Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Die Beschneidungsdebatte: im Perlentaucher und in anderen Medien
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Ewige Werte
- Post aus der Antarktis
- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
- Domenico Scarlatti
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- Die Perlentaucher-Affäre und das System Schirrmacher
- Der sogenannte neue Übersetzerstreit
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- Andre Müller interviewt Arno Breker
- Canfora, Stalin, Le Goff
- 100 wichtige Intellektuelle aus der Provinz
- Adam Michnik
- Seyran Ates: Antwort auf Jutta Limbach
- An die französischen Neinsager
- Der 8. Mai war keine Befreiung
- Thomas Kling
- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
- Nichts ohne Netz: Zeitungen online
- Grass und die SS: ein Linkdossier
- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
04.09.2003. Die Zeit mag die deutsche Politik nicht mehr: "Zu viel Alltag, zu wenig Eros". Die SZ zeigt, wie sich Dänemark an die Entsozialdemokratisierung seiner Kultur macht. Der FR sind die globalen Rating-Agenturen nicht geheuer. Und in der FAZ fürchtet Hussain Al-Mozany die Radikalisierung der Schiiten im Irak.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Zeit, 04.09.2003
Vielleicht kein vollwertiges Adorno-Special, sieben Besprechungen und drei Seiten im Feuilleton sind es aber dann doch geworden: Im Aufmacher erinnert sich Jürgen Habermas (mehr und mehr), wie er 1956 aus Bonn an das Frankfurter Institut für Sozialforschung kam, wo die "Lava des Gedankens im Fluss" war. "Ich kam mir vor wie in einem Balzacschen Roman - der unbeholfen-ungebildete Junge aus der Provinz, dem die Großstadt die Augen öffnet Ich wurde mir der Konventionalität meines Denkens und Fühlens bewusst. Akademisch war ich in den herrschenden, also in den durch die Nazizeit ununterbrochen fortgeführten Traditionen groß geworden und fand mich jetzt in einem Milieu wieder, in dem alles das lebte, was die Nazis eliminiert hatten. Es ist leicht, sich an die fremden Inhalte zu erinnern, die es nun zu lernen gab. Aber schwer zu beschreiben, wie sich ein Universum von Begriffen und eine Mentalität dadurch verändern, dass sich eine neue Welt auftut. " Im darauffolgenden Essay entlarvt Thomas Assheuer den Jubilar als "den wahren Konservativen" und räumt auf mit dem Gerücht, Adorno sei in der Ablehnung verharrt.
Außerdem im Feuilleton: Claudia Herstatt lugt in die Welt der Kunstdiebe und der bestohlenen Museen, die ohne großes Aufheben ihre Schätze zurückkaufen. Konrad Heidkamp stellt uns den Franzosen Michel Portal vor, der mit den Musikern von Prince den Jazz zurück nach Amerika bringt. In "Das Letzte" erfahren wir, dass Crackrauchen effizienter ist als das Besuchen von Boxveranstaltungen. Tilman Baumgärtel besichtigt die "schrägen Aktionen" diverser Künstler (ein Beispiel), die sich gegen die wachsende Videoüberwachung auflehnen.
Angenehm hintergründig reflektiert Gunter Hofmann über den schwindenden Einfluss des Parlaments in dieser Republik, der auch selbstverschuldet sei. Ein Auszug aus Hofmanns Kritikkatalog: "Abgeordnete, die nur Bäume sehen, aber nicht den Wald. Langweilige Debatten. Große Fragen zu selten auf der Tagesordnung und dann nicht 'groß'. Zu unaktuell. Zu viel Alltag, zu wenig 'Eros'. Es fehlt, mit einem Wort, Politik."
Besprechungen widmen sich einem neuen Stück aus Karlheinz Stockhausens Opernzyklus "LICHT", einer ertragreichen Ausstellung zu Albrecht Dürer in der Albertina in Wien, der heftig umstrittenen Schau chinesischer Kunst im Pariser Centre Pompidou sowie Isabel Coixets traurig-leichtem Film "Mein Leben ohne mich".
Den Aufmacher des Literaturteils widmet Ludger Lütkehaus den neuen Adorno-Biografien.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Süddeutsche Zeitung, 04.09.2003
Christoph Bartmann hat sich mit dem dänischen Kulturminister Brian Mikkelsen und dessen verbissener Arbeit an der "Entsozialdemokratifizierung Dänemarks" befasst. "Wie soll er nun aussehen und wie gar zu einem siegreichen Ende geführt werden, der Wertekampf?", fragt Bartmann also. "Mit einem Mal ist 'bürgerlich' zum Kampfbegriff geworden. Der Premierminister, den alle nur für einen begabten Technokraten hielten, will seine Eignung zum Ideologen unter Beweis stellen. Ein Kreuzzügler, ein Fanatiker der guten Sache will er werden, wie Tony Blair, nur von rechts. Ökonomisch ist derzeit auch für Dänemark nicht viel zu gewinnen, die Mitgliedschaft in der 'Koalition der Willigen' muss ihre Rendite erst noch abwerfen: da gibt der Kampf um die Diskurs-Hoheit einen attraktiven Nebenschauplatz ab. Ein Systemwechsel, eine geistig-moralische Wende soll die Sozialdemokraten für immer in die Knie zwingen."
