Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

31.05.2005. Braucht Europa eine Trikolore, fragt die SZ. Ein Gespenst geht um in Frankreich, weiß die FR: le plombier polonais. In der FAZ rümpft Viktor Jerofejew die Nase nach dem französischen Furz. In der Welt erklärt Ayaan Hirsi Ali, warum sie gegen eine Gleichberechtigung der Kulturen ist. Welt, Tagesspiegel und taz erinnern an Rainer Werner Fassbinder.

Frankfurter Rundschau, 31.05.2005

Martina Meister beobachtet ungläubig Reaktionen in Frankreich auf das gescheiterte Referendum. Entweder beschwören die Gegner der europäischen Verfassung das Gespenst des "plombier polonais", des polnisches Klempners, oder sie schmücken sich mit pompösen Parolen von Andre Malraux: "'Der Sklave sagt immer Ja; nur der freie Mensch weiß Nein zu sagen.' Solche Sätze sind perfekt für die politische Selbstinszenierung, die Frankreich jetzt nötiger hat denn je: das Nein als höchster Ausdruck politischer Freiheit. 'Auf die Knie, Europäer, vor unserem Nein!', ironisiert Serge July, Chefredakteur der Tageszeitung Liberation, der das Nein ansonsten als 'masochistisches Meisterwerk' bezeichnet. Andere Kommentatoren sprechen von einem 'kalten Aufstand'. Der Mai 2005 wird allen Ernstes verglichen mit dem Mai 1968."


"Wann, wenn nicht jetzt?", fragt Peter Michalzik, sei der Zeitpunkt zum großen politischen Umbruch: "Neben der großen, vielleicht übergroßen Erwartung der Wähler gibt es ein breites Verständnis dafür, dass etwas Grundlegendes geschehen muss. Auch für harte Schnitte dürfte es noch eine Art einsichtig-schuldbewusster Dankbarkeit geben... Angela Merkel hat die äußeren Voraussetzungen, den Gordischen Knoten der Bundesrepublik zu zerschlagen. Dazu aber darf sie nicht mehr tun, was sie unter Helmut Kohl gelernt hat: Taktisch agieren."

Weiteres: Frank Hoffmanns Abkehr von der unkonventionellen Festivalleitung scheint sich zu rechnen, meint Stefan Keim: "Die Ruhrfestspiele zeigen Lessing statt Castorf und Mummenschanz statt Schlingensief." Und das Publikum ist wieder da. Für sehr geglückt hält Christoph Schröder das erste Hildesheimer Festival für junge Literatur "Prosanova". Auf die Beine gestellt haben das Studenten. Oliver Herwig wandelt durch die Frei-Otto-Retrospektive in der Münchner Pinakothek der Moderne und feiert den Architekten als jemanden, der "mit Leichtigkeit gegen Brutalität" baute. Besprochen werden Johannes Schaafs Inszenierung von Rimski-Korsakows "Zarenbraut" in Zürich und Politische Bücher (siehe unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Süddeutsche Zeitung, 31.05.2005

"Jacques Chirac, der glücklose Westentaschen-Bonapartist, hat sich ein weiteres Mal verrechnet." Gustav Seibt betont im Leitartikel, dass das "Non" der Franzosen zur EU-Verfassung aber nicht nur innenpolitisch motiviert ist. "Neben der Furcht vor dem Türkeibeitritt und den Vorbehalten gegen die 'Überdehnung' Europas nach Osten steht der Widerstand gegen die als marktradikal und bürokratisch zugleich geltende Brüsseler Wirtschaftspolitik. Beide Motive laufen freilich ebenfalls auf Kleinteiligkeit und den Rückzug in vertraute politische Räume hinaus. Solche Motive existierten auch im Deutschen Bund vor Bismarcks gewaltsamer kleindeutscher Lösung, und sie haben lange überlebt. Aber in Europa gibt es bisher nicht einmal ansatzweise das Widerlager einer übergreifenden populären Einheitsbewegung. Europa hat aus guten Gründen keine Trikolore. Was das bedeutet, muss jetzt neu überdacht werden."


