Bücherschau der Woche
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- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
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- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
03.09.2003. In der FAZ sieht Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde die Würde des Menschen zur bloßen Verfassungsnorm degradiert. In der taz trauert Lazlo F. Földeny um die deutsche Literatur: "Sprödigkeit und Schärfe sind dem Gehorsam gegenüber dem Konsens unterlegen". Die FR springt dem Jazz-Feind Adorno mit Wynton Marsalis beiseite. Und die NZZ liebt Mangos.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2003
Die langerwartete Neuinterpretation von Artikel 1 GG im renommierten Maunz/Dürig Kommentar markiert den Beginn einer neuen Epoche, stellt Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde (hier ein Plädoyer für die Geisteswissenschaften) auf eineinhalb FAZ-Seiten nicht unbesorgt fest. Im neuen Kommentar wird die Menschenwürde nun nicht mehr als das vorpositive sittliche Fundament verstanden, auf dem alles Weitere aufbaut, sondern degradiert zu einer bloßen Verfassungsnorm wie alle anderen auch. Böckenförde sieht damit alle Dämme gebrochen. "Gewiss gibt es auch einleuchtende theoretische Begründungen für diese Notwendigkeit, aber sie müssen bei den Menschen verfangen, müssen ihr Bewusstsein bestimmen, sollen davon Wirkungen ausgehen, die dem Druck auf Anpassung oder Veränderung standhalten. Fehlt oder verblasst solches Bewußtsein, bricht sich dieser Druck Bahn, und auch eine Ewigkeitsgarantie vermag das dann nicht zu verhindern." Günter Dürig hätte das genauso gesehen, glaubt Böckenförde, um am Ende durch ihn zu fragen: "Warum habt ihr das gemacht? Musste das denn sein?"
Andreas Kilb deutet das Mantel-und-Degen-Spektakel Fluch der Karibik als Selbstreflexion der an Filmpiraterie leidenden Branche. Dietmar Dath schreibt zum Tode des amerikanischen Philosophen Donald Davidson (mehr). Harald Hartung würdigt den verstorbenen Dichter Rainer Malkowski (mehr hier). Michael Althen berichtet in kurzen "Festivalfilmpassbildern" von neuen Streifen von Oliveira, Winterbottom, Coppola und Scott. Und "gey" notiert, dass das Leben Theodor Adornos weitaus mehr Interesse auf sich zieht als sein Werk.
Die letzte Seite: Auf dem Berliner Festival Tanz im August wurde Wiebke Hüster wieder einmal klar. "Nur Masochisten finden Spaß beim postmodernen Tanz." Paul Ingendaay hält das Fernbleiben Kubas von der Frankfurter Buchmesse für den letzten Beweis dafür, dass Fidel Castro so lange mit dem Kopf gegen die Wand laufen will, "bis er abfällt". Heinrich Wefing stellt uns kurz David Childs vor, den "Libeskind-Meister" und eigentlichen Wiedererbauer von Ground Zero.
Besprochen werden eine Ausstellung mit Meisterwerken aus dem Nationalmuseum von Tokio in der Bundeskunsthalle Bonn, das Finale des insgesamt enttäuschenden "Rings" in Dresden, und Bücher, nämlich Felix Philipp Ingolds Lyrikband "Jeder Zeit andere Gedichte" und Hans Fischers amüsante Zunftporträts "Randfiguren der Ethnologie" (mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr).
