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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.07.2006. Die Welt druckt Bernard-Henri Levys Reisebericht aus dem fassungslosen Israel. In der FR schildert Abraham Jehoschua seinen Alltag mit Bombenalarm. In der FAZ sieht Ghassan Tueni schon die Nachfolgegeneration der Hisbollah heranwachsen. In der taz wirft Michael Kleeberg den Israelis eine kalte Verachtung der Araber vor. In der NZZ prangert Richard Wagner das laxe Verhältnis osteuropäischer Populisten zur Demokratie an. Nach der Bayreuther "Walküre" warnt Joachim Kaiser in der SZ Regisseure vor Einfällen. Und die Berliner Zeitung bringt ein episches Gespräch mit Arno Breker, das Andre Müller 1979 führte.
Die Welt | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Welt, 29.07.2006
Die Literarische Welt druckt dankbarer Weise Bernard-Henri Levys Aufzeichnungen aus Israel, die vor einigen Tagen auch in Le Monde erschienen sind (hier das Original für Frankophile): "Gleich nach meiner Ankunft, ja gleich nach den ersten Kontakten mit den alten Freunden, die ich seit 1967 noch nie so angespannt und so beunruhigt erlebt habe, nach meinem ersten Gespräch mit Denis Charbit, der sich im Lager der Friedensfreunde engagiert, doch nicht an der Legitimität dieses Selbstverteidigungskrieges zweifelt, den man seinem Land aufgezwungen hat, gleich nach meiner ersten Unterredung mit Tzipi Livni, der jungen und brillanten Außenministerin, die so viel dazu beigetragen hat, Ariel Scharon zur Räumung des Gaza-Gebietes zu bewegen, und die plötzlich seltsam fassungslos erscheint angesichts der neuen Geopolitik, die man mit den bisherigen Begriffen vom 'israelisch-arabischen Konflikt' nicht mehr deuten kann, nach all dem spüre ich, dass sich etwas Neues und in der Geschichte von Israels Kriegen noch nie Dagewesenes abspielt. Als ob man sich eben nicht mehr sicher sein könne, sich allein im Rahmen Israels zu bewegen. Als ob der internationale Kontext, das Versteckspiel zwischen sichtbaren und unsichtbaren Akteuren, die Rolle, die der Iran und sein bewaffneter Arm, die Hisbollah, spielen, der ganzen Angelegenheit ein neues Aussehen und ungewohnte Aussichten verleihe."
In der Kultur: Hajo Schumacher trifft sich mit dem Toten-Hosen-Sänger Campino, der für Klaus Maria Brandauers Dreigroschen-Oper in Berlin den Mackie Messer probt: "Der Unangepasste macht eine neue Erfahrung: Er muss gehorchen. In Wirklichkeit genießt er dieses ungewohnte Korsett, die intensive Arbeit mit Bühnen-Menschen, die ihm so fremd sind wie er ihnen und deswegen so aufregend. 'Es gibt kein Entkommen' sagt er fröhlich, 'wir sind Matrosen auf einem Schiff auf hoher See.'"
Weiteres: Uwe Schmitt erzählt die Geschichte des ersten "Internet-Blockbuster" nach: Drei junge Nerds aus Oneonta haben den Verschwörungsfilm "Loose Change" zum 11. September zusammengebastelt, der inzwischen zu den meist gesehenen Internet-Videos gehört. Peter Zander schreibt zum Tod der Schauspielerin Elisabeth Volkmann. Kai Luehrs-Kaiser schreibt zum 150. Todestag von Robert Schumann. Barbara R. Kutscher berichtet von der Kunstmesse in den Hamptons. Manfred Flügge gibt zu Protokoll, dass ihm nach dem italienischen Fußball nun auch die Tour de France verleidet ist.
Die Welt | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Berliner Zeitung, 29.07.2006
Die Berliner Zeitung bringt ein episches und höchst lesenswertes Gespräch mit Arno Breker, das Andre Müller im Jahr 1979 führte. Brekers Erklärung für seine Zusammenarbeit mit den Nazis: "Hätte ich mich gegen Hitler gestellt, hätte ich ja meinen verfolgten Freunden nicht helfen können."
Die Welt | Berliner Zeitung | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Tageszeitung, 29.07.2006
Zunächst das Wichtigste - die Entschuldigung der taz beim Perlentaucher: "Am 27. 7. schrieb unsere regelmäßige Schlagloch-Autorin Renee Zucker in ebendieser Kolumne, die 'Feuilleton-Rundschau im Internet, Perlentaucher.de' bediene sich der 'brauchbaren Lüge'. Die Redaktion nimmt diese unglückliche Formulierung hiermit ausdrücklich zurück und entschuldigt sich laut und deutlich bei den Kollegen vom Perlentaucher."
