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- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Das Ende der Berliner Seiten
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- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
28.05.2005. In der NZZ verliert Irena Brezna auf einer Reise nach Bratislava und Budapest ihren westlich-rationalen Überbau. Außerdem besucht die NZZ Peking. Die taz bescheinigt Rot-Grün ein gutes impression management. In der Welt gibt Burkhard Spinnen uns allen die Schuld für das Müntefering. Die SZ bietet Hollywood-Regisseuren billigere Arbeitskräfte in Europa an. Die FR begutachtet Münchens neue Allianz-Arena. Und alle gratulieren dem große Dietrich Fischer-Dieskau zum Achtzigsten.
Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Die Welt | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 28.05.2005
In einem sehr schönen Text in Literatur und Kunst erzählt die Schriftstellerin Irena Brezna von einer Reise durch Ostmitteleuropa und davon, wie sie lernte, wieder mit dem Unberechenbaren zu rechnen: "Als nach der österreichisch-slowakischen Grenze die abbröckelnden Häuser von Bratislava auftauchen, Abfälle in den Straßengräben liegen, aus denen wie aus archäologischen Funden das Leben der Bewohner ablesbar ist, zuckt mein westlicher rationaler Überbau zusammen. Hier breitet sich die Freudsche Fehlleistung aus, die Fassaden des Über-Ichs werden mit Rissen verspottet, aus denen das ewige, ungezügelte Es herausbricht, sich ins Bewusstsein drängt. Der Westen in mir will alles zumauern, reparieren, mit Glanz übertünchen, das Unvollkommene im Zaum halten."
Außerdem gibt es in dieser großartigen Beilage einen China-Schwerpunkt: Urs Schoettli wandelt über Pekings Tienanmen-Platz und konnte keinerlei Anzeichen dafür feststellen, dass seine pompösen Bauten großen Eindruck machen: "Jedenfalls lassen sich im Alltag, wenn sich auf dem Tiananmen-Platz die Massen der Besucher aus allen Gegenden des Riesenreiches tummeln und die imposanten Zeugnisse der Staatsmacht vorgezeigt bekommen, keine Zeichen einer patriotischen Ergriffenheit erkennen. Die Gruppen benehmen sich beim Rundgang durch die Große Halle des Volkes oder durch den Kaiserpalast viel lauter und respektloser als etwa die Besucher im Schweizer Bundeshaus."
Michael Ostheimer trifft chinesische Studenten, deren Motto er so fasst: "Die Mauern meines Campus bedeuten die Grenzen meiner Welt." Denn: "Gegenüber den Reizen des urbanen Lebens sind Chinas Jungakademiker - und dies nicht nur aus Geldmangel - in der Regel unempfänglich. Gelegentlich streifen sie zum Vergnügen durch Shoppingcenter, Geburtstage und bestandene Examen feiern sie mit dem Besuch eines Restaurants oder einer Karaoke-Bar. Innenansichten von Museen, Theatern oder gar Kneipen und Diskotheken gehören zur Mangelware." Und Christiane Zintzen liest ostmitteleuropäische Lyrik.
Weitere Artikel: "Könnte es aber sein, dass die Geschichte die Figur des großen Diktators allmählich zurückdrängt?", fragt Martin Meyer im Feuilleton mit Bezug auf einen Essay von Ian Buruma, der in der New York Review of Books genau dies angekündigt hat. Mit einem gewissen Amüsement verfolgt Paul Jandl die jüngste Eskalation im Streit zwischen Robert Menasse und Burg-Diektor Klaus Bachler. "Die schönsten Schmeicheleien sind schon gefallen. Menasse nennt Bachler einen 'gottverdammten notorischen Lügner', der hält dem Schriftsteller 'exzessive Eitelkeit' vor und ihn selbst für 'durchgedreht'." Der Grund: Bachler will ein Stück von Menasse nicht aufführen. Peter Hagmann sendet Dietrich Fischer-Dieskau Glückwünsche zum Achtzigsten: "Stimmklang, Handwerk, Verkörperung - das hat zu einer Laufbahn geführt, wie sie sich glanzvoller kaum denken lässt."
