Bücher der Saison
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Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
18.09.2004. Die Welt bringt ein kritisches Dossier zum arabischen Buchmessenschwerpunkt. Auch die taz bereitet uns auf diesen Schwerpunkt vor. In der NZZ prangert der tschetschenische Lyriker Apti Bisultanov die Gleichgültigkeit des Westens an. Die FAZ beklagt anhand der Flick-Sammlung die Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler. Die Berliner Zeitung kritisiert die schauspielerische Banalität des Films "Der Untergang".
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Die Welt, 18.09.2004
Die Literarische Welt widmet sich an diesem Samstag vor allem der arabischen Literatur. Der in Aachen lebende syrische Schriftsteller Suleman Taufiq erzählt uns eine kleine Geschichte der arabischen Literatur und verspricht am Ende: "Die arabische Welt ist heute ein literarisch überaus lebendiger Raum. Die jungen Autoren haben die Vorteile der neuen Technik entdeckt. Im Internet wimmelt es von Texten, die unzensiert und ohne Tabus erscheinen können. Allerdings sollte der geneigte Leser nicht erwarten, in den traumhaften Orient entführt zu werden. Diese Klischeevorstellungen bedienen arabische Schriftsteller ausdrücklich nicht. Sie erzählen auf realistische, oft schonungslose Weise vom Leben der Menschen dort, wo die Menschen hart arbeiten, um ihre großen Familien zu ernähren, und viele Freuden und Schmerzen miteinander teilen."
Bleibt die Frage: wie können wir Westler an dieser Entwicklung teilnehmen, auch wenn wir kein Arabisch lesen können? Hier noch ein Link zu einer Leseprobe aus Taufiqs "Aachener Impressionen".
Der irakische Schriftsteller Hussain Al-Mozany äußert sich sehr kritisch zum arabischen Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse. Seiner Ansicht nach ist die arabische Liga völlig unfähig, die arabische Literatur angemessen zu repräsentieren. "Unter den Namen der eingeladenen Literaten befindet sich auch der saudi-arabische Dichter Ali al-Dumaini. In Wirklichkeit aber sitzt al-Dumaini neben seinen Kollegen Abdallah al-Hamid und Matruk al-Falih in saudischer Haft, als so genannte Meinungshäftlinge, weil sie es wagten, das im Stil des Mittelalters regierte Königreich dringlich zu Reformen aufzurufen. Und während die machtbesessenen Prinzen Arabiens eine Amnestie für Verbrecher und gar Angehörige der al-Qaida, die in den letzten Monaten das Land mit Terror überzogen hat, erlassen haben, weigern die sich immer noch, diese Meinungshäftlinge freizulassen. Sie sind im Gefängnis allen denkbaren Einschüchterungen ausgesetzt ... Anstatt von der saudischen Regierung die Freilassung des Dichters zu fordern, handeln die arabischen Organisatoren in typisch offizieller arabischer Panik. Sie strichen den Namen al-Dumainis von der endgültigen Liste der arabischen Teilnehmer. So bewiesen die arabischen Diktatoren abermals, dass sie reformunwillig und des Dialogs mit der westlichen Zivilisation unfähig sind, auch wenn die Rahmenbedingungen dafür stimmen."
Ebenfalls lesenswert: Najem Wali skizziert die irakische Literatur vor und nach dem 9. April 2003.
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2004
Die FAZ steht heute ganz im Zeichen der Kunst. Auf Seite 1 des politischen Teils begrüßt Patrick Bahners den Einzug von Bildern Gerhard Richters aus dessen eigener Sammlung ins Dresdner Albertinum: "Die Richter-Galerie in Dresden ist der Glücksfall eines Gedächtnisorts, den die Schweigegebote und Sprachregelungen der öffentlichen Debattenwelt nicht erreichen."