Der Schriftsteller Michael Kleeberg erzählt noch einmal die lange Vorgeschichte der aktuellen Konflikte im Nahen Osten - und kritisiert die gegenwärtige Politik Israels: "Keine Strafexpedition gegen die Hisbollah, keine Vergeltungsaktion wegen zweier entführter Soldaten rechtfertigt das vom israelischen Stabschef angekündigte und in die Tat umgesetzte 'Zurückbomben des Libanon in den Zustand vor 20 Jahren', sprich in den Bürgerkriegszustand. Nichts rechtfertigt die bewusste Zerstörung der Infrastruktur, die das durch die Wiederaufbauprogramme hochverschuldete Land in den Staatsbankrott treibt. Nichts rechtfertigt die massenhaft getöteten Zivilisten, die Frauen und Kinder. Es gibt eine Nachtseite der israelischen Politik, die das Gegenstück bildet zum ohnmächtigen, brodelnden Hass der Araber auf die Israelis, und das ist deren kalte Verachtung der Araber."
Weitere Artikel: Gerrit Bartels erklärt sich den mutmaßlichen Doping-Sünder Floyd Landis mit Andy Warhol. Der Autor Bernd Cailloux berichtet von seinen Erlebnissen beim Literaturfestival in Brno, wo er nicht als einziger Berliner Schriftsteller zu Gast war. Besprochen wird Pharrell Williams' Solo-Debüt "In My Mind".
Im Dossier des taz mag erinnert sich Martin Reichert an seinen Besuch in Beirut im November 2005 - dieses Beirut aber ist auf unabsehbare Zeit Vergangenheit. Besprochen werden mehrere Bücher über Geschichte und Gegenwart von "Google" und Jytte Klausens Studie "Europas muslimische Eliten", sowie - in der Literatur-Abteilung - Marlene Streeruwitz' Roman "Entfernung", Iny Lorentz' Historienschmöker "Das Vermächtnis der Wanderhure" und Bruno Preisendörfers Erzählungen "Die Beleidigungen des Glücks" (mehr in der Bücherschau ab 14 Uhr).
Und Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 29.07.2006
Bei große Hitze hat Joachim Kaiser nun auch die "Walküre" durchgestanden, mit Aufs und Abs - vor allem der letzte Akt sei dem Dirigenten Christian Thielemann aber verblüffend gut gelungen. Nur das mit den Einfällen, das sollten die Regisseure, meint Kaiser, bei Wagner vielleicht einfach bleiben lassen: "Wenn nämlich Wagners Tragischer Transport funktioniert, dann saugt solches Gelingen alles Interesse auf. Dann braucht man wirklich kein Liebespaar beim Fahrradreparieren nebenher. Keine undeutliche Wotan-Pantomime zukünftigen Scheiterns. Keine albern herumlaufenden, zeitgenössischen Kinderchen. Alles in allem genügt eine gewisse räumliche Zeitlosigkeit... Wie sagte einst Heinz Hilpert: 'Einfälle sind die Läuse der Regisseure.'"
Wenig freundlich äußert sich im Interview der kongolesische Politologe Georges Nzongola-Ntalaja über den jetzigen und vielleicht auch zukünftigen Präsidenten Joseph Kabila: "Das ist ein junger Trottel, der kaum die Oberschule geschafft und keinerlei Erfahrung hat, ein Ja-Sager, der sich darüber freut, Präsident zu sein, aber seine meiste Zeit damit verbringt, sich Musikvideos anzusehen und Videospiele zu spielen."
Weitere Artikel: Dirk Peitz ist in Berlin Robbie Williams, Janet Jackson und Penelope Cruz begegnet. Stefan Koldehoff stellt Gerhard Richters Entwurf für das Kölner Domfenster vor. In Passaus Innenstadt steht jetzt ein 38 Meter hoher Turm, Teil des Innenstadtumbauprojekts "Neue Mitte" - das sich nun, wie Gerhard Matzig entsetzt feststellt, als Katastrophe erweist. Eva-Maria Fischer berichtet von den Luisenburg-Festspielen. Falk Lenke berichtet von einem Hausbesuch beim derzeit ganz "arbeits- und mittellosen" Unikum Hermes Phettberg. Christine Brinck versucht sich an der Ehrenrettung des Berufs Hausfrau. Kurze Nachrufe gibt es auf die Musical-Darstellerin Karin Hübner und den Schriftsteller Günter Ebert.
Auf der Literaturseite berichtet Ijoma Mangold von einem Besuch bei der Bestseller-Autorin Gaby Hauptmann ("Suche impotenten Mann fürs Leben") und ihrem Nachbarn Martin Walser. Besprochen werden ein "Schumann Handbuch" und die von Christian Brückner gelesene Hörbuch-Version von Annie Proulx' Erzählung "Brokeback Mountain" (mehr in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr.)
In der SZ am Wochenende erzählt der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk von einer Sommerreise durch Albanien: "Ich trank schwarzen Fernet und rief mir, ins Rauschen der Klimaanlage vertieft, die vergangenen Tage in Erinnerung. Ich war todmüde. Ich wollte weg. Albanien ist Müdigkeit. Man kann sich nicht ausruhen, weil man nie allein ist."
Weitere Artikel: Tobias Kniebe erzählt im Aufmacher von unserem Wunsch, in den Urlaub zu fahren, als Tragikomödie. Oliver Fuchs gratuliert MTV zum 25. Geburtstag. Schönheit heißt Verlängerung (von Haaren, Wimpern etc.), stellt Alexa Hennig von Lange fest. Auf der Historien-Seite erinnert Arne Perras an "Kongo-Müller" und andere Söldner in Afrika. In der "Es war einmal"-Rubrik befasst sich Joachim Käppner mit Kaiser Antoninus, der einfach nicht Geschichte machen wollte. Im Interview spricht Cindy Lauper über Brecht - sie spielt gerade die Jenny in einer Dreigroschenoper-Inszenierung: "Brecht wollte, dass die Zuschauer denken! Denken!"
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Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2006
Der rumäniendeutsche Schriftsteller Richard Wagner analysiert die Zunahme populistischer Strömungen in allen Ländern Ostmitteleuropas: "Entscheidend für den Erfolg des Populismus ist die Manipulation der Begriffe. Man gibt sich antikapitalistisch und antikommunistisch zugleich. Das ist bei dem ungarischen nationalkonservativen Oppositionschef Viktor Orban zu beobachten, dessen politische Anfänge noch liberal geprägt waren, aber auch bei den Brüdern Kaczynski in Polen. Deren Partei nennt sich 'Partei für Recht und Gerechtigkeit'. In beiden Fällen wird das 'Eigene' als belagert dargestellt. Was früher durch den Sowjetimperialismus bedroht war, erscheint jetzt unter dem Druck der Globalisierung als gefährdet. Alte und neue Feindbilder haben Konjunktur." Als Antwort fordert Wagner eine "stärkere Vernetzung der zivilen Kräfte über die Grenzen hinaus, zwischen West und Ost".
Arian Fariborz beschreibt die sehr populäre, allerdings auch stark von der Religion geprägte Theaterkultur des Iran. Das "Fadjr"-Festival wird vom Präsidenten Ahmadinedschad höchstpersönlich eröffnet, und die Zensur ist allgegenwärtig: "So benötigen sämtliche Theaterstücke für eine öffentliche Inszenierung die Erlaubnis des 'Ministeriums für Kultur und islamische Führung'. In der Regel müssen sich die Regisseure mit ihrem Drehbuch und den Proben einer dreimaligen Prüfung unterziehen, bevor sie vom Ministerium die Erlaubnis zur Aufführung erhalten."
Besprochen werden eine Ausstellung mit John Constables großen Landschaften in der Tate Britain und Bücher, darunter der zweite Band des "Kapitals" von Karl Marx in der neuen Gesamtausgabe.
In Literatur und Kunst finden sich zwei Essays zum herannahenden Schweizer Nationalfeiertag am 1. August. Martin Meyer schreibt unter dem Titel "'Wilhelm Tell' oder die Hoffnung auf Vernunft und Tat" über Friedrich Schiller und die Idee der Freiheit. Und Iso Camartin macht sich Gedanken zum 14 Juillet und zum 1. August.
Einige Artikel widmen sich architektonischen Themen. Roman Hollenstein blickt auf eine vitale junge Architektenszene im Tessin. Markus Jakob begutachtet die Torre Agbar in Barcelona, den ersten Wolkenkratzer des französischen Architekten Jean Nouvel. Und Hubertus Adam stellt das Amsterdamer Büro UN Studio vor, das nicht nur durch neue Bauten, sondern auch durch theoretische Publikationen hervortritt.
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Frankfurter Rundschau, 29.07.2006
Der Schrifsteller Abraham B. Jehoschua berichtet im Interview von seinem Alltag mit Bombenalarm in Haifa: "Bei mir zu Hause haben wir, wie in den meisten modernen Apartments, einen Schutzraum aus verstärktem Beton, der sogar gegen biologische und chemische Angriffe geschützt ist." Jehoschua hält den Krieg für gerecht, warnt aber vor der Verfolgung "unmöglicher Ziele": "Eine 'Mission Impossible' wäre, eine komplette Entwaffnung der Hisbollah oder ihre politische Auflösung erreichen zu wollen. Das einzig Machbare ist, die Hisbollah von der Grenze zurück zu drängen und statt ihrer eine internationale Truppe dort zu stationieren. Und natürlich muss es einen Häftlingsaustausch geben. Wir werden die Geiseln nicht zurückbekommen, ohne der anderen Seite einige Gefangene auszuhändigen."
