Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

18.09.2004. Die Welt bringt ein kritisches Dossier zum arabischen Buchmessenschwerpunkt. Auch die taz bereitet uns auf diesen Schwerpunkt vor. In der NZZ prangert der tschetschenische Lyriker Apti Bisultanov die Gleichgültigkeit des Westens an. Die FAZ beklagt anhand der Flick-Sammlung die Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler. Die Berliner Zeitung kritisiert die schauspielerische Banalität des Films "Der Untergang".

Die Welt, 18.09.2004

Die Literarische Welt widmet sich an diesem Samstag vor allem der arabischen Literatur. Der in Aachen lebende syrische Schriftsteller Suleman Taufiq erzählt uns eine kleine Geschichte der arabischen Literatur und verspricht am Ende: "Die arabische Welt ist heute ein literarisch überaus lebendiger Raum. Die jungen Autoren haben die Vorteile der neuen Technik entdeckt. Im Internet wimmelt es von Texten, die unzensiert und ohne Tabus erscheinen können. Allerdings sollte der geneigte Leser nicht erwarten, in den traumhaften Orient entführt zu werden. Diese Klischeevorstellungen bedienen arabische Schriftsteller ausdrücklich nicht. Sie erzählen auf realistische, oft schonungslose Weise vom Leben der Menschen dort, wo die Menschen hart arbeiten, um ihre großen Familien zu ernähren, und viele Freuden und Schmerzen miteinander teilen."

Bleibt die Frage: wie können wir Westler an dieser Entwicklung teilnehmen, auch wenn wir kein Arabisch lesen können? Hier noch ein Link zu einer Leseprobe aus Taufiqs "Aachener Impressionen".

Der irakische Schriftsteller Hussain Al-Mozany äußert sich sehr kritisch zum arabischen Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse. Seiner Ansicht nach ist die arabische Liga völlig unfähig, die arabische Literatur angemessen zu repräsentieren. "Unter den Namen der eingeladenen Literaten befindet sich auch der saudi-arabische Dichter Ali al-Dumaini. In Wirklichkeit aber sitzt al-Dumaini neben seinen Kollegen Abdallah al-Hamid und Matruk al-Falih in saudischer Haft, als so genannte Meinungshäftlinge, weil sie es wagten, das im Stil des Mittelalters regierte Königreich dringlich zu Reformen aufzurufen. Und während die machtbesessenen Prinzen Arabiens eine Amnestie für Verbrecher und gar Angehörige der al-Qaida, die in den letzten Monaten das Land mit Terror überzogen hat, erlassen haben, weigern die sich immer noch, diese Meinungshäftlinge freizulassen. Sie sind im Gefängnis allen denkbaren Einschüchterungen ausgesetzt ... Anstatt von der saudischen Regierung die Freilassung des Dichters zu fordern, handeln die arabischen Organisatoren in typisch offizieller arabischer Panik. Sie strichen den Namen al-Dumainis von der endgültigen Liste der arabischen Teilnehmer. So bewiesen die arabischen Diktatoren abermals, dass sie reformunwillig und des Dialogs mit der westlichen Zivilisation unfähig sind, auch wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen."

Ebenfalls lesenswert: Najem Wali skizziert die irakische Literatur vor und nach dem 9. April 2003.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2004

Die FAZ steht heute ganz im Zeichen der Kunst. Auf Seite 1 des politischen Teils begrüßt Patrick Bahners den Einzug von Bildern Gerhard Richters aus dessen eigener Sammlung ins Dresdner Albertinum: "Die Richter-Galerie in Dresden ist der Glücksfall eines Gedächtnisorts, den die Schweigegebote und Sprachregelungen der öffentlichen Debattenwelt nicht erreichen."


