Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Magazinrundschau

Die meiste Kunst die meiste Zeit

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.

22.01.2013. Die NYRB kritisiert die aufgeregte Beschreibung von CIA-Folter in Kathryn Bigelows neuem Film. In ADN cultura erklärt María Sonia Cristoff, warum sie ihren Winterschlaf im Sommer abhält. In Wired verteidigt Larry Page sein verrücktes Zeug. Der New Yorker erforscht den Markt für prähistorische Knochen. n+1 und das New York Magazine werfen einen Blick auf Insidergeschäfte in der Kunst. The New Republic erklärt dem Moma, warum Paul Klee sehr wohl ein Abstrakter ist. In Elet es Irodalom erklärt András Pályi, warum Dichter keine guten Vorbilder sind.

New York Review of Books (USA), 07.02.2013

Das Problem an Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" ist nicht die Rechtfertigung von Folter, meint Steve Coll, sondern das völlig falsche Bild, das er von den heutigen CIA-Methoden vermittelt: "'Zero Dark Thirty' ignoriert, wie reguliert, juristisch abgesichert und bürokratisiert - wie banal - Folter in einigen der geheimen CIA-Lagern geworden ist. Ein zum Teil vertraulicher Bericht des früheren Generalinspekteurs der CIA, John Helgerson, zeigt, dass Ärzte des medizinischen Dienstes der CIA den Verhören beiwohnen und die Lebensfunktionen der Gefangenen überwachen, um sicherzustellen, dass sie gesund genug sind, um weiter misshandelt zu werden. Beamte der Agency tippen einschläfernd detaillierte Memoranden über die Verhöre ab, wie die zugänglichen Kurzfassungen des Geheimdienstkomitees des Senats deutlich machen. Videos werden aufgenommen und protokolliert. Diese CIA-Büro-Routine hätte auf der Leinwand vielleicht schockierender gewirkt als die klischeehaften Misshandlungen der Gefangenen, die der Film stattdessen präsentiert."

Weitere Artikel: Martin Filler feiert das superdemokratische, soziale und ökologische Architekturkollektiv Snøhetta aus Norwegen, das nicht nur seine Auftraggeber, sondern alle Menschen glücklich machen will: "Vielleicht konnte nur eine postindustrielle soziale Demokratie so progessiv wie Norwegen ein Architekturbüro wie dieses hervorbringen." (Links die neue Bibliotheca von Alexandrina, gebaut von Snøhetta.) H. Allan Orr räumt en Detail die Zweifel aus, die der Philosoph Thomas Nagel mit seinem Buch "Mind and Cosmos" an der Evolutionsbiologie schürt, weil sie Nagels Ansicht nach das Bewusstsein nicht erklären könne.

Stichwörter: Thomas Nagel

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ADN cultura (Argentinien), 18.01.2013

Auf der südlichen Welthälfte ist gerade Hochsommer und Ferienzeit - die argentinische Schriftstellerin María Sonia Cristoff erklärt, was das für sie bedeutet: "Den Sommer verbringe ich normalerweise im Winterschlaf: Wie manche Tiere suche auch ich, wenn die Zeit kommt, zu der mein Organismus den Bedingungen der Außenwelt nicht gewachsen ist, einen möglichst abgelegenen Rückzugsort auf. Dort zehre ich, in fast völliger Reglosigkeit, von dem, was ich das Jahr über angesammelt habe. Und ich schlafe, schlafe, schlafe. Und stehe ansonsten nur auf, um zu schreiben. Wohl für jeden Schriftsteller ist der Sommer die schlechthin ideale Zeit, um sich ganz auf einen Text zu konzentrieren: Endlich hält einen nichts mehr vom Schreiben ab - vor allem nicht all die Arbeiten, die man sonst ausführen muss, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Deshalb lieben wir Schriftsteller den Sommer so sehr. Reich sein: Unabhängig von der Jahreszeit schreiben können."

