Stöbern nach Themen

Durchsuchen Sie unsere Bücherdatenbank nach Themen, Ländern, Epochen, Erscheinungsjahren oder Stichwörtern.

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Gepriesen sei Ude in der Höhe

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

08.03.2008. In der Welt fordert Thea Dorn eine schonungslose, dreckige und befreiende Kunst. In der NZZ verteidigt Mircea Cartarescu den Kapitalismus: Geld ist wie Blut. Don Alphonso ruft die Journalisten der Berliner Zeitung zur Revolution auf. In der Berliner Zeitung rümpft der Philosoph Michel Onfray im Namen der Gutbürgerlichkeit die Nase über Nicolas Sarkozys lockere Art. Zum Tag der Frauen ist die FR glücklich über die lange Dauer des weiblichen Orgasmus. Die SZ bringt einen scharfen Angriff auf den Hanser Verlag, der Raoul Schrotts Thesen zu Homer publizierte.

NZZ, 08.03.2008

Für Literatur und Kunst führt Andreas Breitenstein ein schönes Gespräch mit dem rumänischen Autor Mircea Cartarescu, der über den Kommunismus, Ceausescu, die Korruption im heutigen Rumänien spricht und der die Affekte der westlichen Linken gegen den Kapitalismus nicht teilen will: "Ich teile die Ansicht nicht, dass Geld nur zerstört, es baut auch auf und macht vital. Geld ist wie Blut: Wenn es einen Infekt gibt, wird im Körper alles arg, wenn es aber gesund ist, bringt es den Körper zum Blühen. Eine Gesellschaft, die auf ehrlich erarbeitetem Geld beruht, kommt in den Genuss einer Leichtigkeit des Lebens, und diese ist auch die Basis für geistige und künstlerische Leistung. Kultur ist Luxus. In der Geschichte blühte das intellektuelle Leben in der Regel da, wo es auch wirtschaftlich gut ging."

Einige Artikel widmen sich 1968. Der Historiker Norbert Frei legt einen Essay über das Jahr vor. Uwe Justus Wenzel liest mehrere Bücher zu 68, darunter Götz Alys Buch "Unser Kampf": die Provokation Alys erkennt Wenzel nicht in einer Gleichsetzung von 33ern und 68ern , sondern in der Behauptung einer Verdrängung der Nazizeit durch die 68er. Silvia Bovenschen hält fest, dass die 68er 68 nicht aussahen wie 68er: "Ich zeige meinem Freund eine Foto von mir aus dem Jahr 68, auf der ich wirke, als wollte ich mich um den Posten der Chefsekretärin bei einer Firma für Wäschestärke verdingen." Schließlich versucht Urs Widmer in einem kleinen Text zu erklären , was den "Charme, den optimistischen Schwung und die Notwendigkeit von 1968" ausmachte.

Außerdem erzählt Angelika Overath "warum ich Reporterin bin, auch wenn ich Romane schreibe". Und Roman Bucheli liest Marcel Beyers Roman "Kaltenburg".

Im Feuilleton beschreibt die in Zürich lebende Chinesin Wei Zhang, wie sich Chinesen in der Fremde anpassen ("Die chinesische Dialektik lehrt, dass chinesische Methoden auch in der Fremde oft zu besserem Erfolg führen. Die fremden Werte sollen letztlich doch nur das Eigene erweitern"). Besprochen wird die Ausstellung "Rom und die Barbaren" im venezianischen Palazzo Grassi.

nach oben

Welt, 08.03.2008

Irgendwas stimmt nicht mit unserer Haltung zu Kunst und Realität, meint die Schriftstellerin Thea Dorn in der Literarischen Welt: Hier die weichgespülten Humanisten, die Gewaltdarstellungen in der Kunst verabscheuen. Dort die Psychoanalytiker, Kulturwissenschaftler und Journalisten, die Gewalt in der Realität achselzuckend zum schrulligen Zivilisationsbestandteil erklären. Doch Kunst muss "Schonungslos. Dreckig. Befreiend" sein, ruft Dorn, die gerade einen ziemlich blutigen Roman veröffentlicht hat ("Mädchenmörder", Manhattan). "Und mag der nostalgisch gestimmte Bildungsbürger auch seufzen, dass die schönen Tage, in denen sich die Wut noch daktylische Zügel angelegt hat, lange vorbei sind - selbst der schlichteste Gangsta Rapper hat in dem Moment, in dem er darüber nachdenken muss, ob er 'Fotze' lieber auf 'Kotze' oder 'Rotze' reimen soll, bereits den Königsweg der Sublimierung beschritten."