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Die Tageszeitung | Frankfurter Rundschau | Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 03.09.2003
Wenn ich in Deutschland lese, werde ich ständig mit dem Problem konfrontiert, dass ich in einem Land angekommen bin, dessen früherer Kultur meine leidenschaftliche Liebe stets gegolten hat, das mir heute jedoch nicht mehr erlaubt, mich leidenschaftlich zu seiner Literatur hingezogen zu fühlen", schreibt der ungarische Schriftsteller Lazlo F. Földeny (mehr hier) in einem Beitag zum Zustand der Literatur. "Sprödigkeit und Schärfe sind dem Gehorsam gegenüber dem Konsens unterlegen, die Empfänglichkeit für die Metaphysik ist von der Zwangsvorstellung des 'Gutgeschriebenseins' verdrängt, die Vorstellung von Größe von den 'gelungenen Konstruktionen' erdrückt, und die für den literarischen Genuss unerlässliche Verwunderung vom distanzierten Verstehen abgelöst worden... Die Literatur ist Teil eines überaus gut und glatt verlaufenden, zwischen prächtigen Kulissen geführten Gesellschaftsspiels geworden."
Weitere Artikel: Dirk Knipphals befasst sich mit den Themenpaketen der großen Nachrichtenagenturen zu Adornos Hundertstem und Cristina Nord schickt ihren täglichen Venedig-Bericht heute mit Musik.
Und Tom.
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Frankfurter Rundschau, 03.09.2003
Christian Broecking hat eine umfangreiche Recherche auf den Spuren von Adornos berühmter Verurteilung des Jazz (der "schlecht" sei, weil das Protestimage des Jazz die amerikanischen Schwarzen in die Schranken kollektiver Identität verweise) vorzuweisen. Immerhin führte im Sommer 2003 der afroamerikanische Trompeter und Komponist Wynton Marsalis eine ähnliche Argumentation wie Adorno ins Feld, zumindest in Bezug auf die Festschreibung des Jazz als Black Music, der die Schwarzen beleidige, weil er sie zur ständigen Erinnerung an ihr Sklavendasein zwinge. "Von Marsalis ... wird heute ausdrücklich ein Fortschritt schwarzer Musikentwicklung betont, der sich gerade im notierten Werkcharakter äußert. Damit wird nicht nur vorgeführt, dass die schwarzen Jazzmusiker das Stadium musikalischen Analphabetentums überwunden hätten, sondern zugleich eingeklagt, dass der gesellschaftlichen Gleichstellung der schwarzen Amerikaner mit den weißen nun auch die kulturelle zu folgen habe."
"Was hat der Schweizer noch, wenn er seine Prosperitätssymbolgiganten nicht mehr hat?" fragt Klaus-Hans Jungheinrich in der Kolumne Times Mager angesichts des Hinscheidens von Swiss Air, der Magerstufe bei Mövenpick und des Todesröchelns der Kulturzeitschrift Du. "Was hat der Schweizer noch? Natürlich, er hat die Schweizerberge. Und die Schweizergletscher? Auch die schmelzen ihm in diesem Mördersommer dahin."
Weitere Artikel: Daniel Kothenschulte schwelgt in den Filmen, die er auf der Biennale in Venedig gesehen hat. Wolfgang Detel schreibt einen Nachruf auf den amerikanischen Philosophen Donald Davidson (mehr hier). Und Johannes Wendland beobachtet das Projekt "Superumbau" in Hoyerswerda: "Sechs Tage dauert die Entkernung, bei der Türen, Fenster, Fensterrahmen, fest montiertes Küchenmobiliar und ähnliches demontiert werden. Der reine Abriss ist dann eine Kleinigkeit, für die eine knappe Woche veranschlagt wird. Wo einst in fünf Aufgängen rund 30 Mietparteien lebten, grünt schon bald eine Wiese."
Besprochen werden: Isabel Coixets Film "Mein Leben ohne mich", der "Renzo-Piano-Building-Workshop" im Kunstmuseum Louisiana bei Kopenhagen, eine Alfons-Mucha-Ausstellung in der Münchener Villa Stuck und Jacques Roubauds Roman "Fünfundfünfzigtausendfünfhundertfünfundfünfzig Bälle" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau).