Der Schriftsteller Jean Rouaud erklärt Axel Rühle dagegen, dass das Nein vor allem innerhalb Frankreichs von Bedeutung ist. Die Regionen werden weiter gestärkt. "Paris ist inzwischen eine schläfrige alte Dame. Lille, Bordeaux, Marseille, diese Städte pulsieren vor Energie. Sie wenden sich alle ab von Paris, die Dezentralisierung geht in unglaublich schnellen Schritten voran." Trotz dieser konstruktiven Facette gilt für Rouaud aber weiterhin: "Das ganze Land gehört dringend auf die Couch."

Harald Eggebrecht schreibt zum Tod des Schriftstellers und Mitbegründers der Grünen Carl Amery. Hermann Unterstöger nutzt die Zwischenzeit zu Betrachtungen über Afrika und mordende Verwandte. Fritz Göttler erinnert kurz an Sound of Music, den Welthit des Jahres 1965 mit der Trapp-Familie. Genervt von der "Betroffenheitspädagogik" spaziert Helmut Schödel durch Wien, als Teil von David Maayans Projekt "Der Familientisch" auf den Wiener Festwochen. Olaf B. Rader erfährt auf einer Tagung in Greifswald, wie Kriege im Mittelalter legitimiert wurden. Henning Klüver kolportiert, dass Händels Kantate "Il pianto di Maria" jetzt als Werk von Giovanni Domenico Ferrandini erkannt wurde.

Auf der Medienseite äußert sich Kurt Beck in seiner Funktion als Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder (mehr) zur Lage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Beck stellt die Effizienz der Landesmedienanstalten in Frage. Und natürlich fordert er mehr Qualität und Neutralität. "Die Öffentlich-Rechtlichen wären gut beraten, wenn sie künftig mit weniger Werbezeit und Werbegeldern auskämen." Johannes Honsell berichtet, wie das ZDF sich mit juristischen Manövern gegen die Ansprüche des "greisen" Filmhändlers Erich Mehl wehrt.

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken des jungen polnischen Malers Rafal Bujnowski im Düsseldorfer Kunstverein, der mit einem übermalten Pass die amerikanischen Zollbeamten gefoppt hat, Robert Luketic' Komödie Schwiegermonster, das Splatterstück "Theatre of Blood" der Theatergruppe "Improbable" im Londoner Theatre, in dem Kritiker auf literarisch inspirierte Weisen ermordet werden, die Uraufführung von Werner Fritschs "Nico - Sphinx aus Eis" als Oper in Dresden, Mauricio Kagels Dirigentenauftritt mit eigenen Werken, darunter die "spektakuläre" Uraufführung von "Fremde Töne und Widerhall", bei der Musica viva in München, und Bücher wie Jenny Erpenbecks "Wörterbuch" (aufgemacht wie eine altmodische Fibel, hat es bei aller artifiziellen Kindlichkeit etwas Frühvergreistes", beobachtet Kristina Maidt-Zinke), "Briefe und Dokumente aus den Jahren 1853 bis 1880" des Germanisten Wilhelm Scherer sowie Isabel Platthaus' Darstellung verschiedener "Höllenfahrten" (mehr in unserer Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

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Der Tagesspiegel, 31.05.2005

