Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

30.05.2005. Die Welt berichtet über den Billigbuchmarkt in der Türkei, der vor allem nationalistische Schinken verbreitet. Die SZ singt eine Hymne auf das Münchner Allianzstadion. Die NZZ beklagt die Praxis sakraler Prostitution in Indien. Die FAZ berichtet über eine Falschmeldung der Gazeta Wyborcza.

Süddeutsche Zeitung, 30.05.2005

Gottfried Knaap singt eine Hymne auf die Allianz Arena, die nicht nur den Münchner Norden schlagartig aufgewertet, sondern auch eine funktionale Verschandelung des Olympiastadions verhindert hat. "Es ist gespenstisch, wie schnell die Öffentlichkeit verdrängt, dass sie jahrelang auf einer vermeintlich fußballgerechten Absenkung des Olympiastadions in den Grundwassersee bestanden und alle Alternativgedanken wütend unterdrückt hat." Alex Rühle verbringt eine Nacht in einer Privatloge (der SZ?) und lässt die "stehende Druckwelle" auf sich wirken.


Joachim Kaiser hört die Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann ein Beethoven-Programm meistern, das trotz seiner Popularität niemals verschlissen daherkommt. "Im Andante, das ja eine wunderbar farbige, immer wieder mystisch-abgebremste, programmatische Vorbereitung des Finales darstellt - verwirrt eine tänzelnd-synkopische piu-mosso-Stelle. Was bedeutet dieser unerwartete Ausbruch kurz vor Schluss?"

Till Briegleb erfährt vom Philosophen und Arbeitsforscher Frithjof Bergmann, wie der sich die Welt der "Neuen Arbeit" vorstellt: Jeder werkelt nach Lust und Begabung in dezentralen Minifabriken, unabhängig von Großkonzernen (mehr in den ersten 60 Seiten seines Buches). Franziska Augstein erfährt auf einer Tagung mehr über die großartige geisteswissenschaftliche Gemengelage an der Göttinger Universität des 18. Jahrhunderts. Der Kreative Moritz Reichelt lehnt an seinem perfekten Tag flugs das Bundesverdienstkreuz ab. "Nicht von Köhler!"

Besprochen werden die Uraufführung von Stefan Kaegis "Mnemopark" in Basel, eine Ausstellung mit Arbeiten von John Baldessari im Museum Moderner Kunst in Wien, gegen Ende nur noch "verbrauchtes" Tanztheater von Reinhild Hoffmann, Isabel Mundry und Brice Pauset in Mannheim, und Bücher, darunter "Der beschädigte Wüstling", die Satiren, Lieder und Briefe des Grafen von Rochester John Wilmot, Pierre Bourdieus Traktat "Die männliche Herrschaft" sowie Alfred C. Mierzejewskis "realistisches" Porträt von "Ludwig Erhard" (mehr in unsererer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Die Welt, 30.05.2005

Vor einiger Zeit mischte der Beststeller "Metallsturm" den türkischen Buchmarkt auf. Darin muss sich die Türkei heldenhaft gegen eine amerikanische Besatzungsmacht behaupten. Das Buch war nationalistisch und billig, Esmahan Aykol fürchtet, dass sich hier ein neues Erfolgsmodell durchsetzt: "Die 304 Seiten 'Metallsturm' kosten umgerechnet rund drei Euro. In dieser Höhe liegen auch die Preise für die neuen Ausgaben von Adolf Hitlers 'Mein Kampf', der daraufhin prompt ebenfalls zum Verkaufsschlager wurde. Und als Antwort auf den 'Metallsturm' gibt es schon einen neuen Bestseller zum Schnäppchenpreis: 'Amerika gehört uns - der Schnurrbart-Wirbelsturm'. Ebenfalls von einem Autorenduo verfaßt, erfüllt der Roman Erdogan Ekmekcis und Adem Özyols die Erwartungen aller Flügel der Nationalisten. Denn diesmal erobern die Türken die USA. Ein Außerirdischer verhilft einem türkischen 'Idealisten', einem Anhänger der nationalistischen Bewegung, zu einem Apparat, mit dessen Hilfe die Eroberung leichtes Spiel ist. Das Weiße Haus wird in den Farben der türkischen Flagge rot-weiß gestrichen, im Oval Office finden orientalische Gelage statt, Madonna übt sich in Bauchtanz - und der Freiheitsstatue wird ein Schnurrbart verpasst."

