Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Gepriesen sei Ude in der Höhe

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.03.2008. In der Welt fordert Thea Dorn eine schonungslose, dreckige und befreiende Kunst. In der NZZ verteidigt Mircea Cartarescu den Kapitalismus: Geld ist wie Blut. Don Alphonso ruft die Journalisten der Berliner Zeitung zur Revolution auf. In der Berliner Zeitung rümpft der Philosoph Michel Onfray im Namen der Gutbürgerlichkeit die Nase über Nicolas Sarkozys lockere Art. Zum Tag der Frauen ist die FR glücklich über die lange Dauer des weiblichen Orgasmus. Die SZ bringt einen scharfen Angriff auf den Hanser Verlag, der Raoul Schrotts Thesen zu Homer publizierte.

Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2008

Für Literatur und Kunst führt Andreas Breitenstein ein schönes Gespräch mit dem rumänischen Autor Mircea Cartarescu, der über den Kommunismus, Ceausescu, die Korruption im heutigen Rumänien spricht und der die Affekte der westlichen Linken gegen den Kapitalismus nicht teilen will: "Ich teile die Ansicht nicht, dass Geld nur zerstört, es baut auch auf und macht vital. Geld ist wie Blut: Wenn es einen Infekt gibt, wird im Körper alles arg, wenn es aber gesund ist, bringt es den Körper zum Blühen. Eine Gesellschaft, die auf ehrlich erarbeitetem Geld beruht, kommt in den Genuss einer Leichtigkeit des Lebens, und diese ist auch die Basis für geistige und künstlerische Leistung. Kultur ist Luxus. In der Geschichte blühte das intellektuelle Leben in der Regel da, wo es auch wirtschaftlich gut ging."


Einige Artikel widmen sich 1968. Der Historiker Norbert Frei legt einen Essay über das Jahr vor. Uwe Justus Wenzel liest mehrere Bücher zu 68, darunter Götz Alys Buch "Unser Kampf": die Provokation Alys erkennt Wenzel nicht in einer Gleichsetzung von 33ern und 68ern , sondern in der Behauptung einer Verdrängung der Nazizeit durch die 68er. Silvia Bovenschen hält fest, dass die 68er 68 nicht aussahen wie 68er: "Ich zeige meinem Freund eine Foto von mir aus dem Jahr 68, auf der ich wirke, als wollte ich mich um den Posten der Chefsekretärin bei einer Firma für Wäschestärke verdingen." Schließlich versucht Urs Widmer in einem kleinen Text zu erklären , was den "Charme, den optimistischen Schwung und die Notwendigkeit von 1968" ausmachte.

Außerdem erzählt Angelika Overath "warum ich Reporterin bin, auch wenn ich Romane schreibe". Und Roman Bucheli liest Marcel Beyers Roman "Kaltenburg".

Im Feuilleton beschreibt die in Zürich lebende Chinesin Wei Zhang, wie sich Chinesen in der Fremde anpassen ("Die chinesische Dialektik lehrt, dass chinesische Methoden auch in der Fremde oft zu besserem Erfolg führen. Die fremden Werte sollen letztlich doch nur das Eigene erweitern"). Besprochen wird die Ausstellung "Rom und die Barbaren" im venezianischen Palazzo Grassi.

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Die Welt, 08.03.2008

Irgendwas stimmt nicht mit unserer Haltung zu Kunst und Realität, meint die Schriftstellerin Thea Dorn in der Literarischen Welt: Hier die weichgespülten Humanisten, die Gewaltdarstellungen in der Kunst verabscheuen. Dort die Psychoanalytiker, Kulturwissenschaftler und Journalisten, die Gewalt in der Realität achselzuckend zum schrulligen Zivilisationsbestandteil erklären. Doch Kunst muss "Schonungslos. Dreckig. Befreiend" sein, ruft Dorn, die gerade einen ziemlich blutigen Roman veröffentlicht hat ("Mädchenmörder", Manhattan). "Und mag der nostalgisch gestimmte Bildungsbürger auch seufzen, dass die schönen Tage, in denen sich die Wut noch daktylische Zügel angelegt hat, lange vorbei sind - selbst der schlichteste Gangsta Rapper hat in dem Moment, in dem er darüber nachdenken muss, ob er 'Fotze' lieber auf 'Kotze' oder 'Rotze' reimen soll, bereits den Königsweg der Sublimierung beschritten."