Weiteres: Hannes Stein hat sich mit Siri Hustvedt über ihren Roman "Die Leiden eines Amerikaners unterhalten". Besprochen werden unter anderem Lukas Bärfuss' Polit-Roman "Hundert Tage", Sherko Fatahs Roman "Das dunkle Schiff" und Walter Laqueurs Essay "Gesichter des Antisemitismus".

Im Feuilleton stellt Rainer Haubrich das neue Akropolis-Museum in Athen vor, das im Herbst eröffnet werden soll. Paul Flückiger berichtet, wie sich Polen an die Studentenproteste von 1968 erinnert. Eckhard Fuhr schreibt zum Fünfundachtzigsten von Walter Jens und blickt mit Abscheu auf den Artikel von Tilman Jens in der FAZ: "Tilman Jens trebt das pubertäre Vatermord-Spiel in ein letztes, bizarres Extrem." Gernot Facius fragt sich, ob Papst Benedikt 2017 Luther rehabilitieren wird. Holger Kreitling spricht mit dem Schriftsteller David Peace über dessen Ripper-Quartett. Hendrik Werner schreibt zum Tod des Computerpioniers Joseph Weizenbaum. Besprochen wird die Inszenierung von Dennis Kellys Drama "Liebe und Geld" in Basel.

nach oben

TAZ, 08.03.2008

Zum Weltfrauentag bescheinigt die taz den Frauen, ein Megatrend zu sein. Die Machtübernahme der Frauen wird aber vorerst nur von den Medien beschworen, beschwichtigt Heide Oestreich. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz sieht in der Diskussion mit der Soziologin Jutta Allmendinger trotzdem schwarz für den Mann. "Meine These ist sehr einfach: Weiblichkeit wird prämiert, Männlichkeit wird diskriminiert." Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter sekundiert im Interview mit Ute Scheub: "Die Männer werden depressiver". Dominic Johnsons Bericht, wie Nigerias Wirtschaft von den Frauen getragen wird, und die restlichen Artikel zum Thema Frau finden sich auf den Tagesthemenseiten.

Der Kulturteil will sich dem Frauenrummel nicht anschließen und präsentiert die Besprechung von Jenny Erpenbecks Roman "Die Heimsuchung", der nach Informationen von Katharina Granzin als Favorit für den Preis der Leipziger Buchmesse gilt. "Das Bauhaus lebt", konstatiert Ursula Wöll, nachdem sie die Schau "Max Bill: ohne Anfang ohne Ende" im Museum MARTa in Herford besucht hat. Rezensionen gibt es unter anderem auch zu Jeremy Scahills Schilderung des neuen Söldnertums "Blackwater" sowie Andreas Höfeles Novelle "Abweg".

Auf der Medienseite staunt Klaus Raab über den politische Einfluss der FAZ, die es mit einem Artikel gegen den Perlentaucher schaffte, die Bundeszentrale für politische Bildung zu einem "ganz einwandfreien Vorgang" zu bewegen.

In der zweiten taz stellt Natalie Tenberg die beiden deutschen Architekten Aysin Ipekci und Cem Yurtsever vor, deren Büro "Studyo" die neue Kunsthochschule in Jerusalem bauen wird. Im tazmag hofft Christian Füller auf eine pädagogische Revolution, damit die all die deutschen Normalschulen in individuelle Lernoasen wie die Hannah-Höch-Schule in Berlin verwandelt werden mögen.

Und Tom.

Anzeige

Twitterfeed der Verlage

nach oben

Aus den Blogs, 08.03.2008

Don Alphonso ruft die Redaktion der Berliner Zeitung zur Revolution auf. Warum nicht angesichts der Zumutungen des Montgomery-Konzerns die Zeitung bestreiken und statt dessen, die Zeitung, von der man träumt, ins Internet stellen? "Das Risiko kann und wird sich lohnen, denn nicht nur die Redaktion, weite Teile dieses Landes haben die Schnauze voll von investment driven decisions, die nur auf schnelle Gewinne setzen und Mitarbeiter und Firma verarschen." (Allerdings macht die liebe Journalistenschaft das Maul bei ausländischen Investoren weiter auf als bei hiesigen!)

