Richard Swartz

Ein Haus in Istrien

Roman
Cover: Ein Haus in Istrien
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446199798
Gebunden, 184 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen übersetzt von Verena Reichel. Tagsüber ist es die gnadenlose Julisonne, nachts "dieser fette Mond von Istrien", der die Leute in Pelegrin verrückt macht. Wie behext jedenfalls ist der Ehemann der Ich-Erzählerin von dem leerstehenden Haus nebenan. Dieses Haus will er haben. Um jeden Preis. Und immer besessener wird er, der Fremde, je mehr Widerstände er im kroatisch-italienischen Grenzland erfährt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.07.2001

"Ein Haus in Istrien" ist ein Paradebeispiel für den gar nicht so seltenen Fall eines misslungenen Textes, der sich zu lesen lohnt", lautet die Bewertung des Rezensenten Thomas Geiger. Die Geschichte, die der Journalist Richard Swartz erzählt, ist denkbar einfach: Ein Ehepaar lebt in dem kroatischen Bergdorf Pelegrin. Eines Tages steigt ein Mann in das Nachbarhaus ein, möchte dieses Haus besitzen und begibt sich zusammen mit dem Ehepaar auf die Suche nach den Eigentümern. Die Figuren bleiben für den Rezensenten seltsam konturlos. Das könnte daran liegen, mutmaßt Geiger, dass Swartz autobiografische Züge - er lebt selbst zeitweilig in Istrien - aus seinem Roman fernhalten möchte. Doch geht das, meint Geiger, auf Kosten der Erzählkraft. Eigentümlich "papierern" findet er die Anstrengungen des Autors, mit Expressionismen und Anspielungen auf Kafka das "literarische Surplus" zu liefern. Und doch: Geiger kann das Buch trotz seiner stilistischen Missgriffe dem Leser nur empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.07.2001

Nach Karl-Markus Gauß handelt es sich hier vor allem um einen "kauzigen, merkwürdig verschrobenen, doch umso innigeren Liebesroman" - es geht um die Liebe eines Mannes und einer Frau, die Liebe zu einem alten Haus und die Liebe zu Istrien, und gleichzeitig sei es ein Buch "über die Leidenschaft selbst". Dabei ist nach Gauß der Schauplatz Istrien von besonderer Bedeutung. Ein "Europa im Kleinen" ist diese Gegend, so der Rezensent, in der zahlreiche Völker ihre Spuren hinterlassen haben - ein nicht immer harmonisches Völkergemisch, von dem Swartz "kundig, doch wie nebenher" erzähle. Dass der Autor sich dabei nicht zu "plakativen" Beschreibungen hinreißen lässt, gehört für Gauß zu den besonderen Stärken des Buchs, das - wie er anmerkt -deutlich autobiografische Züge zeigt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2001

Auf ganzer Linie enttäuscht und "konsterniert" ist der Rezensent mit dem Kürzel A. Bn. von dieser Novelle, obwohl er den Autor Richard Swartz als Verfasser interessanter Reportagen in Erinnerung hat. Seiner Ansicht nach fehlt der Geschichte jegliche Dramaturgie. Nicht einmal eine Pointe zum Schluss gelingt dem Autor, beklagt der Rezensent und bezeichnet den Text als "humorig gemeint, doch klinisch tot". Das einzige Fazit, das A.Bn aus dieser Lektüre ziehen will, lautet: "keinesfalls die Freuden des Manierismus zu überschätzen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001

Was ist denn nun so bewundernswert an dem Roman? Oben drüber steht's ja deutlich zu lesen: "bewundernswert". Doch was Fritz Göttler im folgenden zu Papier bringt, ist mager und darüber hinaus reichlich verworren. "Ein kleiner Thriller, über ein klassisches Suspense-Sujet: ein leeres Haus ..." Nun ja. "Eine moralische Erzählung also, aber ohne den Zwang zur Moral." Also? Nein, wir haben nichts überlesen. Ohne den Zwang zur Erklärung scheint der Rezensent hier verfahren zu sein. Und was er zum Verweis des Textes auf Kafkas "Verwandlung" vorbringt, ist selbst kafkaesk. Wie, "am Ende lockt die Sprachlosigkeit, und der Samsa-Effekt erweist sich als reine Verunsicherung"? Aber ja doch.
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