Stichwörter: Winterschlaf

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Wired (USA), 17.01.2013

Im Gespräch mit Steven Levy erklärt Larry Page von Google, warum sich das Unternehmen mit seiner Abteilung Google X in immer waghalsigere und aufregendere Projekte (wie etwa ein fahrerloses Auto) stürzt: "Wir verfügen über soviel Geld, für uns arbeiten all diese Leute, warum arbeiten wir nicht an mehr Sachen? Man könnte sagen, dass Apple sich nur mit sehr, sehr wenigen Dingen beschäftigt und für die funktioniert das doch prächtig. Doch ich halte das für unbefriedigend. Ich sehe da all diese Möglichkeiten in der Welt, wie Technologie das Leben der Leute besser machen könnte. Bei Google nehmen wir vielleicht 0,1 Prozent dieses Raums in den Blick. Und all diese Tech-Firmen ergeben zusammen vielleicht bloß 1 Prozent. Das bedeutet, es gibt 99 Prozent unerschlossenes Potenzial. Die Investoren machen sich immer große Sorgen, 'ach, ihr Leute gebt soviel Geld für soviel verrücktes Zeug aus'. Doch dieses ist nun das Zeug, das sie am meisten begeistert - Youtube, Chrome, Android. Wenn man nicht ein paar verrückten Sachen macht, macht man die falschen Sachen."

Außerdem: Carl Zimmer begibt sich mit einigen Gen-Forschern in einen DNA-Feldzug gegen Superviren. Schau mir in die Augen, Kleines: Ein anonymer Autor gruselt sich fürchterlich beim Rendezvous mit den neuesten Lügendetektoren der USA.

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Stichwörter: Geld, Larry Page, Youtube

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London Review of Books (UK), 24.01.2013

Während Frankreichs Superreiche aus Steuergründen aus dem Land fliehen, verdienen immer weitere Teile der Bevölkerung so wenig, dass sie überhaupt nicht erst steuerpflichtig werden. Auch deshalb kommentiert Jeremy Harding das ganze Aufsehen um den aus fiskalischen Gründen zum Neu-Russen mutierten Gérard Depardieu ziemlich gallig: "Das war eine farbenprächtige Geschichte. Sie wirbelte ordentlich was auf und führte dabei einige sonderbare Figuren vor, darunter Jean Michel Jarre, die Bardot und ihre Zirkuselephanten, Putin sowie einen kleineren Würdenträger Mordwiniens, wo eines der Mitglieder von Pussy Riot einsitzt. Sie führte auch zu einer hitzigen Debatte über die Honorare von Schauspielern und die Kosten der französischen Filmproduktion. Aber sie beleuchtete kaum die Bereiche jenseits der Bühne, wo 19 Prozent der jungen Leute in Armut leben, fünf Millionen oder mehr kein Bankkonto eröffnen können und 3,6 Millionen mangelhaft untergebracht oder obdachlos sind. Depardie hat sich zum Selbst-Ausschluss entschieden und bleibt dauerhaft und ermüdend sichtbar. Sozialer Ausschluss in Frankreich ist weniger spektakulär."

Außerdem: Thomas Laqueur liest sich durch den neuesten Regalmeter an Buchveröffentlichungen zum Untergang der Titanic. Michael Wood liegt bei Tarantinos "Django Unchained" in den eisernen Ketten der Langeweile. Und Eleanor Birne besucht eine Ausstellung mit Arbeiten von Madge Gill ("Britanniens bekannteste Außenseiterkünstlerin") in Londons Nonnery Gallery (links ihre "Lady in Orange" aus den 30er Jahren).

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New Yorker (USA), 28.01.2013

