Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 11.20 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

18.09.2004. Die Welt bringt ein kritisches Dossier zum arabischen Buchmessenschwerpunkt. Auch die taz bereitet uns auf diesen Schwerpunkt vor. In der NZZ prangert der tschetschenische Lyriker Apti Bisultanov die Gleichgültigkeit des Westens an. Die FAZ beklagt anhand der Flick-Sammlung die Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler. Die Berliner Zeitung kritisiert die schauspielerische Banalität des Films "Der Untergang".

Die Welt, 18.09.2004

Die Literarische Welt widmet sich an diesem Samstag vor allem der arabischen Literatur. Der in Aachen lebende syrische Schriftsteller Suleman Taufiq erzählt uns eine kleine Geschichte der arabischen Literatur und verspricht am Ende: "Die arabische Welt ist heute ein literarisch überaus lebendiger Raum. Die jungen Autoren haben die Vorteile der neuen Technik entdeckt. Im Internet wimmelt es von Texten, die unzensiert und ohne Tabus erscheinen können. Allerdings sollte der geneigte Leser nicht erwarten, in den traumhaften Orient entführt zu werden. Diese Klischeevorstellungen bedienen arabische Schriftsteller ausdrücklich nicht. Sie erzählen auf realistische, oft schonungslose Weise vom Leben der Menschen dort, wo die Menschen hart arbeiten, um ihre großen Familien zu ernähren, und viele Freuden und Schmerzen miteinander teilen."

Bleibt die Frage: wie können wir Westler an dieser Entwicklung teilnehmen, auch wenn wir kein Arabisch lesen können? Hier noch ein Link zu einer Leseprobe aus Taufiqs "Aachener Impressionen".

Der irakische Schriftsteller Hussain Al-Mozany äußert sich sehr kritisch zum arabischen Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse. Seiner Ansicht nach ist die arabische Liga völlig unfähig, die arabische Literatur angemessen zu repräsentieren. "Unter den Namen der eingeladenen Literaten befindet sich auch der saudi-arabische Dichter Ali al-Dumaini. In Wirklichkeit aber sitzt al-Dumaini neben seinen Kollegen Abdallah al-Hamid und Matruk al-Falih in saudischer Haft, als so genannte Meinungshäftlinge, weil sie es wagten, das im Stil des Mittelalters regierte Königreich dringlich zu Reformen aufzurufen. Und während die machtbesessenen Prinzen Arabiens eine Amnestie für Verbrecher und gar Angehörige der al-Qaida, die in den letzten Monaten das Land mit Terror überzogen hat, erlassen haben, weigern die sich immer noch, diese Meinungshäftlinge freizulassen. Sie sind im Gefängnis allen denkbaren Einschüchterungen ausgesetzt ... Anstatt von der saudischen Regierung die Freilassung des Dichters zu fordern, handeln die arabischen Organisatoren in typisch offizieller arabischer Panik. Sie strichen den Namen al-Dumainis von der endgültigen Liste der arabischen Teilnehmer. So bewiesen die arabischen Diktatoren abermals, dass sie reformunwillig und des Dialogs mit der westlichen Zivilisation unfähig sind, auch wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen."

Ebenfalls lesenswert: Najem Wali skizziert die irakische Literatur vor und nach dem 9. April 2003.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2004

Die FAZ steht heute ganz im Zeichen der Kunst. Auf Seite 1 des politischen Teils begrüßt Patrick Bahners den Einzug von Bildern Gerhard Richters aus dessen eigener Sammlung ins Dresdner Albertinum: "Die Richter-Galerie in Dresden ist der Glücksfall eines Gedächtnisorts, den die Schweigegebote und Sprachregelungen der öffentlichen Debattenwelt nicht erreichen."


Auf der Aufmacherseite des Feuilletons sind zwei Artikel der Flick-Sammlung gewidmet, die nach langem Streit nach Berlin kommt. Vor zehn Jahren wäre dies trotz des Einspruchs prominenter Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die gegen den Namen des Sammlers protestierten, nicht möglich gewesen, meint Heinrich Wefing, aber nun sei die Normalisierung abgeschlossen: "Deutschland ist unübersehbar dabei, in eine neue, nicht weniger schwierige, aber vielleicht weniger hysterische Phase der Erinnerung einzutreten." Thomas Wagner kritisiert die Angliederung der Flick-Sammlung an die Nationalgalerie allerdings nicht aus politischen, sondern kunstpolitischen Gründen: und konstatiert eine "fatale Tendenz" zur "Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler".