Auf der Aufmacherseite des Feuilletons sind zwei Artikel der Flick-Sammlung gewidmet, die nach langem Streit nach Berlin kommt. Vor zehn Jahren wäre dies trotz des Einspruchs prominenter Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die gegen den Namen des Sammlers protestierten, nicht möglich gewesen, meint Heinrich Wefing, aber nun sei die Normalisierung abgeschlossen: "Deutschland ist unübersehbar dabei, in eine neue, nicht weniger schwierige, aber vielleicht weniger hysterische Phase der Erinnerung einzutreten." Thomas Wagner kritisiert die Angliederung der Flick-Sammlung an die Nationalgalerie allerdings nicht aus politischen, sondern kunstpolitischen Gründen: und konstatiert eine "fatale Tendenz" zur "Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler".

Zudem verweist an diesem "Wochenende der neuen Kunst" Niklas Maak auf das eröffnende Art Forum in Berlin und beklagt wie Thomas Wagner, dass Berlin jenseits der Sammlungspräsentationen ein offizieller Ort für die Gegenwartskunst fehlt: "Im Hamburger Bahnhof dominieren statt dessen sogenannte 'regionenbezogene Ausstellungen mit Künstlern aus Spanien, Skandinavien, China oder Australien', die von den Botschaften finanziert wurden und als bizarre Kunstfolklore-Parties dem Ruf des Hauses eher schadeten als nützten." Und bedeutende, in Berlin lebende Künstler wie Thomas Demand (mehr hier) oder Olafur Eliasson (mehr hier und hier) werden eher London oder New York gezeigt! Und schließlich erläutert Andreas Rossmann anhand einer einer von Eon gesponserten Cezanne-Ausstellung im Folkwang-Museum den Unterschied zwischen Sponsoren, die sich selbst mondäne Highlights finanzieren, und Mäzenaten, die sich für Kunst interessieren - aber die sind tot.

Weitere Artikel: Gemeldet wird, dass Helmut Kohl und Lord Weidenfeld sich in der mit der FAZ befreundeten Bild-Zeitung von dem Film "Der Untergang" beeindruckt zeigten. Hannes Hintermeier schreibt eine humoristische Kolumne auf englisch mit deutschem Akzent über die Bildungsbestrebungen der bayerischen Politikerin Monika Hohlmeier. Michael Jeismann besucht die Stadt Wittenberge und findet ein Paradebeispiel für eine der schrumpfenden Städte in der Ex-DDR. Jürgen Dollase stellt in seiner Gastro-Kolumne den Koch Hermann Bareiss und sein Hotel und Restaurant in Baiersbronn im Schwarzwald vor. Der ehemalige Präsident der Hamburger Universität Jürgen Lüthje erinnert in einem faktenreichen Hintergrundartikel an den Bürgermeister Werner von Melle, der in der Weimarer Zeit mit wenig Mitteln die Hamburger Universität schuf, deren geisteswissenschaftliche Fachbereiche jetzt geschleift werden sollen. Richard Kämmerlings meldet, dass der Börsenverein des deutschen Buchhandels die Frankfurter Buchmesse nicht verkaufen will.

In den Überresten von Bilder und Zeiten wird nun gar nach der letzten Woche ein zweites Kapitel aus Wolf Jobst Siedlers demnächst erscheinenden Memoiren abgedruckt (auch der Perlentaucher durfte übrigens ein sehr schönes Kapitel vorabdrucken). Und Wiebke Hüster erinnert an den Choreografen Sir Frederick Ashton, der in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden wäre

Auf der Schallplatte-und-Phono-Seite geht's um die letzte Platte von Ray Charles, um eine CD des Songwriters Tony Joe White, um Schuberts "Winterreise" mit Bostridge, Goerne und Walderdorff, um junge baltische Violinvirtuosen um eine CD der Band The Prodigy und um eine CD des Soulgenies Terry Callier.

Auf der Medienseite fragt Michael Hanfeld, ob uns eine Rundfunksteuer ins Haus steht. Auf der Literaturseite werden Bücher von Julian Ayesta (Leseprobe), John von Düffel, Liane Dirks und Martin Amis besprochen. Besprochen werden außerdem Patricia Plattners Film "Les petites couleurs" und Strauss' "Salome", inszeniert von Katharina Thalbach, dirigiert von Markus Stenz in Köln.