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Die Tageszeitung, 30.05.2005

Gabriele Goettle unterhält sich für ihre Reportage mit einer Pflegerin für Demenzkranke, die mit ihren Patienten in der Vergangenheit lebt. "'Sie haben, glaube ich, doch vor fünf Wochen hier noch gesteppt, Irmchen, zum Radetzkymarsch?' Irmchen schnellt von ihrem Sessel hoch, umklammert ihre Taschentücher, summt und beginnt ihre Füße in den goldenen Schuhen im typischen Stepptanzschritt mühelos zu bewegen, wirkt konzentriert und immer lockerer."


Oliver Reese hat mit "Goebbels" am Deutschen Theater die Tagebücher des Propagandaministers als Psychogramm eines faschistischen Menschen inszeniert. Dietmar Kammerer klatscht Beifall ob so viel Authentizität. "Reese hat seine Figur weniger analysiert als zerlegt und lässt Goebbels nicht von einem, sondern von gleich vier Darstellern auf die Bühne bringen. Der Effekt ist verblüffend. Der oberste Propagandist sagt so oft 'ich, ich, ich' in seinen Tagebüchern, dass Reese vermutlich nicht umhin konnte, ihn beim Wort zu nehmen und als mehrere Ichs zu inszenieren: einen selbstmitleidigen Zweifler, einen sich selbst radikalisierenden Fanatiker, einen zynischen Machtmenschen mit Rachegelüsten und einen, der bis zuletzt den 'Führer' verehrt, dessen Kult er selbst geschaffen hat."

Rot-Grün war ein Generationenprojekt, Schwarz-Gelb ist es auch, meint Patrik Schwarz in einem Debattenbeitrag. "Schwarz-Gelb wird dieses Land in seiner ganzen Breite verändern, weil an Merkel und Westerwelle eine Generation von Frühvierzigern bis Endfünfzigern aus bürgerlichen Milieus hängt, für die der Machtwechsel die letzte biografische Chance ist, in der Berliner Republik Spuren zu hinterlassen. Am deutlichsten hat das bisher FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher benannt, der damit zugleich seinen Anspruch begründete, der Herold dieser neuen Zeit zu sein."

Weiteres: Jochen Schmidt erzählt von seiner Beziehungskrise mit Berlin. In der zweiten taz läuft der Wahlkampf auf Hochtouren. Susanne Lang lässt sich im Interview von Schauspieler Peter Lohmeyer und Regisseur Lars Jessen erklären, warum sie die "Müslis" veräppeln und dennoch im Herbst die Grünen wählen. Strafverteidiger Jony Eisenberg fordert Rücktritte statt Neuwahlen. Peter Unfried denkt im ersten Teil seines Wahlkampf-Tagebuchs über Joschkas Medienkarriere als "Fatboy" nach. Albert Hefele imaginiert mal wieder ein Gespräch zwischen Politikerin Angela Merkel und ihrem Haarbändiger Udo Walz.

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 30.05.2005

Aufgeklärt verlässt Frank Keil eine Schau in der Lübecker Katharinenkriche, die sich mit der nun 50-jährigen Wirkungsgeschichte Thomas Manns beschäftigt. "Endgültig erhellend wird der mediale Blick zurück, ist man in der Krypta angelangt, wo noch einmal Heinrich Breloers Doku-Epos 'Die Manns' in voller Länge gezeigt wird. Die Besucher sitzen eng hintereinander gestaffelt auf harten Kirchenbänken, dämmrig sickert das Licht durch die Kirchenfenster, während Golo Mann sinniert und Veronika Ferres trinkt, und man merkt jetzt fern von heimischem Fernseher und vertrauter Bücherwand, wie sehr sich Breloer hinter dem Rücken von Elisabeth Mann-Borgese fortwährend verbeugt, wobei - Brrrr! - einem aus dem Kirchboden die feuchte Kälte in die Beine zieht."