Weiteres: Hannes Stein hat sich mit Siri Hustvedt über ihren Roman "Die Leiden eines Amerikaners unterhalten". Besprochen werden unter anderem Lukas Bärfuss' Polit-Roman "Hundert Tage", Sherko Fatahs Roman "Das dunkle Schiff" und Walter Laqueurs Essay "Gesichter des Antisemitismus".

Im Feuilleton stellt Rainer Haubrich das neue Akropolis-Museum in Athen vor, das im Herbst eröffnet werden soll. Paul Flückiger berichtet, wie sich Polen an die Studentenproteste von 1968 erinnert. Eckhard Fuhr schreibt zum Fünfundachtzigsten von Walter Jens und blickt mit Abscheu auf den Artikel von Tilman Jens in der FAZ: "Tilman Jens trebt das pubertäre Vatermord-Spiel in ein letztes, bizarres Extrem." Gernot Facius fragt sich, ob Papst Benedikt 2017 Luther rehabilitieren wird. Holger Kreitling spricht mit dem Schriftsteller David Peace über dessen Ripper-Quartett. Hendrik Werner schreibt zum Tod des Computerpioniers Joseph Weizenbaum. Besprochen wird die Inszenierung von Dennis Kellys Drama "Liebe und Geld" in Basel.

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Die Tageszeitung, 08.03.2008

Zum Weltfrauentag bescheinigt die taz den Frauen, ein Megatrend zu sein. Die Machtübernahme der Frauen wird aber vorerst nur von den Medien beschworen, beschwichtigt Heide Oestreich. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz sieht in der Diskussion mit der Soziologin Jutta Allmendinger trotzdem schwarz für den Mann. "Meine These ist sehr einfach: Weiblichkeit wird prämiert, Männlichkeit wird diskriminiert." Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter sekundiert im Interview mit Ute Scheub: "Die Männer werden depressiver". Dominic Johnsons Bericht, wie Nigerias Wirtschaft von den Frauen getragen wird, und die restlichen Artikel zum Thema Frau finden sich auf den Tagesthemenseiten.


Der Kulturteil will sich dem Frauenrummel nicht anschließen und präsentiert die Besprechung von Jenny Erpenbecks Roman "Die Heimsuchung", der nach Informationen von Katharina Granzin als Favorit für den Preis der Leipziger Buchmesse gilt. "Das Bauhaus lebt", konstatiert Ursula Wöll, nachdem sie die Schau "Max Bill: ohne Anfang ohne Ende" im Museum MARTa in Herford besucht hat. Rezensionen gibt es unter anderem auch zu Jeremy Scahills Schilderung des neuen Söldnertums "Blackwater" sowie Andreas Höfeles Novelle "Abweg".

Auf der Medienseite staunt Klaus Raab über den politische Einfluss der FAZ, die es mit einem Artikel gegen den Perlentaucher schaffte, die Bundeszentrale für politische Bildung zu einem "ganz einwandfreien Vorgang" zu bewegen.

In der zweiten taz stellt Natalie Tenberg die beiden deutschen Architekten Aysin Ipekci und Cem Yurtsever vor, deren Büro "Studyo" die neue Kunsthochschule in Jerusalem bauen wird. Im tazmag hofft Christian Füller auf eine pädagogische Revolution, damit die all die deutschen Normalschulen in individuelle Lernoasen wie die Hannah-Höch-Schule in Berlin verwandelt werden mögen.

Und Tom.