Auf der Aufmacherseite des Feuilletons sind zwei Artikel der Flick-Sammlung gewidmet, die nach langem Streit nach Berlin kommt. Vor zehn Jahren wäre dies trotz des Einspruchs prominenter Mitglieder der jüdischen Gemeinde, die gegen den Namen des Sammlers protestierten, nicht möglich gewesen, meint Heinrich Wefing, aber nun sei die Normalisierung abgeschlossen: "Deutschland ist unübersehbar dabei, in eine neue, nicht weniger schwierige, aber vielleicht weniger hysterische Phase der Erinnerung einzutreten." Thomas Wagner kritisiert die Angliederung der Flick-Sammlung an die Nationalgalerie allerdings nicht aus politischen, sondern kunstpolitischen Gründen: und konstatiert eine "fatale Tendenz" zur "Selbstentmachtung der Museen und die Apotheose der privaten Sammler".
Zudem verweist an diesem "Wochenende der neuen Kunst" Niklas Maak auf das eröffnende Art Forum in Berlin und beklagt wie Thomas Wagner, dass Berlin jenseits der Sammlungspräsentationen ein offizieller Ort für die Gegenwartskunst fehlt: "Im Hamburger Bahnhof dominieren statt dessen sogenannte 'regionenbezogene Ausstellungen mit Künstlern aus Spanien, Skandinavien, China oder Australien', die von den Botschaften finanziert wurden und als bizarre Kunstfolklore-Parties dem Ruf des Hauses eher schadeten als nützten." Und bedeutende, in Berlin lebende Künstler wie Thomas Demand (mehr hier) oder Olafur Eliasson (mehr hier und hier) werden eher London oder New York gezeigt! Und schließlich erläutert Andreas Rossmann anhand einer einer von Eon gesponserten Cezanne-Ausstellung im Folkwang-Museum den Unterschied zwischen Sponsoren, die sich selbst mondäne Highlights finanzieren, und Mäzenaten, die sich für Kunst interessieren - aber die sind tot.
Weitere Artikel: Gemeldet wird, dass Helmut Kohl und Lord Weidenfeld sich in der mit der FAZ befreundeten Bild-Zeitung von dem Film "Der Untergang" beeindruckt zeigten. Hannes Hintermeier schreibt eine humoristische Kolumne auf englisch mit deutschem Akzent über die Bildungsbestrebungen der bayerischen Politikerin Monika Hohlmeier. Michael Jeismann besucht die Stadt Wittenberge und findet ein Paradebeispiel für eine der schrumpfenden Städte in der Ex-DDR. Jürgen Dollase stellt in seiner Gastro-Kolumne den Koch Hermann Bareiss und sein Hotel und Restaurant in Baiersbronn im Schwarzwald vor. Der ehemalige Präsident der Hamburger Universität Jürgen Lüthje erinnert in einem faktenreichen Hintergrundartikel an den Bürgermeister Werner von Melle, der in der Weimarer Zeit mit wenig Mitteln die Hamburger Universität schuf, deren geisteswissenschaftliche Fachbereiche jetzt geschleift werden sollen. Richard Kämmerlings meldet, dass der Börsenverein des deutschen Buchhandels die Frankfurter Buchmesse nicht verkaufen will.
In den Überresten von Bilder und Zeiten wird nun gar nach der letzten Woche ein zweites Kapitel aus Wolf Jobst Siedlers demnächst erscheinenden Memoiren abgedruckt (auch der Perlentaucher durfte übrigens ein sehr schönes Kapitel vorabdrucken). Und Wiebke Hüster erinnert an den Choreografen Sir Frederick Ashton, der in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden wäre
Auf der Schallplatte-und-Phono-Seite geht's um die letzte Platte von Ray Charles, um eine CD des Songwriters Tony Joe White, um Schuberts "Winterreise" mit Bostridge, Goerne und Walderdorff, um junge baltische Violinvirtuosen um eine CD der Band The Prodigy und um eine CD des Soulgenies Terry Callier.
Auf der Medienseite fragt Michael Hanfeld, ob uns eine Rundfunksteuer ins Haus steht. Auf der Literaturseite werden Bücher von Julian Ayesta (Leseprobe), John von Düffel, Liane Dirks und Martin Amis besprochen. Besprochen werden außerdem Patricia Plattners Film "Les petites couleurs" und Strauss' "Salome", inszeniert von Katharina Thalbach, dirigiert von Markus Stenz in Köln.
In der Frankfurter Anthologie stellt Walter Hinck ein Gedicht von Erich Arendt vor - "Garcia Lorca":
"Du grüner Wind! Sang heißblütiger Gitarren!