Stichwörter: Internet

nach oben

Berliner Zeitung, 08.03.2008

Peter Uehling interviewt den Berliner Komponisten Frank Michael Beyer. Auf die Frage, ob seine Musik religiös sei, antwortet er: "Die ganze europäische Musik ist ein Kind des Christentums, entstanden aus den österlichen Alleluja-Gesängen, und ohne die Kathedralen wäre auch keine Mehrstimmigkeit."

Die linkesten Linken sind in Frankreich immer die konventionellsten Bourgeois, so auch der Philosoph Michel Onfray, der im Magazin im Interview mit Christine Velan über Nicolas Sarkozys Kumpelattitüde die Nase rümpft: "Ich sehe darin die Rüpelhaftigkeit eines Emporkömmlings, der über Bräuche, Konventionen, Symbole und Höflichkeit hinweggeht. All diese Zeichen unserer Zivilisation zeigen, dass sich unser Dasein nicht auf unsere unmittelbare Gegenwart beschränken lässt, sondern in der Vergangenheit verankert ist. Das versteht dieser Staatspräsident aber nicht."

Stichwörter: Frankreich, Musik, Zivilisation

nach oben

FR, 08.03.2008

Sylvia Staude ist nach dem Besuch der Glücks-Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum in Dresden glücklicher als zuvor. Sie hat viel gelernt. "Eigens zum Internationalen Frauentag sei an dieser Stelle ein Detail im Gehirn-Raum erwähnt: Natürlich versuchten Wissenschaftler auch schon zu messen, liest die Besucherin da, was im menschlichen Gehirn im Augenblick des Orgasmus passiert. Zu den bekannten bunten Bildern aufleuchtender Areale konnte es bisher aber nur bei weiblichen Versuchspersonen kommen - der Orgasmus der Männer ist einfach zu kurz."

Gemeldet wird, das der Kölner Autor Günter Wallraff in einer moslemischen Begegnungsstätte aus Salman Rushdies "Satanischen Versen" lesen wird. Marcia Pally fordert, die Problemstaaten Ohio und Florida bei den nächsten Wahlen auszuschließen. In der Times mager von Ina Hartwig treffen duschende Kopftuchträgerinnen auf rauchende Dichterinnen.

Besprochen wird eine Ausstellung mit neunzig Bildern des tschechischen Fotografen Miroslav Tichy im Frankfurter Museum für Moderne Kunst, die Zurschaustellung der Himmelsscheibe von Nebra im Archäologischen Museum Frankfurt und Jan Philipp Reemtsmas Buch "Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

nach oben

Tagesspiegel, 08.03.2008

Knut Krohn erinnert an die antisemitischen Ausschreitung in Polen 1968, als das Regime Tausende von Juden auswies und enteignete, und er zitiert aus einem von Schriftstellern - darunter Olga Tokarczuk und Andrzej Stasiuk - unterzeichneten offenen Brief, der Wiedergutmachung fordert:; "Unter den historischen Verbrechen des Kommunismus ist die Schande des März 1968 ein Ereignis, das unser Bewusstsein besonders belastet."

nach oben

SZ, 08.03.2008

Johan Schloemann gratuliert auf der Literaturseite nicht Raoul Schrott für seine "vollkommen unhaltbaren" Spekulationen über "Homers Heimat", sondern eher dem Verlag für seine Nibelungentreue. "Der Münchner Hanser Verlag hat die zu rühmende Eigenschaft, sehr treu zu seinen Autoren zu stehen. In diesem Fall ist es aber, milde gesagt, recht mutig, 'Homers Heimat' zu publizieren. Denn im Unterschied zur Wochenendbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Schrotts Thesen kurz vor Weihnachten 2007 unter der Überschrift 'Homers Geheimnis ist gelüftet' vorabdruckte, hat der Hanser Verlag nicht nur einen literarischen, sondern auch einen wissenschaftlichen Ruf zu verspielen."