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Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2003
"Wäre Eva eine Inderin gewesen, so hätte sie eine Mango und nicht einen Apfel gepflückt." B. N. Goswamy erzählt in einem Schauplatz Indien kleine Miniaturen über die Frucht des Paradieses und die Kunst des Genießens, etwa wie sie einer deutschen Freundin zu einem Besuch bei indischen Kunstsammler verholfen hat: "Ein köstliches Dinner stand bereit, und man plauderte verbindlich über allerlei. Die Stunden glitten vorüber - aber kein Bild wollte sich zeigen. Und dann, just als leise Verzweiflung meine Bekannte beschlich, fragte ihr Gastgeber unvermittelt: 'Mögen Sie Mangos?' Überrascht, aber um eine Antwort nicht verlegen, antwortete sie: 'Oh, ich liebe sie.' - 'Dann', erklärte Mr. Mittal, 'gibt es Anlass zur Hoffnung. Vielleicht gefällt Ihnen indische Malerei.' Was folgte, verschlug meiner Kollegin den Atem. Es war, als sei ein Zauberwort gesprochen worden, denn nun erschien ein flaches hölzernes Kästchen nach dem anderen, jedes randvoll mit den exquisitesten Miniaturen."
Weiteres: Christoph Egger berichtet von den Filmen, die er auf dem Lido gesehen hat. Nico Bleutge schreibt einen Nachruf auf den Lyriker Rainer Malkowski. Und wieder einmal ranken sich Streit und Gerüchte um die berühmte Portland-Vase (hier die Wedgewood-Kopie), wie George Waser zu berichten weiß: "Jetzt nämlich, in einem Artikel in der Septemberausgabe des Magazins Minerva, schreibt sie der amerikanische Gelehrte Jerome M. Eisenberg einem Künstler der Renaissance zu."
Besprochen werden Bücher, darunter Raoul Schrotts "grandioser" Roman "Tristan da Cunha" (mehr in unserer Bücherschau heute ab 14 Uhr).
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Süddeutsche Zeitung, 03.09.2003
"Wie konnte es soweit kommen?" fragt Sonja Zekri in einem Artikel, der sich mit der sinkenden Akzeptanz von Entwicklunghilfe bei den Empfängerländern befasst. "Wodurch wurde jener Rhythmus aus Geben und Nehmen gestört, der seit mehr als fünfzig Jahren so reibungslos zu funktionieren schien? Am Donnerstag, dem 20. Januar 1949, hatte der amerikanische Präsident Harry S. Truman in einer Rede vor dem Kongress erklärt: 'Wir müssen ein kühnes neues Programm auflegen, um die Wohltaten unseres wissenschaftlichen und industriellen Fortschritts für das Wachstum unterentwickelter Regionen zugänglich zu machen.' Die Idee der Entwicklungshilfe war geboren - und die 'nachholende Modernisierung' galt als ihr wertvollstes Instrument. Doch mehr als ein halbes Jahrhundert später hat sich an der Armut der Armen und dem Reichtum der Reichen nur eines geändert: Die Bedürftigen sind sich ihres Elends heute stärker bewusst. Fernseher tragen den Glanz der Telenovelas in jede Wellblechhütte der Favelas und mit ihm eine riesige Enttäuschung: Es ist eine verheerende Situation: Nach wie vor kommt unser Modell nur einer Minderheit zugute', sagt Imme Scholz vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, 'wir wissen, dass daraus eine Glaubwürdigkeitslücke entsteht'.
Weitere Artikel: Jörg Häntzschel beschreibt, wie Sammler, Steuerzahler und Museen im Westen die Zerstörung der antiken Welt finanzieren. Albert von Schirnding verabschiedet den Dichter Rainer Malkowski. Susan Vahabzadeh schickt einen aktuellen (Wetter)Bericht aus Venedig. Ira Mazzoni befürchtet, dass der "Goldschatz der Baktrier" durch seine Wiederentdeckung in Kabul gefährdet ist. Christian Seidl war auf dem Terremoto-Festival im nordrheinwestfälischen Weeze, das die Nachfolge-Veranstaltung des traditionsreichen Kölner "Bizarre"-Festivals ist. Reinhard J. Brembeck hofft, dass der Dirigent Christian Thielemann nicht antisemitisch aus der Rolle gefallen ist. "aber" sinniert über die Frage, wie es kommt, dass plötzlich ein bestimmter Platz in der Stadt zum Treffpunkt einer Gruppe von Pennern wird.