Zudem verweist an diesem "Wochenende der neuen Kunst" Niklas Maak auf das eröffnende Art Forum in Berlin und beklagt wie Thomas Wagner, dass Berlin jenseits der Sammlungspräsentationen ein offizieller Ort für die Gegenwartskunst fehlt: "Im Hamburger Bahnhof dominieren statt dessen sogenannte 'regionenbezogene Ausstellungen mit Künstlern aus Spanien, Skandinavien, China oder Australien', die von den Botschaften finanziert wurden und als bizarre Kunstfolklore-Parties dem Ruf des Hauses eher schadeten als nützten." Und bedeutende, in Berlin lebende Künstler wie Thomas Demand (mehr hier) oder Olafur Eliasson (mehr hier und hier) werden eher London oder New York gezeigt! Und schließlich erläutert Andreas Rossmann anhand einer einer von Eon gesponserten Cezanne-Ausstellung im Folkwang-Museum den Unterschied zwischen Sponsoren, die sich selbst mondäne Highlights finanzieren, und Mäzenaten, die sich für Kunst interessieren - aber die sind tot.

Weitere Artikel: Gemeldet wird, dass Helmut Kohl und Lord Weidenfeld sich in der mit der FAZ befreundeten Bild-Zeitung von dem Film "Der Untergang" beeindruckt zeigten. Hannes Hintermeier schreibt eine humoristische Kolumne auf englisch mit deutschem Akzent über die Bildungsbestrebungen der bayerischen Politikerin Monika Hohlmeier. Michael Jeismann besucht die Stadt Wittenberge und findet ein Paradebeispiel für eine der schrumpfenden Städte in der Ex-DDR. Jürgen Dollase stellt in seiner Gastro-Kolumne den Koch Hermann Bareiss und sein Hotel und Restaurant in Baiersbronn im Schwarzwald vor. Der ehemalige Präsident der Hamburger Universität Jürgen Lüthje erinnert in einem faktenreichen Hintergrundartikel an den Bürgermeister Werner von Melle, der in der Weimarer Zeit mit wenig Mitteln die Hamburger Universität schuf, deren geisteswissenschaftliche Fachbereiche jetzt geschleift werden sollen. Richard Kämmerlings meldet, dass der Börsenverein des deutschen Buchhandels die Frankfurter Buchmesse nicht verkaufen will.

In den Überresten von Bilder und Zeiten wird nun gar nach der letzten Woche ein zweites Kapitel aus Wolf Jobst Siedlers demnächst erscheinenden Memoiren abgedruckt (auch der Perlentaucher durfte übrigens ein sehr schönes Kapitel vorabdrucken). Und Wiebke Hüster erinnert an den Choreografen Sir Frederick Ashton, der in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden wäre

Auf der Schallplatte-und-Phono-Seite geht's um die letzte Platte von Ray Charles, um eine CD des Songwriters Tony Joe White, um Schuberts "Winterreise" mit Bostridge, Goerne und Walderdorff, um junge baltische Violinvirtuosen um eine CD der Band The Prodigy und um eine CD des Soulgenies Terry Callier.

Auf der Medienseite fragt Michael Hanfeld, ob uns eine Rundfunksteuer ins Haus steht. Auf der Literaturseite werden Bücher von Julian Ayesta (Leseprobe), John von Düffel, Liane Dirks und Martin Amis besprochen. Besprochen werden außerdem Patricia Plattners Film "Les petites couleurs" und Strauss' "Salome", inszeniert von Katharina Thalbach, dirigiert von Markus Stenz in Köln.

In der Frankfurter Anthologie stellt Walter Hinck ein Gedicht von Erich Arendt vor - "Garcia Lorca":

"Du grüner Wind! Sang heißblütiger Gitarren!
Du Mondlicht still, am Munde der Zigeunerin! -
Mit einem Mal verweht - nun knarrt der Schinderkarren
hart durch Granadas Traum, den du besungen, hin ..."