In der Frankfurter Anthologie stellt Walter Hinck ein Gedicht von Erich Arendt vor - "Garcia Lorca":

"Du grüner Wind! Sang heißblütiger Gitarren!
Du Mondlicht still, am Munde der Zigeunerin! -
Mit einem Mal verweht - nun knarrt der Schinderkarren
hart durch Granadas Traum, den du besungen, hin ..."

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Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2004

Im Feuilleton porträtiert Sieglinde Geisel den tschetschenischen Lyriker Apti Bisultanov (mehr hier und hier), der im letzten Tschetschenien-Krieg kämpfte und jetzt im Berliner Exil lebt. Er spricht auch über die totale Indifferenz des Westens gegenüber dem Krieg, der bereits 200.000 Menschleben kostete: "In Tschetschenien liegt die Welt offen zutage. Man erfährt die Wahrheit über das Verhältnis der Russen zu den Tschetschenen, der Russen untereinander, der Tschetschenen untereinander. Und in ihrem Schweigen zum Krieg zeigt auch die übrige Welt ihr wahres Gesicht." Geisel zitiert aus einem der Gedichte Bisultanovs:


"Mit beiden Händen das Herz fassen
Diesen alten Igel
Und alle Wunden mit der Schusterahle
Fest vernähn wie man Stiefel flickt."

Weitere Artikel: Im Aufmacher fragt sich der Biochemiker Gottfried Schatz, warum die Schweiz als wissenschaftlicher Forschungsstandort immer weiter zurückfällt. Besprochen werden eine Rubens-Ausstellung in der Wiener Albertina und Richard Strauss' "Salome" in Köln.

Die Samstagsbeilage Literatur und Kunst ist in vielfachen Abgesängen dem Thema Pop gewidmet. Andreas Breitenstein definiert im Editorial: "Direkt, spontan, authentisch formuliert der Pop in einfach verständlichen Formen den Glücksanspruch des Individuums, nachdem sich die Verheißungen der Moderne erschöpft und die Wünsche sich vom Kollektiv abgespalten haben.... Gott ist tot, doch was soll's, solange die Energien des Glücks fließen. Der immer neue Kick hilft allemal über die große Leere hinweg."

Mehrere Essays versuchen eine Bestandsaufnahme. Der Kunsthistoriker Beat Wyss definiert Pop als "Kunst der Versöhnung mit der Entfremdung" und fragt, ob der 11. September als ein Angriff auf die Popkultur zu verstehen sei. Der Filmwissenschaftler Robert Buchschwenter denkt über "Popmusik und Film" nach. Uwe Justus Wenzel stellt Vorüberlegungen zu einer Theorie der 'Pop-Philosophie' an. Der Kunsthistoriker Walter Grasskamp langt poptheoretisch im Post-Pop an. Christina Thurner beschreibt, wie zeitgenössischer Tanz Popkultur zelebriert und reflektiert. Die Musikwissenschafterin Elisabeth Schwind untersucht die klassische Musik und die Logik des Pop. Frank Schäfer macht Anmerkungen zur Ästhetik der Popmusik. Und Michael Braun verabschiedet die Popliteratur als "punktgenaue Kopie der Irrtümer von vorgestern".

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Die Tageszeitung, 18.09.2004

Im Zentrum der tazkultur stehen heute zwei buchmessenschwerpunktvorbereitende Texte: Daniel Bax interviewt den Verleger arabischer Literatur Hans Schiler. Der stellt fest: "Europa spielt eine große Rolle für die arabische Literatur, weil hier Bücher verlegt werden können, die in arabischen Ländern der Zensur zum Opfer fallen würden. So erreichen vor allem Exilautoren ihr Publikum in der alten Heimat. Die Verbindung zwischen dem Exil und diesen Ländern selbst wird teilweise über diese Verlage aufrechterhalten."