Im Übrigen wird gemeldet, dass nachdem Deutschland offiziell nicht an der internationalen Buchmesse in Havanna teilnehmen wird, nun umgekehrt Kuba angekündigt hat, seinerseits der Frankfurter Buchmesse fernzubleiben.
Besprochen werden Gore Verbinski gefeierter Piratenfilm "Fluch der Karibik" (hier die offizielle Website), die grosse Adorno-Ausstellung "Denken im zwanzigsten Jahrhundert" im Zürcher Literaturmuseum Strauhof, Esa-Pekka Salonens erstes Baltic-Sea-Musikfestival und Bücher, darunter Nicolaus Sombarts "Journal intime" ("Ein einzigartiges Buch. Voller Klatsch, voller Intimität, voller Verblasenheit") und Karen Joistens "Philosophie der Heimat" (mehr ab 14 Uhr in der Bücherschau des Tages.)
Archiv: Heute in den Feuilletons
Spiele zuerst einmal drei Akkorde
24.05.2013. In britischen Medien wird nach der Abschlachtung eines britischen Soldaten durch einen islamistischen Fanatiker darüber diskutiert, wieviel man davon zeigen soll. Die NZZ erläutert anhand des preisgekrönten Fotos von Paul Hansen aus Gaza die Tücken der digitalen Fotografie und ihrer Manipulierbarkeit. Die taz ergründet den Begriff der "Critical Whitness". Die Welt beklagt die grassierende Verniedlichung der DDR. Die BBC bringt verwirrende Umfrage-Ergebnisse: Demnach ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Mehr lesen
Darling flüstert die Amsel
23.05.2013. Die Zeit klärt über die Legitimationskrise der öffentlich-rechtlichen Anstalten auf. Im Freitag erzählt Terry Eagleton, wie es sich anfühlt, wenn man als letzter eine Mao-Jacke trägt. In der taz konstatiert der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz: "Obama ist ein Versager für mich." Die NZZ lässt sich von Matthias Lilienthal durch Beirut führen. Die SZ findet die Kritik der FAZ an Georg Baselitz ziemlich daneben. Alle Zeitungen erinnern an Sarah Kirsch - auch an ihre Liebeslyrik. Mehr lesen
Die vervielfältigte Stimme des Heiligen Geistes
22.05.2013. Heute vor 200 Jahren kam in Leipzig ein klitzekleiner Richard Wagner zur Welt. Die Zeitungen bringt er bis heute in große Form. Im Tagesspiegel zählt Norbert Miller all jene Autoren auf, denen wir es verdanken, dass wir ihn noch ertragen. Eleonore Büning stockt der Atem bei einem unbekannten Frühwerk Wagners, das wir in ganzer Länge als Video einbinden. Die Berliner Zeitung empfiehlt die französische Wagner-Rezeption gegen die festgefahrene deutsche Debatte. Außerdem: Ai Weiwei hat ein Heavy Metal-Video gemacht, in dem er seine Inhaftierung nachspielt. Der Guardian berichtet, wir binden es ein. Mehr lesen
In Grün und Orange, in Rot, Blau und Gelb
21.05.2013. Ja, ist es etwa das Empire latin, in dem wir zu posthistorischen Tieren werden, fragt die NZZ. Die Welt trifft Urs Widmer zum Werkstattgespräch. Die SZ feiert den Maler Hans Hofmann. Die FAZ wirft Georg Baselitz vor, den Wirtschaftseliten nahe zu stehen. Viele Zeitungen (und der Perlentaucher) berichten aus Cannes über Claude Lanzmanns Film "Le dernier des Injustes". Und wir zünden ein Licht an für Ray Manzarek. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
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Archiv: Heute in den Feuilletons