"Bones of Contention" - Steine des Anstoßes - überschreibt Paige Williams in einem nur im Englischen funktionierenden Wortspiel ihre ebenso schräge wie hochinteressante Geschichte über den - keineswegs immer legalen - Markt für prähistorische Knochen. Ihr Protagonist ist Eric Prokopi aus Florida, der einmal ein komplettes Skelett eines mongolischen Tarbosaurus bataar (Bild links) im Angebot hatte. Was mongolischen Wissenschaftlern gar nicht gefiel, die sich bestohlen fühlten: Die Versteigerung des T. bataar musste rückgängig gemacht werden. Williams lässt unter anderem David Herskowitz, Fossilienexperte des Versteigerungshauses Heritage Auctions, zu Wort kommen: "Zu einem gewissen Grad füttern Museen den Markt. Etablierte Institutionen unterscheiden beim Erwerb von Fossilien zwischen den Quellen, neuere tun dies gelegentlich nicht. Naturhistorischen Museen, die in Japan, China und im Nahen Osten aus dem Boden schießen, wurde vorgewofen, dass sie tendenziell von jedermann kaufen. Sie wollen Dinosaurier und Säugetiere, sagte mir Herskowitz, Privatsammler dagegen bevorzugten kleinere Objekte. 'Nicht viele Leute haben ein Haus, das groß genug für einen Dinosaurier ist', erklärte er. 'Am beliebtesten sind Sachen, die man sich ins Regal stellen kann, also Meteoriten, Trilobiten, Dinosauriereier und -knochen. Zum Beispiel ein hübscher Wirbelknochen. Den kann man sich ins Bücherregal legen und sagen: Schau mal, das ist ein Wirbelknochen vom T. rex.'"

Außerdem zu lesen: Ein weit ausholender Artikel von Jill Lepore über die Geschichte der amerikanischen Militärausgaben - und die immerwährende Debatte darum, wann sie eigentlich endlich einmal ausreichend sind. Hilton Als liefert einen scharfen Verriss von Rob Ashfords Inszenierung des Tennessee-Williams-Klassikers "Cat on a Hot Tin Roof" mit Scarlett Johansson als Maggie.

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Eurozine (Österreich), 21.01.2013

Der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal, der in diesem Jahr für sein Buch "Europa erfindet die Zigeuner" den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhält, erklärt in diesem schon etwas älteren, aber immer noch aktuellen Artikel, warum es so schwierig ist, die Sinti und Roma in die europäische Geschichte einzuschreiben: "Wenn wir die Romvölker wie bisher erst mit dem nationalsozialistischen Genozid in die europäische politische Geschichte eintreten lassen, wird eine einmalige sechshundertjährige Geschichte verdeckt. Allerdings haben die Romvölker, die über lange Zeiträume nomadisch lebten und über keine eigene Schriftkultur verfügen, so gut wie keine historischen Selbstzeugnisse überlassen. Die Überlieferungen und Dokumente erlauben es daher nicht, eine Geschichte der Romvölker zu schreiben, die sich beispielweise mit jener der verfolgten und vertriebenen französischen Hugenotten vergleichen ließe. Was uns vor allen Dingen in Gestalt der Literatur und Kunst zur Verfügung steht, sind die Grunderfahrungen der ständischen und bodenständigen europäischen Bevölkerung mit einer fremden, als bedrohlich empfundenen Lebensweise."

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New Republic (USA), 19.01.2013

Jed Perl kriegt es hin, einen Verriss zu schreiben, der zugleich eine Hymne ist, und umgekehrt. Er lobt die Virtuosität, mit der die Kuratorin Leah Dickerman die Ausstellung "Inventing Abstraction" im MoMA hängte, für ihre Virtuosität und Stimmigkeit und wirft ihr im selben Atemzug Purismus vor, verständlich, wenn man bedenkt, dass sie Paul Klee und Joan Miró nicht in der Ausstellung zuließ, weil sie in ihren Bildern Rudimente der Gegenständlichkeit witterte. "Vielleicht hat Dickerman Miró unter Surrealismus abgelegt, den manche ebenfalls als eine Art der Abstraktion ansehen. Und offenbar hatte sie vor, zumindest einen Klee in die Ausstellung aufzunehmen, seine 'Hommage an Picasso', aber wahr ist doch, dass Klee ein ebenso zentraler Akteur in der Ausstellung hätte sein müssen wie Léger, Malewitsch oder Arp. Je mehr ich über den Ausschluss Mirós und Klees nachdenke, desto schwerer ist er zu verstehen. Manche mögen sagen, dass 'Inventing Abstraction' eine alte Linie des Museum of Modern Art widerspiegelt, das Abstraktion oft (aber nicht immer) als Einbahnstraße in eine immer größere Reinheit ansah. Aber wenn die MoMA-Vision von Abstraktion die späteren abstrakten Expressionisten einschließt, dann ist es vollends sinnlos, Miró und Klee auszuschließen, deren poetisches Verständnis abstrakter Kunst die Avantgarde der Vierziger so tief beeindruckte." Die Illustration zeigt Klees "Hommage an Picasso".