Besprochen werden eine Schau der japanischen Fotografin Rinko Kawauchi in der Pariser Fondation Cartier, die Ausstellung "Deutsche Schriftsteller in Südfrankreich 1933 bis 1941" im Münchner Literaturarchiv Monacensia und Bücher, darunter Laszlo Krasznahorkais kurzer Roman "Im Norden ein Berg, im Süden ein See, im Westen Wege, im Osten ein Fluss" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 28.05.2005
Im Themen-des-Tages-Dossier äußern sich sieben Frauen - von Uta Ranke-Heinemann bis Sonia Mikich - über Angela Merkel. Die Meinungen gehen, wie man sich denken kann, auseinander.
Die Kultur macht uns heute mit des Denkers und Schreibers Norbert Bolz' Gedanken zum Abschied von Rot-Grün bekannt: "Rot-Grün hat nicht nur durch spin doctors und Werbeagenturen zu einer raschen Amerikanisierung des Wahlkampfes beigetragen, sondern ein resolutes branding der Politik vollzogen. Der Spitzenpolitiker wurde zum Markenartikel. Was Soziologen impression management nennen, funktionierte bei Schröder und Fischer von Anfang an: die Macht stand ihnen gut. Ob auf internationalem Parkett oder in der Talkshow, ob bei Gottschalk oder Christiansen: Sie machten eine gute Figur." Und sonst: In der "kleinen Schillerkunde" geht es heute um die Xenien.
Besprochen werden Luc Percevals "großartige" Inszenierung von Marius von Mayenburgs Stück "Turista", die neue Platte und die Tournee der dänischen Mod-Band "The Movement" und Alex de la Iglesias Film "Ein perfektes Verbrechen".
In der taz zwei stellt Anne Seith die christlichen Aktivisten von "ProChrist" vor, die kein leichtes Leben haben: "Nicht jeder lässt sich mit Cola und einem putzigen Auto auch noch die Nachricht von der Auferstehung andrehen." Susanne Lang wundert sich über die politischen Zustände zwischen Lethargie und Parallelregierung. Auch Henning Kober zeigt sich in der Deutschland-Kolumne von seiner politischen Seite und beschimpft die Grünen als Verräter.
Im taz mag stellt Christina Kretschmer fest, dass die Zeiten der Groupies offensichtlich vorbei sind: "Im Gegensatz zu gewöhnlichen Fans gibt sich ein Groupie nicht damit zufrieden, die Musik des Bewunderten zu hören. Er sucht und findet gezielt Gelegenheiten, in möglichst engen Kontakt mit der von ihnen bewunderten Person oder Gruppe zu kommen. Doch die großen, die glamourösen Zeiten des Groupies scheinen vorbei zu sein."
Weitere Artikel: Nichts Gutes hat Michiel van Oosterhout aus Uganda zu berichten: Die First Lady setzt neuerdings auf Enthaltsamkeit als Maßnahme zur Aidsbekämpfung. Darüber, wie Männer mit Liebeskummer umgehen, klärt Martin Reichert auf. Abgedruckt wird eine Erzählung von Florian Werner mit dem Titel "Estoy Embarazada".
In einer Rundumbesprechung zum neuesten amerikanischen Roman kommen gleich fünf AutorInnen von Nick Flynn bis Stewart O'Nan jeweils eher kurz und knapp weg. Außerdem werden - an Belletristischem - William Boyds Roman "Eines Menschen Herz", Charles Simmons' nach vierzig Jahren bei uns erschienener Roman-Erstling "Geständnisse eines ungeübten Sünders", Ben Pastors Krimi "Kaputt Mundi" und - an Sachbüchern - Ulrich Deupmanns Aufforderung zum Kinderkriegen mit dem Titel "Die Macht der Kinder" sowie Barbara Drincks Studie über "Vätertheorien" besprochen. (Mehr dazu in der Bücherschau.)