Klingeltöne sollen die Popindustrie sanieren, informiert Andrian Kreye "Schon jetzt gibt es Telefone mit Musikspieler, an die man einen Stereokopfhörer anschließen kann - und auch die ersten kommerziell erfolgreichen Klingelton-Hits. Beyonce Knowles und Jay Z veröffentlichten ihren Song 'Crazy in Love' gleichzeitig als Single und als Klingelton. Der Dancehall-Reggae-Star Sean Paul verkaufte von seinem letzten Hit 'Get Busy' sogar mehr Klingeltöne als Singles. Andy Volonakis, der bei der amerikanischen Telefonfirma Sprint die Abteilung für Klingeltöne leitet, verstieg sich gegenüber der New York Times zu der Prognose: 'Klingeltöne werden wirklich bald zu dem, was die Single einst war'."
Weiteres: Rainer Gansera hat sich auf dem Filmfest in Venedig Gedanken über den Stand der Dinge und über den durch die Filme möglicherweise schwebenden Zeitgeist gemacht. "G.K." gratuliert dem Architekten der olympischen Anlagen von Tokio und Mammut der Moderne" Kenzo Tange (mehr hier) zum 90. Geburtstag. "jhl" lästert über die 19-jährige US-Soldatin Jessica Lynch, die ihre Memoiren schreibt, obwohl sie sich nicht mal an die gefakete Befreiung aus einem irakischen Krankenhaus erinnern kann, der sie ihre Prominenz verdankt.
Außerdem wird gemeldet, dass sich rund drei Monate nach dem Diebstahl der 'Saliera', eines aufwändig gestalteten Salzfasses des italienischen Renaissance-Bildhauers Benvenuto Cellini, die Diebe gemeldet haben und 5 Millionen Euro Lösegeld für das Kunstwerk fordern, dessen Wert insgesamt auf 50 Millionen Euro geschätzt wird.
Besprochen werden Hendrik Handloegtens Frank-Goosen-Verfilmung "Liegen Lernen" (hier ein Gespräch mit Handloegten), Armin Holz Berliner Inszenierung von Oscar Wildes "Salome", ein Konzert der Münchner Philharmoniker mit Ligeti, Brahms und Wuorinen, die (durch Feridun Zaimoglu inspirierte) Ausstellung "Accessoiremaximalismus" in der Kunsthalle Kiel (über Stile und Moden der multikulturellen Gesellschaft, feine und grobe Unterschiede zwischen Migranten und Deutschen) und Bücher, darunter Graham Swifts, vom Rezensenten als "grandios schlicht" bejubelter Roman "Das helle Licht des Tages" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau, 04.09.2003
Claus Leggewie ist der Einfluss, den sogenannte Rating-Agenturen nicht nur auf die Einstufung der Bonität von Wirtschaftsunternehmen sondern auch ganzer Länder oder Bundesstaaten haben, nicht geheuer: "Gewiss muss es neutrale Einrichtungen geben, die Kreditrisiken bewerten, Schuldverschreibungen beurteilen ... Dabei lenkt weder eine überirdische Instanz noch eine unsichtbare Hand den Finanzmarkt, sondern konkrete Agenturen mit Sitz an der Wall Street oder in der Eurocity Frankfurt am Main, wo ein ganz bestimmter Typus von Wirtschaftsabsolventen ein homogenes, um nicht zu sagen: borniertes Milieu bildet. In ihre Bewertungen fließen neben den üblichen Wirtschaftsindikatoren politische Faktoren ein, und beide orientieren sich strikt am neoliberalen Dogma. Die Vereinigten Staaten rangieren deswegen stets vor Kanada, die Schweiz vor Schweden, und das Oligopol der drei Rating-Agenturen gilt heute als einflussreicher als die ... Vorgaben von Weltbank und Internationaler Währungsfonds..... Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieht in den Rating-Agenturen 'die größte unkontrollierte Machtstruktur im Weltfinanzsystem.'" (Hier Links zu den großen Drei: Standard & Poor's, Moody's und Fitch).