"Allmählich gewöhnen sich die Berliner Franzosen an das Elend, das sie am Tag nach einer Abstimmung im Mutterland zu befallen pflegt: Gesenkten Hauptes bewegen wir uns durch unsere Adoptivstadt und hoffen, dass niemand uns erkennt. Wenn ein Nachbar uns zuruft: 'Ihr seid vielleicht eine Nationalistenbande!', möchten wir am liebsten im Boden versinken", gesteht Pascale Hugues im Tagesspiegel und versucht sich dann an einer Ehrenrettung ihrer Landsleute. "Man kann den Franzosen nicht vorwerfen, sie hätten sich von blindem, unreflektiertem Zorn hinreißen lassen. Die Wahlbeteiligung lag so hoch wie schon lange nicht mehr. Europa löste die Zungen und entfesselte hitzige Debatten. Ob in der Familie oder im Büro - die EU-Verfassung stand im Mittelpunkt der Gespräche. Vier trockene Sachbücher über die Verfassung führten die Bestsellerlisten an. Man könnte glauben, das europäische Verfassungsrecht sei über Monate hinweg die fixe Idee eines ganzen Volkes gewesen. Kein Vergleich zu der unterkühlten Bundestagssitzung, bei der der Verfassungsvertrag angenommen wurde."


Peter W. Jansen erinnert sich an Begegnungen mit Rainer Werner Fassbinder - zum Beispiel im Mai 1974 in Cannes: "Rainer Werner Fassbinder stand am Flipperapparat in der BarPetit Majestic, in einer kleinen Seitenstraße zwischen Croisette und Rue d'Antibes in Cannes, als wir über Curtiz sprachen. Vorn auf der Maschine lag seine brennende Zigarette, während er sich eine neue ansteckte. So erlebte ich ihn immer: pausenlos rauchend. Bei Fernsehsendungen mit ihm musste stets die Feuerwehr bestellt werden."

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Die Tageszeitung, 31.05.2005

Seit den 90er-Jahren ehren Retrospektiven in New York, London, Paris und bald auch Tokio Rainer Werner Fassbinder. Nur in Deutschland bleibt es still, ein paar Geburtstagsartikel ausgenommen. Thomas Elsaesser schreibt zum 60. Geburtstag des 1982 gestorbenen Regisseurs: "Jean Luc Godard sagte einmal: 'Vielleicht stimmt es, dass alle seine Filme schlecht sind, aber trotzdem ist Fassbinder Deutschlands größter Filmemacher. Er war zur Stelle, als Deutschland Filme nötig hatte, um zu sich selbst zu finden. Er ist nur noch mit Rossellini zu vergleichen, denn selbst die Nouvelle vague hat es nicht geschafft, Frankreich so präsent zu machen, wie es das Nachkriegsdeutschland in Fassbinder ist.'"


Weitere Artikel: Christiane Tewinkel berichtet von einem Vortrag Paul Bermans, der in der American Academy in Berlin über die Wurzeln des Antiamerikanismus nachdachte. Gerrit Bartels berichtet über das Festival für junge Literatur "Prosanova" in Hildesheim. Jan Engelmann war dabei, als im Berliner Instituto Cervantes Intellektuelle und Politiker über Erinnerungskulturen in Spanien und Deutschland diskutierten.

Und Tom.

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Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2005

Der im November 2004 fertiggestellte Report der rumänischen Holocaust-Kommission sollte so schnell wie möglich öffentlich gemacht werden, meint Markus Bauer. Er zitiert den der Kommission angehörenden Schriftsteller und Publizisten William Totok, der die Wichtigkeit des Berichts betont: "'Zum ersten Mal hat Rumänien offiziell in einer von der Regierung unabhängigen Institution Verantwortung für das Geschehene übernommen und anerkannt, dass Rumänien als zweites Land nach Deutschland den Holocaust mitzuverantworten hat.'" Dennoch, schreibt Bauer, sei "die gesellschaftliche Einsicht in die Bedeutung des Berichts noch gering ... Sie reicht nach Totoks kritischer Einschätzung über Lippenbekenntnisse nicht hinaus."


Uwe Justus Wenzel amüsiert sich auf dem Internationalen Hegel-Kongress in Stuttgart über "eine nicht nur 'symbolische' Marginalisierung". "Vorträge und Diskussionen hatten in räumlicher Enge stattzufinden, in einem Seminartrakt des Kultur- und Kongresszentrums Liederhalle. Die großzügigen Musiksäle standen, außer für zwei öffentliche Abendvorträge, nicht mehr zur Verfügung. Sinnigerweise war sogar der 'Hegel-Saal' anderweitig belegt und einem eher Hegel-fernen Zweck zugeführt worden ('Dentale Technologie e. V.')."

