Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 19.03.2010, 14.00 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

04.06.2002. Die SZ beklagt das "Extrem der Skandalisierung" in der Walser-Affäre. Die FR sieht die Kritik auf dem Weg in ein fiktionales Genre. In der taz analysiert Richard Chaim Schneider das "Mantra der FDP". In der FAZ entwirft Salman Rushdie düstere Perspektiven für den Kaschmir-Konflikt. Und auich die NZZ fürchtet die Atomwaffen in der Region.

Süddeutsche Zeitung, 04.06.2002

Weiter mit Walser. Thomas Steinfeld fühlt sich durch Schirrmachers Vorgehen an Zolas "J'accuse" erinnert. Schirrmachers Offener Brief unterstelle "die Evidenz des Urteils, das er fällt: Alle, die diesen Text lesen werden, so die Suggestion, werden sich meinem, dem Urteil des Anklägers, anschließen müssen." Steinfeld rügt auch Kritikerkollegen und prominente Meinungsführer, die allzu schnell oder ohne den Text zu kennen, urteilten. "Denn was Evidenz sein sollte ... gründet auf einer Hermeneutik und Philologie des Verdachts. Die deutschen Literaturkritiker beugen sich jetzt zuhauf über dieses Manuskript. Die meisten haben sich über Nacht in Experten für den Antisemitismus verwandelt. Sie studieren diesen Text wie Pornographen einen angeblich erotischen Roman." Schirrmachers "Offener Brief an Martin Walser", so Steinfeld weiter, "ist das Extrem einer Skandalisierung. Und er ist zugleich selbst Skandal. Im gestrigen Spiegel erreicht nur das Interview mit Walser normales Niveau. .... Im Interview mit Schirrmacher bleibt es bei zahnlos-devoten Fragen. Dabei wäre es längst an der Zeit, die Asymmetrie des Legitimationsdruckes zu korrigieren. Derzeit muss sich vor allem Martin Walser immer neu rechtfertigen, nicht aber derjenige, der ihn an den Pranger gestellt hat."


Jürgen Berger berichtet dazu aus Waldshut, wo Martin Walser den Alemannischen Literaturpreis entgegennahm und den Abend zur Stellungnahme in eigener Sache nutzte. "In der ihm eigenen Mischung aus gespielter Jovialität und plötzlicher Verbalattacke" habe er dabei "eine Aura des 'Ich habe schon alles erlebt, was der Mensch erleben kann'" verbreitet. Gegen Ende sei es ihm dann aber doch "etwas mulmig" geworden: denn "ob er etwas dagegen hatte oder nicht, rund um den Bodensee wurden Steckbriefe des FAZ-Herausgebers verteilt".

Ijoma Mangold porträtiert Chinua Achebe, den nigerianischen Träger des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (mehr hier). In einem weiteren Porträt stellt Michael Struck-Schloen den Dirigenten Antonio Pappano vor, der von Brüssels La Monnaie nach Londons Covent Garden wechselt. Andrian Kreye erklärt uns, inwiefern in den USA rigide Gesetzespakete den Strafverteidiger zum Bittsteller degradieren. Dirk Peitz resümiert das Verbots-Spektakel um die Herforder Ausstellung "Black Low" des norwegischen Künstlers Bjarne Melgaard. Arno Orzessek liefert die Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion im Berliner "Streitraum", in der Joschka Fischer mit Matthias Greffrath, Caroline Fetscher und Thomas Ostermeier über "Europas Rolle in der neuen Weltunordnung" diskutierte, und Henning Klüver berichtet über die Aufnahme des Kunsthistorischen Instituts in Florenz in die Max-Planck-Gesellschaft.