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Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2004

Im Feuilleton porträtiert Sieglinde Geisel den tschetschenischen Lyriker Apti Bisultanov (mehr hier und hier), der im letzten Tschetschenien-Krieg kämpfte und jetzt im Berliner Exil lebt. Er spricht auch über die totale Indifferenz des Westens gegenüber dem Krieg, der bereits 200.000 Menschleben kostete: "In Tschetschenien liegt die Welt offen zutage. Man erfährt die Wahrheit über das Verhältnis der Russen zu den Tschetschenen, der Russen untereinander, der Tschetschenen untereinander. Und in ihrem Schweigen zum Krieg zeigt auch die übrige Welt ihr wahres Gesicht." Geisel zitiert aus einem der Gedichte Bisultanovs:


"Mit beiden Händen das Herz fassen
Diesen alten Igel
Und alle Wunden mit der Schusterahle
Fest vernähn wie man Stiefel flickt."

Weitere Artikel: Im Aufmacher fragt sich der Biochemiker Gottfried Schatz, warum die Schweiz als wissenschaftlicher Forschungsstandort immer weiter zurückfällt. Besprochen werden eine Rubens-Ausstellung in der Wiener Albertina und Richard Strauss' "Salome" in Köln.

Die Samstagsbeilage Literatur und Kunst ist in vielfachen Abgesängen dem Thema Pop gewidmet. Andreas Breitenstein definiert im Editorial: "Direkt, spontan, authentisch formuliert der Pop in einfach verständlichen Formen den Glücksanspruch des Individuums, nachdem sich die Verheißungen der Moderne erschöpft und die Wünsche sich vom Kollektiv abgespalten haben.... Gott ist tot, doch was soll's, solange die Energien des Glücks fließen. Der immer neue Kick hilft allemal über die große Leere hinweg."

Mehrere Essays versuchen eine Bestandsaufnahme. Der Kunsthistoriker Beat Wyss definiert Pop als "Kunst der Versöhnung mit der Entfremdung" und fragt, ob der 11. September als ein Angriff auf die Popkultur zu verstehen sei. Der Filmwissenschaftler Robert Buchschwenter denkt über "Popmusik und Film" nach. Uwe Justus Wenzel stellt Vorüberlegungen zu einer Theorie der 'Pop-Philosophie' an. Der Kunsthistoriker Walter Grasskamp langt poptheoretisch im Post-Pop an. Christina Thurner beschreibt, wie zeitgenössischer Tanz Popkultur zelebriert und reflektiert. Die Musikwissenschafterin Elisabeth Schwind untersucht die klassische Musik und die Logik des Pop. Frank Schäfer macht Anmerkungen zur Ästhetik der Popmusik. Und Michael Braun verabschiedet die Popliteratur als "punktgenaue Kopie der Irrtümer von vorgestern".

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Die Tageszeitung, 18.09.2004

Im Zentrum der tazkultur stehen heute zwei buchmessenschwerpunktvorbereitende Texte: Daniel Bax interviewt den Verleger arabischer Literatur Hans Schiler. Der stellt fest: "Europa spielt eine große Rolle für die arabische Literatur, weil hier Bücher verlegt werden können, die in arabischen Ländern der Zensur zum Opfer fallen würden. So erreichen vor allem Exilautoren ihr Publikum in der alten Heimat. Die Verbindung zwischen dem Exil und diesen Ländern selbst wird teilweise über diese Verlage aufrechterhalten."


Martin Zähringer stellt die palästinensische Literatur der Gegenwart vor und bedauert erst einmal: "Die Beziehungen zwischen der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft sind beherrscht von der Nichtwahrnehmung des Anderen. Das ist der Eindruck, wenn man die jeweilige Literatur zur Kenntnis nimmt."

Weitere Artikel: Eine Weimarer Tagung zum Werk des Philosophen Baruch Spinoza hat Jan-Hendrik Wulf besucht. Besprochen werden der Film  "Rhythm is it!" und das Theaterstück zum Fall Jakob Metzler in Frankfurt (kein Skandal, weil gut, findet Heide Platen).