Weiteres: Tilman Urbach trauert um Carl Amery, der bereits am vorigen Dienstag 83-jährig in München verstarb. Das Architekturmuseum der Technischen Universität München gratuliert dem Architekten und Ingenieur Frei Otto zum 80. Geburtstag mit der ersten großen Retrospektive seines Werkes überhaupt, zu sehen bis zum 28. August in der Pinakothek der Moderne.

Besprochen werden außerdem die von Johannes Schaaf inszenierte "Zarenbraut" Rimski-Korsakows im Opernhaus Zürich, Harry Frankfurts Essay über "Gründe der Liebe", sowie drei Romane: Claude Simons "Das Gras", Luis Landeros "Zauberlehrling" und Uwe Tellkamps "Eisvogel" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).

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Die Welt, 31.05.2005

Die niederländische Politikerin Ayaan Hirsi Ali spricht im Interview über Nutzen und Grenzen von Religionskritik: "Ich bin Politikerin geworden, um laut sagen zu können: Frauen im Islam werden unterdrückt. Und diese Frauen sind überall. Und in liberalen Gesellschaften ignorieren wir sie, anstatt ihnen zu helfen. Ich hätte nie gedacht, daß ich solche Reaktionen hervorrufen würde. Aber deshalb werde ich nicht aufhören. Ich lehne keine multikulturelle Gesellschaft ab, ich lehne ihre Theorie ab, die von der Gleichberechtigung aller Kulturen ausgeht. Eine Kultur, die Ehrenmorde und die Unterdrückung der Frau vorsieht, ist nicht gleichwertig mit einer Kultur, die die Freiheit des Individuums schützt."


Außerdem gibt es eine Reihe von Artikeln zu Rainer Werner Fassbinder, der heute gerade mal sechzig Jahre alt geworden wäre. Produzent Günter Rohrbach schreibt zum Beispiel: "Ob Fassbinder der bedeutendste Filmemacher dieses Landes war, steht dahin. Wo wäre auch die Instanz, um das zu dekretieren? Ohne Zweifel war er aber das einzige wirkliche Genie der letzten 50 Jahre, dank dieser explosiven Mischung aus Begabung, Energie und Durchsetzungskraft. Zeit, das wissen wir spätestens seit Einstein, ist ein relativer Begriff. Fassbinder hatte zwar nur 37 Jahre, aber er lebte sie in dreifacher Geschwindigkeit. Er war also weit über die 60 hinaus, als er starb."

Kameramann Michael Ballhaus, der mit ihm zusammen etliche Filme gedreht hat, fragt, wie man sich Fassbinder heute wohl vorstellen müsste: "Ich bin sicher, dass er die neuen, hochauflösenden Videokameras als einer der ersten benutzt hätte, denn mit diesem Medium lässt sich billig und schnell produzieren. Und er hätte es mediengerecht benutzt, wie zum Beispiel die Macher von 'Mucksmäuschenstill'."

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2005

Das französische Nein treibt auch die FAZ um. Michael Jeismann findet es begrüßenswert: "Mit ihrem Votum gegen diese europäische Verfassung aber, das innenpolitische Motive sowie Ängste vor den neuen Mitgliedstaaten enthält, haben die Franzosen objektiv für ein besseres Europa, für ein Europa konkreter Hoffnung abgestimmt." Und Christian Geyer kann mit Europa schon gar nichts anfangen: "Europa - das ist für die Mehrzahl von uns Euro-Bürgern in der Tat nicht viel mehr als ein Märchen aus alten Zeiten, allein den paar Karlspreisträgern ging es nicht aus dem Sinn, wir aber fragen uns, wo sie denn zu hören ist, die wundersame, gewaltige Melodei."


Anders, nämlich einhellig entsetzt, klingen die Stimmen einiger Intellektueller, die die FAZ gesammelt hat: Es äußern sich unter anderen

Viktor Jerofejew: "Ungeachtet meiner Liebe zu Frankreich kommt es mir so vor, als habe das Land am Sonntag einen unanständigen Laut von sich gegeben und damit die Luft in Europa gründlich verdorben."

Adam Krzeminski: "Die Franzosen gelten als Partner, auf die man im Ernstfall nicht unbedingt zählen kann und die sich in der Stunde der Wahrheit der Verantwortung entziehen."

Michael Frayn: "Die Nachricht ist herzzerreißend."

Emmanuel Todd: "Nur Europa kann die Institutionen begründen, die im internationalen Konkurrenzkampf etwas taugen. Das Nein ist ein brillantes Eigentor der Gegner."

Weitere Artikel: In der Leitglosse hält die Journalistin Edo Reents daran fest, "dass das Maskulinum in den meisten Sprachen das primäre Geschlecht ist" und lehnt darum die direkte Ansprache von Bürgerinnen und Wählerinnen durch Politiker und Politikerinnen ab. Paul Ingendaay hat einem Berliner Gespräch zwischen deutschen und spanischen Autoren über die Vergangenheitsbewältigung in den beiden Ländern zugehört. Wolfgang Sandner schreibt zum Tod des Jazzsängers Oscar Brown Jr.. Andreas Rossmann schreibt zum Tod der Übersetzerin und Kritikerin Elisabeth Braem-Kaiser.

Auf der Medienseite schreibt Jürg Altwegg über einen Streik Pariser Zeitungskioske. Und Michael Hanfeld analysiert die zur Zeit offensichtlich recht glücklose Programmpolitik bei RTL. Für die letzte Seite hat Heinrich Wefing den Architekten Frei Otto besucht, der heute achtzig Jahre alt wird. Wolfgang Sandner schreibt über Christina Weiss' Vorschlag einen "Rat der Kulturweisen" analog dem Rat der Wirtschaftsweisen zu gründen. Und Andreas Kilb stellt den Plan einer neuen monumentalen und von Jan Philipp Reemtsma getragenen Werkausgabe Walter Benjamins vor. Die neue DVD-Seite ist ganz Rainer Werner Fassbinder gewidmet.

Besprochen werden die Ausstellung "Le Neo-impressionnisme" im Pariser Musee d'Orsay, eine ganz frühe Oper Emilio de Cavalieris in Köln und Lesungen jüngster Literatur beim Hildesheimer Prosanova-Festival.

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Vom Verenden des Verstehens

26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen

Grenzen spielen eine ambivalente Rolle

25.05.2012. Heise Online und die Welt melden: Die Urheberrechtsabgaben für USB-Sticks steigen um bis zu 1850 Prozent. Die FR bewundert in ihrer Cannes-Kolumne Nicole Kidman in der Rolle ihres Lebens. Die FAZ resümiert die spanische Debatte um Mario Vargas-Llosas jüngstes Buch "La civilización del espectáculo". Mehr lesen

Belebung der Leiber

24.05.2012. In der NZZ beschreibt die Schriftstellerin Mansura Eseddin die Situation kurz vor den Wahlen in Ägypten. In der taz erzählt Wes Anderson, was ihn an den 60er Jahren interessiert. In der FAZ erklärt Peer Steinbrück dem Genossen Thilo Sarrazin noch einmal, warum wir den Euro brauchen. In der Zeit erklärt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Die Piraten sind keine Modeerscheinung. SZ, Welt und taz feiern den neuen Film von Leos Carax und seinen Hauptdarsteller mit dem hässlichen und wunderschönen, bösen und romantischen Gnomengesicht: Denis Lavant. Mehr lesen

Pragmatische Theorie der Tücke

23.05.2012. Die Welt erzählt, was man in der großen Ausstellung über den jungen Dürer in Nürnberg lernen kann. Und sie spricht sich gegen die Vorschläge der Piratenpartei zum Urheberrecht aus.  In der SZ begrüßt der Historiker Michael Wildt neue Blicke auf die Gewaltzusammenhänge des 20. Jahrhunderts. Und Georg Klein zerschneidet Schnecken. Slate.fr fragt: Wie frauenfeindlich darf ein Festival wie Cannes sein? Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Gelegentlich auch finster und bizarr

22.05.2012. Die Inszenierung von "The Rake's Progress" in Frankfurt ist zwar ein bisschen bieder, findet die FR, aber ansonsten: tolle Oper! Die FAZ stellt erstaunliche Parallelen zwischen den Urheberrechtspositionen der SPD und der Piraten fest. Die SZ versucht mithilfe der Nobeltpreisträgerin Elinor Ostrom Urban Gardening und Filesharing zu verstehen. Alle trauern um Robin Gibb. Und die NZZ meint zur Position der deutschen Sarrazin-Kritiker: "Hilflos strampeln sie mit im System der Vermarktung, das sie verdammen." Mehr lesen

Figur der Jederzeitlichkeit

21.05.2012. Wie können die Europäer eigentlich in ein Land kommen, wo gefoltert wird, um ein Fußballfest zu feiern?, fragt Juri Andruchowytsch in der FR. Aber sie singen ja auch in Baku, notiert die taz. Im sonnigen Cannes hebt sich die Düsternis dänisch-österreichischer Autorenfilme besonders vorteilhaft ab, findet die Welt. Im Perlentaucher plädiert Katharina Hacker für das Teilen von Texten - und gegen "Geistiges Eigentum". Die NZZ lernt in Japan: Wer hundert werden will, muss lernen, lernen, lernen.  Mehr lesen

Auch bei geringsten dynamischen Graden

19.05.2012. In der Welt gratuliert Kontatin Grcic dem Designerkollegen Dieter Rams, der ihn auf den Pfad der Tugend zurückführte. Die taz überlegt, ob die Geschichte von kino.to als Hollywoodfilm nachzuerzählen wäre, und welche Rolle dabei den Verbänden der Filmindustrie zukäme. Die SZ kritisiert in der Urheberdebatte den Autoren-Aufruf und fordert konstruktive Lösungen. Die FAZ bewegt sich mit Grausen durch spanische Investitionsruinen. Alle trauern um Dietrich Fischer-Dieskau. Mehr lesen

Das Theater, es lebt, es lebt

18.05.2012. Die Berliner Volksbühne ist wieder auferstanden, meldet die taz nach dem Berliner Theatertreffen. Die Welt ist beglückt von Wes Andersons Film "Moonrise Kingdom", der das Festival von Cannes eröffnete. Das Blog Movie Morlock hat passend zum Anlass Glamour-Fotos aus den besseren Jahren des Festivals zusammengestellt. In der FAZ macht Frank Rieger vom CCC einen Vorschlag zur Steuerrevolution. In deutschen Blogs wird immer noch recht heftig über den Urheber-Aufruf diskutiert. Gibt es ein Menschenrecht auf "Geistiges Eigentum"? Mehr lesen

Sie rezensieren, loben und verbreiten auch

16.05.2012. Der Urheber-Aufruf sorgt weiter für Debatten - nun melden sich allerdings auch Autoren, die ihn kritisieren. Cora Stephan will in der Welt die Front gegen die Leser aufbrechen. Benjamin Stein fordert in der Jüdischen Allgemeinen die Anpassung des Urheberrechts an das digitale Zeitalter. Alle Zeitungen begrüßen den Büchner-Preis für Felicitas Hoppe. Nur die SZ überlegt, wer ihr lieber gewesen wäre. Mehr lesen

Viel mit der Hand abgeschrieben

15.05.2012. Die taz kritisiert die Bild: Denn die macht keinen soliden Journalismus, wie er zum Beispiel von Elke Heidenreich verkörpert wird. Jörg Lau kritisiert in seinem Zeit-Blog die taz und erinnert sie daran: Auch wer provoziert, ist nicht selbst schuld, wenn er am Ende dafür umgebracht wird. Die FR ist traurig über die Gentrifizierung Hamburgs. Und Sibylle Lewitscharoff plädiert in der FAZ fürs Urheberrecht. Mehr lesen