Thomas Medicus hat bei der Abschlussveranstaltung des "Kulturjahres der Zehn" zur EU-Erweiterung jähe Gefühlstemperaturstürze erlebt, nur die Erwähnung der USA fehlt ihm, wie er uns in einer Times mager kundtut. Der Medienteil: Religion erlebt keine Renaissance, sondern ist in der Presse nur gerade stark vertreten, erfährt Joachim Göres in einer Diskussionsrunde mit Journalisten auf dem gerade zu Ende gegangenen Evangelischen Kirchentag. Und Vera Int-Veen versichert Jan Freitag vor der zweitausendsten Folge von "Vera am Mittag": "Es geht zurück zum gepflegten Talk."

Besprechungen widmen sich der Uraufführung von Oliver Reeses "Goebbels" am Deutschen Theater Berlin ("Was sich als Enthüllung ausgibt, ist wieder nur der, zumal von Goebbels selbst zensierte, Blick durchs Schlüsselloch", moniert Nikolaus Merck) und dem Musik-Theater von Isabel Mundry, Brice Pauset und Reinhild Hoffmann in Mannheim (Hans-Jürgen Linke preist die von dem Trio praktizierte "Kunst des Weglassens").

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Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2005

Brigitte Voykowitsch berichtet vom "Schauplatz Indien" über indische Tempeldienerinnen, genannt Jonginis, in Andhra Pradesh. "Um Yellamma gnädig zu stimmen, weihen Eltern in den Dörfern von Andhra Pradesh bis heute ihre Töchter zu Joginis, wenn sie sich Söhne wünschen oder Probleme in der Familie auftreten. Diese 'Dienerinnen der Göttin' waren einst geachtet, betont Narsamma, eine ältere Jogini aus dem gleichen Dorf. Heute dagegen arbeiteten die meisten 'als gewöhnliche Prostituierte'. Gemäß Expertinnen dürfte dies tatsächlich zutreffen. Eine Jogini darf nicht heiraten und muss jedem Mann, der mit ihr schlafen möchte, zur Verfügung stehen. 40.000 Joginis soll es derzeit in Andhra Pradesh geben, obwohl die Praxis seit 1988 gesetzlich verboten ist."


Der Schweizer Schriftsteller Hugo Loetscher unterstreicht die Bedeutung des New Europe College in Bukarest, das sein zehnjähriges Bestehen feiert. "Mit den Ausbildungsmöglichkeiten des New Europe College ergibt sich ein Mentalitätswechsel und eine Bewusstseins-Aufwertung, die für die junge Demokratie Rumäniens und auch der südosteuropäischen Region von großer Aktualität sind."

Besprochen werden die Ausstellung "Albert Einstein - Ingenieur des Universums" im Berliner Kronprinzenpalais, die auf Oscar Wildes "Lady Windermeres Fächer" basierende Filmkomödie "A Good Woman" des Regisseurs Mike Barker, ein Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit Dirigent Trevor Pinnock und Pianist Grigory Sokolov in der Tonhalle Zürich sowie Jorge Edwards' Roman "Der Ursprung der Welt" (Leseprobe). (Siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2005

Auf der Medienseite berichtet Olaf Sundermeyer über einen Zeitungsskandal in Polen. Ausgerechnet die renommierte Gazeta Wyborcza ist einer falschen Geschichte über Korruption im Warschauer Hauptkommando der Polizei aufgesessen. "Der Artikel erschien ohne Quellenangabe - und ohne Stellungnahme der beschuldigten Behörde. Der stellvertretende Chefredakteur Piotr Stasinski sagte dazu: 'Wenn wir unsere Quellen beim Hauptkommando gegengeprüft hätten, wären dort alle alarmiert gewesen.' Dieses Versäumnis entwickelte sich im Lauf der Woche zur eigentlichen Affäre, weil sich die Geschichte als Ente entpuppte. 'Damit hat die Redaktion der Gazeta Wyborcza einen schweren handwerklichen Fehler gemacht', sagt der Journalist Bronislaw Wildstein, der die sogenannte 'Wildsteinliste' mit Namen von Personen, die Kontakt zum polnischen Inlandsgeheimdienst gehabt haben sollen, öffentlich gemacht hat." Nachdem die Falschmeldung als solche bekannt wurde, erklärte die Gazeta das ganze kurzerhand zur "Intrige im Polizeiapparat, sie sei von Informanten bewusst benutzt worden, um künstlich einen Skandal zu provozieren: 'Wir sind die Opfer.'"