Für die zweite taz hat Henning Kober den einstigen Hollywood-Kinderstar Macauly Culkin besucht, dessen neuer Film "Saved" demnächst bei uns zu sehen ist und der klarstellt, "dass er 'nichts, aber auch gar nichts' in seinem Leben bereut". Der CDU-Nachwuchspolitiker Henrik Wichmann (bekannt aus Andreas Dresens Dokumentarfilm) bestätigt bzw. korrigiert "die elf schlimmsten Vorurteile über Brandenburg".

Im heute sehr lesenswerten taz mag informiert eine Reportage von Thomas Schmid über die als Flüchtlingsanlaufstellte zu Bekanntheit gekommene Mittelmeerinsel Lampedusa: "Auf der Karte ist Lampedusa - wenn überhaupt verzeichnet - ein Pünktchen, so klein wie ein Flohstich oder Fliegenschiss, zwischen Sizilien und Tunesien. Die Insel, gerade zwanzig Quadratkilometer groß, gehört, geologisch betrachtet, zur afrikanischen Platte, politisch jedoch zu Italien. Zur sizilianischen Küste hinüber sind es 195 Kilometer. Nach Tunesien nur 115. Im Schlauchboot mit Außenbordmotor schafft man die bei gutem Wetter in zehn Stunden. Auch in umgekehrter Richtung."

Weitere Artikel: Die taz-Autorin Anita Kugler äußert sich im Interview zu ihrem Buch "Scherwitz. Der jüdische SS-Offizier" (Leseprobe): "Nie werde ich ein besseres Buch schreiben können. Es hat meinen Mann und mich fast verarmt, achtzigtausend Euro hat es gekostet, die Reisen, die Übersetzungen." Woiciech Pieciak erinnert an den Kampf polnischer Soldaten gegen die deutsche Besatzungsmacht im Jahr 1939. Im Burgund lässt sich ein Kunsthistoriker eine Burg bauen, mit den Mitteln mittelalterlichen Handwerks. Dorothea Hahn hat sich das angesehen.

Besprochen werden unter anderem Ulrike Brunottes Studie "Zwischen Eros und Krieg", eine Levinas-Biografie (Leseprobe hier ) und zwei Romane von Tim Krabbe. In crime scene erzählt Kolja Mensing, was ihm in der Berliner Krimibuchhandlung "Hammett" zur Lektüre empfohlen wurde (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 18.09.2004

Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat sich jetzt auch noch Hitlers "Untergang" angesehen und  stellt einerseits fest: "'Der Untergang' ist aber nicht nur deshalb ein paradigmatischer Film, weil er den Anspruch erhebt, wirklicher als die Wirklichkeit zu sein; er ist es auch, weil er eben nur das Ende einer Geschichte erzählt, ganz wie es die mediale Geschichtsdidaktik von Guido Knopp über Günter Grass bis Jörg Friedrich vorbereitet hat." Und andererseits: "Dieser Film, machen wir es kurz, ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist."


Ulf Erdmann Ziegler beginnt seinen umfassenden Bericht von der großen Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn wie folgt: "Yves Klein, der nun schon länger tot ist, als er auf Erden gelebt hat, wäre sicher erstaunt gewesen, das Interesse von Peugeot, der BASF, der Air France und der Vogue auf sich zu ziehen."

Weitere Artikel: Von der Pressevorbesichtigung der Anti-Flick-Ausstellung "Zwangsarbeit in Berlin 1938 - 1945 - Das Beispiel Flick" berichtet Thomas Medicus. Christoph Schröder gratuliert - zum einen - dem Wagenbach Verlag zum 40. Geburtstag: "Wagenbach ist Widerstand. Das ist Konzept, das ist Marke und Marketing." In Times mager verabschiedet er sich - zum anderen - ohne jede Wehmut vom peinlichen "Deutschen Bücherpreis" mit Namen Butt und informiert über den neuen "Deutschen Buchpreis", der dem britischen Booker Prize nachempfunden ist.

Besprechungen: Heiner Goebbels' Canetti-Stück "Eraritjaritjaka" ist, wie Hans-Jürgen Linke meint, "ein Stück Musiktheater, in dem Musik, Licht, Video, Literatur und Bühnenausstattung mit der großen und unprätentiösen Stimm- und Schauspielkunst des Andre Wilms eine Verbindung eingehen, die mehr Fragen horizonterweiternd in die Welt setzt als sie desillusionierend beantwortet." Zu viele Karikaturen hat Anke Duerr in Andreas Kriegenburgs Hamburger Inszenierung der "Jungfrau von Orleans" gesehen.