Du Mondlicht still, am Munde der Zigeunerin! -
Mit einem Mal verweht - nun knarrt der Schinderkarren
hart durch Granadas Traum, den du besungen, hin ..."
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2004
Im Feuilleton porträtiert Sieglinde Geisel den tschetschenischen Lyriker Apti Bisultanov (mehr hier und hier), der im letzten Tschetschenien-Krieg kämpfte und jetzt im Berliner Exil lebt. Er spricht auch über die totale Indifferenz des Westens gegenüber dem Krieg, der bereits 200.000 Menschleben kostete: "In Tschetschenien liegt die Welt offen zutage. Man erfährt die Wahrheit über das Verhältnis der Russen zu den Tschetschenen, der Russen untereinander, der Tschetschenen untereinander. Und in ihrem Schweigen zum Krieg zeigt auch die übrige Welt ihr wahres Gesicht." Geisel zitiert aus einem der Gedichte Bisultanovs:
"Mit beiden Händen das Herz fassen
Diesen alten Igel
Und alle Wunden mit der Schusterahle
Fest vernähn wie man Stiefel flickt."
Weitere Artikel: Im Aufmacher fragt sich der Biochemiker Gottfried Schatz, warum die Schweiz als wissenschaftlicher Forschungsstandort immer weiter zurückfällt. Besprochen werden eine Rubens-Ausstellung in der Wiener Albertina und Richard Strauss' "Salome" in Köln.
Die Samstagsbeilage Literatur und Kunst ist in vielfachen Abgesängen dem Thema Pop gewidmet. Andreas Breitenstein definiert im Editorial: "Direkt, spontan, authentisch formuliert der Pop in einfach verständlichen Formen den Glücksanspruch des Individuums, nachdem sich die Verheißungen der Moderne erschöpft und die Wünsche sich vom Kollektiv abgespalten haben.... Gott ist tot, doch was soll's, solange die Energien des Glücks fließen. Der immer neue Kick hilft allemal über die große Leere hinweg."
Mehrere Essays versuchen eine Bestandsaufnahme. Der Kunsthistoriker Beat Wyss definiert Pop als "Kunst der Versöhnung mit der Entfremdung" und fragt, ob der 11. September als ein Angriff auf die Popkultur zu verstehen sei. Der Filmwissenschaftler Robert Buchschwenter denkt über "Popmusik und Film" nach. Uwe Justus Wenzel stellt Vorüberlegungen zu einer Theorie der 'Pop-Philosophie' an. Der Kunsthistoriker Walter Grasskamp langt poptheoretisch im Post-Pop an. Christina Thurner beschreibt, wie zeitgenössischer Tanz Popkultur zelebriert und reflektiert. Die Musikwissenschafterin Elisabeth Schwind untersucht die klassische Musik und die Logik des Pop. Frank Schäfer macht Anmerkungen zur Ästhetik der Popmusik. Und Michael Braun verabschiedet die Popliteratur als "punktgenaue Kopie der Irrtümer von vorgestern".
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 18.09.2004
Im Zentrum der tazkultur stehen heute zwei buchmessenschwerpunktvorbereitende Texte: Daniel Bax interviewt den Verleger arabischer Literatur Hans Schiler. Der stellt fest: "Europa spielt eine große Rolle für die arabische Literatur, weil hier Bücher verlegt werden können, die in arabischen Ländern der Zensur zum Opfer fallen würden. So erreichen vor allem Exilautoren ihr Publikum in der alten Heimat. Die Verbindung zwischen dem Exil und diesen Ländern selbst wird teilweise über diese Verlage aufrechterhalten."
Martin Zähringer stellt die palästinensische Literatur der Gegenwart vor und bedauert erst einmal: "Die Beziehungen zwischen der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft sind beherrscht von der Nichtwahrnehmung des Anderen. Das ist der Eindruck, wenn man die jeweilige Literatur zur Kenntnis nimmt."
Weitere Artikel: Eine Weimarer Tagung zum Werk des Philosophen Baruch Spinoza hat Jan-Hendrik Wulf besucht. Besprochen werden der Film "Rhythm is it!" und das Theaterstück zum Fall Jakob Metzler in Frankfurt (kein Skandal, weil gut, findet Heide Platen).
