Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Perlentaucher-Autoren
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Sachbuch / Literatur
Kunst / Kulturgeschichte
Das am besten besprochene Sachbuch der Saison ist Anthony Graftons Biografie des Renaissance-Künstlers Leon Battista Alberti. Bei der Zeit ruft diese Biografie eines Universalgenies reinste Bewunderung hervor: "lebendig und vergnüglich" sei sie geschrieben. Die FAZ findet Graftons Darstellung besser als die Jacob Burckhardts: Gelehrt und witzig und vor allem nicht so harmonisch, Albertis Leben sei nämlich ein "Seiltanz über dem Haifischbassin" gewesen. Selbst die FR, die psychologische Biografien eher problematisch findet, empfand ein "uneingeschränktes intellektuelles Lesevergnügen". Sehr gelobt wird von der SZ auch Erik Orsennas "bezaubernde" Biografie des Gartenarchitekten von Versailles Andre Le Notre. Und die FAZ ist fasziniert von dem "konstruierten und exaltierten" Leben der Malerin Tamara de Lempicka, das Laura Claridge in ihrer Biografie beschreibt.
Was liebten die Europäer bloß so an England? Ian Buruma geht dieser Frage in "Anglomania" nach, indem er Anglomanen von Voltaire bis Wilhelm II. porträtiert, und wurde dafür von der Kritik überschwänglich gefeiert. Unterhaltsam, bewegend und, wie die Zeit schreibt, beeindruckend durch den "Reichtum einer Bildung, die es sich leisten kann, so leichten Tones wie Burumas Prosa daherzukommen".
Literaturwissenschaften
Aufsehen erregt hat hier vor allem Heinz Schlaffers Essay "Die kurze Geschichte der deutschen Literatur", der die Rezensenten mit seiner Eleganz und Geistesaristokratie bestach. Auch die Kürze (157 Seiten) wurde mit Begeisterung bedacht. Nur die FAZ war nicht zufrieden, auch wenn sie das Werk sprachlich "brillant" fand - inhaltlich geht es ihr zu sehr im Galopp durch die deutsche Literaturgeschichte. Noch zwei Bücher werden sehr empfohlen, nämlich Gotthard Erlers "Emilie Fontane"-Biografie, die die FAZ zwar streckenweise etwas spröde findet, die Emilie Fontane aber endlich vom Geruch der nörgelnden Gattin oder opferbringende Ehefrau "für immer befreit". Und Hans Ulrich Gumbrechts Essays über das "Leben und Sterben der großen Romanisten" Karl Vossler, Ernst Robert Curtius, Leo Spitzer, Werner Krauss und Erich Auerbach und ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus.
Geschichte
Großen Beifall gefunden hat das Buch der amerikanischen Journalistin Isabel Hilton über "Die Suche nach dem Panchen Lama", der 1995 von der Geheimpolizei aus Tibet verschleppt worden war. Die NZZ konnte nach der Lektüre ausführlich die "Heilsarbeitsteilung" zwischen Dalai Lama und Panchen Lama referieren. Die SZ findet es "spannend wie einen Krimi", und hält es für ein "Standardwerk", das die Konflikte zwischen China und Tibet anschaulich beleuchtet. Lob erhielten weiter Joachim Fest für sein Buch "Der Untergang", in dem er die letzten drei Wochen im Führerbunker rekonstruiert. Und Robert Gellatelys "gründliche" und "sorgfältig recherchierte" Arbeit (Zeit) über Hitler und sein Volk: "Hingeschaut und weggesehen". Als pures intellektuelles Vergnügen schließlich bezeichnen SZ und FAZ Marie Theres Fögens "Römische Rechtsgeschichten". Im Mittelpunkt des Buchs steht das nur als Legende auf die römische und nachrömische Nachwelt gekommene Zwölftafelgesetz und seine Überlieferung.
