Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 21.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Heute in den Feuilletons

Heute in den Feuilletons

Die kommentierte Kulturpresseschau. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

04.06.2002. Die SZ beklagt das "Extrem der Skandalisierung" in der Walser-Affäre. Die FR sieht die Kritik auf dem Weg in ein fiktionales Genre. In der taz analysiert Richard Chaim Schneider das "Mantra der FDP". In der FAZ entwirft Salman Rushdie düstere Perspektiven für den Kaschmir-Konflikt. Und auich die NZZ fürchtet die Atomwaffen in der Region.

Süddeutsche Zeitung, 04.06.2002

Weiter mit Walser. Thomas Steinfeld fühlt sich durch Schirrmachers Vorgehen an Zolas "J'accuse" erinnert. Schirrmachers Offener Brief unterstelle "die Evidenz des Urteils, das er fällt: Alle, die diesen Text lesen werden, so die Suggestion, werden sich meinem, dem Urteil des Anklägers, anschließen müssen." Steinfeld rügt auch Kritikerkollegen und prominente Meinungsführer, die allzu schnell oder ohne den Text zu kennen, urteilten. "Denn was Evidenz sein sollte ... gründet auf einer Hermeneutik und Philologie des Verdachts. Die deutschen Literaturkritiker beugen sich jetzt zuhauf über dieses Manuskript. Die meisten haben sich über Nacht in Experten für den Antisemitismus verwandelt. Sie studieren diesen Text wie Pornographen einen angeblich erotischen Roman." Schirrmachers "Offener Brief an Martin Walser", so Steinfeld weiter, "ist das Extrem einer Skandalisierung. Und er ist zugleich selbst Skandal. Im gestrigen Spiegel erreicht nur das Interview mit Walser normales Niveau. .... Im Interview mit Schirrmacher bleibt es bei zahnlos-devoten Fragen. Dabei wäre es längst an der Zeit, die Asymmetrie des Legitimationsdruckes zu korrigieren. Derzeit muss sich vor allem Martin Walser immer neu rechtfertigen, nicht aber derjenige, der ihn an den Pranger gestellt hat."


Jürgen Berger berichtet dazu aus Waldshut, wo Martin Walser den Alemannischen Literaturpreis entgegennahm und den Abend zur Stellungnahme in eigener Sache nutzte. "In der ihm eigenen Mischung aus gespielter Jovialität und plötzlicher Verbalattacke" habe er dabei "eine Aura des 'Ich habe schon alles erlebt, was der Mensch erleben kann'" verbreitet. Gegen Ende sei es ihm dann aber doch "etwas mulmig" geworden: denn "ob er etwas dagegen hatte oder nicht, rund um den Bodensee wurden Steckbriefe des FAZ-Herausgebers verteilt".

Ijoma Mangold porträtiert Chinua Achebe, den nigerianischen Träger des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (mehr hier). In einem weiteren Porträt stellt Michael Struck-Schloen den Dirigenten Antonio Pappano vor, der von Brüssels La Monnaie nach Londons Covent Garden wechselt. Andrian Kreye erklärt uns, inwiefern in den USA rigide Gesetzespakete den Strafverteidiger zum Bittsteller degradieren. Dirk Peitz resümiert das Verbots-Spektakel um die Herforder Ausstellung "Black Low" des norwegischen Künstlers Bjarne Melgaard. Arno Orzessek liefert die Zusammenfassung einer Podiumsdiskussion im Berliner "Streitraum", in der Joschka Fischer mit Matthias Greffrath, Caroline Fetscher und Thomas Ostermeier über "Europas Rolle in der neuen Weltunordnung" diskutierte, und Henning Klüver berichtet über die Aufnahme des Kunsthistorischen Instituts in Florenz in die Max-Planck-Gesellschaft.