Von bürgerlichen Medien empfohlen

14.05.2012. Heftig herumgedruckst wird bei der Berichterstattung über den Eklat bei der Verleihung des Henri-Nannen-Preises: Eigentlich missgönnt SZ-Redakteur Hans Leyendecker den Kollegen von der Bild den Preis gar nicht, schreibt die Bild. Und die SZ zitiert lieber eine Stellungnahme des Netzwerks Recherche - als wäre das nicht Leyendeckers Club. Die taz findet trotzdem: Die SZ-Kollegen sind Helden. Die FAZ ist empört über eine Aktion anonymer Hacker, die die Adressen von Unterzeichnern der Aktion "Wir sind die Urheber" veröffentlichen und mit weiteren Aktionen drohen. Mehr lesen

Unbeeindruckt vom Hohn der Kunstwelt

12.05.2012. Die Urheberrechtsdebatte tost und rumpelt weiter: "Ihr seid nicht (mehr) systemrelevant", ruft Udo Vetter den "Wir sind die Urheber"-Urhebern zu. Euer Geschäftsmodell ist von gestern, bedauert die FR. Vor kurzem protestierten Urheber doch noch gegen Verwerter, wundert sich die SZ. Auf Spiegel Online erinnert Volker Kauder daran, dass auch die Freiheit der Kommunikation Schutz verdient. Die NZZ befasst sich mit dem Dackel in der Kunst. Die FAZ bewundert die Erektion eines Möhrenmännleins. Und: die SZ schlägt den Nannen-Preis für die Bild-Zeitung aus. Mehr lesen

Auch das Spiel folgt Regeln

11.05.2012. Im Tagesspiegel fordert der Drehbuchautor Thomas Bohn: Künstler, erfüllt die Bedürfnisse eures Publikums. Carta fürchtet, dem Künstler geht es bald wie der Milchkuh. Die FAZ dankt für die Würdigung der Verwerter. Die taz findet die Vorstellung von Liquid Democracy naiv: Politik brauche Profis. Die SZ begutachtet die weißen Elefanten in Kiew und Warschau. Die NZZ durchforstet das Angebot der Multioptionsgesellschaft. Mehr lesen

Man versucht, die Revolution herauszuhalten

10.05.2012. In der Zeit pochen hundert Urheber auf ihr Recht. Und Peter Sloterdijk bezweifelt, dass André Rieu in der Lage ist, eine Philosophie-Sendung im ZDF zu moderieren. Die Urheberrechtsdebatte reißt auch in weiteren Medien Gräben auf: Im Freitag fordert der Konzertagent Berthold Seliger eine Reform, die eine Verkürzung der Schutzfristen einschließt. Der Urheberrechtsexperte Till Kreutzer fordert im WDR, dass man die Gegebenheiten der Digitalisierung zur Kenntnis nimmt. Und Foreign Policy meldet: die Prediger der Christenverfolgung haben jetzt schon eine Million Follower. Mehr lesen

Wie eine Kühlbox mit Deckel obendrauf

09.05.2012. Der Tagesspiegel ist froh, dass Berlin nur einen Flughafen eröffnen will. Es hätte noch peinlich kommen können. Der Perlentaucher schaut mit Mitleid auf die narzisstische Kränkung, die das Netz dem Liberalismus zufügt. Die taz druckt schon wieder einen Europa-Appell mit Daniel Cohn-Bendit. In der Welt fragt Ralf Fücks von der grünen Böll-Stifung, ob aus den Piraten je was werden kann. Die NZZ wirft einen Blick auf das neu erblühende Kulturleben in Simbabwe. In der FAZ telefoniert Michael Krüger über Skype mit einem griechischen Freund. Mehr lesen

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