Weitere Artikel: Die Münchner Allianz Arena ist zwar "keine Revolution der Sportarchitektur", wie es das alte Olympiastadion war, findet Niklas Maak, aber ganz okay: "Das effektvolle Fassadenkleid ist für das 21. Jahrhundert, was die Lederhose für die Vergangenheit war: ein einprägsames Bild für 'Bayrishness' und 'Munification'." Gina Thomas erklärt, warum die Briten keine Beutekunst an eine jüdische Familie zurückgeben: Sie fürchten einen Präzedenzfall, der sie eines Tages die Parthenon-Skulpturen (Elgin Marbles) kosten könnte. Andreas Platthaus schildert Eindrücke vom Kirchentag. Regina Mönch berichtet, dass Marcus Herold, der Betreiber des Berliner Tränenpalastes, Insolvenz anmelden musste, weil er die hohe Miete in Mitte nicht bezahlen kann. Matthias Grünzig stellt das "vorzüglich restaurierte" Lausitzer Schloss Rammenau vor. Andreas Rossmann schreibt zum Hundertsten des Kunstmäzens und Übersetzers Albert Schulze Vellinghausen. Eberhard Rathgeb hat einer Vorlesung über "Grundlagen der Ingenieurbiologie" zugehört. Und Marlis Prinzing berichtet über das fünftägige "Fest der Wissenschaften und der Künste" in der Schweiz.

Auf der letzten Seite porträtiert Alexandra Kemmerer die Soziologin Myra Marx Ferree, die in Berlin einen Vortrag über "Religion und die Abtreibungsdebatte in Deutschland und den Vereinigten Staaten" hielt. Martina Kuhna schreibt über Suchdienste, die immer noch seit 1945 vermisste Deutsche suchen. Und Wolfgang Sandner erklärt, warum der Polar Music Prize nur ein "inoffizieller" Nobelpreis für Musik ist.

Besprochen werden Oliver Reeses "Goebbels" am Deutschen Theater Berlin, eine Musik-Tanztheater-Uraufführung nach Schiller in Mannheim, die Ausstellung "Ballnächte" mit Fotografien von Jakob Tuggener im Essener Museum Folkwang, Alex de la Iglesias Filmkomödie "Ein ferpektes Verbrechen" (der Titel lautet wirklich so) und Sachbücher.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes

22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen  bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen

In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb

21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen

Das nenne ich totalitär

18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen

Tagtäglich dem Leser zugemutet

17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Ist Gott jetzt zufrieden?

16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen

Samples der Oberflächenwelt

15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen

Filzhaltige Kunstzeichen

14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen

Es zeichnet sich der Morgenstern ab

13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen

Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht

11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen

Was öffentlich ist und was nicht

10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen

Hegemoniale Metaerzählung

08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen.  Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen  bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen

So sehr haben die Chefs Angst

07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen

Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung

06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald  zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen

Die Empörung ist eine europäische Sünde

04.05.2013. In der Welt spricht Kevin Powers über seinen Roman "Die Sonne war der ganze Himmel". Daily Mail stellt kleidsame Wollkappen für Schildkröten vor. Die taz trauert um die einst so angesagte Clubszene von Berlin. Für die FAZ legt die Psychoanalytikerin Julia Kristeva ganz Europa auf die Couch. Und alle gedenken Søren Kierkegaards. Mehr lesen

Steile Hierarchien, Massenproduktion, Akkordarbeit

03.05.2013. In Foreign Policy rät Arch Puddington zum heutigen Tag der Pressefreiheit von der Reise in die zehn schlimmsten Länder für Journalisten ab. Die NZZ stellt die Designerin Inga Sempé vor. Mit Longform.org verlinken wir auf die "2013 National Magazine Awards Winners" mit Texten aus dem Atlantic und Texas Monthly. In der NYRB schreibt Ian Buruma über David Bowie. Die FAZ liest den Briefwechsel zwischen Grass und Brandt und empfiehlt Telekom-Kunden die Exhumierung ihrer Akustikkoppler. Die SZ besucht eine Ausstellung über die Geburt der neusten Technik aus dem Geist des Hippietums. Mehr lesen

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