Besprochen werden das Filmporträt "Meine Schwester Maria" von Maximilian Schell, die Choreografie "Borderline" von Blanca Li an der Komischen Oper Berlin, zwei Aufführungen von Puccinis "Turandot" mit neuem Schluss von Luciano Berio, einmal unter Kent Nagano in Los Angeles und noch einmal unter Riccardo Chailly in Amsterdam, Jan Bosses Inszenierung von "Roberto Zucco" am Hamburger Schauspielhaus sowie Bücher, darunter Brigitte Hamanns Biografie von Winifred Wagner (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Frankfurter Rundschau, 04.06.2002

Ursula März steuert zur Walser-Debatte Überlegungen zum neuen "Skandalstil" in der Literatur und in der Literaturkritik bei. "Vom ersten Moment an besaß der Skandal um Walsers Text eine romanreife Form. Es begann mit einem zum Brief umstilisierten, gleichsam literarisierten Verriss und setzte sich in Windeseile in einer Flut von Erzählungen und Nacherzählungen fort, über die lange Beziehung zwischen Walser und Reich-Ranicki, über die ebenfalls schon einige Zeit währende Beziehung zwischen Walser und Schirrmacher, über die Geschicke des Hauses Unseld etc. p. p., Geschichten also, aus denen wiederum der Stoff des Romans ... direkt und indirekt besteht". Die Literaturkritik hinke dieser Literatur der "Skandalisierung des Sekundären" derzeit noch etwas hinterher, unternehme aber immerhin "erste vorsichtige Schritte auf dem Weg ihrer Verwandlung in ein fiktionales Genre, meint März.


Weitere Themen: Für die FR porträtiert Ulrich Speck den nigerianischen Friedenspreisträger Chinua Achebe. Friedrich Tietjen stellt Positionen auf der fünften Dakar-Biennale für zeitgenössische afrikanische Kunst vor. Simone Meier informiert erleichtert über den Ausgang der Zürcher Volksabstimmung, die das Schauspielhaus sowie Christoph Marthaler und seine Crew vorläufig gerettet hat. Martin Hartmann berichtet über einen Kongress der Oper Frankfurt über Gefühle in der Kunst, auf dem versucht wurde, "die 'Theoriefähigkeit aller die Emotionen betreffenden Äußerungen' unter Beweis zu stellen". Um die Vielfalt Afrikas, die sich keineswegs "im Klischee des Krisen- und Katastrophenkontinents erschöpft, ging es dagegen auf einer Hamburger Tagung, die Andreas Eckert zusammenfasst. In der Kolumne "Times Mager" räsoniert H.K.J. über eine Plakataktion von Tierschützern gegen Dressur, die zum Zirkusboykott auffordert. Gemeldet werden schließlich noch zwei Todesfälle: Verunglückt ist der Schriftsteller Heiner Link, nach langer Krankheit verstarb der Schauspieler Jürgen Rohe.

Besprechungen gibt es natürlich auch. Nicht gefallen hat Binca Lis Tanzprogramm "Borderline" an der Komischen Oper in Berlin ("nicht mehr als fünfeinhalb Bewegungsmuster aus dem Repertoire rhythmischer Sportgymnastik"), und auch Daniel Besses Stück "Direktoren" am Schauspielhaus Bochum (mehr hier) tauge trotz Harald Schmidt und weiterer guter Akteure "nur zum mittelmäßigen Fernsehfilm". Ebenfalls gedämpft fällt der Rückblick auf die Dresdner Musikfestspiele in der Semperoper aus, gelobt wird allein die Ausstellung des Frankfurter Konzeptkünstlers Jochem Hendricks im Freiburger Kunstverein (flash), dessen Objekte offenbar ausnahmslos aus geklauten Materialen bestehen.

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Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2002

Urs Schoettli hält es für möglich, dass erstmals seit Hiroshima und Nagasaki in Südasien Atomwaffen eingesetzt werden können. Die Abschreckungstaktik des Kalten Krieges, als die Existenz von Atomwaffen einen Krieg verhindert habe, könnte im Konflikt zwischen Indien und Pakistan versagen. Schoettli macht dafür "kulturelle wie historische Gründe" aus: "Der Kalte Krieg mag von schweren Rivalitäten und tiefgreifendem Misstrauen zwischen den verfeindeten Blöcken geprägt worden sein, beim indisch-pakistanischen Konflikt handelt es sich jedoch um einen Bruderkrieg voller Hass und Ressentiments." Ein weiterer Grund könnte sein, dass "Südasien von den Massenvernichtungskriegen des 20. Jahrhunderts, die in Europa, Russland, China, Vietnam und Japan Millionen Opfer gefordert haben, bisher verschont geblieben ist."