Weiteres: Petra Kohse porträtiert Matthias Lilienthal, der die Nachfolge Nele Hertlings als Intendant des Berliner Hebbel-Theaters antreten wird. Peter Michalzik empört sich über den Versuch, dem Theater Hannover mit einer happigen Etatreduktion das Wasser abzugraben und lässt durchblicken, dass Intendant Wilfried Schulz gute Chancen hat, Christoph Marthaler in Zürich zu beerben. Verena Mayer befasst sich im Donnerstagskriminalfall sehr hintergründig mit einem Scheckkartenbetrüger. In der Kolumne Times Mager fürchet sich Michael Rudolf ein wenig vor der Rheinkultur: "Schließlich ist der Rheinländer genuin expansiv disponiert. Seine Bonner Ultras sind schon nach Berlin umgezogen, die Popkomm bald dito. Und seine Lautsprecher Wolfgang Niedecken, Britta von Lojewski und Dieter Gorny sind nach wie vor auf freiem Fuß." Besprochen wird Hendrik Handloegtens Film "Liegen lernen".
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 04.09.2003
Für Andrea Köhler zeigt der Streit um die Mitschnitte vom 11. September, deren Veröffentlichung die New York Times per Gerichtsurteil einklagt hat, wie prekär noch immer das Gleichgewicht zwischen öffentlichem Gedenken und individueller Erinnerung ist. "Mit ihrer kurz nach dem elften September 2001 begonnenen Serie kleiner Nachrufe auf die annähernd 3000 Toten hat die New York Times die einzelnen Opfer dem Mahlstrom des Massengrabes entrissen und vielen der in den Trümmern begrabenen Körper ein Gesicht und eine Geschichte zurückgegeben; die 'Portraits of Grief' sind inzwischen als Buch erschienen. Die Veröffentlichung der Mitschnitte ihres Sterbens aber zerrt einen gespenstischen Chor aus dem Jenseits ins Rampenlicht, dessen Sprecher teilweise identifiziert, größtenteils aber anonym sind. Dieses tonlose Konglomerat aus Schreien, Stammeln und verzweifelt um Ordnung bemühten Funksprüchen dividiert noch einmal die Toten in Individuen mit einem Namen und eine gesichtslose Masse. Der Informationswert dieser Notschreie und Beruhigungsversuche - 'O Gott', 'O mein Gott. Wir sitzen in der Falle', 'Atme erst einmal durch, Süsse, okay?' - ist jedenfalls nicht sehr hoch."
Joachim Güntner gibt schon mal einen Ausblick auf die Frankfurter Buchmesse und bemerkt, dass die Verlage vielleicht gar nicht so schlecht dastehen, wie es die allgemeine Moll-Stimmung in der Branche vermuten lasse würde: "Hanser hat zu seinem Glück den Tochterverlag Zsolnay mit den Bestsellern von Henning Mankell; Rowohlt wird sich, sollte die Belletristik nicht einschlagen, mit populären Sachbüchern wie Uwe Seelers Erinnerungen über Herbst und Winter retten. Ammann zehrt von dem Riesenerfolg mit Eric-Emmanuel Schmitt, und der kleine Schöffling-Verlag soll bereits jetzt seinen angestrebten Jahresumsatz erwirtschaftet haben. Von 'Sonderkonjunkturen' spricht Wolfgang Ferchl, Verlagsleiter bei Piper. Mehr als eine Million deutscher Ausgaben von Michael Moores Pamphlet 'Stupid White Men' habe Piper mittlerweile verkauft. 'Wir fahren euphorisiert an die Messe', sagt Ferchl."
Weitere Artikel: Uwe Justus Wenzel schreibt einen Nachruf auf den amerikanischen Philosophen Donald Davidson.
Besprochen werden eine Ausstellung der Deutschen Malerei aus den Jahren 1765-1815 im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, diverse Orchester-Aufnahmen von Erich Kleiber sowie W.E.B. Du Bois' Essaysammlung "The Souls of Black Folk" und Natasza Goerkes Kurzroman "Rasante Erstarrung" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Die Tageszeitung, 04.09.2003
In nostalgischen Verständigungsfilmen wie Hendrik Handloegtens "Liegen Lernen" hat Gerrit Bartels hinter der flächendeckenden Verständigung über die westdeutschen Achtziger- und Neunziger Jahre die Westalgie entdeckt. "Das Problem all dieser Filme: Sie kommen vor lauter Westalgie, vor lauter historisch-korrekter Ausstattung nicht wirklich in die Gänge. Sie sind merkwürdig leblos, die Zeitgeschichte und vor ihrem Hintergrund die mühsam verknüpften Erzählstränge wirken merkwürdig statisch, regelrecht eingefroren. Da werden keine neuen Erzählräume geöffnet, sondern sich starr an die Romanvorlagen gehalten, die ja sowieso nicht die großen Erzählungen sind, sondern Episodenromane, Monologe oder zusammengestückelte Erinnerungen. Wenn es dann doch mal 'freier' zugeht, wird wie in 'Soloalbum' oder 'Herr Lehmann' höchstens noch eine Schippe mehr an peinlichem Deutsch-Humor draufgepackt.