Philosophie
Sehr gut aufgenommen wurde Wolfgang Kerstings "Kritik der Gleichheit", eine Reihe von Aufsätzen zu Fragen wie "Was ist Recht?" "Was heißt Sozialstaat?" "Wer entscheidet eigentlich, was Moral ist?", die die FAZ wegen ihrer Klarheit und "hinreißend" gekonnten Polemiken feiert und die SZ als originell lobt. Viel besprochen wurden auch Giorgio Agambens "Homo sacer" und Karl Heinz Bohrers "Ästhetische Negativität". Letzterer stellt die Schriftsteller über die Philosophen, weil sie sich "dem Unausweichlichen, dem Nichts" gestellt hätten. Eine These, die von der Kritik eher abgelehnt wurde. Die SZ hat nicht recht verstanden, worauf Bohrer hinaus will. Die FR ist genervt von Bohrers "Rhetorik des Leidensstolzes". Die FAZ beklagt sich über endlos verschachtelte Sätze.
Naturwissenschaften
Hier gibt es wenig Neues zu vermelden. Hinweisen wollen wir aber doch auf Dieter Kühns Biografie der Malerin und Botanikerin Maria Sibylla Merian. "Ein wunderbares Buch", versichert die Zeit, und die FAZ nennt es voll Sympathie "hoch gescheit und hoch gescheitert", weil Kühn zwar ein großartiges Panorama der Barockzeit des 17. und frühen 18. Jahrhunderts liefere, aber aufgrund der wenigen Quellen über die Merian ein zuweilen ausuferndes Analogieverfahren mit anderen Zeitdokumenten betreibe.
Politik
Dies ist eine eminent politsche Saison: Die Nachwirkungen des 11. September, die Nahostkrise und der kommende Bundestagswahlkampf dürften auf das größte Interesse stoßen, und auch die Globalisierungsdebatte geht weiter. Zu allen Themen hat der Markt wichtige Neuerscheinungen zu bieten.
Zum 11. September: Gilles Kepels "Das Schwarzbuch des Dschihad" gilt als eine der besten Einführungen in die Geschichte des Islamismus, und es vertritt die auf den ersten Blick überraschende These vom Niedergang der Bewegung. Die Zeit besprach das Buch als "facettenreich" und ausgeprochen "profund". Und auch die taz bewundert bei mancher Kritik im Detail die ausgesprochen informative und instruktive Aufarbeitung der islamistischen Bewegung. Arno Widmann hatte für den Perlentaucher schon die französische Originalausgabe besprochen.
Zur Nahostkrise: Bisher wurde Bernard Wassersteins "Jerusalem"-Buch nur von der SZ besprochen. Gustav Seibt legte es den Lesern allerdings mit solcher Dringlichkeit ans Herz, dass man nach der Lektüre gleich in die Buchhandlung rennen wollte. Wasserstein erzählt de Geschichte dieses "goldenen Bassins voller Skorpione" seit dem 19. Jahrhundert und benennt mit "unerschütterliche Trockenheit" die kaum mehr lösbaren Status-Probleme dieser Stadt. Die New York Review hatte das Originals besprochen. Letzter Satz der Kritik: "The only reaction that seems appropriate now is despair."

Zum Bundestagswahlkampf: Allenthalben sehr gelobt wurde Frank Böschs "Macht und Machtverlust", eine Geschichte der CDU von Adenauer bis Kohl. Trotz kleiner Fehler und einiger Versäumnisse "werden sich künftige Veröffentlichungen an dieser Parteigeschichte messen lassen müssen", schreibt zum Beispiel Giselher Schmidt in der FAZ. Und auch die Zeit meint, dass man sich den Namen des 1969 geborenen Historikers "wird merken müssen" und lobt neben der wissenschaftlichen Tiefe des Buchs auch seine eingängige Sprache. Auch der SPD - von Bebel bis Schröder - ist eine neue Darstellung gewidmet: Franz Walters "Die SPD - Vom Proletariat zur Neuen Mitte", das bisher nur von der taz besprochen wurde. Sie lobte die große Perspektive des Buchs, fand die Beschreibung der aktuellen Situation allerdings ein wenig oberflächlich.

Zur Globalisierung: Eine ganze Flut von Neuerscheinungen ist hier zu annoncieren. Die wichtigste ist die (Anti-)Globalisierungsbibel "Empire" von Antonio Negri und Michael Hardt. Es handelt sich allerdings um einen schweren Brocken, eher eine philosophische als eine direkt politische Lektüre und schon gar keine Handlungsanweisung. Die Referenzen lassen sich in den Kritiken kaum zählen: Marx, Nietzsche, Heidegger, Foucault. Viel Spaß beim Begreifen der Weltlage! Direkter ist da schon der Zugriff bei dem Buch über die Organisation "Attac" der Journalisten Christiane Grefe, Matthias Greffrath und Harald Schumann.