Für die zweite taz hat Henning Kober den einstigen Hollywood-Kinderstar Macauly Culkin besucht, dessen neuer Film "Saved" demnächst bei uns zu sehen ist und der klarstellt, "dass er 'nichts, aber auch gar nichts' in seinem Leben bereut". Der CDU-Nachwuchspolitiker Henrik Wichmann (bekannt aus Andreas Dresens Dokumentarfilm) bestätigt bzw. korrigiert "die elf schlimmsten Vorurteile über Brandenburg".
Im heute sehr lesenswerten taz mag informiert eine Reportage von Thomas Schmid über die als Flüchtlingsanlaufstellte zu Bekanntheit gekommene Mittelmeerinsel Lampedusa: "Auf der Karte ist Lampedusa - wenn überhaupt verzeichnet - ein Pünktchen, so klein wie ein Flohstich oder Fliegenschiss, zwischen Sizilien und Tunesien. Die Insel, gerade zwanzig Quadratkilometer groß, gehört, geologisch betrachtet, zur afrikanischen Platte, politisch jedoch zu Italien. Zur sizilianischen Küste hinüber sind es 195 Kilometer. Nach Tunesien nur 115. Im Schlauchboot mit Außenbordmotor schafft man die bei gutem Wetter in zehn Stunden. Auch in umgekehrter Richtung."
Weitere Artikel: Die taz-Autorin Anita Kugler äußert sich im Interview zu ihrem Buch "Scherwitz. Der jüdische SS-Offizier" (Leseprobe): "Nie werde ich ein besseres Buch schreiben können. Es hat meinen Mann und mich fast verarmt, achtzigtausend Euro hat es gekostet, die Reisen, die Übersetzungen." Woiciech Pieciak erinnert an den Kampf polnischer Soldaten gegen die deutsche Besatzungsmacht im Jahr 1939. Im Burgund lässt sich ein Kunsthistoriker eine Burg bauen, mit den Mitteln mittelalterlichen Handwerks. Dorothea Hahn hat sich das angesehen.
Besprochen werden unter anderem Ulrike Brunottes Studie "Zwischen Eros und Krieg", eine Levinas-Biografie (Leseprobe hier ) und zwei Romane von Tim Krabbe. In crime scene erzählt Kolja Mensing, was ihm in der Berliner Krimibuchhandlung "Hammett" zur Lektüre empfohlen wurde (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Und Tom.
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Rundschau, 18.09.2004
Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat sich jetzt auch noch Hitlers "Untergang" angesehen und stellt einerseits fest: "'Der Untergang' ist aber nicht nur deshalb ein paradigmatischer Film, weil er den Anspruch erhebt, wirklicher als die Wirklichkeit zu sein; er ist es auch, weil er eben nur das Ende einer Geschichte erzählt, ganz wie es die mediale Geschichtsdidaktik von Guido Knopp über Günter Grass bis Jörg Friedrich vorbereitet hat." Und andererseits: "Dieser Film, machen wir es kurz, ist so schlecht wie er ideologisch ist, indem er vorgibt, authentisch und bewertungsfrei erzählen zu können, was ohne Kontextualisierung und Wertung gar nicht zu erzählen ist."
Ulf Erdmann Ziegler beginnt seinen umfassenden Bericht von der großen Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn wie folgt: "Yves Klein, der nun schon länger tot ist, als er auf Erden gelebt hat, wäre sicher erstaunt gewesen, das Interesse von Peugeot, der BASF, der Air France und der Vogue auf sich zu ziehen."
Weitere Artikel: Von der Pressevorbesichtigung der Anti-Flick-Ausstellung "Zwangsarbeit in Berlin 1938 - 1945 - Das Beispiel Flick" berichtet Thomas Medicus. Christoph Schröder gratuliert - zum einen - dem Wagenbach Verlag zum 40. Geburtstag: "Wagenbach ist Widerstand. Das ist Konzept, das ist Marke und Marketing." In Times mager verabschiedet er sich - zum anderen - ohne jede Wehmut vom peinlichen "Deutschen Bücherpreis" mit Namen Butt und informiert über den neuen "Deutschen Buchpreis", der dem britischen Booker Prize nachempfunden ist.