Weitere Artikel: In der Serie zu den Dingen des Alltags lobt und preist Harry Nutt die Bücherei. Renate Klett resümiert das 60. Theaterfestival in Avignon. Tim Gorbauch erinnert zum 150. Todestag an den Komponisten Robert Schumann. In ihrer "Plat du jour"-Kolumne freut sich Martina Meister über ein französisches Jubiläum: "70 Jahre bezahlte Ferien für Arbeiter". Stimmen zu Bayreuth: Nike Wagner äußert sich kritisch, Katharina Wagner eher freundlich.
Besprochen wird ein Konzert des kubanischen Pianisten Omar Sosa.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2006
Der libanesische Publizist und Politiker Ghassan Tueni macht in seinem Kommentar Israel wie Syrien für die Eskalation verantwortlich. Für den Libanon sieht er schwarz. "Dieser Krieg wird weder mit einem Sieg Israels noch mit einem Sieg der Hisbollah enden. Es handelt sich um eine typische No-win-Situation. Falls die Hisbollah den Krieg überstehen würde, wäre die gesamte Struktur der libanesischen Politik und Gesellschaft aus dem Gleichgewicht gebracht und der Nationalpakt sowie die bereits jetzt destabilisierte Machtverteilung gefährdet. Falls die Hisbollah aber zerschlagen würde, wüchse eine neue Generation radikaler Schiiten in einem Untergrund heran, der sie der Gesellschaft, in die sie integriert werden müsste, noch weiter entfremdete. Die Bereitschaft zum Märtyrertum, bei den Schiiten traditionell stark entwickelt, würde unvorstellbare Ausmaße annehmen."
Mit der Bayreuther "Walküre" unter Tankred Dorst und Christian Thielemann ist Julia Spinola gar nicht zufrieden. Dorsts Interpretation findet sie zum Teil ratlos oder unplausibel. Thielemanns Dirigat sei zwar manchmal ein wenig schütter, aber immerhin trägt er die "Sänger auf Händen". Zum Beispiel Adrianne Pieczonka, "eine darstellerisch wie stimmlich begnadete Sieglinde, die mit leichtgängigem, facettenreichem Sopran so hingebungsvoll wie nuancenreich jede Seelenfalte der Partie ausleuchtete".
Weitere Artikel: Abgedruckt wird Olga Neuwirths auf dem Festspiel-Symposion in Salzburg gehaltene Rede, in der die Komponistin wütend wie resigniert die Konzentration auf die Klassiker anprangert. "Will man die 'zeitgenössische Musik', weil sie unökonomisch ist, wegrationalisieren?" Hans-Joachim Müller hält die Aufregung um falsche Spesenabrechnungen und verschwundene Gemälde in der Stuttgarter Staatsgalerie nach einem klärenden Gespräch mit Direktor Christian von Holst für übertrieben. Ingeborg Harms zeigt sich wenig beeindruckt von der Boss-Modenschau auf dem Hockenheimring. Jürgen Dollase isst sich auf der Suche nach traditioneller deutscher Küche durch Brauhäuser von München bis Köln. Andreas Rossmann stellt Gerhard Richters aus farbigen Quadraten bestehenden Entwurf für ein Glasfenster (Bilder) im Kölner Dom vor. Edo Reents moniert, dass auf einer Gedenktafel an Thomas Manns Münchner Wohnhaus das Exil des Schriftstellers nicht erwähnt wird.
Auf den Wochenendseiten erinnert Wolfgang Burgdorf an die Tage um den 1. August 1806, als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst wurde, und Karl-Heinz Kohl besucht zwei Ausstellungen zu Robert Schumann in Bonn.
Eleonore Büning präsentiert auf der Schallplatten- und Phonoseite die erste Stereoaufnahme des "Rings" aus dem Jahr 1955. Erwähnt werden auch das Album "Die Tiere sind unruhig" der Hamburger Rockband Kante, das Debütalbum der Cellistin Sol Gabetta und eine Auslese der besten Lieder der Band King Crimson.
Besprochen werden eine Ausstellung mit Fresken junger deutscher Maler im Bozener "Museion", ein Auftritt der Popgruppe Kettcar in Aschaffenburg, und Bücher, darunter Erzählungen von F. Scott Fitzgerald zum Anhören sowie Peter Stamms Roman "An einem Tag wie diesem" und Klaus Modicks Roman "Bestseller" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).
In der Frankfurter Anthologie wird Theodor Storms Gedicht "Geflüster der Nacht" vorgestellt.
"Es ist ein Flüstern in der Nacht,
Es hat mich ganz um den Schlaf gebracht..."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