Weitere Artikel: Ein Kapitel Schweizer Geschichte erklärt uns Thomas Maissen: Am 4. Juni feiert Glarus den Beitritt zur Eidgenossenschaft vor 650 Jahren. Maissen fragt nun, ob der Vertrag von 1352 zunächst mehr darstellte als eine dreimonatige Unterwerfung des Alpentals unter seine Nachbarn. Martin Krumbholz schreibt zum Tod des Schriftstellers Heiner Link, der am Donnerstag bei einem Motorradunfall starb. Kurz vorgestellt wird Chinua Achebe, der den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen hat. Gemeldet wird, dass die Madrider Germanistikprofessorin Isabel Hernandez erstmals Kellers "Grünen Heinrich" auf Spanisch übersetzt hat. Abgedruckt ist schließlich "September", ein literarischer Text von Zsuzsanna Gahse.

Besprochen werden Aufführungen von Houellebecqs "Elementarteilchen" und Ostermeiers "99 Grad" in München, Berlioz' Oper "Beatrice et Benedict" im Lausanner Theatre Municipal, Lortzings Oper "Zar und Zimmermann" im Stadttheater Bern und Bücher, darunter Stephan Krass' Anagrammgedichte (siehe auch unsere Bücherschau heute ab 14 Uhr).

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Die Tageszeitung, 04.06.2002

In einem Essay auf den Tagesthemen-Seiten erzählt der Publizist Richard Chaim Schneider (mehr hier) die Geschichte der jüdischen Deutschen nach 1945 und erklärt, warum das jüdische Leben in Deutschland nicht in einem "besten Sinn 'normal' ist" wie etwa in Paris, London, New York oder Tel Aviv. Noch immer gebe es bei den deutschen Juden "eine gewisse Skepsis gegenüber der deutschen Öffentlichkeit". Wohl zu Recht: "Das neue Mantra der FDP, dieses 'auch als Deutscher muss ich Israel kritisieren dürfen', ist die Inszenierung eines 'Tabubruchs'. Wen kümmert es schon, dass auch scharfe Kritik an Israel in der deutschen Politik und in den hiesigen Medien nie verboten oder gar tabuisiert waren ... Nein, Westerwelle und seine Verbündeten benutzen dieses Argument, um von der eigentlichen Problematik abzulenken und sich gleichzeitig als besonders progressiv darzustellen. ... Die Behauptung, Juden seien quasi selbst schuld an ihrem Unglück (...), sind die Ungeheuerlichkeiten, die jetzt in der Mitte der deutschen demokratischen Parteienlandschaft etabliert werden sollen."


Im Kulturteil heute ansonsten viel Kunst: Stefan Koldehoff interviewt den US-Künstler Matthew Barney (mehr hier und hier), dessen "Cremaster Cycle" und andere Arbeiten derzeit im Kölner Museum Ludwig zu sehen sind. Barney, der seine Filme als "Skulpturenprojekte" versteht und darin als Massenmörder, Meeresgott oder Satyr auftritt, gibt vor allem über Entstehungs- und Arbeitsbedingungen der Filme Auskunft, nicht aber über seine Freundin Björk (nach der er allerdings auch ausdrücklich nicht gefragt wurde).

Hias Wrba stellt die Ausstellung " "Protest! Respect!" in der Kunsthalle St. Gallen vor, die Auswege "aus der Referenzhölle der Postmoderne" weist. Helmut Höge schließlich analysiert den neuen Berliner Förderungsboom.

Besprochen werden auch Bücher: eine Polemik von Heribert Prantl zur "Politik der Inneren Unsicherheit" und ein Joschka Fischer-Porträt von Bernd Ulrich und Matthias Geis (siehe auch unsere Bücherschau ab 14 Uhr).