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Berliner Zeitung, 18.09.2004

In der Berliner Zeitung lesen wir eine abweichende Stimme zum Film "Der Untergang". Arno Widmann findet zwar manches wahr daran, aber noch mehr banal: "Banal ist seine dick aufgetragene Mimik und Rhetorik. Es ist bezeichnend für den Stand unseres kulturellen Volksvermögens, dass der Versuch der filmischen Inszenierung des Unterganges des Dritten Reiches jenen plüschig-erregten Theaterstil pflegt, gegen den schon die Kunst der Weimarer Republik ankämpfte. 'Der Untergang' macht schauspielerisch weitgehend da weiter, wo die Maininger gestoppt worden waren. Er ist abgefilmtes Theater. Die Kamera steht nicht im Geschehen, sondern sie führt Schauspielkunst vor. Man wird darin den wilhelministischen Zug unserer Zeit erkennen."


Im Magazin porträtiert Sebastian Preuss ausführlich und informativ den Sammler Flick.

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Weitere Medien, 18.09.2004

Über so etwas berichtet hierzulande ja niemand. In Prag hat Vaclav Havel einen Riesenkongress zur Untersützung kubanischer Intellektueller veranstaltet, die seit letztem Jahr ohne Prozess in kubanischen Gefängnissen sitzen (mit Strafen bis zu 28 Jahren!) Le Monde schreibt: "Unter dem Einfluss Vaclav Havels, der zwischen 1970 und 80 fast fünf Jahre in den kommunistischen Kerkern verbrachte, ist die Solidarität mit den aktuellen Dissidenten Kubas in dem mitteleuropäischen Land besonders groß." Havel rief die Kubaner auf, an die Wende der mitteleuropäischen Lander von 89 anzuknüpfen, ohne deren Fehler zu wiederholen.

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Süddeutsche Zeitung, 18.09.2004

Der Autor Richard Swartz bereitet sich in Florida auf den Hurrikan vor und lernt dabei manches über sein Gastland: "Der Amerikaner unterwirft sich der Willkür der Natur mit Ergebenheit - ein Charakterzug, der ansonsten hier selten ist. Ein Unwetter, ein Schneesturm oder eine vereiste Straße lässt augenblicklich die Tatkraft erlahmen, die sonst diese Gesellschaft beherrscht. Reißt der Sturm das Dach herunter, soll man sich in einer Garderobe oder im Badezimmer verbarrikadieren mit einer Matratze über dem Kopf. Ergeben bleibt der Amerikaner zu Hause wie der Hund in seinem Korb. Am Abend zuvor hat er sein Urteil vom Wetterbericht im Fernsehen empfangen und sich beeilt, seine Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Die Natur ist die einzige Majestät in diesem Land, die einzige, vor welcher der Amerikaner den Nacken beugt."


Weitere Artikel: Franziska Augstein hat auf dem 45. deutschen Historikertag neben einer "sinnlosen" Politikerrede und dem "Untergang" auch interessante Vorträge erlebt. Wir erfahren, dass Harald Fritzsch, der 1. Vorstand der nun tagenden "Gesellschaft deutscher Naturwissenschaftler und Ärzte" die Bildungspolitik in seinem Eröffnungsvortrag als "permanenten Unfug" geißelt. Manfred Gentz, der Vertreter der Wirtschaft bei der Zwangsarbeiterentschädigungsstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zieht eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit. Ralf Berhorst gibt ihm in der Sache recht, findet die Argumentation aber nach wie vor "legalistisch" und "ökonomistisch". Im von Hans Magnus Enzensberger & Co. gerade propagierten Alexander-von-"Humboldt-Deutschen" erkennt Lothar Müller das weltfrohe Gegenstück zum "Rembrandt-Deutschen" - in Humboldt selbst aber sieht er auch die überforderte "Übergangsfigur" zwischen Epochenformationen. Adrienne Braun stellt den verblüffenden Vorschlag des Stuttgarter Architekturbüros Brunnert Plan AG vor, den Berliner Flughafen Tempelhof nicht zu schließen, sondern zur Abfertigungshalle für Schönefeld zu machen.