Außerdem in der New Republic: Lydie DePillis' launige Reportage von der Consumer Electonics Show in Las Vegas.

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La regle du jeu (Frankreich), 17.01.2013

"Schreckliche Neuigkeiten" meldet Laurent David Samama über die Mitglieder der russischen Punk-Band Pussy Riot. Die in Lagerhaft sitzende Maria Aljochina etwa sei aufgrund der Haftbedingungen und des auf sie ausgeübten psychologischen Drucks inzwischen an einer Depression erkrankt. Nadeschda Tolokonnikowa ihrerseits befindet sich in einem Lager, über das die russische Wochenzeitung New Times berichtete, dass die Frauen dort die Heizungsventile öffnen, um an warmes Wasser zu kommen. Samama zitiert sie aus einem über AFP verbreiteten Brief, in dem sie das "Grau" ihres derzeitigen "Anti-Lebens" schildert: "Das Hauptdruckmittel ist die vorzeitige Entlassung". Er verweist außerdem auf ein Interview im Magazin Les Inrockuptibles, das am Rande einer von der Vereinigung Russie-Libertés Konferenz zur Situation der künstlerischen Freiheit in Russland mit Jekaterina Samuzewitsch, dem nicht inhaftierten Mitglied der Gruppe, geführt wurde. Diese sieht derzeit die vorrangige Aufgabe darin, die beiden anderen Gruppenmitglieder zu befreien, glaubt aber, dass der feministische Kampf unbedingt weitergehen müsse. "Im Fernsehen wurde ein dreiteiliger Film über uns gezeigt, in dem behauptet wurde, wir von Pussy Riot seien nichts weiter als drei kleine dumme Ziegen, die von Boris Beresowski [russischer Milliardär, gegenwärtig im Londoner Exil, Anm.d.Red.] gesteuert würden. Es ist interessant festzustellen, dass man in Russland ziemliche Mühe damit hat zu akzeptieren, dass Frauen sich der Kunst als Ausdrucksmittel bedienen."

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n+1 (USA), 16.01.2013

Gary Sernovitz, Autor und in einem früheren Leben Analyst für eine New Yorker Investmentbank, denkt über Kunst und Risikogeschäfte nach. Der größte Kunde seiner Bank war 1997 der - inzwischen unter Beschuss geratene - Spekulant und Kunstsammler Steven Cohen. Er besitzt ein Vermögen von 8,8 Milliarden Dollar und gibt etwa acht Prozent davon für Kunst aus. Soviel Geld, meint Sernovitz, häuft nur jemand an, der einen Vorteil zu nutzen weiß. Das gilt auch für die Künstler heute, die ständig etwas Neues machen sollen: "Alle Künstler reagieren - jeweils in ihrer eigenen Art - auf ihr Innenleben, die Außenwelt und andere Kunst. Die Basiszutaten haben sich nicht geändert. Aber zu oft frage ich mich nach einer Ausstellung, in die ich hungrig nach einem starken ästhetischen Erlebnis gegangen war, warum sie mich kalt gelassen hat. Es könnte sein, dass ich nicht beschlagen genug bin, die intellektuelle Schönheit in den Ideen der Zentauren zu sehen. Es könnte sein, ermahne ich mich, dass die meiste Kunst die meiste Zeit nur so lala ist; es gab nie ein Zeitalter der allgegenwärtigen Meisterwerke. Aber manchmal kommt es mir auch so vor, als sei der Vorteil die Voraussetzung für eine Ausstellung geworden. Als sei dieser Vorteil das einzige, was noch zählt."