Sachbuch / Literatur
Alle Rezensionsnotizen zu den Literaturbeilagen - aufgelistet nach Zeitungen und Themen - finden Sie hier.
Archiv: Bücher der Saison
Frühjahrsbücher
07.04.2012. In der Literatur schickt Ungarn uns in die Abendschule, Prag in die Vorstadt, Israel in den Schlaf, Schottland liefert uns der Huldra aus, Amerika stellt uns auf ein Schlachtfeld, die Niederlande grübeln in Wales über Emily Dickinson, das Surselva veranstaltet ein letztes Besäufnis. Und dann gibt es noch diese multiethnischen Autoren, die feste Identitäten nur lächerlich finden. Die Sachbücher geben uns eine Lektion in Sachen Aufklärung, Rückzug und Beethoven. Mehr lesen
Bücherherbst 2011
28.11.2011. Liegt's am Hype des Deutschen Buchpreises oder ist die deutsche Literatur tatsächlich so in Form? Jedenfalls dominierte sie in den Buchmessenbeilagen. Außerdem begegnen wir Michelangelo in Konstantinopel, selbstmöderischen Käfern in Bukarest und Dandys in Stockholm. Wer etwas belebenden Optimismus tanken will, vertiefe sich in Steven Pinkers "Gewalt". Eva Illouz' Analyse des Liebesmarktes ist eher was für Hartgesottene. Und, tja, wer die Geschichte des Computers besser verstehen will, sollte die Steve Jobs-Biografie von Walter Isaacson durchaus lesen!
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Bücherfrühjahr 2011
11.04.2011. Literatur ist, wenn es ungemütlich und doch herrlich ist. Den Literaten gelang es in dieser Saison am besten in Erzählungen, an erster Stelle Clemens J. Setz in "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Große Romane sind in dieser Saison Mangelware. Dafür gibt's gute Reportagen, Erinnerungsbücher und viel böse Philosophen.
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Bücherherbst 2010
15.11.2010. Dieser Bücherherbst war stärker von politischen Büchern geprägt als von literarischen. Stichwort: Sarrazin und Auswärtiges Amt. Dabei gibt es eine Fülle literarischer Neuerscheinungen, die politische Themen aufgreifen. Das gilt in hohem Maße für die argentinischen Romane, aber auch zum Beispiel für Ian McEwans "Solar", eine Komödie über den Klimawandel, oder Sofi Oksanens Roman "Fegefeuer" über die estnischen Traumata. Mehr lesen
Frühjahr 2010
06.04.2010. In den Frühjahrsromanen sehen wir die unheimliche Welt mit den Augen einer Horde Kinder, beobachten Liebende in Teheran, lassen uns von Rosslyns Brüsten zu einem Reim inspirieren und begleiten einen Lehrer auf einer Höllenfahrt im Volvo. Unter den Sachbüchern stachen Daniel Everetts Buch über die Pirahas, "Das glücklichste Volk", heraus, Oliver Jens Schmitts Biografie des albanischen Nationalhelden Skanderbeg und Simon Sebag Montefiores farbenprächtiges Porträt des Fürsten Potemkin. Mehr lesen
Bücherherbst 2009
18.11.2009. Dies ist ein Literaturherbst! Man kann sich auf literarische Entdeckungsreise nach China begeben. Eine Vielzahl von gut besprochenen deutschen Romanen ist erschienen, allen voran Herta Müllers "Atemschaukel". Und in den Amerikas sind zwei fette Romane erschienen, die die Rezensenten euphorisiert und erschöpft haben. Viel Spaß beim Lesen!
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Bücherherbst 2008
04.12.2008. Dieser Winter bietet die Gelegenheit, sich auf literarische Entdeckungsreise in die Türkei zu begeben, oder sich von Uwe Tellkamps "Turm" in die Stadt Dresden vor der Wende zurückversetzen zu lassen. Reiche Ernte auch bei den Sachbüchern. Diskutieren Sie mit!