Besprochen werden die große Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn, "Made in Berlin", die Begleitausstellung zur Berliner Kunstmesse ("fröhliche Produktpiraterie" hat Frank Frangenberg dort ausgemacht), die Canetti-Hommage "Eraritjaritjaka" des Musiktheatermachers Heiner Goebbels in Frankfurt, Stefan Puchers "Othello" und Andreas Kriegenburgs "Jungfrau von Orleans" am Hamburger Theater (der Gott der Bühnentechnik war offenbar sehr schlechter Laune und sorgte für Verspätungen, mit den Inszenierungen war Werner Burkhardt halbwegs zufrieden) und Bücher, darunter ein Nachlassband mit Texten von Jean-Francois Lyotard, ein Band mit Hip-Hop-Fotografie und Rüdiger Safranskis Schiller-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In Vorwegnahme der für morgen zu befürchtenden Wahlergebnisse kommentieren im bildlosen Aufmacher der SZ am Wochenende Heribert Prantl und Kurt Kister die Erfolge der Rechtsradikalen. Prantl fordert das Engagement der Zivilgesellschaft: "Deutschland wird eine Werkstätte der Kulturen sein müssen. Lehrerinnen und Lehrer werden schon in ihrer Ausbildung auf den multikulturellen Arbeitsalltag vorbereitet werden müssen. Es werden mehr und mehr Lehrer aus eingewanderten Familien ausgebildet und eingestellt werden müssen." Und Kister will die Kirche im Dorf lassen, denn: "Die organisierten Rechtsextremen in Deutschland sind zu blöd, um in einem auf Debatte und Interessenausgleich beruhenden politischen System eine Rolle zu spielen, gar in den Parlamenten zu reüssieren."

Außerdem: Dirk Peitz porträtiert den Autor Irvine Welsh, der seinen "Trainspotting"-Helden im jüngsten Roman "Porno" eine zweite Chance gibt. Vorabgedruckt wird ein Auszug aus Imre Kertesz' demnächst erstmals auf Deutsch erscheinender "Detektivgeschichte". Im Interview mit Alexander Gorkow äußert sich der Komponist Jean Michel Jarre zum Thema Sex, also zu seiner Musik: "Meine Musik ist für mich Sex. Ein Ausdruck von Sexualität und Liebe und Verlangen."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Notschrei eines blutjungen Originalgenies

09.02.2010. Das Wall Street Journal attackiert das "German Cultural Appeasement". Das Chinese Law Prof Blog bringt Liu Xiaobos Rede vor dem Gericht, das ihn zu elf Jahren verurteilte: eine Weigerung zu hassen. Die FR bejubelt das Comeback des Gil Scott-Heron. Die FAZ bringt: Hegemann - Hermeneutik und Kritik. Die NZZ bilanziert die Auswirkungen des Erdbebens auf die Kulturlandschaft Haitis.  Und die Welt fragt: Was machen Niall Ferguson und Ayaan Hirsi Ali denn da? Schmusen die? Mehr lesen

Härteste Türpolitik

08.02.2010. Das Blog Gefühlskonserve hat herausgefunden, dass Helene Hegemanns Roman "Axolotl" ein bisschen arg von dem Untergrundroman "Strobo" des Bloggers Airen inspiriert ist. Große Aufregung! Vielleicht lernen die aus dem Internet jetzt auch, was Urheberrecht ist, hofft die FAZ. In der FR beschreibt der italienische Staatsanwalt Roberto Scarpinato, wie Zersetzung des Staats und Aufstieg der Mafia zusammenhängen. Inszenierung des Wochenendes: Koltes' "Quai West" in der Regie von Andrea Breth in Wien. Mehr lesen

Verhängt die Fenster

06.02.2010. In der FAZ sieht Stephen Baker das menschliche Gehirn auf dem Rückzug. Die NZZ fragt, ob Apple das Internet in kleine herstellerabhängige Netze zerschlagen wird. Die Welt trifft die Deutschen in der Kälteregion des Daseins. Die taz erkennt mit Thea von Harbou auf die List der Geschichte. In der FR beklagt Ulrich Beck die McDonaldisierung der Universitäten. Der Tagesspiegel begibt sich auf die Spur des Clans, der Hatun Sürücü ermorden ließ. Und im Perlentaucher unterstützt Herta Müller die Forderung nach dem Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo. Mehr lesen

Pneumatische Prozesse

05.02.2010. Die Welt staunt über Pat Metheny, der sich mit großem Tüftleraufwand ein Orchestrion zusammenbauen ließ. In der NZZ denkt Thomas Hettche über das Soldatische, aber auch über den Pergamon-Altar nach. Die FR fordert ein Wahlrecht für Migranten. Die FAZ begleitet Österreich in seinem verzweifelten Ringen um Restsouveränität. Die SZ erklärt, wie man Regeln der Scharia übernimmt, ohne den Rechtsstaat zu verraten.  Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Wie Einbrecher in der Nacht

04.02.2010. Im Tagesspiegel erklärt der Pädophilie-Experte Klaus Beier, warum die katholische Kirche eine solche Anziehung auf Pädophile hat. Immer schon, wie die SZ vermerkt. Der Freitag bemüht sich um Differenzierung beim Islam: Dschihad heißt sich abmühen. Die taz wäre gegen die Burka, wenn es nicht islamfeindlich wäre, gegen die Burka zu sein. In der Zeit erklärt Werner Herzog, warum er keine andere Wahl hat als Filme zu machen. Die FAZ ermisst den realen Ernst der virtuellen Lage. Mehr lesen

So viel wie ein junges Nashorn

03.02.2010. Wie uralt ist diese Bundesrepublik!, ruft die Welt nach Ansehen einer DVD-Edition mit Kulturfilmen von Bernhard Grzimek. Ebenfalls in der Welt empfiehlt Zafer Sencoak in der aktuellen Islamdebatte einen Blick auf die Türkei. Die FR berichtet vom Fajr Film Festival in Teheran, das von den Juroren boykottiert wird. Auf den Seiten des amerikanischen PEN Clubs schlägt Kwame Anthony Appiah den Autor und Dissidenten Liu Xiaobo für den Friedensnobelpreis vor. Die chinesische Regierung warnt vor dieser Idee. Mehr lesen

Irgendwo in einer fernen Wolke

02.02.2010. Anders als die Kritikophoben gehen die Islamkritiker ein persönliches Risiko ein, meint die NZZ. Nichts ist wohlfeiler als Kritik am Islam, meint dagegen Stefan Weidner im Rheinischen Merkur.  Die FR fühlt sich von der Islamdebatte verstört. Spiegel Online berichtet über die geheimen Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen ACTA. In der FAZ sieht der New York Times-Redakteur John Markoff den Ipad auch als ein Statement gegen die sozialen Netze. Mehr lesen

Vermutlich wurde er ermordet, vermutlich in Tokio

01.02.2010. Die Washington Post enthüllt, wie viele CDs man verkaufen muss, um auf Platz 1 der amerikanischen Klassikcharts zu landen. Die Beliebigkeit der Literaturkritik ist nicht nur ökonomischem Druck geschuldet, findet die Jungle World. In der NZZ erzählt Angelika Overath von der Verfertigung eines Schulhausromans in Sankt Moritz. Die Zerstörung in Haiti bestürzt mehrere Feuilletons. Die SZ legt nach im Islam-Streit. Die Berliner Zeitung bekennt in der gleichen Sache ihre Ratlosigkeit. Mehr lesen

Circa anderthalb goddamns pro Seite

30.01.2010. In der Welt polemisiert Ulrike Ackermann gegen einen Staat, der uns aus lauter Liebe lauter Freiheiten nimmt.  Die NZZ erinnert an den brasilianischen Journalisten Euclides da Cunhas, dessen Buch "Krieg im Sertao" von 1902 die Schrecken des 20. Jahrhunderts ankündigte. In der FAZ verteidigt Sonja Margolina das Recht auf Islamkritik. Die FR bringt einen Essay Salman Rushdies über die siebte Tosünde - die Trägheit. In der SZ staunt Joachim Kaiser über Maurizio Pollini, der alles richtig macht. Außerdem wird in einigen Zeitungen noch J.D. Salinger gewürdigt. Mehr lesen