Stichwörter: Geld

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New York Magazine (USA), 21.01.2013

Steve Cohen, der Spekulant und Kunstsammler, ist auch einer der besten Kunden des Galeristen Larry Gagosian, den Eric Konigsberg als knallharten skrupellosen Geschäftsmann beschreibt, der sich ebenfalls ganz gut darauf versteht, den Kunstmarkt zu manipulieren: "Gagosians Aufstieg in den letzten 25 Jahren, parallel mit der Entwicklung der modernen Wall Street, teilt sicherlich einen Strang seiner philosophischen Doppelhelix mit den Investitionsplanungen von Hedge Funds. Die Idee dahinter ist, so wenig wie möglich dem Zufall - oder hier dem Geschmack - zu überlassen, um den Wert seiner Sammlung selbst festlegen zu können. Auktionen sind ein entscheidender Mechanismus nicht nur für den Verkauf von Bildern, sondern auch, um den Wert von Kunst zu etablieren und zu halten, die privat den Besitzer wechselt. Es ist folgerichtig, dass Gagosians größte Kunden selbst ernannte Titanen der Hochfinanz, des Geldmanagements und des globalen Megahandels sind: Leon Black, François Pinault, Victor Pinchuk, Eli Broad und natürlich der bedrängte Hedge-Fund-König Steve Cohen. Was immer ihre Verdienste als Kunstmäzene sind, diese Leute würden niemals Kunst kaufen, die eine schlechte Investition ist. Es ist ein weiterer Markt, auf dem gespielt wird und der besiegt werden muss."

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MTV Hive (USA), 16.01.2013

Fans von Alternative oder Indie Rock sind links und weltoffen, richtig? Falsch. Nach Martin Douglas' Erfahrung sind sie genauso ausschließend wie alle anderen Gruppen. Douglas ist schwarz und ein Fan von Nirvana und Co. Da macht man seine ganz eigenen Erfahrung, erzählt er. Zu Beispiel auf einem Konzert von Joanna Newsom. "Als ich ankam, fühlte ich mich wie in einem dieser Träume, in denen man durch die Schulgänge geht und feststellt, dass man nackt ist. Jeder warf mir seinen besten abschätzenden Blick zu. Ein Mädchen verkündete hörbar: 'Ich wusste nicht, dass auch Schwarze Joanna Newsom mögen.' Leise Ehrerbietung überkam die Menge, als Bill Callahan mit einem Solo eröffnete. Sie verflüchtigte sich, als er Favoriten wie 'River Guard' und 'Let me see the colts' spielte und die Leute wie wild jubelten. Als ich zustimmend mitjubelte, erntete ich einige weitere seltsame Blicke. Den Rest der Nacht verbrachte ich in ungemütlichem Schweigen."

Stichwörter: Indie

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Elet es Irodalom (Ungarn), 18.01.2013

Ende Dezember wurde die polnische Literaturszene von einem Spitzel-Skandal erschüttert: Der Dichter und Redakteur Adam Włodek, früherer Ehemann der vor einem Jahr verstorbenen Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska, soll 1953 seinen Dichterkollegen Maciej Słomczyński bei der Staatssicherheit angezeigt haben. Bisher galt der 1986 verstorbene Włodek als großzügiger Unterstützer einer ganzen polnischen Dichtergeneration, dessen Andenken seine Frau einen mit umgerechnet etwa 12.000 Euro dotierten Preis für junge Dichter widmete. Jetzt steht der Preis in Frage - u.a. wegen der Kampagne einer Facebook-Gruppe mit dem Namen "Ist ein Spitzel das Vorbild der Dichter?". Mit dieser Frage kann der Polonist und Schriftsteller András Pályi gar nichts anfangen: "Spitzel sollte man niemandem zum Vorbild machen. Es geht um etwas ganz anderes. Für Adam Włodek haben sich Dichter wie Ewa Lipska oder Bronisław Maj zu Wort gemeldet, die Besten der heutigen polnischen Lyrik, die nichts mit der ehemaligen Partei-Ideologie am Hut haben. Sie behaupten, was Włodek für die junge polnische Literatur getan habe, werde durch seine Fehltritte nicht in den Schatten gestellt. In der Tat müssten wir endlich erkennen, [...] dass der Schriftsteller, Dichter, Künstler eben nicht dazu dient, ein Vorbild zu sein. [...]  Wir können sie nur zum Vorbild machen, wenn wir ihre Biografie den Erwartungen gemäß frisieren. Denn das Leben der Schriftsteller ist nur selten vorbildhaft (was gilt überhaupt für wen als vorbildhaft?), und wenn doch, so ist es nicht ihr typisches Merkmal. Sie haben vielmehr tiefe, ergreifende, beunruhigende, neue Perspektiven bietende Gedanken über das Schicksal, Leiden und Glück des Menschen, und diese Gedanken formulieren sie auf eine Art, die dem Leben vieler anderer Menschen einen Sinn verleiht. Der ungarische Dichter Attila József, der wegen eines blasphemischen Gedichts die Universität verlassen musste, behauptete, der Dichter lehre sein Volk auf 'Nicht-Oberschulen-Niveau'. Das kann man im Sinne eines höheren Niveaus verstehen, aber genauer ist es, wenn man es als 'anders' liest. Dieses 'Andere' müssten wir endlich begreifen, anstatt mit diesen endlosen und unproduktiven Debatten und leeren Slogans fortzufahren."