Das nenne ich totalitär
18.05.2013. In der Welt erklärt Beuys-Biograf Hans Peter Riegel Beuys Vorliebe für völkische Ideen auch mit der Nähe des Künstlers zu Rudolf Steiner. In Cannes verwandelt die taz nach der Vorstellung von Jia Zhangkes Film "A Touch of Sin" Papierfetzen in Waffen. Im New Yorker erinnert Alex Ross daran, dass Wagner nach Amerika auswandern wollte. Auch Palästinenser lieben Amerika, jedenfalls in Form von geschmuggelten Kentucky Fried Chicken, berichtet der Christian Science Monitor. In der NZZ staunt Nike Wagner, was ihr Urgroßvater alles im Kopf hatte. Die FAZ gratuliert dem Kookbooks Verlag zum Zehnten. Mehr lesen
Tagtäglich dem Leser zugemutet
17.05.2013. Die taz stellt den ersten chinesischen Blogger vor, der es schaffte, einen Vizeminister zu stürzen. In der Welt ruft Richard Herzinger die westlichen Länder zur Intervention in Syrien auf. In der FAZ kritisiert Constanze Kurz die Kampagne deutscher Medien gegen Adblocker. In Cannes liefen Filme von Sofia Coppola und François Ozon. Meldung des Tages: Elisabeth Ruge verlässt Hanser Berlin. Ihr Nachfolger wird Karsten Kredel von Suhrkamp. Mehr lesen
Ist Gott jetzt zufrieden?
16.05.2013. Medienkrise hin oder her: In Frankreich wird eine neue Zeitung gegründet: L'Opinion, berichtet die Welt. Im Freitag spricht Peter Schneider über seine recht unkonventionelle Mutter, die er in seinem neuen Roman porträtiert. In der Jungle World weigert sich Hamed Abdel-Samad, seine Hoffnung in die arabische Revolution aufzugeben. In der NZZ hinterlässt der ökologische Fußabdruck einen bizarren Eindruck. Die FAZ erklärt Giorgio Agambens Idee vom "Empire latin" zum Stuss. Mehr lesen
Samples der Oberflächenwelt
15.05.2013. Die Welt zitiert aus einem Memorandum von Stadtplanern, die die Stadt Berlin auffordern, sich endlich um ihre Mitte zu kümmern. Die NZZ bringt einen Stimmungsbericht aus Italien, wo das soziale Klima unter null sinkt. Baz Luhrmanns "Großer Gatsby" regt niemanden auf - füllt die Feuilletons aber trotzdem. Ähnlich unvermeidlich ist Dan Browns "Inferno". Dafür lassen wir Theophilus London ein hübsches Liedchen singen. Mehr lesen
Filzhaltige Kunstzeichen
14.05.2013. "Anfänge, zumal politische, sind niemals rein", seufzt Micha Brumlik in der taz mit Blick auf Daniel Cohn-Bendit und Theodor Heuss. In der Welt könnte Hans-Joachim Müller einstimmen - mit Blick auf den Militaristen Joseph Beuys. Wir verlinken auf die Abschlusserklärung der "Kritischen Islamkonferenz", die sich für den Transkulturalismus einsetzt. In der SZ rät Gustav Seibt den Deutschen, Giorgio Agambens (oder eigentlich Alexandre Kojèves) Idee eines "Empire latin" ein europäisches Ideal entgegenzusetzen. Mehr lesen
Es zeichnet sich der Morgenstern ab
13.05.2013. In der Welt wendet sich Necla Kelek gegen das Recht von Eltern, Mädchen unter 14 Jahren mit Kopftuch in die Schule zu schicken. In der taz widerspricht Bommi Baumann der These Wolfgang Kraushaars, die radikale Linke sei antisemitisch gewesen: Kunzelmann sei die Ausnahme. Die NZZ versucht ein Psychogramm der französischen Demonstanten gegen die Schwulenehe. Springer will 200 Mitarbeiter bei der Bild entlassen und viele andere in den Onlinestall ohne Tarifbindung stecken, meldet der Spiegel. Der "Große Gatsby" lässt sich gar nicht verfilmen, beteuert die FAZ. Und bitte lauschen Sie den trockenen Sforzati Daniil Trifonovs. Mehr lesen