Weiteres: Im ganzseitigen Aufmacher des Feuilletons bespricht der Islamwissenschaftler Peter Heine zwei neue Mohammed-Biografien (siehe unsere Bücherschau ab 14 Uhr). Floran Kessler beschreibt die lit.Cologne als Mischung aus Starauftrieb und Leseförderung. Was haben der Sänger Adam Green, die Band "Vampire Weekend" und der Film "Juno" gemeinsam? Einen schrulligen Ostküstenhumor, meint Andrian Kreye. Jens Malte Fischer gratuliert dem Bassisten Franz Crass zum Achtzisten. Wolfgang Jean Stock erinnert an den bayerischen Architekten Sep Ruf, der vor hundert Jahren geboren wurde. Auf der Medienseite betont Willi Winkler, dass der Axel-Springer-Verlag 1968 nicht nur von der APO, sondern auch von missliebiger Konkurrenz aufs Korn genommen wurde.

Besprochen werden die Ausstellung "Tutanchamun - Sein Grab und die Schätze" mit Repliken aus der Grabkammer in Zürich, die Schau "ArtBrands - wenn Hunde Beuys fressen" über Produkte, die Künstlernamen tragen, im Museum für Neue Kunst Freiburg, Doris Dörries Film "Kirschblüten - Hanami" und Bücher, darunter Hjalmar Söderbergs Roman "Das ernsthafte Spiel" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In der SZ am Wochenende verfasst der Liedermacher Georg Ringsgwandl eine gesalzene Ode an den neuen alten Oberbürgermeister von München, Christian Ude. "Gepriesen sei Ude in der Höhe und Friede den Knechten in den Bezirksausschüssen! Wenn ich mir vorstelle, was für eine unfassbare Zahl von Sitzungen dieser Mann durchgestanden hat, schäme ich mich für jeden mäkeligen Gedanken, den mein verwöhntes Hirn je bezüglich der Polis München zu formen sich anschickte. Man kann ja der rot-grünen Stadtverwaltung einiges vorhalten: Korruption im Baureferat, sofortige Totalverhinderung architektonisch innovativer Bauvorhaben wie der Werkbundsiedlung, Kostenexplosion bei der Renovierung der Kammerspiele, ein SpeziIntendant, der in ein paar Monaten das Volkstheater runterwirtschaftet, (nicht der jetzige, der kann"s ja) ... andererseits: Es sind doch Menschen am Werk und da geht halt öfter was daneben."

Desweiteren amüsiert sich Wolf Kantelhardt über die bisher recht erfolglosen Versuche der Pekinger Stadtverwaltung, den Smog für die Olympischen Spiele aus der Kapitale zu treiben. Michael Frank möchte daran erinnern, dass Österreich im März 1933 selbst die parlamentarischen Demokratie beseitigte, fünf Jahre vor dem "Anschluss" an das Deutsche Reich. Alexander Gorkow unterhält sich auf der letzten Seite mit einem unprätentiösen Neil Diamond, der verrät, was seine Oma damit zu tun hatte, dass er seinen Künstlernamen Noah Kaminsky schon beim ersten Album aufgab.

nach oben

FAZ, 08.03.2008

In Bilder und Zeiten erinnert Volker Weidermann an einige Schriftsteller, deren Bücher von den Nazis 1933 verbrannt wurden und die heute vergessen sind - recherchiert hat er zu diesen Autoren für sein "Buch der verbrannten Bücher", das er bei dieser Gelegenheit vorstellt. Zu den Schriftstellern gehört Maria Leitner, die 1941 verschwunden ist: "Leitner war 1892 im ungarischen Varazdin geboren worden, sie war ungarische Staatsangehörige, galt deshalb als weniger gefährdet. Sie hat aber immer auf Deutsch geschrieben, hatte für deutsche Zeitungen und für den Ullstein-Verlag Reportagen geliefert, unglaubliche Reportagen aus der ganzen Welt. Das sind Glanzstücke der Neuen Sachlichkeit, sie selbst ein sehr früher weiblicher Wallraff. Nur dass sie sich nicht tarnte, wenn sie in Amerika in den zwanziger Jahren ganz, ganz unten arbeitete." Immerhin wurden vor einigen Jahren einige von Leitners Reportagen neu aufgelegt.