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Aus den Blogs, 08.03.2008

Don Alphonso ruft die Redaktion der Berliner Zeitung zur Revolution auf. Warum nicht angesichts der Zumutungen des Montgomery-Konzerns die Zeitung bestreiken und statt dessen, die Zeitung, von der man träumt, ins Internet stellen? "Das Risiko kann und wird sich lohnen, denn nicht nur die Redaktion, weite Teile dieses Landes haben die Schnauze voll von investment driven decisions, die nur auf schnelle Gewinne setzen und Mitarbeiter und Firma verarschen." (Allerdings macht die liebe Journalistenschaft das Maul bei ausländischen Investoren weiter auf als bei hiesigen!)

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Berliner Zeitung, 08.03.2008

Peter Uehling interviewt den Berliner Komponisten Frank Michael Beyer. Auf die Frage, ob seine Musik religiös sei, antwortet er: "Die ganze europäische Musik ist ein Kind des Christentums, entstanden aus den österlichen Alleluja-Gesängen, und ohne die Kathedralen wäre auch keine Mehrstimmigkeit."


Die linkesten Linken sind in Frankreich immer die konventionellsten Bourgeois, so auch der Philosoph Michel Onfray, der im Magazin im Interview mit Christine Velan über Nicolas Sarkozys Kumpelattitüde die Nase rümpft: "Ich sehe darin die Rüpelhaftigkeit eines Emporkömmlings, der über Bräuche, Konventionen, Symbole und Höflichkeit hinweggeht. All diese Zeichen unserer Zivilisation zeigen, dass sich unser Dasein nicht auf unsere unmittelbare Gegenwart beschränken lässt, sondern in der Vergangenheit verankert ist. Das versteht dieser Staatspräsident aber nicht."

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Frankfurter Rundschau, 08.03.2008

Sylvia Staude ist nach dem Besuch der Glücks-Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum in Dresden glücklicher als zuvor. Sie hat viel gelernt. "Eigens zum Internationalen Frauentag sei an dieser Stelle ein Detail im Gehirn-Raum erwähnt: Natürlich versuchten Wissenschaftler auch schon zu messen, liest die Besucherin da, was im menschlichen Gehirn im Augenblick des Orgasmus passiert. Zu den bekannten bunten Bildern aufleuchtender Areale konnte es bisher aber nur bei weiblichen Versuchspersonen kommen - der Orgasmus der Männer ist einfach zu kurz."


Gemeldet wird, das der Kölner Autor Günter Wallraff in einer moslemischen Begegnungsstätte aus Salman Rushdies "Satanischen Versen" lesen wird. Marcia Pally fordert, die Problemstaaten Ohio und Florida bei den nächsten Wahlen auszuschließen. In der Times mager von Ina Hartwig treffen duschende Kopftuchträgerinnen auf rauchende Dichterinnen.

Besprochen wird eine Ausstellung mit neunzig Bildern des tschechischen Fotografen Miroslav Tichy im Frankfurter Museum für Moderne Kunst, die Zurschaustellung der Himmelsscheibe von Nebra im Archäologischen Museum Frankfurt und Jan Philipp Reemtsmas Buch "Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Der Tagesspiegel, 08.03.2008

Knut Krohn erinnert an die antisemitischen Ausschreitung in Polen 1968, als das Regime Tausende von Juden auswies und enteignete, und er zitiert aus einem von Schriftstellern - darunter Olga Tokarczuk und Andrzej Stasiuk - unterzeichneten offenen Brief, der Wiedergutmachung fordert:; "Unter den historischen Verbrechen des Kommunismus ist die Schande des März 1968 ein Ereignis, das unser Bewusstsein besonders belastet."

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Süddeutsche Zeitung, 08.03.2008

Johan Schloemann gratuliert auf der Literaturseite nicht Raoul Schrott für seine "vollkommen unhaltbaren" Spekulationen über "Homers Heimat", sondern eher dem Verlag für seine Nibelungentreue. "Der Münchner Hanser Verlag hat die zu rühmende Eigenschaft, sehr treu zu seinen Autoren zu stehen. In diesem Fall ist es aber, milde gesagt, recht mutig, 'Homers Heimat' zu publizieren. Denn im Unterschied zur Wochenendbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Schrotts Thesen kurz vor Weihnachten 2007 unter der Überschrift 'Homers Geheimnis ist gelüftet' vorabdruckte, hat der Hanser Verlag nicht nur einen literarischen, sondern auch einen wissenschaftlichen Ruf zu verspielen."