Besprochen werden das Filmporträt "Meine Schwester Maria" von Maximilian Schell, die Choreografie "Borderline" von Blanca Li an der Komischen Oper Berlin, zwei Aufführungen von Puccinis "Turandot" mit neuem Schluss von Luciano Berio, einmal unter Kent Nagano in Los Angeles und noch einmal unter Riccardo Chailly in Amsterdam, Jan Bosses Inszenierung von "Roberto Zucco" am Hamburger Schauspielhaus sowie Bücher, darunter Brigitte Hamanns Biografie von Winifred Wagner (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 04.06.2002

Ursula März steuert zur Walser-Debatte Überlegungen zum neuen "Skandalstil" in der Literatur und in der Literaturkritik bei. "Vom ersten Moment an besaß der Skandal um Walsers Text eine romanreife Form. Es begann mit einem zum Brief umstilisierten, gleichsam literarisierten Verriss und setzte sich in Windeseile in einer Flut von Erzählungen und Nacherzählungen fort, über die lange Beziehung zwischen Walser und Reich-Ranicki, über die ebenfalls schon einige Zeit währende Beziehung zwischen Walser und Schirrmacher, über die Geschicke des Hauses Unseld etc. p. p., Geschichten also, aus denen wiederum der Stoff des Romans ... direkt und indirekt besteht". Die Literaturkritik hinke dieser Literatur der "Skandalisierung des Sekundären" derzeit noch etwas hinterher, unternehme aber immerhin "erste vorsichtige Schritte auf dem Weg ihrer Verwandlung in ein fiktionales Genre, meint März.


Weitere Themen: Für die FR porträtiert Ulrich Speck den nigerianischen Friedenspreisträger Chinua Achebe. Friedrich Tietjen stellt Positionen auf der fünften Dakar-Biennale für zeitgenössische afrikanische Kunst vor. Simone Meier informiert erleichtert über den Ausgang der Zürcher Volksabstimmung, die das Schauspielhaus sowie Christoph Marthaler und seine Crew vorläufig gerettet hat. Martin Hartmann berichtet über einen Kongress der Oper Frankfurt über Gefühle in der Kunst, auf dem versucht wurde, "die 'Theoriefähigkeit aller die Emotionen betreffenden Äußerungen' unter Beweis zu stellen". Um die Vielfalt Afrikas, die sich keineswegs "im Klischee des Krisen- und Katastrophenkontinents erschöpft, ging es dagegen auf einer Hamburger Tagung, die Andreas Eckert zusammenfasst. In der Kolumne "Times Mager" räsoniert H.K.J. über eine Plakataktion von Tierschützern gegen Dressur, die zum Zirkusboykott auffordert. Gemeldet werden schließlich noch zwei Todesfälle: Verunglückt ist der Schriftsteller Heiner Link, nach langer Krankheit verstarb der Schauspieler Jürgen Rohe.

Besprechungen gibt es natürlich auch. Nicht gefallen hat Binca Lis Tanzprogramm "Borderline" an der Komischen Oper in Berlin ("nicht mehr als fünfeinhalb Bewegungsmuster aus dem Repertoire rhythmischer Sportgymnastik"), und auch Daniel Besses Stück "Direktoren" am Schauspielhaus Bochum (mehr hier) tauge trotz Harald Schmidt und weiterer guter Akteure "nur zum mittelmäßigen Fernsehfilm". Ebenfalls gedämpft fällt der Rückblick auf die Dresdner Musikfestspiele in der Semperoper aus, gelobt wird allein die Ausstellung des Frankfurter Konzeptkünstlers Jochem Hendricks im Freiburger Kunstverein (flash), dessen Objekte offenbar ausnahmslos aus geklauten Materialen bestehen.

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Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2002

Urs Schoettli hält es für möglich, dass erstmals seit Hiroshima und Nagasaki in Südasien Atomwaffen eingesetzt werden können. Die Abschreckungstaktik des Kalten Krieges, als die Existenz von Atomwaffen einen Krieg verhindert habe, könnte im Konflikt zwischen Indien und Pakistan versagen. Schoettli macht dafür "kulturelle wie historische Gründe" aus: "Der Kalte Krieg mag von schweren Rivalitäten und tiefgreifendem Misstrauen zwischen den verfeindeten Blöcken geprägt worden sein, beim indisch-pakistanischen Konflikt handelt es sich jedoch um einen Bruderkrieg voller Hass und Ressentiments." Ein weiterer Grund könnte sein, dass "Südasien von den Massenvernichtungskriegen des 20. Jahrhunderts, die in Europa, Russland, China, Vietnam und Japan Millionen Opfer gefordert haben, bisher verschont geblieben ist."