Martin Zähringer stellt die palästinensische Literatur der Gegenwart vor und bedauert erst einmal: "Die Beziehungen zwischen der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft sind beherrscht von der Nichtwahrnehmung des Anderen. Das ist der Eindruck, wenn man die jeweilige Literatur zur Kenntnis nimmt."

Weitere Artikel: Eine Weimarer Tagung zum Werk des Philosophen Baruch Spinoza hat Jan-Hendrik Wulf besucht. Besprochen werden der Film  "Rhythm is it!" und das Theaterstück zum Fall Jakob Metzler in Frankfurt (kein Skandal, weil gut, findet Heide Platen).

Für die zweite taz hat Henning Kober den einstigen Hollywood-Kinderstar Macauly Culkin besucht, dessen neuer Film "Saved" demnächst bei uns zu sehen ist und der klarstellt, "dass er 'nichts, aber auch gar nichts' in seinem Leben bereut". Der CDU-Nachwuchspolitiker Henrik Wichmann (bekannt aus Andreas Dresens Dokumentarfilm) bestätigt bzw. korrigiert "die elf schlimmsten Vorurteile über Brandenburg".

Im heute sehr lesenswerten taz mag informiert eine Reportage von Thomas Schmid über die als Flüchtlingsanlaufstellte zu Bekanntheit gekommene Mittelmeerinsel Lampedusa: "Auf der Karte ist Lampedusa - wenn überhaupt verzeichnet - ein Pünktchen, so klein wie ein Flohstich oder Fliegenschiss, zwischen Sizilien und Tunesien. Die Insel, gerade zwanzig Quadratkilometer groß, gehört, geologisch betrachtet, zur afrikanischen Platte, politisch jedoch zu Italien. Zur sizilianischen Küste hinüber sind es 195 Kilometer. Nach Tunesien nur 115. Im Schlauchboot mit Außenbordmotor schafft man die bei gutem Wetter in zehn Stunden. Auch in umgekehrter Richtung."

Weitere Artikel: Die taz-Autorin Anita Kugler äußert sich im Interview zu ihrem Buch "Scherwitz. Der jüdische SS-Offizier" (Leseprobe): "Nie werde ich ein besseres Buch schreiben können. Es hat meinen Mann und mich fast verarmt, achtzigtausend Euro hat es gekostet, die Reisen, die Übersetzungen." Woiciech Pieciak erinnert an den Kampf polnischer Soldaten gegen die deutsche Besatzungsmacht im Jahr 1939. Im Burgund lässt sich ein Kunsthistoriker eine Burg bauen, mit den Mitteln mittelalterlichen Handwerks. Dorothea Hahn hat sich das angesehen.

Besprochen werden unter anderem Ulrike Brunottes Studie "Zwischen Eros und Krieg", eine Levinas-Biografie (Leseprobe hier ) und zwei Romane von Tim Krabbe. In crime scene erzählt Kolja Mensing, was ihm in der Berliner Krimibuchhandlung "Hammett" zur Lektüre empfohlen wurde (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

Und Tom.

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Frankfurter Rundschau, 18.09.2004

Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat sich jetzt auch noch Hitlers "Untergang" angesehen und  stellt einerseits fest: "'Der Untergang' ist aber nicht nur deshalb ein paradigmatischer Film, weil er den Anspruch erhebt, wirklicher als die Wirklichkeit zu sein; er ist es auch, weil er eben nur das Ende einer Geschichte erzählt, ganz wie es die mediale Geschichtsdidaktik von Guido Knopp über Günter Grass bis Jörg Friedrich vorbereitet hat." Und andererseits: "Dieser Film, machen wir es kurz, ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist."


Ulf Erdmann Ziegler beginnt seinen umfassenden Bericht von der großen Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn wie folgt: "Yves Klein, der nun schon länger tot ist, als er auf Erden gelebt hat, wäre sicher erstaunt gewesen, das Interesse von Peugeot, der BASF, der Air France und der Vogue auf sich zu ziehen."