Außerdem porträtiert Karen Krüger zwei türkische Studentinnen mit unterschiedlicher Auffassung zum Kopftuch. Erwin Seitz stellt das Warschauer Szene-Restaurant "Ale Gloria" vor. Auf der Literaturseite werden ein neuer Prosaband von Friederike Mayröcker und François Vallejos Roman "Monsieur Lambert und die Ordnung der Welt" besprochen. Für die letzte Seite interviewt Claus Lochbihler den Jazzer Paul Kuhn.

Im Aufmacher des Feuilletons erinnert sich Gerd Stadelmaier zum 85. Geburtstag Walter Jens' an seine Tübinger Studienzeit. In der Leitglosse kommentiert Nils Minkmar das Debakel der hessischen Landespolitik. Andreas Kilb schreibt über den Berliner Streit um den Erhalt des Flughafens Tempelhof. Julia Voss gratuliert dem Maler Eric Fischl zum sechzigsten Geburtstag. Vorgestellt wird das Programm der Münchner Biennale im April.

Für die Medienseite hat sich Hubert Spiegel ein Peter Handke-Interview angesehen, das am Sonntagabend im ZDF-Nachtstudio läuft. Gemeldet wird, dass sich Stefan Aust und der Spiegel trennen - ob das auch ein Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung bedeutet, wird daraus nicht deutlich. Und auf der letzten Seite des Feuilletons gratuliert Hannes Hintermeier der Bayerischen Staatsbibliothek zum 450. Jubiläum.

Besprochen werden die Ausstellung "Action Painting" in der Fondation Beyeler, Robert Carsens "Salome"-Inszenierung in Turin und Ödön von Horvaths "Jüngster Tag" in der Regie Philip Tiedemanns in Wien

Auf der Schallplatten- und Phonoseite geht's um Bach-Transkriptionen und -Bearbeitungen, um die Wiederentdeckung des früh verstorbenen Komponisten Rudi Stephan (1887 bis 1915), um die neue CD von Nick Cave, um die Soulsängerin Adele, die als cleaner Gegenentwurf zu Amy Winehouse vorgestellt wird, und um eine Neuaufnahme von Arnold Schönbergs "Pierrot lunaire".

Für die Frankfurter Anthologie liest Walter Hinck das Gedicht "Zeit schreiben" des ehemaligen SPD-Politikers Hans-Ulrich Klose:

"Jetzt wohne ich in der nach ihm benannten Straße
und lese seine römische Geschichte,
Vergnügen pur; und schreibe zwischendurch Gedichte
und mühe mich um Reime und um Maße. (...)"

nach oben

Drucken | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dekorativ-degoutante Dekadenz

20.01.2014. Widersprüchliche Auskunft geben die Zeitungen über Karin Beiers siebenstündiges Atridenfluchspektakel "Die Rasenden" nach Euripides, Sartre, Aischylos und Hofmannsthal. Die NZZ hält den Erkenntnisgewinn für so mittel, die FAZ für null, und für die Welt steht fest: Das Hamburger Schauspielhaus ist zurück. In der Berliner Zeitung befasst sich Anetta Kahane mit der Diskrepanz zwischen dem Äußeren Beate Zschäpes und ihren Taten. Springteufel Morozov ploppt heute in der SZ auf. Mehr lesen

Sie sind schon denkend

18.01.2014. Die ersten Reaktionen auf Barack Obamas Rede sind zwiespältig bis kritisch. The Verge und die Electronic Frontier Foundation vergleichen Obamas Maßnahmen Punkt für Punkt mit Forderungen von Bürgerrechtsgruppen. Wir binden Julian Assanges CNN-Interview ein: Der Wikileaks-Gründer kritisiert vor allem, dass die Geheimgerichte nicht abgeschafft werden. Auch Deutsche Politiker reagieren laut FAZ bis hin zur CDU recht skeptisch auf Obamas Rede. Außerdem: Arno Schmidt in der taz. Und Luc Bondys Pariser Marivaux-Inszenierung mit Isabelle Huppert allüberall. Mehr lesen