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Frühjahr 2008
22.04.2008. Okay, da sind die "Feuchtgebiete", da sind Jonathan Littells SS-Fantasien, da sind ein paar wackere deutsche Romane. Aber es gibt nur zwei Bücher, die auf einhelliges Echo der Kritiker stießen. Eins ist gut, das andere ist böse. Außerdem lasen die Kritiker herausragende Comics. Kroatien interessierte nicht alle, aber einige um so mehr. Ein Blick auf die Bücher des Frühjahrs 2008. Mehr lesen
Herbst 2007
26.11.2007. Dieser Literaturherbst gehört zwei russischen Schriftstellern: Wassili Grossman und Warlam Schalamow, deren Jahrhundertwerke endlich auf Deutsch erschienen sind. Einen respektablen Auftritt haben aber auch die deutschen Autoren der mittleren Generation, polnische Tunten, rumänische Manieristen, deutsche Romantiker, streitlustige Atheisten, neapolitanische Camorristi, katalanische Ritter und ein ungenierter Genussmensch. Mehr lesen
Frühjahr 2007
19.04.2007. Einen großen Auftritt haben in diesem Jahr die deutschen Erzähler und Erzählerinnen, und zwar quer durch alle Altersklassen. Wir begegnen verliebten Trollen in Schweden, erbarmungswürdigen Pechvögeln aus Dänemark, piemontesischen Schmugglern und abgestürzten bulgarischen Schriftstellern. Bei den Sachbüchern stechen vor allem die Reportagen und Essays zum Multikulturalismus von Ian Buruma und Amartya Sen hervor, aber auch Geschichtsbände zum Kalten Krieg und Preußen. Und die Kunst wird übersichtlich. Mehr lesen
Herbst 2006
10.11.2006. Absurde Komik aus der Ukraine und Gangsterbosse aus Bombay: Indien und Osteuropa retten die Literatur in dieser Saison. Die Erinnerungen großer Männer bestimmen die Presse, die Erinnerungen an den Ungarnaufstand 1956 berücken die Feuilletons. Das real existierende Sarmatien entzieht sich jeglicher Definition. Und noch vieles mehr in unseren Büchern der Saison. Mehr lesen
Frühjahr 2006
03.04.2006. Die deutschen Feuilletons haben die Fremden entdeckt - und das mit Macht. Die am häufigsten besprochenen literarischen Bücher beschäftigen sich mit einem Reisenden des 19. Jahrhunderts, türkischen Mädchen im Anatolien der Fünfziger, Jugendbanden in Leipzig oder global Sex suchenden serbischen Diplomatentöchtern. Im Sachbuchbereich hat vor allem Necla Keleks Untersuchung über die türkischen Männer in Deutschland heftige Diskussionen ausgelöst. Mehr lesen
Herbst 2005
14.11.2005. Die wichtigsten Romane der Saison handeln von Klonen. Die zweitwichtigsten von der Wende. Die wichtigsten Sachbücher handeln von Mao, von der Rückständigkeit Arabiens und vom Hass. Der Perlentaucher hat die Produktion der Saison durchgesehen und viel interessanten Stoff für lange Abende gefunden. Mehr lesen
Frühjahr 2005
06.04.2005. Erfahrung schlägt Jugend, zumindest in diesem belletristischen Frühling! Der Trend geht zum Zweitroman. Thomas Kling, zu früh verstorben, wird noch einmal für seinen letzten Gedichtband gefeiert. Der Zweite Weltkrieg beherrscht die Sachbücher, aber auch die Idee von einem Leben ohne Arbeit. Wir haben dagegen keine Mühen gescheut, gesichtet und gesiebt, und die besten Neuerscheinungen des Frühlings ausgewählt. Mehr lesen
Herbst 2004
01.11.2004. Terezia Mora, Antje Ravic Strubel, Juli Zeh, Brigitte Kronauer und Irina Liebmann: Dies ist eindeutig der Herbst der deutschen Autorinnen! Es ist auch ein Herbst monumentaler Biografien und des Buchmessenschwerpunkts "Arabische Welt". Wir stellen wir Ihnen die interessantesten Neuerscheinungen des Literaturherbstes vor. Mehr lesen