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New York Times (USA), 17.01.2013

Die ausländischen Truppen bereiten ihren Abzug aus Afghanistan vor. Luke Mogelson hat Mohammad Daowood, einen Kommandanten der afghanischen Streitkräfte, begleitet und beschreibt im New York Times Magazine die Gratwanderung im Ringen um das Vertrauen der Bevölkerung: "Je mehr Zeit ich mit ihm verbrachte, umso deutlich wurde, dass Daowood seine eigene Form von Aufstandsbekämpfung praktizierte. Dazu gehörte, dass er sich bei den Einwohnern einschmeichelte, indem er nicht nur die Taliban, sondern auch die Amerikaner und die afghanische Regierung als einen gemeinsamen Feind identifizierte. In beinahe jedem Dorf, das wir besuchten, beobachtete ich, wie Daowood vor verärgerten Bauern gegen die politische Elite in Kabul wetterte."

"Hin und wieder entwickelt sich eine Stadt zum innovativen Zentrum einer bestimmten Musikform. Zu einem Ort, wo sich die Umstände verschwören und ganz besondere kreative Blüten treiben, wo sich wahnsinnige Genies gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben. Seattle, 1990. Die Bronx, 1979. Memphis, 1954", schreibt Dan Kois mit Blick auf die lebhafte Karaoke-Kultur in Portland, Oregon: "Kann es sein, dass sich eine der aufregendsten amerikanischen Musikszenen zur Zeit in Portland abspielt, und dass nicht ein einziger Beteiligter ein Instrument spielt?"

Schließlich untersucht Noam Cohen die Rolle des M.I.T. bei der Anklage gegen den Netzaktivisten Aaron Swartz.

Stichwörter: Aaron Swartz

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Archiv: Magazinrundschau

Dieser Ahhhhhhh-Moment

16.09.2014. In El Pais Semanal erklärt Javier Cercas, warum Katalonien nicht Schottland ist. Im Guardian lehnt Howard Jacobson den totalen Sieg im Diskurs ab. Mehr erhabene Kunst fordert in Nepszabadsag der neue Direktor der Budapester Kunsthalle. Der New Statesman porträtiert den Bürger als Kriegsberichterstatter. The Atlantic besucht einen afghanischen Jungen, der ein Mädchen ist. Die Hudson Review trauert mit Berlioz um Hamlet. Der New Yorker sucht Wonder Women. Mehr lesen

Maoistische Synthese der Oppositionen

11.09.2014. Diese Woche war die Magazinrundschau so riesig, dass wir sie geteilt haben. Heute also der zweite Teil mit einem sehr lesenswerten Artikel von Assaf Sharon in der NYRB über die verfehlte Politik Netanjahus. Bookforum stellt eine Geschichte Gazas vor. Im Guardian gerät AL Kennedy über einen goldenen Ferrari ins Grübeln. In Eurozine beschreibt der Soziologe Boris Dubin die Machtlosigkeit der russischen Gesellschaft. Und das New York Magazine stellt die CEO Martine Rothblatt vor, die ihre Ehefrau als Computer hat nachbauen lassen. Mehr lesen