Weiteres: Im ganzseitigen Aufmacher des Feuilletons bespricht der Islamwissenschaftler Peter Heine zwei neue Mohammed-Biografien (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr). Floran Kessler beschreibt die lit.Cologne als Mischung aus Starauftrieb und Leseförderung. Was haben der Sänger Adam Green, die Band "Vampire Weekend" und der Film "Juno" gemeinsam? Einen schrulligen Ostküstenhumor, meint Andrian Kreye. Jens Malte Fischer gratuliert dem Bassisten Franz Crass zum Achtzisten. Wolfgang Jean Stock erinnert an den bayerischen Architekten Sep Ruf, der vor hundert Jahren geboren wurde. Auf der Medienseite betont Willi Winkler, dass der Axel-Springer-Verlag 1968 nicht nur von der APO, sondern auch von missliebiger Konkurrenz aufs Korn genommen wurde.

Besprochen werden die Ausstellung "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze" mit Repliken aus der Grabkammer in Zürich, die Schau "ArtBrands - wenn Hunde Beuys fressen" über Produkte, die Künstlernamen tragen, im Museum für Neue Kunst Freiburg, Doris Dörries Film "Kirschblüten - Hanami" und Bücher, darunter Hjalmar Söderbergs Roman "Das ernsthafte Spiel" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende verfasst der Liedermacher Georg Ringsgwandl eine gesalzene Ode an den neuen alten Oberbürgermeister von München, Christian Ude. "Gepriesen sei Ude in der Höhe und Friede den Knechten in den Bezirksausschüssen! Wenn ich mir vorstelle, was für eine unfassbare Zahl von Sitzungen dieser Mann durchgestanden hat, schäme ich mich für jeden mäkeligen Gedanken, den mein verwöhntes Hirn je bezüglich der Polis München zu formen sich anschickte. Man kann ja der rot-grünen Stadtverwaltung einiges vorhalten: Korruption im Baureferat, sofortige Totalverhinderung architektonisch innovativer Bauvorhaben wie der Werkbundsiedlung, Kostenexplosion bei der Renovierung der Kammerspiele, ein SpeziIntendant, der in ein paar Monaten das Volkstheater runterwirtschaftet, (nicht der jetzige, der kann"s ja) ... andererseits: Es sind doch Menschen am Werk und da geht halt öfter was daneben."

Desweiteren amüsiert sich Wolf Kantelhardt über die bisher recht erfolglosen Versuche der Pekinger Stadtverwaltung, den Smog für die Olympischen Spiele aus der Kapitale zu treiben. Michael Frank möchte daran erinnern, dass Österreich im März 1933 selbst die parlamentarischen Demokratie beseitigte, fünf Jahre vor dem "Anschluss" an das Deutsche Reich. Alexander Gorkow unterhält sich auf der letzten Seite mit einem unprätentiösen Neil Diamond, der verrät, was seine Oma damit zu tun hatte, dass er seinen Künstlernamen Noah Kaminsky schon beim ersten Album aufgab.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2008

In Bilder und Zeiten erinnert Volker Weidermann an einige Schriftsteller, deren Bücher von den Nazis 1933 verbrannt wurden und die heute vergessen sind - recherchiert hat er zu diesen Autoren für sein "Buch der verbrannten Bücher", das er bei dieser Gelegenheit vorstellt. Zu den Schriftstellern gehört Maria Leitner, die 1941 verschwunden ist: "Leitner war 1892 im ungarischen Varazdin geboren worden, sie war ungarische Staatsangehörige, galt deshalb als weniger gefährdet. Sie hat aber immer auf Deutsch geschrieben, hatte für deutsche Zeitungen und für den Ullstein-Verlag Reportagen geliefert, unglaubliche Reportagen aus der ganzen Welt. Das sind Glanzstücke der Neuen Sachlichkeit, sie selbst ein sehr früher weiblicher Wallraff. Nur dass sie sich nicht tarnte, wenn sie in Amerika in den zwanziger Jahren ganz, ganz unten arbeitete." Immerhin wurden vor einigen Jahren einige von Leitners Reportagen neu aufgelegt.


Außerdem porträtiert Karen Krüger zwei türkische Studentinnen mit unterschiedlicher Auffassung zum Kopftuch. Erwin Seitz stellt das Warschauer Szene-Restaurant "Ale Gloria" vor. Auf der Literaturseite werden ein neuer Prosaband von Friederike Mayröcker und François Vallejos Roman "Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt" besprochen. Für die letzte Seite interviewt Claus Lochbihler den Jazzer Paul Kuhn.

Im Aufmacher des Feuilletons erinnert sich Gerd Stadelmaier zum 85. Geburtstag Walter Jens' an seine Tübinger Studienzeit. In der Leitglosse kommentiert Nils Minkmar das Debakel der hessischen Landespolitik. Andreas Kilb schreibt über den Berliner Streit um den Erhalt des Flughafens Tempelhof. Julia Voss gratuliert dem Maler Eric Fischl zum sechzigsten Geburtstag. Vorgestellt wird das Programm der Münchner Biennale im April.

Für die Medienseite hat sich Hubert Spiegel ein Peter Handke-Interview angesehen, das am Sonntagabend im ZDF-Nachtstudio läuft. Gemeldet wird, dass sich Stefan Aust und der Spiegel trennen - ob das auch ein Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung bedeutet, wird daraus nicht deutlich. Und auf der letzten Seite des Feuilletons gratuliert Hannes Hintermeier der Bayerischen Staatsbibliothek zum 450. Jubiläum.

Besprochen werden die Ausstellung "Action Painting" in der Fondation Beyeler, Robert Carsens "Salome"-Inszenierung in Turin und Ödön von Horvaths "Jüngster Tag" in der Regie Philip Tiedemanns in Wien

Auf der Schallplatten- und Phonoseite geht's um Bach-Transkriptionen und -Bearbeitungen, um die Wiederentdeckung des früh verstorbenen Komponisten Rudi Stephan (1887 bis 1915), um die neue CD von Nick Cave, um die Soulsängerin Adele, die als cleaner Gegenentwurf zu Amy Winehouse vorgestellt wird, und um eine Neuaufnahme von Arnold Schönbergs "Pierrot lunaire".

Für die Frankfurter Anthologie liest Walter Hinck das Gedicht "Zeit schreiben" des ehemaligen SPD-Politikers Hans-Ulrich Klose:

"Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
und lese seine römische Geschichte,
Vergnügen pur; und schreibe zwischendurch Gedichte
und mühe mich um Reime und um Maße. (...)"

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

Abkehr vom Mainstream der Alltagsheringe

02.05.2013. In Spiegel online fordert Sascha Lobo viel mehr Investitionen in ein schnelles Internet - und zwar von der Regierung. Im Tagesspiegel stellt Achim Freyer mit Richard Wagner ein Notgleichgewicht her. Die taz beleuchtet die Rolle von Gewerkschaften und SPD in der Nazi-Zeit. In der Zeit spricht Cecila Bartoli über tragische und weniger tragische Frauenrollen. Die FAZ übernimmt Salman Rushdies Aufruf für die Anerkennung von Freiheitshelden als Freiheitshelden. Das WWW ist zwanzig Jahre alt. Das CERN stellt die allerallererste Website wieder online. Mehr lesen

Wo es ernst wird, reicht das Netz nicht aus

30.04.2013. Die FAZ schreitet über die Stege des Mucem ins mediterrane Glitzerlicht der Kulturhauptstadt Marseille. Jürgen Habermas hat in Belgien über Europa gesprochen - und die Deutschen zu Opfern aufgefordert. Die NZZ erkundet die Möglichkeiten des Netzes als Medium des Protestes. Brigitte eröffnet die Berichterstattung über den NSU-Prozess. Und in der Welt hält Matthias Küntzel fest: Richard Wagner war ein Klassiker - und zwar des deutschen Antisemitismus. Mehr lesen

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