Weitere Artikel: Ein Kapitel Schweizer Geschichte erklärt uns Thomas Maissen: Am 4. Juni feiert Glarus den Beitritt zur Eidgenossenschaft vor 650 Jahren. Maissen fragt nun, ob der Vertrag von 1352 zunächst mehr darstellte als eine dreimonatige Unterwerfung des Alpentals unter seine Nachbarn. Martin Krumbholz schreibt zum Tod des Schriftstellers Heiner Link, der am Donnerstag bei einem Motorradunfall starb. Kurz vorgestellt wird Chinua Achebe, der den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen hat. Gemeldet wird, dass die Madrider Germanistikprofessorin Isabel Hernandez erstmals Kellers "Grünen Heinrich" auf Spanisch übersetzt hat. Abgedruckt ist schließlich "September", ein literarischer Text von Zsuzsanna Gahse.

Besprochen werden Aufführungen von Houellebecqs "Elementarteilchen" und Ostermeiers "99 Grad" in München, Berlioz' Oper "Beatrice et Benedict" im Lausanner Theatre Municipal, Lortzings Oper "Zar und Zimmermann" im Stadttheater Bern und Bücher, darunter Stephan Krass' Anagrammgedichte (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 04.06.2002

In einem Essay auf den Tagesthemen-Seiten erzählt der Publizist Richard Chaim Schneider (mehr hier) die Geschichte der jüdischen Deutschen nach 1945 und erklärt, warum das jüdische Leben in Deutschland nicht in einem "besten Sinn 'normal' ist" wie etwa in Paris, London, New York oder Tel Aviv. Noch immer gebe es bei den deutschen Juden "eine gewisse Skepsis gegenüber der deutschen Öffentlichkeit". Wohl zu Recht: "Das neue Mantra der FDP, dieses 'auch als Deutscher muss ich Israel kritisieren dürfen', ist die Inszenierung eines 'Tabubruchs'. Wen kümmert es schon, dass auch scharfe Kritik an Israel in der deutschen Politik und in den hiesigen Medien nie verboten oder gar tabuisiert waren ... Nein, Westerwelle und seine Verbündeten benutzen dieses Argument, um von der eigentlichen Problematik abzulenken und sich gleichzeitig als besonders progressiv darzustellen. ... Die Behauptung, Juden seien quasi selbst schuld an ihrem Unglück (...), sind die Ungeheuerlichkeiten, die jetzt in der Mitte der deutschen demokratischen Parteienlandschaft etabliert werden sollen."


Im Kulturteil heute ansonsten viel Kunst: Stefan Koldehoff interviewt den US-Künstler Matthew Barney (mehr hier und hier), dessen "Cremaster Cycle" und andere Arbeiten derzeit im Kölner Museum Ludwig zu sehen sind. Barney, der seine Filme als "Skulpturenprojekte" versteht und darin als Massenmörder, Meeresgott oder Satyr auftritt, gibt vor allem über Entstehungs- und Arbeitsbedingungen der Filme Auskunft, nicht aber über seine Freundin Björk (nach der er allerdings auch ausdrücklich nicht gefragt wurde).

Hias Wrba stellt die Ausstellung " "Protest! Respect!" in der Kunsthalle St. Gallen vor, die Auswege "aus der Referenzhölle der Postmoderne" weist. Helmut Höge schließlich analysiert den neuen Berliner Förderungsboom.

Besprochen werden auch Bücher: eine Polemik von Heribert Prantl zur "Politik der Inneren Unsicherheit" und ein Joschka Fischer-Porträt von Bernd Ulrich und Matthias Geis (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

Und hier Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2002

Salman Rushdie entwirft (in einem Text, der zuerst im Guardian erschien) reichlich dunkle Perspektiven für den Kaschmir-Konflikt: "Musharraf sieht nicht aus wie ein Märtyrer. Aber was, wenn er einen konventionellen Krieg verlieren sollte? Wenn Indien mit seiner zahlenmäßigen Überlegenheit zu Land, zu Wasser und in der Luft den Sieg davonträgt und Pakistan sein kostbares Kaschmir verliert - hätte die Vernunft dann noch eine Chance? Und wenn eine Niederlage dazu führen sollte, dass Musharraf von islamistischen Fundamentalisten gestürzt wird, könnte das pakistanische Atomwaffenarsenal in die Hände von Menschen fallen, denen Märtyrertum mehr bedeutet als Frieden, von Menschen, die den Tod über das Leben stellen." Am liebsten sähe Rushdie ein autonomes Kaschmir, das von internationalen Friedentruppen überwacht würde - "aber wer im Westen will das schon?"


Eva Menasse analysiert Österreichs Verhältnis zu Israel und kommt dabei auf Bruno Kreisky zurück, der als jüdischer Politiker eine israelkritische Position bezog und darum vielen Ressentiments gegen Israel als Schutzschild diente. Heute stellt sich die Lage so dar: "Österreichische Juden schlagen sich öffentlich mit österreichischen Sozialdemokraten, die Besonneneren auf beiden Seiten stehen entgeistert daneben, während jene, die, mit einem berüchtigten Wort Jörg Haiders aus dem richtigen thematischen Zusammenhang, eigentlich den 'Dreck am Stecken haben', sich in der Rolle hämischer Kommentatoren gefallen."

Weiteres: Tobias Döring kommentiert die Friedenspreis-Entscheidung für Chinua Achebe (mehr hier). Edo Reents fragt, ob das Feuer im Buckingham-Palast zum Tag des Jubiläums der Queen als schlechtes Omen zu verstehen sei. Achim Bahnen schreibt zum Ende des Ausstellungsprojekts "Der (im-)perfekte Mensch" in Berlin. Wolfgang Sandner berichtet vom Chorfest in Cincinnati, das vom Dirigenten James Conlon geleitet wurde. Auf der Medienseite erfahren wir, dass die Fußball-WM-Berichtertstattung von ZDF und ARD in den Quoten vorne liegt, obwohl die Berichterstattung von Sat 1 besser sei. Außerdem erfahren wir, dass jüdische Organisationen in den USA zum Boykott der New York Times auffordern - wegen angeblich antiisraelischer Berichterstattung. Während Lorenz Jäger das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung vorstellt, das für das American Jewish Committee die Israel-Berichterstattung der deutschen Medien analysierte, von der FAZ aber nicht als seriös angesehen wird.

Auf der Bücher-und-Themen-Seite liest der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase klassische Studien zum Thema Medien und Jugendgewalt. Auf der letzten Seite stellt uns Christian Schwägerl den amerikanischen Gesundheitsminister Tommy Thompson vor, der gerade in Berlin weilte. Und Patrick Bahners hat einen Kabarettabend in Bonn besucht.

Besprochen werden eine Cranach-Ausstellung im Statens Museum Kopenhagen, eine Ausstellung in Sankt Gallen, welche Warhol mit Werken der Ostschweizer Bauernmalerei konfrontiert, Michael Simons Dramatisierung von Gustav Meyringks "Golem" in Basel, , der Film "Das Tribunal" mit Bruce Willis, eine Giovanni Lanfranco-Ausstellung im Palazzo Venezia in Rom, Leos Janaceks "Schlaues Füchslein" an der Bayerischen Staatsoper und Tom Lanoyes Stück "Mamma Medea" bei den Braunschweiger "Theaterformen".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Zurück in die Münzfernsprecher-Epoche

19.03.2010. In der FR erkennt Verena Auffermann in der Diskussion um Helene Hegemann die Angst vor der digitalen Zukunft. In der Welt bestätigt dies eine Studie und nennt auch eine Zahl: über 70 Prozent der Deutschen sind nie in der digitalen Gesellschaft angekommen. In der taz ist Liao Yiwu froh, dass seine Bücher illegal kopiert werden, sonst könnte sie niemand lesen. Die SZ porträtiert den künftigen tschetschenischen Nobelpreisträger Kanta Ibragimow, der seinen jüngsten Roman nur dank eines geschmuggelten USB-Sticks veröffentlichen konnte. In der FAZ rauft sich Constanze Kurz die Haare: Sendezeiten im Internet? Wo leben unsere Landespolitiker? Mehr lesen

Arrondierte Männergruppen

18.03.2010. Die FR spekuliert über die Frage,ob Günter Grass von westlichen Geheimdiensten ausspioniert wurde. Im Welt-Interview mit Julia Kristeva stellt sich heraus, das es der Poststrukturalismus mit dem Tod des Subjekts gar nicht so gemeint hat. In der Presse erklärt Andre Müller, warum es für sein Metier von Vorteil ist, ohne Vater aufgewachsen zu sein. In der FAZ warnt der Internetskeptiker Evgeny Morozov vor Twitter und Co. Der Zeit ist eins klar: Wenn Männer Männer missbrauchen, sind auf jeden Fall schon mal Männer schuld. Mehr lesen

Dinge zusammenzuleimen ist sehr einfach

17.03.2010. Die "Leipziger Erklärung" entfacht die Hegemann-Debatte neu. Die Welt erklärt, warum Christa Wolf Literatur ist, obwohl sie Sätze von Faulkner ohne Dank und Tüttel übernommen hat. Die SZ erklärt, warum Peter Esterhazy Literatur ist, obwohl er ganze Kapitel anderer Autoren abschrieb. In der SZ erklärt Sibylle Lewitscharoff, warum sie von Mashups nichts hält. In der Welt erklärt Claude Lanzmann, warum die Juden nicht gerettet werden konnten.  Auch die Debatten um die Abgründe der Reformpädagogik und  des Katholizismus gehen weiter: Hans Küng fordert in der SZ ein Mea Culpa des obersten Vertuschers. Mehr lesen

Ein Mann wie Winnetou

16.03.2010. Der Tagesspiegel bringt eine Petition deutscher Großschriftsteller von Grass bis Wolf gegen einen möglichen Leipziger Buchpreis für Helene Hegemann. Gerhard Amendt belehrt in der Welt Josef Haslinger, dass er in seinem Text über pädophile Priester an einem kindlichen Zustand der seelischen Ohnmacht festhalte. Micha Brumlik findet für die taz  von Anfang an homoerotische Aspekte in der deutschen Reformpädagogik. In der FAZ kritisiert Necla Kelek die islamischen Verbände in Deutschland. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Dass er zu einem Eis am Stiel wird, dann splittert

15.03.2010. In der Welt warnt Ibn Warraq vor den Scharia-Gerichten in England. In der SZ schreibt Richard Swartz über Korruption in Kroatien. Die FAZ erinnert an Zeiten, als zum Frommen der Kunst Knaben kastriert wurden. Gawker gefriert bei Ian McEwans Satire auf den Klimawandel und deckt eine von Sean Penn begangene Ungerechtigkeit auf. Und im Tagesspiegel gratuliert Jürgen Neffe dem Perlentaucher zum Zehnten. Mehr lesen

Ich war verstört

13.03.2010. In der Welt erinnert sich Joseph Haslinger an seine Jugend in einem katholischen Internat: "Die Pädophilen waren in dieser Sphäre von klösterlicher Gewalt eine Oase der Zärtlichkeit." In der FAZ begibt sich Bruce Sterling auf den betrügerisch vernetzten Basar der Geschichte. Im Guardian schreibt Timothy Garton Ash über Ryszard Kapuscinski und die Grundregeln des Reporters. In der taz erklärt Kate Pickett, dass Ungleichheit auch Reiche stresst. In der NZZ bannt Beat Furrer mit Bas Hilfe altägyptische Zerfallsphantasien. Und die FR vernimmt beglückt das Lachen eines bebauchten, bärtigen Buddhas.  Mehr lesen

Zeitung lebt

12.03.2010. In der NZZ erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer im Juni Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die FR möchte kein Leichtgewicht mehr sein, sondern ein Trumm werden. Die Welt wünscht Griechenland mehr anglikanische Arbeitsethik. Die taz hat Freude an Joanna Newsoms Organ. Die FAZ verteidigt die Freiheit der Kunst. Mehr lesen

Damals war die Zukunft heute

11.03.2010. Ai Weiwei ist sich in der FR sicher: Durch das Internetzeitalter verändert sich die gesamte Machtstruktur. Die Welt liefert eine Reportage über die Verfertigung einer kritischen Koranausgabe. Im Freitag plädiert Clemens Meyer gegen allzuviele Literaturpreise. Der Guardian weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkt. Golem berichtet über eine Resolution des Europaparlaments gegen ACTA. Die taz bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Die Zeit erinnert sich mit Wehmut an die Zeit, in der sie modern war. Mehr lesen

Baukomplexe mit heimelig-prätenziösen Namen

10.03.2010. An der Zeitungskrise ist das Internet gar nicht schuld - sie ist nämlich schon viel älter,  meint Google in seinem Policy Blog. Auf Telepolis erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In  taz und NZZ sprechen iranische Autoren über die Repression in ihrem Land. Wir verlinken auf die gerade online gestellte letzte Kollektion von Alexander McQueen. Mehr lesen

Zerrissene Blätter, zerbröselte Siegel

09.03.2010. Christopher Hitchens graust es in Slate vor dem saudischen Anwalt Ahmed Zaki Yamani, der die dänische Zeitung Politiken mit Klagedrohungen dazu brachte, sich für den Abdruck der Mohammed-Karikaturen zu entschuldigen. Darf man einfach die Geschichte verdrehen? Bernard-Henri Levy kritisiert in den neuesten Filmen Tarantinos und Scorseses eine Tendenz zum Revisionismus. Laut BBC betrachten 80 Prozent aller Weltbürger Internetzugang als fundamentales Menschenrecht. Und Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow erklärt in der Welt, wie Journalismus funktioniert. Mehr lesen

Schwirren und fliegen und sausen

08.03.2010. Ja doch, Christoph Waltz hat den Oscar als bester Nebendarsteller gewonnen. Wir setzen Links zu Videos, Galerien, Listen und Roben. In der NZZ wendet sich der Maskulinologe Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die taz bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz mit einem Manifest für ein neues Selbstbewusstsein des Mannes. In der FR erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus. In Carta erklärt ein Burda-Manager, warum er Leistungsschutzrechte will: weil er seine Inhalte kostenlos ins Netz stellt. Mehr lesen

Denken Sie an Klaviersaitendraht

06.03.2010. In der Welt geißelt Margaret Atwood die Schuld der Menschen an den Vögeln - und nennt dabei auch Zahlen. In der FR kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. Die taz warnt vor Acta. In der SZ kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche: Für Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ist der Staat zuständig. Die FAZ beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie. Mehr lesen

Antipathie gegen Beton und Stahl

05.03.2010. Der Kultur geht's an den Kragen: Die Welt schildert die Folgen des Bevölkerungsschwunds und der Steuerpolitik für Städte wie Dessau. Die taz erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke, der in der Rudi-Dutschke-Straße Premiere hatte. Die NZZ kritisiert die Bürger von Bukarest, welche die Errungenschaften der klassischen Moderne nicht ausreichend würdigen. Das Buch über Günter Grass' Stasi-Akten sorgt für respektvolles Aufsehen. Mehr lesen

Ein Fingernagel in ihrer Suppe

04.03.2010. In der FR erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. Golem meldet: Die Telekom löscht 19 Terabyte Vorratsdaten. In der NZZ trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die Welt warnt: Man kann Joanna Newson nicht einfach den New Weird Americana zuordnen. In der taz kritisiert Ralf Bönt das neue Prestige der Religionen.  Mehr lesen

Ein Trost am Rand meines Grabes

03.03.2010. Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang  für die Dongxiao - die taz bringt ihn. Philip Gourevitch trägt außerdem im New Yorker einige sehr interessante Links zu Liao bei. Der NZZ geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug: Sie fragt, was aus dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung geworden ist. In Sachen Leistungsschutzrechte spielt die Bundesjustizminsterin im Magazin promedia auf Zeit.In der FR schreibt der chilenische Autor Ariel Dorfman über das Erdbeben. Mehr lesen

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