Zentrum und Peripherie

09.09.2014. Die London Review besucht die Ostukraine und stellt fest: alles Übel begann auf der Krim. Im Mittelweg 36 streitet Reinhard Merkel das ab: die Krim hat die Seperation doch gewählt. Die Blätter machen die Lösegeldzahlungen der EU verantwortlich für den Gewaltmarkt im Nahen Osten. Das Schreibheft erinnert an den Lyriker Uwe Greßmann. Pitchfork und Telerama trauern den analogen Zeiten nach. Und der New Yorker fragt, warum ein Arbeiter bei McDonalds so wenig verdient, dass er auf staatliche Essensmarken angewiesen ist. Mehr lesen

Allein die Schrift!

02.09.2014. Bloomberg Businessweek macht sich jung und guckt AwesomenessTV. Der Merkur staunt über die Textlastigkeit der Suhrkamp-Kultur. Das Chicago Magazine erinnert daran, wer zuerst Handys wollte: die Polizei. The Verge schildert den Titanenkampf zwischen Uber und Lyft. In HVG denkt Péter Esterházy über Kleinkariertheit nach. Die Poetry Foundation bewundert den "Emperor of Ice-Cream". Mehr lesen

Kompass des Bösen

26.08.2014. Im Spectator gibt der Historiker Tom Holland einen Einblick in die religiösen Vielfalt Mesopotamiens, die die Isis gerade zerstört. Vanity Fair erzählt die Geschichte der Madame Claude. Dawn stellt ein Buch über den muslimischen Zionismus in Pakistan vor. Kathrin Passig denkt in Funkkorrespondenz über die Nützlichkeit irrationaler Argumente nach. Die Public Domain Review erzählt, wie das Lachgas den Schriftstellern und Wissenschaftlern die Sprache verschlug. Das TLS liest eine neue Brecht-Biografie. Mehr lesen

Düster, aber gesund

19.08.2014. In Wired erklärt Edward Snowden, wie die besten Absichten direkt in die Hölle führen. Nepszabadsag fragt: Soll Imre Kertesz den selben Orden annehmen wie Göring? In Film Comment  will Alexander Sokurow dem Kino mit Literatur aus den Kinderschuhen helfen. Soziale Mobilität gibt es nicht, verkündet der Soziologe Jules Naudet in Les inrockuptibles. The Dissolve freut sich auf den Pepys aus Hollywood. Mehr lesen

Ein weiterer Pfannkuchen

12.08.2014. The Nation porträtiert Alessandro Spina, Chronist des Untergangs des italo-arabisch-ottomanischen Universums. Die London Review wird von einem Stalker verfolgt. Al Ahram fragt: Was wollen die Palästinenser? Im New York Magazine schildert Werner Herzog seine einzige Drogenerfahrung mit Marmelade von Popol Vuh. Bloomberg Businessweek erzählt, wie Tony Blair versuchte, Gaddafis Geld zu verwalten.
Mehr lesen

Der Wille zur Jacht

04.08.2014. Telerama und der New Yorker suchen den Aufstieg über den krummen Pfad. Elet es Irodalom und das San Francisco Magazine freuen sich über die Demokratisierung der Kritik durch das Internet. Harper's Magazine beantwortet die Frage, ob James Joyce Syphilis hatte. MicroMega porträtiert den linken uruguayischen Staatspräsidenten Pepe Mujica als Franziskaner. Medium begleitet Obdachlose zu Tests für die Pharmaindustrie. Pitchfork feiert die Renaissance des Vinyl. Mehr lesen

Der Leser, den ich liebe

29.07.2014. The New Republic jagt einen Sturm namens William T. Vollmann. In der New York Review of Books lernt Jonathan Freedland von Ari Shavit, was linker Zionismus ist. Die London Review of Books porträtiert einen doppelt impotenten Alain Robbe-Grillet. Hairpin porträtiert eine Giftmörderin des 17. Jahrhunderts, die Marquise de Brinvilliers. Pacific Standard fragt: Was ist Ihre DNA wert? Der New Yorker sucht das weibliche Hirn bei Radikalfeministinnen und Trans-Frauen. Mehr lesen