Und hier Tom.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2002

Salman Rushdie entwirft (in einem Text, der zuerst im Guardian erschien) reichlich dunkle Perspektiven für den Kaschmir-Konflikt: "Musharraf sieht nicht aus wie ein Märtyrer. Aber was, wenn er einen konventionellen Krieg verlieren sollte? Wenn Indien mit seiner zahlenmäßigen Überlegenheit zu Land, zu Wasser und in der Luft den Sieg davonträgt und Pakistan sein kostbares Kaschmir verliert - hätte die Vernunft dann noch eine Chance? Und wenn eine Niederlage dazu führen sollte, dass Musharraf von islamistischen Fundamentalisten gestürzt wird, könnte das pakistanische Atomwaffenarsenal in die Hände von Menschen fallen, denen Märtyrertum mehr bedeutet als Frieden, von Menschen, die den Tod über das Leben stellen." Am liebsten sähe Rushdie ein autonomes Kaschmir, das von internationalen Friedentruppen überwacht würde - "aber wer im Westen will das schon?"


Eva Menasse analysiert Österreichs Verhältnis zu Israel und kommt dabei auf Bruno Kreisky zurück, der als jüdischer Politiker eine israelkritische Position bezog und darum vielen Ressentiments gegen Israel als Schutzschild diente. Heute stellt sich die Lage so dar: "Österreichische Juden schlagen sich öffentlich mit österreichischen Sozialdemokraten, die Besonneneren auf beiden Seiten stehen entgeistert daneben, während jene, die, mit einem berüchtigten Wort Jörg Haiders aus dem richtigen thematischen Zusammenhang, eigentlich den 'Dreck am Stecken haben', sich in der Rolle hämischer Kommentatoren gefallen."

Weiteres: Tobias Döring kommentiert die Friedenspreis-Entscheidung für Chinua Achebe (mehr hier). Edo Reents fragt, ob das Feuer im Buckingham-Palast zum Tag des Jubiläums der Queen als schlechtes Omen zu verstehen sei. Achim Bahnen schreibt zum Ende des Ausstellungsprojekts "Der (im-)perfekte Mensch" in Berlin. Wolfgang Sandner berichtet vom Chorfest in Cincinnati, das vom Dirigenten James Conlon geleitet wurde. Auf der Medienseite erfahren wir, dass die Fußball-WM-Berichtertstattung von ZDF und ARD in den Quoten vorne liegt, obwohl die Berichterstattung von Sat 1 besser sei. Außerdem erfahren wir, dass jüdische Organisationen in den USA zum Boykott der New York Times auffordern - wegen angeblich antiisraelischer Berichterstattung. Während Lorenz Jäger das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung vorstellt, das für das American Jewish Committee die Israel-Berichterstattung der deutschen Medien analysierte, von der FAZ aber nicht als seriös angesehen wird.

Auf der Bücher-und-Themen-Seite liest der Kulturwissenschaftler Kaspar Maase klassische Studien zum Thema Medien und Jugendgewalt. Auf der letzten Seite stellt uns Christian Schwägerl den amerikanischen Gesundheitsminister Tommy Thompson vor, der gerade in Berlin weilte. Und Patrick Bahners hat einen Kabarettabend in Bonn besucht.

Besprochen werden eine Cranach-Ausstellung im Statens Museum Kopenhagen, eine Ausstellung in Sankt Gallen, welche Warhol mit Werken der Ostschweizer Bauernmalerei konfrontiert, Michael Simons Dramatisierung von Gustav Meyringks "Golem" in Basel, , der Film "Das Tribunal" mit Bruce Willis, eine Giovanni Lanfranco-Ausstellung im Palazzo Venezia in Rom, Leos Janaceks "Schlaues Füchslein" an der Bayerischen Staatsoper und Tom Lanoyes Stück "Mamma Medea" bei den Braunschweiger "Theaterformen".