Weitere Artikel: Von der Pressevorbesichtigung der Anti-Flick-Ausstellung "Zwangsarbeit in Berlin 1938 - 1945 - Das Beispiel Flick" berichtet Thomas Medicus. Christoph Schröder gratuliert - zum einen - dem Wagenbach Verlag zum 40. Geburtstag: "Wagenbach ist Widerstand. Das ist Konzept, das ist Marke und Marketing." In Times mager verabschiedet er sich - zum anderen - ohne jede Wehmut vom peinlichen "Deutschen Bücherpreis" mit Namen Butt und informiert über den neuen "Deutschen Buchpreis", der dem britischen Booker Prize nachempfunden ist.

Besprechungen: Heiner Goebbels' Canetti-Stück "Eraritjaritjaka" ist, wie Hans-Jürgen Linke meint, "ein Stück Musiktheater, in dem Musik, Licht, Video, Literatur und Bühnenausstattung mit der großen und unprätentiösen Stimm- und Schauspielkunst des Andre Wilms eine Verbindung eingehen, die mehr Fragen horizonterweiternd in die Welt setzt als sie desillusionierend beantwortet." Zu viele Karikaturen hat Anke Duerr in Andreas Kriegenburgs Hamburger Inszenierung der "Jungfrau von Orleans" gesehen.

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Berliner Zeitung, 18.09.2004

In der Berliner Zeitung lesen wir eine abweichende Stimme zum Film "Der Untergang". Arno Widmann findet zwar manches wahr daran, aber noch mehr banal: "Banal ist seine dick aufgetragene Mimik und Rhetorik. Es ist bezeichnend für den Stand unseres kulturellen Volksvermögens, dass der Versuch der filmischen Inszenierung des Unterganges des Dritten Reiches jenen plüschig-erregten Theaterstil pflegt, gegen den schon die Kunst der Weimarer Republik ankämpfte. 'Der Untergang' macht schauspielerisch weitgehend da weiter, wo die Maininger gestoppt worden waren. Er ist abgefilmtes Theater. Die Kamera steht nicht im Geschehen, sondern sie führt Schauspielkunst vor. Man wird darin den wilhelministischen Zug unserer Zeit erkennen."


Im Magazin porträtiert Sebastian Preuss ausführlich und informativ den Sammler Flick.

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Weitere Medien, 18.09.2004

Über so etwas berichtet hierzulande ja niemand. In Prag hat Vaclav Havel einen Riesenkongress zur Untersützung kubanischer Intellektueller veranstaltet, die seit letztem Jahr ohne Prozess in kubanischen Gefängnissen sitzen (mit Strafen bis zu 28 Jahren!) Le Monde schreibt: "Unter dem Einfluss Vaclav Havels, der zwischen 1970 und 80 fast fünf Jahre in den kommunistischen Kerkern verbrachte, ist die Solidarität mit den aktuellen Dissidenten Kubas in dem mitteleuropäischen Land besonders groß." Havel rief die Kubaner auf, an die Wende der mitteleuropäischen Lander von 89 anzuknüpfen, ohne deren Fehler zu wiederholen.

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Süddeutsche Zeitung, 18.09.2004

Der Autor Richard Swartz bereitet sich in Florida auf den Hurrikan vor und lernt dabei manches über sein Gastland: "Der Amerikaner unterwirft sich der Willkür der Natur mit Ergebenheit - ein Charakterzug, der ansonsten hier selten ist. Ein Unwetter, ein Schneesturm oder eine vereiste Straße lässt augenblicklich die Tatkraft erlahmen, die sonst diese Gesellschaft beherrscht. Reißt der Sturm das Dach herunter, soll man sich in einer Garderobe oder im Badezimmer verbarrikadieren mit einer Matratze über dem Kopf. Ergeben bleibt der Amerikaner zu Hause wie der Hund in seinem Korb. Am Abend zuvor hat er sein Urteil vom Wetterbericht im Fernsehen empfangen und sich beeilt, seine Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Die Natur ist die einzige Majestät in diesem Land, die einzige, vor welcher der Amerikaner den Nacken beugt."