Und Tom.
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Die Welt, 28.05.2005
"Das Müntefering ist die neue und vielleicht noch lange gültige Bezeichnung für das Auseinanderdriften von politischer Kultur und politischer Sprache auf der einen Seite und den Sach- und Tatbeständen, die unser Leben bestimmen, auf der anderen." Die Schuld tragen wir, bekennt Burkhard Spinnen in einer wütenden Bestandaufnahme der politischen Sprache in der Literarischen Welt. "Wir alle sind es, die das Müntefering zugelassen haben, weil wir uns nicht in diese schreckliche Bresche zwischen überkommener Politfolkore und rasender Gegenwart werfen und uns statt dessen jeden Sonntagabend beim 'Christiansen' über die Inkompetenz und die Sprachlosigkeit der Sachwalter mokieren."
Berthold Seewald rät den Künstlern im Feuilleton eindringlich zu mehr Abstand von der Politik. "Nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland sind Intellektuelle und Künstler längst Kollaborateure der politischen Klasse, zwar nicht in der Wirklichkeit, aber in der Wahrnehmung vieler Wähler. Es ist nämlich etwas anderes, ob - wie einst unter Brandt - Günter Grass seine Sympathie mit dem Bundeskanzler bekundet, oder ob Rockmusiker sich Arm in Arm mit ihm in der Öffentlichkeit zeigen." Die Kunst leide unter der Aura der Macht. "Mit ihrer Unabhängigkeit verliert sie ihre Glaubwürdigkeit. Derart um den Sinn gebracht, werden ihre von der Regierung gehätschelten Vertreter leicht zu dem Sack, den man schlägt, wenn man doch den Esel meint."
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Süddeutsche Zeitung, 28.05.2005
Über wachsende Standortvorteile für die europäische Kinoproduktion im internationalen Wettbewerb weiß Fritz Göttler zu berichten: "Die Konkurrenz ist heftig geworden unter den europäischen Studios, die Kinowelt rückt zusammen. Die Hollywood-Flucht beunruhigt seit langem die Branche in Amerika, die Kosten sind zu hoch dort, die Regeln der Gewerkschaften zu starr - lauter Argumente, die wir hier täglich zum Wirtschaftsstandort Deutschland lesen. Europas Kino dagegen wird offensiver, orientiert sich weltweit - das Geflecht von internationalen Koproduktionen ist inzwischen unüberschaubar."
Weitere Artikel: Dietrich Fischer-Dieskau spricht im Interview über seine Karriere und sein Metier: "Was die Erscheinung, die Ausstrahlung eines Sängers betrifft - da haben die jungen Leute oft gar keine Ahnung. Eigentlich hat man es, oder man hat es nicht. Beibringen kann ihnen das kaum jemand." Jens Malte Fischer resümiert die "Jahrhundertkarriere" des Sängers. Über den Stand der Dinge im Libanon vor den Parlamentswahlen informiert Moritz Behrendt. In seiner Dankesrede für den Candide-Preis des Literarischen Vereins Minden befindet der Schriftsteller Daniel Kehlmann: "Über Glauben muss gelacht werden können". Der ZKM-Chef Peter Weibel hat dann doch eher unerfüllbare Vorstellungen vom "perfekten Tag": "Ein geglückter Tag ist der, der mehr als 24 Stunden hat." Lothar Müller gratuliert dem Schriftsteller Andre Brink zum 70. Gemeldet wird, dass Claus Peymann einen etwas seltsamen Streit mit dem Berliner Rechnungshof führt.
Besprochen werden eine Choreografie des Thailänders Pichet Klunchun (atemberaubend) und eine von Anne Teresa De Keersmaeker (missglückt), die Ausstellung "Max Beckmann - Fernand Leger" in Köln, Benjamin Walthers Münchner Inszenierung von Sophokles' "Aias" und Kenny Glenaans Film "Yasmin".