Und am Ende siegt immer diese Traurigkeit

29.01.2010. Im Hinblick auf den kommenden Tory-Sieg in Großbritannien informiert die NZZ schon mal über die angesagten Gummistiefelmarken zum Abschreiten der Landsitze. In der Berliner Zeitung wünscht sich Berlinale-Chef Dieter Kosslick Slow Filmfood. Für die FAZ ist jetzt ganz klar: Netz ändert Hirn. Carta fragt: Wer zahlt eigentlich Hotel und Jahrgangswein, wenn Vattenfall "Führende Medienmacher" zum Plausch einlädt? Die SZ bringt eine Sonderseite zu Ruhr 2010. Mehr lesen

Ein Fünkchen Leben, ein bisschen Idiotie

28.01.2010. Der Freitag polemisiert gegen den "postkolonialen Feminismus", der einen Abbau von Frauenrechten gutheißt, jedenfalls in anderen Kulturen. Das Ipad ist da: Gizmodo gibt Tipps für den Gebrauch. Im Tagesspiegel sieht die Juristin Sibylle Tönnies das Verbot der Burka in öffentlichen Gebäuden als Maßnahme in der Nachfolge des französischen Revolutionsterrors. Die Zeit geht in Dantes Hölle spielen. Mehr lesen

Nur Frankfurt kam mit keinem Wort vor

27.01.2010. Für die Welt ist Andrzej Stasiuk nach Belzec gefahren, wo es kaum noch Spuren des ehemaligen Todeslagers gibt. Im Guardian erklärt Chefredakteur Alan Rusbridger, warum er eine Paywall ablehnt: Seine Zeitung würde Millionen Leser verlieren. In der New Republic plädiert Lawrence Lessig gegen das Google Book Settlement. Alle waren beim Suhrkamp-Empfang in Prenzlauer Berg. Auch Martin Walser. Bei Spiegel Online erklärt Henryk Broder, dass er seine Karriere als Hassprediger aufgeben und jetzt Taliban werden will. Mehr lesen

Mit einem Martini und einem Orden

26.01.2010. Die FR bringt eine Diskussion über den Afghanistan-Einsatz. Die New York Times staunt über die Diskriminierung arbeitender Mütter in Deutschland. Netzpolitik und das 1 & 1-Blog diskutieren geplante Jugendschutzmaßnahmen, die es den Anbietern auferlegen, ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte zu kontrollieren. Die Welt staunt über Brecht, der einen Kult für Kälte mit einer Abneigung gegen harte Butter in Einklang brachte. In der SZ spricht Jimmy Wales über die Erzeugung von Objektivität in der Wikipedia - dank der englischen Sprache. Die taz-Feministinnen zupfen weiter am Kopftuch. Stephan Grigat fordert in der Presse eine linke Kritik an der islamischen Menschenzurichtung. Mehr lesen

Menschenfreundliche Wortwundverbände

25.01.2010. In der Berliner Zeitung klagt Wolfgang Benz über den "Hass", der ihm entgegenschlug. Im Tagesspiegel erklärt Henryk Broder, warum er es als Kompliment begreift, wenn ihn deutsche Feuilletonisten als "Hassprediger" bezeichnen. Die SZ berichtet über eine Kontroverse um Yannick Haenels Roman "Jan Karski". Die FAZ bringt einen Lobgesang auf den Jungdramatiker Nis-Momme Stockmann.  Und die Welt stellt den Autor Markus Albers vor, der sich künftig selbst verlegt. Mehr lesen

Tempel des digitalen Zeitalters

23.01.2010. Die taz erklärt, warum Feminismus und Islamkritik sich vielleicht doch nicht ausschließen müssen. Die FR fordert nach Lektüre von Seyran Ates neuem Buch mehr Differenzierung bei der Betrachtung des Islam. Die NZZ feiert Conlon Nancarrows hochkomplexe Musik für mechanische Klaviere. In der Welt begrüßen Berliner Suhrkamp-Autoren ihren Verlag im neuen Domizil und geben Überlebenstipps für die Hauptstadt. In der SZ warnt Jaron Lanier vor dem maoistischen Google. In der FAZ erkennt Frank Schirrmacher in Google eine Akademie der Aufklärung. Mehr lesen

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