dass die einzige Perspektive, von der aus man über Amerika schreiben kann, die Perspektive der Armen ist. 'Wir haben so viele Mythen, unsere Visionen sind so schwach, unser Selbstbetrug so tief und unsere Selbstgefälligkeit so ekelhaft, dass es heute kaum mehr einen anderen Ort gibt, um über das amerikanische Jahrhundert zu schreiben, als hinter den Reklametafeln', schrieb er. Das war 1953 eine einzigartige Vision und ist es heute immer noch. Ihre Unterdrückung hat unsere literarische Tradition geschwächt."
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The New York Times (USA), 12.01.2013
Wie eine Hollywood-Satire im Stil von David Mamets "State and Main" liest sich Stephen Rodricks Reportage von den Dreharbeiten zu "The Canyons". Regisseur Paul Schrader und Autor Bret Easton Ellis, die beide ihre große Zeit vor etwa 30 Jahren hatten, haben ein Drehbuch ausgeheckt, das Schraders Ehefrau, die Schauspielerin Mary Beth Hurt, nach fünfzig Seiten als Pornografie qualifizierte. Das Microbudget für den Film wurde über Kickstarter eingesammelt. Die männliche Hauptrolle spielt der Pornodarsteller James Deen, die weibliche Lindsay Lohan, die sich vor einer Vierer-Sexszene einschloss: "Stunden vergingen, bis Lohan endlich herauskam. Ihren Bademantel wollte sie aber immer noch nicht ablegen. Schrader machte sich Sorgen, dass das Haus bald von Morgenlicht durchflutet wäre. Dann besann er sich, dass er eines noch nicht versucht hatte. Er zog sich aus. Nackt marschierte er zu Lohan. 'Lins, ich will dass du dich wohl fühlst. Komm, lass uns das jetzt machen.' Lohan kreischte. 'Paul!' [Produzent Braxton] Pope hörte den Schrei und kam die Treppe raufgerannt und da stand der nackte Schrader. Pope entfuhr ein 'whoa', dann zog er sich langsam zurück. Aber dann geschah etwas Lustiges: Lohan ließ ihren Bademantel fallen. Schrader brüllte Action und sie filmten die Szene in einem 14-minütigen Take. Ungefähr in der Mitte blickte Lohan direkt in die Kamera und strahlte Schrader mit einem schmutzigen verrückten Lächeln an. Er lächelte zurück."
Scott Shane berichtet im politischen Teil der NYT über die Verurteilung eines CIA-Agenten zu 30 Monaten Haft wegen Verstoßes gegen den Intelligence Identities Protection Act. John Kiriakou hatte den Namen eines verdeckten CIA-Agenten an einen freien Reporter gemailt hatte, der diesen nie veröffentlichte sondern Kontakt zu dem Mann suchte, um weitere Informationen für eine Reportage zu erfragen. "Das Gesetz wurde 1982 verabschiedet und zielte auf radikale Publikationen, die vorsätzlich versuchten, Undercover-Agenten zu enttarnen, ihre geheime Arbeit aufzudecken und ihr Leben zu gefährden. In mehr als 60 Jahren angespannter Interaktionen zwischen der Agency und Nachrichtenorganisationen ist John Kiriakou der erste CIA-Agent der wegen Weitergabe von klassifiziertem Material an einen Reporter verurteilt wurde."
Und: In der Book Review schreibt David Brooks über Jared Diamonds Buch "Vermächtnis". Dem Untertitel - "Was wir von traditionellen Gesellschaften lernen können" - kann er nur ein Schulterzucken abgewinnen: "Schwer zu sagen. Sie scheinen so weit entfernt zu sein."