Die Regie-Rübe, durch die so was rauscht
11.05.2013. Der Skandal um den abgesetzten "Tannhäuser" in Düsseldorf sorgt in den Feuilletons für mittelgroße Erregung. Die NZZ erkundet die Zukunft der Literaturkritik in Zeiten des Netzes. Die FAZ zweifelt am Wirtschaftsaufschwung in Afrika. Die taz ist im siebten Pophimmel: Daftpunk ist zurück. Und Pharell singt mit (wir bringen den Beweis). Die Erotizität von theoretischen Texten nimmt zu, meinte Diederich Diederichsens auf der re:publica. Die Pronunziabilität theoretischer Prosa aber nicht. Mehr lesen
Was öffentlich ist und was nicht
10.05.2013. Die FAZ fragt mit Antonio Muñoz Molina nach Spaniens Verantwortung für die Krise. Außerdem skizziert Ernst Elitz die Zukunft des Journalismus mit viel Paywall und Leistungsschutzrecht. Die Guardian-Leser freuen sich zu 64 Prozent über Stephen Hawkings Entscheidung, Israel zu boykottieren. Die SZ bewundert die barocke Hängung in Sanssouci. Die NZZ staunt über südkoreanischen Optimismus. Die Welt beleuchtet das kräftezehrende Metier der Liebesromanautorinnen. Mehr lesen
Hegemoniale Metaerzählung
08.05.2013. Dass sich Beate Zschäpe Verteidiger namens Stahl, Heer und Sturm gewählt hat, ist kein Zufall, sondern Hohn, meint Georg M. Oswald in der Welt und ruft die Anwälte auf, ihr Mandat niederzulegen. Zum Tod des Animationsfilmers Ray Harryhausen bringen wir ein Video mit Interview und Filmausschnitten. Kathrin Passig benennt auf zeit.de die Vorteile des Ebooks. Sascha Lobo fordert auf der re:publica, die ein großes Medienecho ausgelöst hat, mehr Politik statt Netzpolitik. In der Zeit protestiert Marlene Streeruwitz gegen die Starrheit der Kamera in Ulrich Seidls "Paradies: Hoffnung". Mehr lesen
So sehr haben die Chefs Angst
07.05.2013. Die NZZ hat herausgefunden, warum deutsche Journalisten sich ungern kritisieren lassen: Niemand weiß besser, wie weh das tut. Anlässlich des NSU-Prozesses erinnert Götz Aly in der Berliner Zeitung an die Urszene des Terrorismus in Deutschland: die Ermordung August von Kotzebues. Wolf Lepenies kann in der Welt mit Giorgio Agambens Plan eines "Empire Latin" nicht d'accord gehen. Der Tagesspiegel erklärt, wie ein Datenjournalist die öffentlich-rechtlichen Anstalten transparent machen will. In der FAZ verteidigt die dänische Fernsehredakteurin Sofia Fromberg die als sexistisch kritisierte Talkshow "Blachman". Mehr lesen
Rosa Pelzjacke über der Lederrüstung
06.05.2013. Die NZZ fürchtet sich vor dem rabiaten Umbau der Stadt Istanbul. In der FAZ erklärt Yohji Yamamoto, was am weiblichen Körper so schwierig ist und am männlichen so langweilig. Außerdem spricht die Netzaktivistin Raegan MacDonald zu Beginn der Re:publica über Datenschutz. Vocer fragt nach Chancen eines gemeinnützigen Journalismus in Deutschland. Die SZ fand das Staatsballett im Berghain schön und harmlos. Mehr lesen