Bei der Kante hat man nur eine Chance

17.01.2014. In der Berliner Zeitung erzählt Marina Hoermanseder, warum sie so gerne Korsette aus Leder macht. In der FAZ bangt die Ökonomin Shoshana Zuboff um Barack Obama, der in seiner heutigen NSA-Rede gewaltig versagen könnte. Die NSA bringt sowieso nix, hat die SZ herausgefunden. Man kann Schriftsteller nicht züchten, ruft die Welt der Zeit zu. Die NZZ hält dem lauernd anmutenden Blick eines Papstes namens Innozenz stand. Mehr lesen

Der Heintje-Effekt

16.01.2014. In der taz fordert Steve McQueen, dass sich Briten und Amerikaner in punkto Vergangenheit an die eigene Nasen fassen. Die NZZ fordert ungewöhnliche Lehrer. Im Freitag erinnert Wolfgang Müller die reaktionären Aspekte am Werk Arno Schmidts. Kenan Malik plädiert in seinem Blog gegen das Verbot der Dieudonné-Shows. Die Zeit arbeitet den Fall Beltracchi auf und bringt selbstkritische Anmerkungen zum Literaturbetrieb. Außerdem im Freitag: ein Interview mit Karl Ove Knausgård und Armond Whites Kritik an Steve McQueens Film "12 Years a Slave". Mehr lesen

Es toben Bassläufe wie Harpyien herauf

15.01.2014. In der FAZ antwortet Evgeny Morozov auf Sascha Lobo und rät jenen Staaten, die uns NSA und Co. bescherten, uns von Google und Co. zu befreien. Die New York Times erklärt, wie die NSA Computer infiltriert, die nicht im Netz sind. Verlage jammern zwar rum, aber laut kress.de verdienen sie prächtig: dank überlasteten Redakteuren und unterbezahlten Freien. Die SZ geriet bei Mahler unter Kirill Petrenko in Ekstase. Und wenn Russland und die USA auf Franziska Augstein hören, ist demnächst auch Friede in Syrien. Mehr lesen

Gar kein Platz mehr für Gezicke

14.01.2014. Die NZZ verfolgt mit Entsetzen den Erfolg des Films "Fack ju Göhte". Die SZ traut sich nach Sankt Pauli. Für die FAZ reist Andrzej Stasiuk nach Belzec. In der Welt entpuppt sich Rolando Villazón als Rolando-Villazón-Bewunderer. Die taz fordert mit Thomas Mießgang eine neue Kultur der Unhöflichkeit. Mehr lesen

Seltsam sacht, schwebend fast

13.01.2014. Die NZZ ging nach Halberstadt, John Cage hören. In der taz freut sich Jochen Schimmang über die Wiederentdeckung des Autors Christian Geissler. Die französischen Medien fragen: Wie privat oder wie öffentlich ist François Hollandes Affäre mit einer Schauspielerin? Nicht das Internet ist kaputt, meint Martin Weigert in Netzwertig in einer Replik auf Sascha Lobo in der Sonntags-FAZ, sondern der Mensch in seinem Sicherheitswahn. Die SZ sucht nach glasklaren Tatbeständen, um einst von den Nazis requirierte Kunstwerke zu restitutieren. Mehr lesen

Mit offensiver Offenheit

11.01.2014. Mit Übertreibung ist der Dekadenz der Banker und Broker nicht beizukommen, stellt die taz zu Martin Scorseses Film "The Wolf on Wall Street" fest. Die Welt erinnert an eine Zeit, als die Öffentlich-Rechtlichen ihr Publikum noch überforderten. Die NZZ plädiert dafür, die Werke türkischstämmiger Künstler in Deutschland nicht länger bloß als Zeugnisse von Migration und Hybridität zu begreifen. Die SZ würdigt die Verdienste des chinesischen Kurznachrichtendienstes Weibo. Und die FAZ verneigt sich vor Arno Schmidt. Mehr lesen

Jeder Passant ein Mörder

10.01.2014. Das TLS erzählt, wie französische und tschechische Surrealisten 1935 über Kunst und Revolution diskutierten. Die NZZ bewundert die Blumensamen-Designs von Paul Smith. Ein Untersuchungsausschuss der EU erklärt die Massenüberwachung durch NSA und GCHQ für illegal, berichtet der Guardian. Die Welt bewundert Martha Argerich beim Nägel lackieren. Als E-Book ist "Mein Kampf" ein Besteller, meldet Gawker. Die SZ schleicht mit dem legendären Superverbrecher Fantomas durch Paris. Mehr lesen

Absolute Theatermanie

09.01.2014. Im Tagesspiegel erklärt die schwarze Autorin Zadie Smith, warum alle weißen Figuren in ihrem Roman "London NW" als solche ausgewiesen werden, während die Hautfarbe der anderen Personen nicht benannt wird. Die taz erklärt, warum das digitale Filmerbe zurück auf Zelluloid soll. In der NZZ schreibt die russische Schriftstellerin Elena Chizhova über das traurige Leben der Architekten in Petersburg. In der Zeit feiern Haruki Murakami und Thomas Hitzlsperger ihr Coming Out - der eine von beiden als Superman. Mehr lesen

Zeit für eine Rasur

08.01.2014. In der taz spricht Ilija Trojanow über die Wirkungen des Schriftstelleraufrufs gegen den digitalen Überwachungsstaat und wettert über "Defätisten, die es sich auf dem Hochsitz der pessimistischen Weltanschauung" bequem machen. Die NZZ stellt die Seite Alfredflechtheim.com vor, die von mehreren Museen erstellt wurde. Die Welt bewundert den alten Mann Robert Redford und das Meer. Die FAZ veröffentlicht einen Aufruf für Liu Xia. Und die SZ überlegt, wer sich Dissident nennen darf. Mehr lesen

Solange man es nicht schwul nennt

07.01.2014. In der FAZ beklagt der Philosoph Marco Wehr die fatale Wissenschaftsgläubigkeit der Politik - und der Wissenschaft selbst. In der NZZ erklärt Shlomo Sand, was er meint, wenn er von der "Erfindung des jüdischen Volkes" spricht. Die Welt erkundet die "Macht der Machtlosen". Die SZ möchte die Achse Paris-Berlin-Warschau stärken. Und die taz staunt über den Kurator Kaspar König, der behauptet, in Russland alles zu dürfen. Mehr lesen

Wir dynamisieren das Hamsterrad

06.01.2014. In der NZZ erinnert Bora Cosic an den jugoslawischen Architekten und Freund Bogdan Bogdanovich. Der Guardian bringt einen Auszug aus Claudia Roth Pierponts neuer Philip Roth-Biografie. In der FAZ wendet sich Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger entschieden gegen die Ökonomisierung der Wissenschaft. In der Welt legt der Historiker Thomas Weber ein Wort für die deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs ein. Und Necla Kelek fordert, dass die Kinder der Roma und Sinti von der Politik nicht im Stich gelassen werden. Mehr lesen

Wie die Krallen einer Katze auf Glas

04.01.2014. In der Welt verlieren Andrzej Stasiuks Augen die Bodenhaftung. In der FR erzählt Steve McCurry, was die Zeit mit dem Fotografen und dieser mit der Zeit macht. In der NZZ spricht Junot Díaz über das Schreiben und die Zeit. Spiegel Online zitiert eine Studie über das immer religiösere Weltbild der Amerikaner: Ein Drittel nimmt die Bibel wörtlich. Die taz fordert analogen Protest gegen digitale Überwachung. Mehr lesen

Die Melodie der Macht

03.01.2014. Die Washington Post erklärt mithilfe von Snowden-Papieren, wie die NSA das Netz in Besitz nehmen will. Die Welt porträtiert den rechtsextremen und postkolonialen Komiker Dieudonné, dem durch ein mögliches Tourneeverbot in Frankreich unverdiente Aufmerksamkeit zuteil wird. Schriftsteller Alberto Nessi erinnert in der NZZ an Stalins Staatsdichter Maxim Gorki, der einst Ossip Mandelstam einen Pullover, aber keine Hosen genehmigte. David Chipperfield und Okwui Enwezor erklären in der SZ, wie sie das Haus der Kunst in München sanieren wollen. Die FAZ eröfffnet eine Reihe zum Ersten Weltkrieg. Mehr lesen

Gesamtes Archiv Heute in den Feuilletons