Weitere Artikel: Franziska Augstein hat auf dem 45. deutschen Historikertag neben einer "sinnlosen" Politikerrede und dem "Untergang" auch interessante Vorträge erlebt. Wir erfahren, dass Harald Fritzsch, der 1. Vorstand der nun tagenden "Gesellschaft deutscher Naturwissenschaftler und Ärzte" die Bildungspolitik in seinem Eröffnungsvortrag als "permanenten Unfug" geißelt. Manfred Gentz, der Vertreter der Wirtschaft bei der Zwangsarbeiterentschädigungsstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zieht eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit. Ralf Berhorst gibt ihm in der Sache recht, findet die Argumentation aber nach wie vor "legalistisch" und "ökonomistisch". Im von Hans Magnus Enzensberger & Co. gerade propagierten Alexander-von-"Humboldt-Deutschen" erkennt Lothar Müller das weltfrohe Gegenstück zum "Rembrandt-Deutschen" - in Humboldt selbst aber sieht er auch die überforderte "Übergangsfigur" zwischen Epochenformationen. Adrienne Braun stellt den verblüffenden Vorschlag des Stuttgarter Architekturbüros Brunnert Plan AG vor, den Berliner Flughafen Tempelhof nicht zu schließen, sondern zur Abfertigungshalle für Schönefeld zu machen.

Besprochen werden die große Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn, "Made in Berlin", die Begleitausstellung zur Berliner Kunstmesse ("fröhliche Produktpiraterie" hat Frank Frangenberg dort ausgemacht), die Canetti-Hommage "Eraritjaritjaka" des Musiktheatermachers Heiner Goebbels in Frankfurt, Stefan Puchers "Othello" und Andreas Kriegenburgs "Jungfrau von Orleans" am Hamburger Theater (der Gott der Bühnentechnik war offenbar sehr schlechter Laune und sorgte für Verspätungen, mit den Inszenierungen war Werner Burkhardt halbwegs zufrieden) und Bücher, darunter ein Nachlassband mit Texten von Jean-Francois Lyotard, ein Band mit Hip-Hop-Fotografie und Rüdiger Safranskis Schiller-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).

In Vorwegnahme der für morgen zu befürchtenden Wahlergebnisse kommentieren im bildlosen Aufmacher der SZ am Wochenende Heribert Prantl und Kurt Kister die Erfolge der Rechtsradikalen. Prantl fordert das Engagement der Zivilgesellschaft: "Deutschland wird eine Werkstätte der Kulturen sein müssen. Lehrerinnen und Lehrer werden schon in ihrer Ausbildung auf den multikulturellen Arbeitsalltag vorbereitet werden müssen. Es werden mehr und mehr Lehrer aus eingewanderten Familien ausgebildet und eingestellt werden müssen." Und Kister will die Kirche im Dorf lassen, denn: "Die organisierten Rechtsextremen in Deutschland sind zu blöd, um in einem auf Debatte und Interessenausgleich beruhenden politischen System eine Rolle zu spielen, gar in den Parlamenten zu reüssieren."

Außerdem: Dirk Peitz porträtiert den Autor Irvine Welsh, der seinen "Trainspotting"-Helden im jüngsten Roman "Porno" eine zweite Chance gibt. Vorabgedruckt wird ein Auszug aus Imre Kertesz' demnächst erstmals auf Deutsch erscheinender "Detektivgeschichte". Im Interview mit Alexander Gorkow äußert sich der Komponist Jean Michel Jarre zum Thema Sex, also zu seiner Musik: "Meine Musik ist für mich Sex. Ein Ausdruck von Sexualität und Liebe und Verlangen."

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

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04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

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31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

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27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

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26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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