Weitere Themen: "BX" berichtet, dass die Musikindustrie in den USA in die Offensive gegangen ist und die Nutzer von Internet-Tauschbörsen verfolgt. Cristina Nord schickt einen Bericht vom Filmfest in Venedig, wo sie unlustig die schwülen Fantasien eines alternden Bertolucci zur Kenntnis genommen hat.
Besprochen werden Isabel Coixets Spielfilm "Mein Leben ohne mich" und eine Peter-Doig-Ausstellung im Bonnefanten Museum in Maastricht.
Schließlich Tom.
Die Zeit | Süddeutsche Zeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2003
Der Autor Hussain Al-Mozany (mehr) resümiert das Lebenswerk des ermordeten Großayatollah Muhsin al-Hakim. Der geistliche Führer der Schiiten wollte den Irak zu einem islamischen Staat machen, nach al Hakims Tod ist nun Muqtada as-Sadr, der Sohn eines alten Rivalen, am Zug. Sollte es ihm gelingen, schreibt Al-Mozany, "die verarmten, religiös motivierten Schiiten zu mobilisieren, die Unterstützung Irans und der gleichgesinnten libanesischen Hizbullah zu gewinnen und womöglich die subtile syrische Schaltzentrale aller radikalen Bewegungen und Aktionen im Nahen und Mittleren Osten hinter sich zu bringen, muß das demokratische Modell im Irak scheitern."
Kerstin Holm jubelt über die originalgetreue Restaurierung der Marienkathedrale von Nowgorod - "Spitzenwerk" altrussischer Baukunst und UNESCO-Kulturerbe -, von der nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein Steinhaufen übriggeblieben war. Susanne Klingenstein wundert sich, dass bei der großen Konferenz in Harvard zu der sich verschlechternden Lage der Schwarzen in Amerika niemand darauf gekommen ist, dass es an der Bildung liegt. "apl" erregt sich über die hässlichen touristischen Hinweisschilder auf den Autobahnen, in Schattenrisstechnik und furchtbarem Hellbraun. Laura Weissmüller gratuliert dem Architekten Kenzo Tange (mehr) zum Neunzigsten. Gemeldet wird, dass der geschasste Leiter des Italienischen Kulturinstituts Ugo Perone nun doch in Berlin bleiben kann und dass der Maler Sir Terry Frost (mehr) gestorben ist.
Auf der Filmseite beklagt Dierk Schümer, dass der neue Botschafter des deutschen Films und germanische Melancholiker Horst Krause nicht nach Venedig gekommen ist. Andreas Kilb skizziert das iranische Kino im Dilemma zwischen West-Sponsoring und Verwestlichung. Etwas kalt und blutleer findet Andreas Platthaus "Destino" (mehr), die nun in Venedig gezeigte Rekonstruktion eines Trickfilmprojekts von Salvador Dali.
Joseph Hanimann schildert, wie Hector Berlioz nach 200 Jahren in Frankreich gewürdigt wird: als romantischer, tragischer Künstler. Auch nach der neuerlichen Umwandlung mehrer Todesstrafen in lebenslängliche Haft sind sich die USA in Sachen staatlicher Tötung keineswegs einig, betont Heinrich Wefing. Camilla Blechen bewundert die "Mom of Pop", die ehrwürdige wie unvoreingenommene Galeristin Ileana Sonnabend, die einige Tage in Berlin weilte.
Besprochen werden die eindrucksvolle Schau "Flämische Malerei 1520 bis 1700" in der Essener Villa Hügel, die Ausstellung über "Freuds verschwundene Nachbarn" natürlich im Wiener Sigmund-Freud-Museum, eine Zürcher Ausstellung zu Leben und Werk Theodor W. Adornos, Hendrik Handloegtens unterhaltsam-belanglose Romanverfilmung "Liegen lernen", und Bücher, darunter Veit Heinichens bravouröser Triest-Krimi "Tod auf der Warteliste". (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Spiele zuerst einmal drei Akkorde
24.05.2013. In britischen Medien wird nach der Abschlachtung eines britischen Soldaten durch einen islamistischen Fanatiker darüber diskutiert, wieviel man davon zeigen soll. Die NZZ erläutert anhand des preisgekrönten Fotos von Paul Hansen aus Gaza die Tücken der digitalen Fotografie und ihrer Manipulierbarkeit. Die taz ergründet den Begriff der "Critical Whitness". Die Welt beklagt die grassierende Verniedlichung der DDR. Die BBC bringt verwirrende Umfrage-Ergebnisse: Demnach ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Mehr lesen
Darling flüstert die Amsel
23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen
Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes
22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen