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Archiv: Heute in den Feuilletons

Für Ohrfeigen geboren

11.02.2012. In der FAZ erklärt Michail Schischkin, warum Gogol der verzweifeltste aller russischen Schriftsteller war. In der NZZ erklärt Jennifer Eagan das Konzept ihres Romans über die Aushöhlung der Musikindustrie. Der eigentliche Stukturwandel der Öffentlichkeit findet jetzt erst statt, meint Volker Gerhardt in der Welt. In der taz erklärt Bazon Brock, warum man als Humanist gegen den Tod sein muss. In der FR beklagt Timothy Snyder das politsche links-rechts-Schema in der Wahrnehmung des Holocaust. Mehr lesen

Kritisch gemeinte Radetzkymarsch-Paraphrase

10.02.2012. Die Chinesen können Demokratie doch: Taiwan beweist es, konstatiert die NZZ. Die taz erklärt, was Cumbia ist. Der Economist staunt über die haarigen Mausklicker, die Acta verhindern. Rue89 zeigt den Like-Button mal anders. Die SZ fürchtet um die Privatsphäre. FAZ und Welt bewundern die Intimität des Blicks in in Benoit Jacqouts Berlinale-Eröffnungsfilm "Lebwohl meine Königin". Mehr lesen

Wegfall von Arbeit

09.02.2012. Heute beginnt die Berlinale. In der FAZ zeigen drei deutsche Regisseure auf Leerstellen, aus denen Erzählung werden sollen. Die FR freut sich auf tolle Anti-Kulakenfilme in der Berlinale-Retro. Der Freitag warnt vor dem geplanten Research Works Act in Amerika, der den Zugang zu Wissenschaft erschweren könnte. In der NZZ schreibt Georg Klein über Frost. Die Zeit staunt über Peter Nadas: den Autor, der auf 1700 Seiten dieses verdammte europäische Ich erledigt. Alle gratulieren dem großen Gerhard Richter zum Achtzigsten. Mehr lesen

Was für ein dramatisch schöner Jüngling Sie waren

08.02.2012. In der NZZ erklärt der nigerianische Dichter Obi Nwakanma die Strategie der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram. In der Welt mahnt Wolf Lepenies: Die EU sollte nicht nur den Euro in Griechenland, sondern auch die Demokratie in Ungarn retten. Die taz erklärt, warum Peter Eisenmans "Ciudad de la Cultura" in Santiago de Compostela nicht gebaut wird. Die SZ ist froh, dass sich die chinesische Sprache so schlecht für Zensur eignet. Mehr lesen

Archiv: Heute in den Feuilletons

Der Graf von Sandwich war in Gefahr

07.02.2012. "It's over, Facebook", ächzt Readwriteweb und wirbt für eine immer breitere Bewegung von Facebook-Abtrünnigen. David Cameron könnte als der britische Politiker in die Geschichte eingehen, unter dem Schottland von Großbritannien und England von der EU abfielen, meint Timothy Garton Ash im Guardian. Die NZZ zitiert eine Meldung aus ihrem Archiv vom 24. Brachmonat 1780, die später auch in einem Dickens-Roman verarbeitet wurde. Und in der FR warnt Götz Aly vor jenen, die Rinks mit Gut und Lechts mit Böse verwechseln. Mehr lesen

2000PutIN, 2012PutOUT

06.02.2012. Die FAZ erzählt, warum Georg Baselitz so schlecht auf Berlin zu sprechen ist. Die FR gelangt nach längerem Nachdenken zur Verneinung eines Tweets von Erika Steinbach. Die NZZ ist begeistert über ein kammermusikalisches "Rheingold" in München. Die Zeit ist sehr aktiv in der Berichterstattung über Acta: Das Abkommen, auf dem die Hoffnungen der Verwerterindustrien beruhen, soll demnächst ratifiziert werden - aber Polen steigt aus. In den Blogs wird unterdes nicht mehr nur über das "geistige", sondern auch über das physische Eigentum diskutiert. Mehr lesen

Die ganze Welt inventarisieren

04.02.2012. In der NZZ sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. In der FR sucht Mike Daisey, das Herz der Apple-Fetischisten. Die Welt rät von Elternratgeber ab. Der Tagesspiegel entlarvt die perfiden Techniken der neuen Machthaber im Büro: Sie poltern nicht, sie piepsen und blinken. Die FAZ stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3D-Filme Tiefe. Mehr lesen

Hunde und Katzen, Liebe und Tod

03.02.2012. Alain de Botton hat ein Rad neu erfunden, das sich niemals richtig drehte, meint John Gray im Guardian zu Bottons Idee eines atheistischen Tempels. In der Welt verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokatisierung der Welt durch das Netz. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska. Man darf sie zwar einen "Mozart der Poesie" nennen, aber nicht ohne ihr auch die "Wut eines Beethoven" zu bescheinigen, sagt die NZZ. Mehr lesen

Einschlusslöcher am Gebäudesockel

02.02.2012. Die Welt fragt: Gibt es in Deutschland eine Architektur jenseits der Restauration? Telepolis schildert die Risiken von Amazons Kindle: Wer seine Informationsfreiheit nutzt, droht seine Ebooks zu verlieren. Die Zeit stellt in ihrem Dossier fest: Frauen sind die Verliererinnen des arabischen Frühlings. Die FR konstatiert: Helmut Dietls "Zettl" ist ersoffen im guten Willen jener Politik, über die er sich mokieren will. Im Freitag empfiehlt Occupy-Vordenker Mark Greif ziellosen Zorn. Die Jungle World beerdigt den von Greifs Zeitschrift n+1 aufgespießten Hipster. Mehr lesen

So sehr ich Warhol schätze

01.02.2012. Die FAZ ist ganz einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen die "vermeintliche Web-Avantgarde". Im Handelsblatt  antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel. Die FAZ bringt auch ein Porträt des N+1-Herausgebers und Gesellschaftskritikers Mark Greif, der Hipster hasst. Die Münchner schlagen über Helmut Dietls Berlin die Hände über dem Kopf zusammen. Die FR greift eine sehr polemische Debatte um Robert Services vielgelobte Trotzki-Biografie auf. Mehr lesen

Also, Bürger, auf zur Wacht!

31.01.2012. Große Aufregung im Netz über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im Handelsblatt, der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. Carta veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen. Eines der Probleme des ZDF: die Gehaltserhöhungen. Kenan Malik kommentiert am Beispiel Rushdie die erstaunliche Ängstlichkeit der Öffentlichkeit in der Frage der Meinungsfreiheit. In der taz meint Axel Honneth: Keiner simmelt den Weber wie Bourdieu. Die FAZ stört sich am zentralperspektivischen Aufbau der Ausstellung "Roads of Arabia" in Berlin. Mehr lesen

Weil es dem Franz so gefallen hat

30.01.2012. Jonathan Franzen erklärt im Telegraph, warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die NZZ besucht Kafkas Nichte Vera Saudkova in Prag. Die Bloggerin Ulrike Langer staunt über ein Handbuch zum Journalismus, das als Standardwerk gilt und Ressentiments gegen das Netz verbreitet. Die FAZ ist sich uneins über den Kapitalismus. Die Welt stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt. In der taz porträtiert Gabriele Goettle die Historikerin Hannah Ahlheim. Mehr lesen

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28.01.2012. In der Welt findet der italienische Künstler Francesco Vezzoli seine Schau total explosiv. In der taz besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die FAZ träumt vom Anarchismus, die SZ beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Im Tagesspiegel meint Uwe Timm: Was dem Deutschen früher sein Militarismus war, ist ihm heute die Ökonomie. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag. Mehr lesen

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27.01.2012. "Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der NZZ. Die FR hat herausgefunden: Man kann noch billiger produzieren, als wo Apple produziert. Die taz hat herausgefunden: Julian Assange arbeitet in Moskau mit einem Kreml-treuen Sender zusammen.  Die SZ sieht Lana del Rey als "erzkonservative Männerfantasie". Ach was, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die Welt. Und: Carta ist wieder da! Mehr lesen

Ein irrer Cut

26.01.2012. Die Welt und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall ums Leben kam. Im Freitag annoncieren die neuen Macher des Merkur, dass sie demnächst ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die Zeit. Die Jungle World will die Hoffnung auf den arabischen Frühling noch nicht aufgeben. Henryk Broder mokiert sich in der Weltwoche über eine aktuelle Antisemitismusstudie. Und die FAZ würdigt, was in Retro überlebt. Mehr lesen

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