Besprechungen: Heiner Goebbels' Canetti-Stück "Eraritjaritjaka" ist, wie Hans-Jürgen Linke meint, "ein Stück Musiktheater, in dem Musik, Licht, Video, Literatur und Bühnenausstattung mit der großen und unprätentiösen Stimm- und Schauspielkunst des Andre Wilms eine Verbindung eingehen, die mehr Fragen horizonterweiternd in die Welt setzt als sie desillusionierend beantwortet." Zu viele Karikaturen hat Anke Duerr in Andreas Kriegenburgs Hamburger Inszenierung der "Jungfrau von Orleans" gesehen.
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Berliner Zeitung, 18.09.2004
In der Berliner Zeitung lesen wir eine abweichende Stimme zum Film "Der Untergang". Arno Widmann findet zwar manches wahr daran, aber noch mehr banal: "Banal ist seine dick aufgetragene Mimik und Rhetorik. Es ist bezeichnend für den Stand unseres kulturellen Volksvermögens, dass der Versuch der filmischen Inszenierung des Unterganges des Dritten Reiches jenen plüschig-erregten Theaterstil pflegt, gegen den schon die Kunst der Weimarer Republik ankämpfte. 'Der Untergang' macht schauspielerisch weitgehend da weiter, wo die Maininger gestoppt worden waren. Er ist abgefilmtes Theater. Die Kamera steht nicht im Geschehen, sondern sie führt Schauspielkunst vor. Man wird darin den wilhelministischen Zug unserer Zeit erkennen."
Im Magazin porträtiert Sebastian Preuss ausführlich und informativ den Sammler Flick.
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Weitere Medien, 18.09.2004
Über so etwas berichtet hierzulande ja niemand. In Prag hat Vaclav Havel einen Riesenkongress zur Untersützung kubanischer Intellektueller veranstaltet, die seit letztem Jahr ohne Prozess in kubanischen Gefängnissen sitzen (mit Strafen bis zu 28 Jahren!) Le Monde schreibt: "Unter dem Einfluss Vaclav Havels, der zwischen 1970 und 80 fast fünf Jahre in den kommunistischen Kerkern verbrachte, ist die Solidarität mit den aktuellen Dissidenten Kubas in dem mitteleuropäischen Land besonders groß." Havel rief die Kubaner auf, an die Wende der mitteleuropäischen Lander von 89 anzuknüpfen, ohne deren Fehler zu wiederholen.
Die Welt | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Berliner Zeitung | Weitere Medien | Süddeutsche Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2004
Der Autor Richard Swartz bereitet sich in Florida auf den Hurrikan vor und lernt dabei manches über sein Gastland: "Der Amerikaner unterwirft sich der Willkür der Natur mit Ergebenheit - ein Charakterzug, der ansonsten hier selten ist. Ein Unwetter, ein Schneesturm oder eine vereiste Straße lässt augenblicklich die Tatkraft erlahmen, die sonst diese Gesellschaft beherrscht. Reißt der Sturm das Dach herunter, soll man sich in einer Garderobe oder im Badezimmer verbarrikadieren mit einer Matratze über dem Kopf. Ergeben bleibt der Amerikaner zu Hause wie der Hund in seinem Korb. Am Abend zuvor hat er sein Urteil vom Wetterbericht im Fernsehen empfangen und sich beeilt, seine Lebensmittelvorräte zu ergänzen. Die Natur ist die einzige Majestät in diesem Land, die einzige, vor welcher der Amerikaner den Nacken beugt."