Auf der Literaturseite informiert Wilhelm Trapp über BBC-Produktionen beim Hörverlag. Besprochen werden Roberto Juarroz' Gedichtband "Vertikale Poesie" und ein von Klaus Polkehn herausgegebener Band über "Reisen in das alte Palästina" (mehr dazu in der Bücherschau des Tages).
Im Aufmacher der SZ am Wochenende hält der Politikwissenschaftler Tilo Schabert ein flammendes Plädoyer für Eliten. Als abschreckendes Beispiel von Elitenlosigkeit figuriert zur Abwechslung mal Amerika: "Doch was ist Amerikanern nun gemeinsam, von denen der eine sich ein buddhistisch-shintoistisch-taostisches 'Amerika' vorstellt, der zweite ein okkultes, der dritte ein mystisches, der vierte ein fundamentalistisch-religiöses? Aus dem wieder ein anderer geistig ausgewandert ist, während er doch in ihm lebt? Am Ende nicht mehr als die glatte Fläche eines perfekt förmlichen Umgangs."
Außerdem: Vorabgedruckt werden Texte aus dem stenografischen Nachlass von Elias Canetti. In der Stadtwanderungen-Reihe macht sich der Satiriker Bernd Eilert mit den "Vollidioten" seines Freundes und Kollegen Eckhard Henscheid auf den Weg durch Frankfurt am Main. Johannes Willms reicht ein gar nicht so "kleines Vademekum" zum Thema "Paris für Verliebte". In seiner regulären "Gott in Frankreich"-Kolumne geht es um das weitaus prosaischere Thema Kreisverkehr. Im Interview spricht der Filmemacher Klaus Lemke über "Geschichten" und auch seine Methoden: "Aber das Lemke-Vampir-System geht seit vielen Jahren so: Du saugst mich aus, ich sauge dich aus."
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Frankfurter Rundschau, 28.05.2005
Christian Thomas lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die neue Münchner Allianz-Arena gefällt. Zu Superlativen neigt er hinwiederum nicht: "Ob das Stadion, allemal eine Attraktion, auch das 'schönste Fußballstadion der Welt ist', wie der ehemalige Fußballstratege und heutige Fußballvermarkter Günter Netzer gesagt hat, darf man bezweifeln. Man darf vermuten, dass ein solcher Superlativ in der Heldengesellschaft des Fußballs ziemlich stark auf die Fernsehstubenhockerexistenz des Fußballendverbrauchers rechnet und nicht auf die Mobilität von Fußballfans, die sich allein in Europa zwischen Manchester über Cardiff, von Amsterdam über Bari bis Istanbul tummeln."
Weitere Artikel: Bei einem mit Joschka Fischer, Jorge Semprun, Rafael Chirbes und anderen hochkarätig besetzten Treffen im Berliner Instituto Cervantes zur "Kultur des Erinnerns" hat Thomas Medicus nicht so richtig viel gelernt. Hans-Klaus Jungheinrich gratuliert Dietrich Fischer-Dieskau zum 80. Geburtstag. In times mager ist Harry Nutt angesichts von Angela Merkels Ankündigung, sich auch für die Kulturpolitik einzusetzen, eher blümerant zumute. Der Liedbegleiter Dietmar Loeffler spricht im Interview über singende Schauspieler.
Besprochen werden Zach Braffs Independent-Film "Garden State", die Linzer Ausstellung "Just do it!" und ein deutsch-polnisches Jazzfest in der Frankfurter Alten Oper.
Im Magazin - das ePaper bekommt leider nicht jedem Browser gut - gibt es ein Interview mit dem wunderbaren Funny van Dannen und einen Streckenbericht von Europas höchster Achterbahn.