Tutanchamun und der Teacher

22.07.2014. Wenn der Westen sich mit Palästina beschäftigt, beschäftigt er sich meist mit sich selbst, lernt The Nation. Der  spanische Schriftsteller Jorge Carrión besucht für El Pais Semanal die Welthauptstadt der Sekten. Der Guardian sammelt Stimmen schottische Autoren zum Referendum. The Humanist bewundert die neuen Formen Teju Coles. Die Huffington Post analysiert die wahre Identität der Techno-und Elektro-Szene in Paris. Wired verschickt seine Post demnächst nur noch mit Dark Mail. Mehr lesen

So viel Schönheit

15.07.2014. Der Globe and Mail stellt Larry, den Hummer vor. Der Pacific Standard porträtiert die "Organ-Detektivin" Nancy Scheper-Hughes. Fördert Truvada, die "morning-after"-Pille gegen HIV, heißen Sex unter Homosexuellen, fragt das New York Magazine. Die LRB hat wenig Hoffnung für den Irak, etwas mehr für in Brooklyn lebende Literaten. Der argentinische Autor Martín Caparrós besichtigt für El Pais Semanal den größten Tresorraum der Welt für die Superreichen. Selbst Thomas Piketty betrachtet die Ungleichheit durch die Brille des Westens, murrt Le monde diplomatique. Und die NYT betrachtet den Ebookmarkt according to Amazon. Mehr lesen

Spieler ohne Trainer

08.07.2014. Film Comment analysiert den Poliziotteschi, den italienischen Polizeithriller der 60er und 70er Jahre. In Repubblica wartet Roberto Saviano auf den Moment, an dem die Ndrangheta wieder zur Messe geht. Im Guardian feiert Zadie Smith die  eiskalte Präzision J. G. Ballards. Im New Yorker erinnert Héctor Tobar daran, wie vor vier Jahren  über 33 chilenischen Bergleuten die Erde einstürzte.  In Eurozine meint Thomas Piketty: Mehr Wettbewerb ist auch nicht die Lösung. Und die NYT ist froh, kein SEEBÖWE zu sein. Mehr lesen

Noch etwas Allzuwörtliches

01.07.2014. Osteuropa begutachtet die neue russische Kampfpropaganda. In Open Democracy erklärt Nadja Tolokonnikowa rechten und linken Anhängern Putins: Menschenrechte sollten nicht nur im Westen gelten. Der Merkur bittet, zwischen digitaler Literatur und Netzliteratur zu unterscheiden. Eurozine untersucht Film als Metapher. Die NYRB erklärt, warum die Stärkung von Konsumentenrechten eine Stärkung Amazons zur Folge hat. Atlantic denkt über Afghanistan nach Karzai nach. Und Tablet porträtiert BHL als homme d'honneur. Mehr lesen

Kritikimmuner Springteufel

24.06.2014. Der Hollywood Reporter porträtiert den schwedischen Regisseur Malik Bendjelloul, der vor wenigen Wochen Selbstmord beging. Der New Yorker zertrümmert die Diskontinuitätstheorie. Im Guardian erklärt Will Self den Verwandtschaftsgrad von neolithisch und neoliberal. In Valleywag erklärt Lawrence Lessig, warum Silicon Valley im Moment ein guter Bündnispartner ist. Der Rolling Stone bestaunt den Nipster. Wired sagt Servus zur Netzneutralität. Und die NYT fragt: Thirtysomethings, wollt ihr ewig bei euren Eltern leben? Mehr lesen

Das Gehirn in Technicolor

17.06.2014. La vie des idees fragt: Hat Musik eine Farbe? Ohne Gott keine universalen Werte, bescheinigt John Gray im New Statesman Kenan Malik. Tin House besucht den Special-Effects-Künstler Tom Savini. Die LRB feiert Polke, die NYRB feiert El Greco, der Howler feiert den Torwart. Der Guardian setzt den großen Säuferinnen der Literaturgeschichte ein Denkmal. Immerhin kann man es mit Drogen auch mit 90 Jahren noch zum Millionär bringen, erzählt die New York Times. Mehr lesen

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