Weitere Artikel: Franziska Augstein hat auf dem 45. deutschen Historikertag neben einer "sinnlosen" Politikerrede und dem "Untergang" auch interessante Vorträge erlebt. Wir erfahren, dass Harald Fritzsch, der 1. Vorstand der nun tagenden "Gesellschaft deutscher Naturwissenschaftler und Ärzte" die Bildungspolitik in seinem Eröffnungsvortrag als "permanenten Unfug" geißelt. Manfred Gentz, der Vertreter der Wirtschaft bei der Zwangsarbeiterentschädigungsstiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zieht eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit. Ralf Berhorst gibt ihm in der Sache recht, findet die Argumentation aber nach wie vor "legalistisch" und "ökonomistisch". Im von Hans Magnus Enzensberger & Co. gerade propagierten Alexander-von-"Humboldt-Deutschen" erkennt Lothar Müller das weltfrohe Gegenstück zum "Rembrandt-Deutschen" - in Humboldt selbst aber sieht er auch die überforderte "Übergangsfigur" zwischen Epochenformationen. Adrienne Braun stellt den verblüffenden Vorschlag des Stuttgarter Architekturbüros Brunnert Plan AG vor, den Berliner Flughafen Tempelhof nicht zu schließen, sondern zur Abfertigungshalle für Schönefeld zu machen.
Besprochen werden die große Yves-Klein-Retrospektive in der Frankfurter Schirn, "Made in Berlin", die Begleitausstellung zur Berliner Kunstmesse ("fröhliche Produktpiraterie" hat Frank Frangenberg dort ausgemacht), die Canetti-Hommage "Eraritjaritjaka" des Musiktheatermachers Heiner Goebbels in Frankfurt, Stefan Puchers "Othello" und Andreas Kriegenburgs "Jungfrau von Orleans" am Hamburger Theater (der Gott der Bühnentechnik war offenbar sehr schlechter Laune und sorgte für Verspätungen, mit den Inszenierungen war Werner Burkhardt halbwegs zufrieden) und Bücher, darunter ein Nachlassband mit Texten von Jean-Francois Lyotard, ein Band mit Hip-Hop-Fotografie und Rüdiger Safranskis Schiller-Biografie (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
In Vorwegnahme der für morgen zu befürchtenden Wahlergebnisse kommentieren im bildlosen Aufmacher der SZ am Wochenende Heribert Prantl und Kurt Kister die Erfolge der Rechtsradikalen. Prantl fordert das Engagement der Zivilgesellschaft: "Deutschland wird eine Werkstätte der Kulturen sein müssen. Lehrerinnen und Lehrer werden schon in ihrer Ausbildung auf den multikulturellen Arbeitsalltag vorbereitet werden müssen. Es werden mehr und mehr Lehrer aus eingewanderten Familien ausgebildet und eingestellt werden müssen." Und Kister will die Kirche im Dorf lassen, denn: "Die organisierten Rechtsextremen in Deutschland sind zu blöd, um in einem auf Debatte und Interessenausgleich beruhenden politischen System eine Rolle zu spielen, gar in den Parlamenten zu reüssieren."
Außerdem: Dirk Peitz porträtiert den Autor Irvine Welsh, der seinen "Trainspotting"-Helden im jüngsten Roman "Porno" eine zweite Chance gibt. Vorabgedruckt wird ein Auszug aus Imre Kertesz' demnächst erstmals auf Deutsch erscheinender "Detektivgeschichte". Im Interview mit Alexander Gorkow äußert sich der Komponist Jean Michel Jarre zum Thema Sex, also zu seiner Musik: "Meine Musik ist für mich Sex. Ein Ausdruck von Sexualität und Liebe und Verlangen."
Archiv: Heute in den Feuilletons
Muss ich etwas zu sagen haben?
20.03.2010. Die Welt trifft den Dichter Bei Dao in Hongkong, dessen Bücher in China immerhin wieder erscheinen dürfen. In der FAZ erklärt Jürgen Kuri, dass nur Soziale Netzwerke Googles amoralischen Algorithmen etwas entgegensetzen können. In der SZ bekommen Mädchen und Damen wieder Zustände. In der taz hört Klaus Theweleit Jimi Hendrix. Mehr lesen
Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche
19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen
Arrondierte Männergruppen
18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen
Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach
17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten. Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Ein Mann wie Winnetou
16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen
Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert
15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen
Ich war verstört
13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas. Mehr lesen
Zeitung lebt
12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen
Damals war die Zukunft heute
11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen
Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen
10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter, meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen
Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel
09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen
Schwirren und fliegen und sausen
08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen
Denken Sie an Klaviersaitendraht
06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen
Antipathie gegen Beton und Stahl
05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen
Ein Fingernagel in ihrer Suppe
04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen. Mehr lesen