Archiv: Magazinrundschau
Affenspiel des Teufels
21.05.2013. In El Pais Semanal joggt Martín Caparrós mit dem Ex-General, Ex-Präsidenten, Ex-Retter des Vaterlands, Ex-Sträfling und Ex-Mörder Jorge Rafael Videla. Wired sucht im Labor von Henry Markram nach einem Minimum von Gehirn. In le Monde fordert Liao Yiwu mehr Courage von westlichen Sinologen. Im Espresso fordert Marco Travaglio mehr Courage gegen Berlusconi. In der LRB betrachtet John Lanchester durch Google Glasses das große Schweigen. HVG erinnert an die Samisdat-Zeitschrift Neues Symposion. Rue 89 warnt vor dem reaktionären japanischen Premier Shinzo Abe. Der Dallas Observer umarmt einen kleinen Roboter. Vanity Fair erzählt die verzwickte Geschichte des Blockbusters "World War Z". Mehr lesen
1. Katzen trampeln nicht
14.05.2013. In New Republic findet es Margaret Atwood ganz einfach, die neuen Medien zu verstehen. Man kann sogar selbst Regeln für sie setzen, meint Roberto Saviano in La Republicca. Der New Yorker untersucht Vor- und Nachteile der Online-Universität. Der Believer erinnert an den Künstler Sadakichi Hartmann. Terrence Malick arbeitet mehr als man meint, versichert die Los Angeles Review of Books. Bloomberg Businessweek schaut unter die riesige Motorhaube von Netflix. Das New York Magazine porträtiert einen unglaublich souveränen Michael Douglas. Mehr lesen
Stürme von Judasküssen
07.05.2013. In der London Review of Books zeichnet Ian Sinclair ein aasiges Bild von der Beerdigung Margaret Thatchers. Das New York Magazine erklärt, wie für ein balloon toy von Jeff Koons der Preis von 30 Millionen Dollar gesetzt wird. In Frankreich möchte der Regisseur Michel Hazanavicius die Internetprovider für die Filmfinanzierung anzapfen. In Amerika möchte Susan Crawford die Telekoms gründlich renovieren, um endlich überall schnelles und günstiges Internet zu haben. Der Antisemitismus vergiftet alles in Ungarn, ruft in Nepszabadsag der Politiker Béla Markó. Drogenkonsum wird erst durch Informationsmangel richtig gefährlich, lernt der Guardian. Mehr lesen
Übermaß an Liebe
30.04.2013. n+1 geht den Tonarten Hilary Mantels nach. The New Republic bewundert die chinesische Einfachheit des georgianischen Dichters Edward Thomas. Slate.fr sucht eine neue revolutionäre Klasse. Rumänische Filmregisseure werden auf der ganzen Welt geachtet, nur nicht in Rumänien, lesen wir in HVG. In The National Interest sucht Walter Laqueur vergeblich nach der vielbeschworenen Marx-Renaissance. Der New Yorker liest Bücher über den amerikanischen Drohneneinsatz. Der Guardian erleidet den Liebestod. Mehr lesen
Archiv: Magazinrundschau
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Archiv: Magazinrundschau
#surreal
23.04.2013. Das Attentat von Boston wird vor allem den Tschetschenen schaden, fürchtet The Atlantic. Das New York Magazin beobachtet die Verdrängungstaktiken der Chassidim in New York. In Rumpus erklärt Aleksandar Hemon, warum nur die ganz Privilegierten glauben, es gebe keinen Fortschritt. Die LRB singt dem russischen Performancekünstler Vladik Monroe ein Abschiedslied. In Eurozine erklärt Etgar Keret das Hebräische als Literatursprache. Dem Murdoch-Imperium geht's prächtig, meldet Bloomberg Businessweek. In der NYRB ärgert sich John Gray über den inkohärenten Mischmasch der Marxschen Philosophie. In Bidoun erzählt Larry Gagosian, warum Cy Twombly den armenischen Maler Arshile Gorky liebte. Mehr lesen
Selbstzensur ist ein Thema
16.04.2013. Wer Mathematik besser verstehen will, sollte stricken, empfiehlt der American Scientist. The Quarterly Conversation erklärt, warum Czesław Miłosz Kalifornien liebte. Elet es Irodalom besucht eine Robert-Capa-Ausstellung. Der New Yorker porträtiert die Mars-Pioniere Adam Steltzner und John Grotzinger. In n+1 erklärt Sally Potter, warum sie den Hass auf Margaret Thatcher frauenfeindlich findet. In La regle du jeu erklärt Atiq Rahimi, warum sich globale Krisen immer in Afghanistan kristallisieren. Der Global Mail besucht Flüchtlinge im indonesischen Sex-Ferienort Cisaru. Vanity Fair porträtiert Felix Baumgartner. Mehr lesen
Amoralische Landschaften
09.04.2013. In The Virginia Quarterly Review sieht der Verleger Richard Nash Bücher im Cockpit in die Zukunft fliegen. Rue 89 erklärt das chinesisch-koreanische Verhältnis. Micromega beobachtet weibliche Proteste beim Weltsozialforum in Tunis. In The Brooklyn Rail erklärt der Regisseur Olivier Assayas, warum die Siebziger für den Einzelnen so gefährlich sein konnten. Im New Yorker kennt Susan Faludi dafür ein konkretes Beispiel: die Feministin Shulamith Firestone. Vice schildert die Situation der Roma in Slowakien. Die NYRB lernt von Lawrence Wright, wie das amerikanische Finanzamt aus Scientology eine Religion machte. Mehr lesen
Erst Geld macht Medien
02.04.2013. In der LRB fragt John Lanchester, warum Fantasy vom literarischen Publikum gesnobbt wird. Der New Yorker erklärt am Beispiel von Vice, wie man im Internet mit Inhalten Geld verdient. Für Salon.eu.sk besucht Andrzej Stasiuk die lebenslustigen Goralen. Die Lettre feiert ihren Fünfundzwanzigsten. Slate.fr berichtet über israelische Mafiakriege. Der Hollywood Reporter besucht einen Pionier des Filmnerdtums im Netz. HVG durchleuchtet am Beispiel von Janos Esterhazy die Abgründe der slowakisch-ungarischen Beziehungen. Mehr lesen
Das ist reines Zocken
25.03.2013. Le Monde fragt, wer ist der Guru von Beppe Grillo und präsentiert Gianroberto Casaleggio als leicht unheimliche New-Age-Figur. Espresso bringt ein apokalyptisches Video Casaleggios. The Atlantic erzählt, warum der jordanische König nicht so demokratisch sein kann wie er möchte. Elet es Irodalom stellt ein Buch über "Ungarische Besatzungstruppen in der Sowjetunion" vor. La vie des idees erzählt, wie man in Frankreich den Tod laizisiert hat. Im Guardian erklärt Taiye Selasi, warum sie die Frage "Wo kommst du her?" kaum beantworten kann. Fast Company lernt von Kickstarter, warum Mädchen mit Lithografieprojekten immer zu bevorzugen sind. Wired möchte nicht Verleger sein. Mehr lesen
Am Ende als Helden gefeiert
19.03.2013. Vanity Fair erzählt, wie London zum sicheren Hafen der Oligarchen und Superreichen wurde. The Nation stößt bei jungen Griechen auf eine regelrechte Aufbruchsstimmung. The New Statesman fürchtet dagegen das wohlhabende und sichere Deutschland. Die LRB blickt auf die verfahrene Situation in Ägypten. In der New York Times graut Martin Caparros vor dem heiligen Geist, der nun noch kräftiger durch Argentinien wehen wird. Letras Libres hofft auf die heilsame Wirkung legalen Marihuanas in den USA. Der New Yorker stellt die meistgehasste Frau Australiens vor. Und Telerama wiegt sich zu den samtenen Klängen des kapverdischen Morna. Mehr lesen
Zu neuem Funde
12.03.2013. Die NYT erzählt, wie Amazon und Apple auf dem Weg zur Weltherrschaft einen Markt für gebrauchte digitale Güter aufbauen. Elet es Irodalom gefallen die frischen jungen Gesichter, die die italienischen Wahlen in die Politik gespült haben. Je langweiliger Politik ist, desto besser, meint Javier Cercas in der Monde diplo. In The New Republic erinnert sich Paul Berman an die prächtig gepanzerten Backen von Hugo Chavez. Der New Yorker freut sich über seinen Überbiss. Port Magazine porträtiert den ugandischen Kaffeeproduzenten Andrew Rugasira als guten Kapitalisten. Buzzfeed porträtiert die mexikanische Lehrerin Elsa Hernandez Gonzalez als wahre Speerspitze im Kampf gegen Drogen. N+1 porträtiert den Filmemacher Michael Haneke als Sadomodernen. Mehr lesen
Er tänzelte mit Grazie
05.03.2013. Der Rolling Stone schildert die Selbstverständlichkeit, mit der in der US-Army vergewaltigt wird. In Accents beschreibt Jean Jourdheuil die Musik in Heiner Müllers Füßen. Men's Journal begleitet einen Ex-Medienmogul und einen Evangelikalenführer zum Treffen mit einem Kannibalen in Liberia. Der Spectator versteht nicht, warum Britten Mahler Elgar vorzog. In Bloomberg besteht Evernote-Gründer Rob Walker darauf, dass sein Dienst antisozial ist. Rue 89 beobachtet den Neo-Luddismus. Die NYRB sucht Islamisten in Mali. Mehr lesen
Harvey explodierte
26.02.2013. In The Brooklyn Rail erzählt der Animationsfilmer Ralph Bakshi, warum er Glück hatte, arm aufzuwachsen. Die NYT erklärt, warum wir Zucker, Salz und Fett nicht widerstehen können. Genau darum muss der Staat uns vor uns selbst schützen, lernt die NYRB. Und The Atlantic sammelt schon mal die Daten, die beweisen, wie sehr wir beim Essen gesündigt haben. Im New Statesman singt Jeannette Winterson ein Loblied auf den kreativen androgynen Geist. Im Guardian erzählt Aleksandar Hemon, warum er als Erwachsener seine ästhetischen Prinzipien revidieren musste. Und in El Pais erklärt Sergio Alvarez, warum der magische Realismus nicht mehr zeitgemäß ist. Mehr lesen
Bringt mir die Kosmologen!
19.02.2013. In La vie des idées erklärt Timothy Snyder den Historikerstreit für erledigt. In The New Republic fragt Ian McEwan, warum er sich für irgendeinen Henry interessieren soll. Die Global Mail beschreibt die grauenvollen Hexenjagden in Papua-Neuguinea. In Syrien macht jeder seinen eigenen Aufstand, seufzt die LRB. Gibt's diesmal auch Frauen, fragt Wired angesichts der geplanten neuen Star-Wars-Folgen. Bloomberg warnt vor chinesischen Hackern. Im Espresso geißelt Roberto Saviano die italienischen Konservativen. In der NYT lassen junge Republikaner aus ähnlichen Gründen die Köpfe hängen. Mehr lesen
Forensische Romanze
12.02.2013. In Newsweek liest Simon Schama aus den Knochen Richards III. Die Financial Times besucht die Amazon-Sklaven im britischen Städtchen Rugeley. Im New York Magazine erzählt Oscar de la Renta, wie der Schuldeneintreiber von Tennesse Willliams über ihn herfiel. In Salon schreibt Adam Michnik an Michail Chodorkowski. The Nation feiert den Avantgardisten Wiktor Schklowski. In Slate.fr holt uns Michel Serres in die Zukunft zurück. Und in n+1 singt Valery Nugatov ein Liebeslied an die zeitgenössische Kunst. Mehr lesen