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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2005
In den französischen Magazinen ging es in den letzten Wochen hoch her. Wie Jürg Altwegg in seiner Auswertung zusammenfasst, geißelt etwa Paul Thibaud die Zurückhaltung seiner intellektuellen Kollegen: "'Dieses relative Schweigen hat damit zu tun, dass die politische Debatte lange auf die Revolution fixiert war. Sie wurde zum universellen Modell und Gradmesser der Geschichte. Frankreich bleibt ein interessantes Land, steht aber nicht mehr im Mittelpunkt - und das tut weh.' Das Nein vermittelt seinen Anhängern das Gefühl, noch einmal die historische Avantgarde zu verkörpern. Für Peter Sloterdijk ist es Ausdruck eines 'Spiels, das wir nicht mehr spielen'. Er hält die Franzosen für die 'letzten Hitzköpfe der Geschichte'. Ihr anachronistisches Nein, erklärt Sloterdijk 'gehört zum historischen Drama, zur Schlacht'. Regis Debray bestätigt seine Einschätzung: 'Europa wurde aus dem Geist des Friedens geboren, und deshalb funktioniert es nicht: Ein vereintes Europa kann nur aus dem Krieg entstehen.'"
Weiteres: Im Aufmacher gratuliert Eleonore Büning dem großen Dietrich Fischer-Dieskau zum Achtzigsten. Edo Reents gratuliert John Fogerty, einst Frontmann von Creedence Clearwater Revival, zum Sechzigsten. Tobias Döring gratuliert dem südafrikanischen Schrifststeller Andre Brink zum Siebzigsten. In der Randglosse bemerkt "apl", dass sich selbst atheischste Politiker auf dem Kirchentag tummeln. In seiner Kolumne "Geschmackssache" fragt Jürgen Dollase, ob sich italienische Pasta-Gerichte wirklich auf zwei-Sterne-Niveau steigern lassen: "Ist das Geniale an solcher Einfachheit am Ende ein ganz einfacher Trick?"
In der Serie "Hundert Jahre Deutschland" ist heute das Gespräch von Frank Schirrmacher und Stefan Aust mit Angela Merkel zu lesen. Es geht um ihre Jugend in der DDR, den Fall der Mauer und den Sozialismus in der Bundesrepublik.
Auf den Seiten der einstigen Tiefdruckbeilage porträtiert Gerhard Rohde den Komponisten Henri Dutilleux, der sich gegen Avantgarde und serielle Musik wie gegen jedes andere "tyrannische System" verwahrt habe. Ulf von Rauchhaupt versucht zu ergründen, welches Phänomen eigentlich dem Schlagwort der Wissensgesellschaft zugrunde liegt.
Auf der Medienseite berichtet Thomas Scheen, wie ein Gericht in Johannesburg den Druck der Wochenzeitung Mail and Guardian stoppte, weil diese einen Bericht über fragwürdige Geldzahlungen an den ANC bringen wollte. Nina Rehfeld meldet, dass das Time-Magazine in der Affäre um die enttarnte CIA-Mitarbeiterin Valerie Plame und den Informantenschutz jetzt den Obersten Gerichtshof anrufen will.
Besprochen werden Zach Braffs Debütfilm "Garden State", die Uraufführung von Fredrik Zellers Oper "Zaubern" in Schwetzingen, eine Ausstellung des kauzigen Malers Canaletto im römischen Palazzo Giustiniani, eine Edition von fünfzig Jahren Chormusik in Deutschland, Betty Davis' gesammelte Werke "This is it!" und Bücher, darunter Rainer Werner Fassbinders Gedichte "Im Land des Apfelbaums" und T.C. Boyles Roman "Dr. Sex" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Spiele zuerst einmal drei Akkorde
24.05.2013. In britischen Medien wird nach der Abschlachtung eines britischen Soldaten durch einen islamistischen Fanatiker darüber diskutiert, wieviel man davon zeigen soll. Die NZZ erläutert anhand des preisgekrönten Fotos von Paul Hansen aus Gaza die Tücken der digitalen Fotografie und ihrer Manipulierbarkeit. Die taz ergründet den Begriff der "Critical Whitness". Die Welt beklagt die grassierende Verniedlichung der DDR. Die BBC bringt verwirrende Umfrage-Ergebnisse: Demnach ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Mehr lesen
Darling flüstert die Amsel
23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen
Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes
22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen








