Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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- Fallende Blätter: die Lage des Feuilletons heute
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- Adam Michnik
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- Der 8. Mai war keine Befreiung
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- Let's Talk European!
- Der biedere Untergang
- Marie-Luise Scherer
- Das Ende der Berliner Seiten
- Gustav Seibt über Götz Aly
- Litchfield, Rechnitz, Thyssen-Bornemisza
- Das Kempowski-Dossier
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- Die Öffentlich-Rechtlichen und das Netz
- Rupert Murdoch hat so Recht
- Und eine Antwort auf Mathias Döpfner
- Google Fraktur
- Die Galle der Gallier
- Post aus der Walachei
Heute in den Feuilletons
Heute in den Feuilletons
Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
03.06.2002. Die SZ geißelt (auf der Medienseite) das inzestuöse Feuilleton: "Der Vorgang ist degoutant..." Die taz bringt einen anonymen Text, der annonciert, dass die Walser-Affäre der FAZ schaden werde. Die FAZ bringt Hans-Magnus Enzensbergers Rede zum Ludwig-Börne-Preis, den er an Gabriele Goettle weiterreichte. Die FR sieht in Enzensbergers Börne-Rede eine Anspielung auf die Walser-Affäre. In der NZZ erklärt der indonesische Autor Pramoedya Ananta Toer, warum er schreibt: um der Wahrheit willen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2002
Die FAZ publiziert die Dankrede Hans-Magnus Enzensbergers für den Ludwig-Börne-Preis, den er gestern in der Frankfurter Paulskirche entgegennahm. Er zitiert ein Wort Börnes, nach dem es nur "eine kleine Zahl origineller Schriftsteller" gebe und setzt es ins Verhältnis zur großen Zahl von Literaturpreisen im heutigen Deutschland. Und dann findet er eine Außenseiterin, die er Börne an die Seite stellen mag: "Sie heißt Gabriele Goettle und lebt von tausend Euro monatlich in Berlin. Ich denke, dass sie, um ihre Arbeit fortzusetzen, einen gut dotierten Preis brauchen könnte, und Sie werden sicherlich nichts dagegen haben, wenn ich die Summe, die mir zugedacht war, an sie weiterreiche." Goettle (mehr hier) schreibt bekanntlich einmal im Monat ihre unvergleichlichen Reportagen für die taz (aber dass die taz nur tausend Euro zahlt!) Wer sie bisher immer nur zur Seite legte, sei hier nochmal auf ihr Porträt eines forensischen Entomologen vom 27. Mai, auf ihr Porträt eine Wiener Kanalarbeiters vom 29. April und auf ihr Porträt des Direktors der Wiener Wasserwerke vom 25. März verwiesen. Denn sie schreibt immer am letzten Montag eines Monats in der taz, die jetzt sicher sehr stolz auf sie ist.
Michael Hanfeld liest auf der Medienseite eine Studie des American Jewish Committee über die angeblich antisemitischen deutschen Medien und findet sie voreingenommen, weil jede Kritik Israels gleich unter Antisemitismus verbucht werde: "Wenn der israelische Regierungschef Scharon als 'Schlächter' eingeordnet oder auch nur als 'dicker, einsamer Mann' beschrieben wird, erscheint das den Sprachforschern bereits verdächtig..." Nach dem Resümee des Berichts, dass die Berichterstattung einen vorhandenen Antisemitismus verfestige, fragt Hanfeld: "Doch tut das nicht jeder negative Bericht über Israel? Die Vorurteile von Judenhassern bestätigen? Soll sich der Berichterstatter deswegen zurückhalten? Liegt er am Ende ganz falsch? Die Studie fragt nicht, was Scharon selbst dazu beiträgt, dass die Berichterstattung über Israel ist, wie sie ist..."
Weiteres: In einer Meldung bestätigt man sich, dass auch der Rest der Welt Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" antisemitisch findet (siehe unseren ausführlichen Link des Tages zur Affäre). Jürgen Kaube berichtet vom deutschen Lehrertag in Weimar. Andreas Platthaus besucht den zehnten Erlanger Comicsalon. Christian Schwägerl resümiert einen Streit zwischen Gentechnikern und Ökolandwirten in Mayschoß. Michael Althen schreibt zum achtzigsten Geburtstag von Alain Resnais. Gerhard Rohde annonciert ein Treffen zwischen dem Chef des Frankfurter Balletts William Forsythe und der Bürgermeisterin der Stadt Petra Roth, wo es um die Zukunft des Balletts in der Stadt geht.
Auf der Medienseite unterhält sich Michael Hanfeld mit dem Arte-Präsidenten Jobst Plog, der die neulich vom französischen Schriftsteller Patrick Demerin geäußerte Kritk am Sender zurückweist. Auf der letzten Seite versucht Roland Kany der Wahrheit über jenen Kurt Gerstein auf die Spur zu kommen, der als SSler an der Judenvernichtung beteiligt war, aber auch Diplomaten und die Kurie über den Judenmord informieren wollte - und der Rolf Hochhuth für seinen "Stellvertreter" inspirierte. Rainer Hermann beklagt die Umtriebe des Rektors der Universität Istanbul, der aus politischen Grpünden eine ganze Bibliothek des Hauses einpacken und in den Keller verbringen ließ, wo sie nun vermodert. Und Arnold Bartetzky porträtiert den in New York lehrenden Medizin-Nobelpreisträger Günter Blobel, der sich so dezidiert für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, aber auch der Dresdner Synagoge und er Universitätskirche in Leipzig einsetzt.
Besprochen werden ein "grandioser" "Turandot" in der Vervollständigung durch Luciano Berio in Amsterdam, das Stück "Direktoren" von Daniel Besse mit Harald Schmidt in Bochum, eine Ausstellung über die Ursprünge des ungarischen Katholizismus uin Budapest und Albert Ostermaiers Stück "99 Grad" in München.
Abgedruckt wird schließlich auch die Hymne des Poete Laureate der Queen, Andrew Motion zu ihrem fünfzigsten Kronjubiläum:
"In every town
And every city, village, single home
That knows the Crown
Let time stand still: No, no, instead let time
Repeat, return
To celebrate
This fifty years of constancy through change?"
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Neue Zürcher Zeitung, 03.06.2002
Brigitte Schneebeli unterhält sich mit dem indonesischen Autor Pramoedya Ananta Toer (mehr hier), den die NZZ als Gewissen seiner Nation und Nobelpreiskandidaten vorstellt. Er spricht über seine Gefängniserfahrungen, und auf die Frage, warum er schreibt gibt er eine schlichte Antwort: " Es sind im Grunde einfache Gedanken: Wahrheit, Gerechtigkeit und Parteinahme für die Schwachen. Ich versuche, etwas zur Aufklärung und politischen Bildung meiner Landsleute beizutragen. Das klingt hier in Europa vielleicht ziemlich verstaubt, und man mag es belächeln. Aber Indonesien hat eben keine Tradition der Demokratie wie die europäischen Staaten. Wenn die Politiker nicht die Interessen des Volkes wahrnehmen, müssen es die Schriftsteller tun. So sehe ich das nach wie vor."
Heribert Seifert möchte der Kleinstadt Oerlinghausen einen Ehrenplatz in der intellektuellen Topographie Deutschlands geben. Denn Nicht nur Niklas Luhmann lebte hier: "Der 1998 gestorbene Soziologe, der an der benachbarten Bielefelder Universität lehrte, hatte seit den siebziger Jahren seinen Wohnsitz in Oerlinghausen. Seine Adresse, Marianne-Weber- Straße, verweist zugleich auf zwei weitere Namen, die den kleinen Ort mit großer Geistesgeschichte verbinden: Hier wurde 1870 als Tochter eines Landarztes Marianne Schnitger geboren, die 1893 ihren Vetter, den Soziologen Max Weber, heiratete. Beide stammten aus einer verästelten Familie, deren unternehmerisch tätiger Zweig seinen Sitz in Oerlinghausen hatte."
Weiteres: Philipp Blom meldet, dass das Erscheinen der britischen Satirezeitschrift Punch nach 161 Jahren eingestellt wird. Thomas Christen gratuliert dem Regisseur Alain Resnais zum Achtzigsten. Besprochen werden Puccinis "Turandot" mit dem Finale von Berio in Amsterdam, "Golem" nach Gustav Meyrinks Roman am Theater Basel und ein Konzert mit Sofia Gubaidulinas Violakonzert in Zürich.
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Frankfurter Rundschau, 03.06.2002
Christoph Schröder schreibt über die Verleihung des Ludwig-Börne-Preises an Hans Magnus Enzensberger, die sich als eindeutiger Kommentar zur aktuellen Debatte lesen lasse, obwohl der Name Martin Walsers nicht ein einziges Mal gefallen sei. "Michael A. Gotthelf, der Vorsitzende der Ludwig-Börne-Stiftung, sprach von der Gefahr, sich mit einem Preisträger zu blamieren, der die Jury durch peinliche Aktionen bloß stellt. Reich-Ranickis zurückhaltender Auftritt und die kommentarlos vorgetragenen Passagen aus Heines Denkschrift Ludwig Börne erinnerten daran, dass in jüngster Zeit mit Begriffen und Haltungen gedankenlos umgegangen wird, die nicht erst im 20. Jahrhundert ideologisch fundierte Ressentiments erzeugten." Und Enzensberger soll seine Dankesrede mit dem Börne-Zitat beendet haben: "Nicht an Geist, an Charakter mangelt es den meisten Schriftstellern."
Weitere Artikel: Times Mager liefert eine kleine Anleitung, wie man dummes Fusballgerede vermeiden kann. Gerhard Midding gratuliert dem Regisseur Alain Resnais zum Achtzigsten und der Zeitschrift Positif zum fünfzigsten Geburtstag. Weiter gibt es auf den politischen Seiten einen Kommentar von Stephan Hebel zu Walser und Möllemann: "Sie missachten die für eine demokratische Debatte notwendigen Maßstäbe und das Gebot eines öffentlichen Minimalkonsenses, ohne den die Gesellschaft in ihre Einzelteile zerfällt." Deshalb dürfe man beide "als Gefahren für die Demokratie titulieren".
Besprochen werden Leos Janaceks Oper "Das schlaue Füchslein" und Alberts Ostermaiers Stück "99 Grad", beide in München, und politische Bücher, darunter Eric A. Johnsons Studie über den nationalsozialistischen Terror, ein Porträt Joschka Fischers und eine deutsche Übersetzung von Guy Debords "Potlatsch" (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Neue Zürcher Zeitung | Frankfurter Rundschau | Die Tageszeitung | Süddeutsche Zeitung
Die Tageszeitung, 03.06.2002
Auf der Meinungsseite der taz erklärt Detlef Gürtler als "Stimme der Kritik", dass die Walser-Debatte ganz sicher eine Folge haben wird: die Demontage Frank Schirrmachers. "Die FAZ wird durch die Vertrauensbrüche, die sie sich Verlag und Autor gegenüber leistete, nachhaltig beschädigt werden."
Im Feuilleton verteidigt Heide Oestreich Katja Kullmann und ihr viel geschmähtes Buch "Generation Ally": "Was die Autorin - versteckt unter einigem Lifestyle-Klimbim - liefert, ist eine ruhige und unpolemische Erklärung dafür, warum zwischen den Frauengenerationen ein kommunikativer Graben liegt. Die nachgeborenen Profiteurinnen der gesellschaftlichen Modernisierung und der Frauenbewegung fanden die Welt nicht so schlecht eingerichtet, wie die alten Kämpinnen es zwecks Aufrechterhaltung ihres Lebenssinnes immer noch postulierten. In ihrer Jugend war die Geschlechterdoktrin nach Kullmanns Wahrnehmung eher umgekehrt: Machte Doris Dörrie sich über Männer lustig, tanzten die Mädchen zu "Material Girl" Pogo. In der 80er-Pop-Kultur gab es keinen sexistischen HipHop und keinen Eminem, dafür androgynen New Wave, den kajaläugigen New-Romantic-Limahl und Boy George, der vielleicht doch lieber eine Frau sein wollte."
Besprochen werden ein Konzert des R&B-Trios Destinys Child sowie die Business-Satire "Die Direktoren" von Daniel Besse mit Harald Schmidt und der örtlichen Sparkasse in den Hauptrollen.
Schließlich Tom.
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Süddeutsche Zeitung, 03.06.2002
Der meinungsstarke Text zur Walser-Debatte steht heute auf der Medien-Seite der SZ. Lutz Hachmeister geißelt darin das inzestuöse Feuilleton: "Der Vorgang ist etwas degoutant, so dass man sich schon bei bloßer Beschäftigung mit ihm befleckt vorkommt. Man wünschte sich, der Streit zwischen FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und dem Schriftsteller Martin Walser könnte Sache eines inzestuösen Feuilletons bleiben, eine geschlossene Angelegenheit des kulturpolitischen Tingeltangels, intellektuell niederrangig sowie vollkommen anachronistisch", ereifert sich Hachmeister. "In immer schrilleren Varianten werden die Millionen der Hingerichteten dazu benutzt, öffentliche Erregung herbeizuzündeln. Der Topos Antisemitismus taucht inzwischen auf wie eine Schlammblase im Moorbad oder ein Pop-Up im Internet."
Im Feuilleton fasst Lothar Müller den Stand der Diskussion zusammen und berichtet, dass Martin Walser "im Gespräch mit dieser Zeitung" erklärt habe, "er sei auch deshalb von Schirrmachers offenem Brief überrascht worden, weil ihm der Literaturchef der FAZ, Hubert Spiegel, noch kurz zuvor signalisiert habe, vorbehaltlich der Zustimmung des Herausgebers könne das Manuskript als Vorabdruck in der FAZ erscheinen."
Ulrich Raulff ärgert sich über die eleganten Lügen in der Debatte um Möllemann: "Eine Lüge geht um in Deutschland. Wie alle Lügen wird sie gebraucht von Leuten, die ein Interesse haben, und geglaubt von Leuten, die betrogen sein wollen. Die Lüge sagt: Es ist zwar nicht schön, was Demagogen wie Jürgen Möllemann ans Licht zerren, und es ist nicht gut, was Haider, Fortuyn und andere gesagt haben. Aber vielleicht ist es ein bisschen notwendig. Vielleicht musste einer kommen und sagen, was in Wahrheit viele denken. Dass dieser eine nun dafür Prügel bezieht und öffentlich angeprangert wird - auch das ist nicht schön, aber vielleicht ist es gut. So haben wir beides, die verborgene Wahrheit, die ans Licht gebracht wurde, und die Moral, die die bösen Stimmen wieder zum Verstummen brachte. Das ist, in groben Zügen, die neue Ökonomie des Diskurses, die in diesem Lande herrscht. Oder der gute Gebrauch der Lüge."
Weitere Artikel: Holger Liebs hat mit dem Künstler Matthew Barney (dem laut Liebs Attribute wie "moderner Midas, "soldier of sadism" oder "bewegliche Aminosäure" anhaften, mehr hier) über Sport, Models ohne Beine und seinen neuen Film "Cremaster 3" gesprochen. Astrid M. Eckert blickt zum Jubiläum auf die 50-jährige Geschichte des Bundesarchivs zurück. Fritz Göttler gratuliert dem Regisseur Alain Resnais zum Achtzigsten. Jörg Schallenberg berichtet vom Erlanger Comic-Salon, dass sich die Sehnsucht nach Superhelden gegen die Avantgarde durchgesetzt hat. Verena Auffermann beschreibt die Verleihung des Ludwig-Börne-Preises an Hans Magnus Enzensberger, der die Ehre (und das Preisgeld) an Gabriele Goettle weiterreichte.
Besprochen werden: Etienne Chatiliez' Film "Tanguy" (den Anke Sterneborg für eine Attacke auf die Nesthocker-Nation Frankreich hält), Daniel Besses Stück "Die Direktoren" in Bochum und mit Harald Schmidt, eine Inszenierung von Albert Ostermaiers "99 Grad" an den Münchner Kammerspielen, Leos Janaceks Oper "Das schlaue Füchslein" im Münchner Nationaltheater, Eminems neues Album "The Eminem Show", das für Dirk Peitz auf wunderbare Art zeigt, wozu dysfunktionale Familienstrukturen führen können und Bücher, darunter Oskar Lafontaines Anti-Globalisierungs-Schrift "Die Wut wächst" ("Landeskunde für Klippschüler", wie die Rezensentin bemerkt) Geoffrey F. Millers Studie "Die sexuelle Evolution" (nach der Intellektuelle besseren Sex haben) oder Akira Yoshimuras Roman "Unauslöschlich". Joachim Sartorius stellt außerdem Vitali Kalpidis Gedicht "Sieh nicht nachts nach dem Mann" vor (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).
Archiv: Heute in den Feuilletons
Für Ohrfeigen geboren
11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen
Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase
10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen
Wegfall von Arbeit
09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen
Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren
08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen
Archiv: Heute in den Feuilletons
201212345678910111220111234567891011122010123456789101112200912345678910111220081234567891011122007123456789101112200612345678910111220051234567891011122004123456789101112200312345678910111220021234567891011122001123456789101112
Archiv: Heute in den Feuilletons
Der Graf von Sandwich war in Gefahr
07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen
2000PutIN, 2012PutOUT
06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen
Die ganze Welt inventarisieren
04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen
Hunde und Katzen, Liebe und Tod
03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen
Einschlusslöcher am Gebäudesockel
02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen
So sehr ich Warhol schätze
01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen
Also, Bürger, auf zur Wacht!
31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen
Weil es dem Franz so gefallen hat
30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen
Das korrekte Verfahren für Anarchisten
28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen
Und die Emotionen suchen blind
27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen. Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen
Ein irrer Cut
26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen





