ein wort gibt das andere
Keinerlei Ohnmacht im Saal
Exkurse ins Berliner Geistesleben. Von Elke Schmitter
27.11.2025. Als Vedran Dzihić von der ungeheuren Stille spricht, die an den Gedenktagen über Bosnien liegt, wird die Stille im Raum präsent. Sie hat nicht nur mit dem Thema zu tun. Für manche vielleicht berührt sie, wie bei mir, eine schuldbewusste Erinnerung an die kognitive Abwehr, die mit diesem Krieg verbunden war. Das harmlos-eruptive Betonen, wie kompliziert das alles sei, wie mühsam zu verstehen. Eine Diskussion über dreißig Jahre Dayton-Abkommen im Berliner Ensemble.An ihrer Schulterklappe sollt ihr sie erkennen. Oder an ihrer Uniform. Oder an ihrem Köfferchen.
In der ersten Reihe, ganz rechts, sitzt ein Arzt in Uniform im Berliner Ensemble, Neues Haus, und als das Parkett verdunkelt wird, schimmert das Hellgrau des Winterstoffs noch tröstlich weiter und fängt das letzte Licht: Hier waltet der Gemeinsinn, eine Vernunft für alle Eventualitäten. Gleichgültig, was auf der Bühne geschieht, hier ist ein Zeuge des Geschehens, dessen Kompetenz, in jedem möglichen Konflikt oder Tumult, der Zerbrechlichkeit des Menschen gilt.
Doch hier wird nur geredet. In beiden Häusern. Auf der großen Bühne spricht die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matvichuk über "Democracy under Fire", und nebenan, wo ich mit etwa fünfzig Personen sitze, geht es um den letzten Krieg in Europa, der am 14. Dezember vor dreißig Jahren beendet wurde. Durch Verhandlungen, die all diese Fragen aufrufen, die auch heute drängen: Ist oder wäre es schon Frieden, wenn es keine regulären Toten mehr gibt? Ist es noch Frieden, wenn der Krieg jederzeit wieder auszubrechen droht, und wer wacht darüber, dass die Verträge eingehalten werden?
Drei Menschen reden miteinander; die Konstellation ist nicht einfach. Es gibt ein Leidensgefälle. Caterina Lobenstein, Redakteurin der Zeit, befragt Vedran Dzihić. Politologe aus Wien, das ist sein Beruf, aber er hat den Krieg, von dem hier die Rede ist, auch erlebt. So etwas kann die Fragende befangen machen, und es schickt den Befragten in diesen schmalen Raum des öffentlichen Sprechens über den eigenen Schmerz. Fühlbar soll es sein, "authentisch", aber niemanden überfordern, auch nicht den Sprechenden selbst. Das braucht, wenn es gut gehen soll, eine gewährende und zugleich haltende Präsenz der Fragenden, aber Lobenstein hat eben auch einen weiteren Gast. Das ist Simone Gaul, Filmemacherin und Podcasterin der Zeit. Die hat sich im Podcast "Irma - Das Kind aus Srebrenica" über fünf Folgen einem Augenblick des Jugoslawienkrieges gewidmet, einer Szene von einigen Minuten. So will es des Menschen Herz, so will es der menschliche Verstand: in einem Moment soll die ganze Geschichte aufbewahrt sein. In einem Hier & Jetzt, widmet man ihm nur die tiefste Aufmerksamkeit, soll sich auch das Unbegreifliche begreifen lassen können. Wenigstens im Nachhinein.
In dem Moment, um den es geht, im Juli 1995, standen sich auf dem Gelände der UN-Truppen in Srebrenica fünf Menschen gegenüber. Die bosnische Stadt war seit drei Jahren von den serbischen Truppen umzingelt, und das niederländische UN-Kommando hatte den Schutz der etwa 25.000 Menschen in der Stadt garantiert. So flohen die, als die serbische Armee die Stadt einnahm, zu denen, die ihnen Sicherheit versprochen hatten. Aus den ehemals 600, gut ausgerüsteten Soldaten waren aber in den vergangenen Jahren um die 400 geworden, schlecht ernährt, frustriert und schließlich wehrlos, denn ihr Oberbefehlshaber vor Ort hatte sie zuletzt sogar ihre Waffen an die Serben übergeben lassen, nachdem von der UN keine Hilfe kam. Er hatte Angst. Und sie hatten noch ihre Uniformen und das Vertrauen der zu ihnen Geflüchteten.
Da stand ein Mann, im Pulk, und hielt ein Baby auf dem Arm, ein Mädchen von knapp anderthalb Jahren. Gab es der Krankenschwester Christine Schmitz und sagte, die Mutter wäre gestorben. Es war ihm klar, sagt Simone Gaul auf der Bühne, die für ihren ungeheuer eindrucksvollen Podcast mit allen noch Lebenden dieser Szene gesprochen hat, dass die Belagerer ihn töten würden. Ihn wie alle achttausend Knaben und Männer, die damals, beim Völkermord von Srebrenica, unter den Augen der UN-Soldaten aus der Menge abgeführt wurden. Ein Blauhelm stand dabei, ein Arzt in Uniform, als ein serbischer Soldat den Vater des Mädchens packte, "dann verhandelten alle ein bisschen", das Mädchen blieb bei der Krankenschwester, und sein Vater, Nusret Havanović, wurde viele Jahre später als ein Ermordeter in einem Massengrab identifiziert.
Fünf Menschen und einige Minuten, in denen sich Leben und Tod entscheiden. Nicht durch unmittelbare Gewalt, sondern in einem Dickicht aus Gefühlen, Gedanken und ad-hoc-Prognosen. Was wäre geschehen, hätte der niederländische Blauhelm den Vater geschützt, unter Einsatz seines Körpers, seiner Uniform, seines Status als UN-Soldat?
Vielleicht trifft sich alles Grübeln letztlich an diesem Punkt - ob es Möglichkeiten des Handelns gibt, die sich erst erkennen lassen, wenn man sie nutzt. Die man schafft, indem man sie ergreift. In diesem winzigen Moment, in diesem Augenblick, da noch nicht geschehen ist, was alle erwarten. "Freiheit", heißt es bei Erich Mühsam, 1934 im KZ Oranienburg ermordet, "ist nichts, was gewährt werden kann. Freiheit wird genommen und gelebt."
Gegen die Angst, ohne die Angst, neben der Angst? Bei seinem Bruder und ihm, sagt Vedran Dzihić, habe dieses Gefühl entgegengesetzte Folgen gehabt. Die beiden bosnischen Jungen waren über viele Monate fern von ihren Eltern interniert; die Familie konnte später nach Österreich fliehen. Erst nach und nach, sagt Dzihić, sei das Grundvertrauen, mit dem er aufgewachsen sei, in seiner multikulturellen, multiethnischen und -religiösen Nachbarschaft, von der Furcht abgelöst worden. Zuletzt war sie "mit menschlichem Maß kaum mehr zu fassen". Dzihić studierte in Wien Politik, engagiert sich zivilgesellschaftlich, er schreibt und spricht. Verhält sich zum Vertrauen wie ein Gärtner, mitten im Klimawandel. Sein Bruder rührt bis heute nicht an Vergangenes.
Dreißig Jahre ist das Friedensabkommen von Dayton her, über dessen Weisheit die Meinungen auseinander gehen. Wer ins ehemalige Jugoslawien fährt, so Dzihić, wird drei Geschichten des Krieges hören, eine bosnische, eine kroatische und eine serbische (und sie in den Schulbüchern lesen), die sich schärfer als noch vor fünfzehn Jahren widersprechen. Inzwischen gab es wirtschaftliche Verschlechterung, die Pandemie, und das europäische Projekt hat an Strahlkraft verloren. Der aktuelle "28-Punkte-Plan" für beziehungsweise gegen die Ukraine, von dem mutmaßlich in diesen Minuten im Großen Haus die Rede ist, kann nicht einmal von jenem Optimismus zehren, der in den neunziger Jahren die Weltpolitik so sentimental wie geschäftsfördernd umflorte.
Als Dzihić von der ungeheuren Stille spricht, die an den Gedenktagen über Bosnien liegt, wird die Stille im Raum präsent. Sie hat nicht nur mit dem Thema zu tun. Für manche vielleicht berührt sie, wie bei mir, eine schuldbewusste Erinnerung an die kognitive Abwehr, die mit diesem Krieg verbunden war. Das harmlos-eruptive Betonen, wie kompliziert das alles sei, wie mühsam zu verstehen. Eine inneres Bild des Balkan, das so viele Gespräche bestimmte, in denen Goethes "Wenn hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen" nachzuschwingen schien. Als wären wir, die westlichen Europäer, auf einem anderen Stand der Humanität; ziviler und der Barbarei für immer entrückt. Manches Mal war es nur das Kräuseln der Stirn über die so schwer auszusprechenden jugoslawischen Namen von eben denselben, die sich bei der Erwähnung von Versailles, von Waterloo und Chappaquiddick die schönste lautmalerische Mühe gaben - .
Es war hier auch eine Stille, die im Zuhören entsteht, selbst wenn man Zuhörenden zuhört. Hier sprachen zwei nicht unmittelbar Beteiligte mit einem Opfer des Krieges, und die Disziplin der Seele, die keine Rechthaberei oder Pointe braucht, die beim Empfinden bleibt, ohne sich von ihm davontreiben zu lassen, bestimmte die Atmosphäre. Eine Sachlichkeit in der Trauer und ein Respekt vor dem, was sich nicht übersetzen lässt. Weil kein Flor und kein Fluss breit genug.
Die ärztliche Uniform, die Vertrauen einflößt, auch wo es vergeblich ist, musste nicht zum Einsatz kommen. Keinerlei Ohnmacht im Saal, nur eine schweigende, konzentrierte Aufmerksamkeit. Auch für die serbische Protestbewegung, an die man zum Schluss erinnerte, die, so wehrlos wie friedlich, zum Rücktritt des autokratischen Präsidenten Vučević führte und bislang unvermindert anhält. Und aus dem westlichen Europa wenig Rückhalt erfährt.
24.11., Berliner Ensemble: "Wie lang ist der Schatten des Kriegs?" Anlässlich des 30. Jahrestages zum Ende des Bosnienkrieges ein Gespräch mit Vedran Dzihić und Simone Gaul; Moderation: Caterina Lobenstein
In der ersten Reihe, ganz rechts, sitzt ein Arzt in Uniform im Berliner Ensemble, Neues Haus, und als das Parkett verdunkelt wird, schimmert das Hellgrau des Winterstoffs noch tröstlich weiter und fängt das letzte Licht: Hier waltet der Gemeinsinn, eine Vernunft für alle Eventualitäten. Gleichgültig, was auf der Bühne geschieht, hier ist ein Zeuge des Geschehens, dessen Kompetenz, in jedem möglichen Konflikt oder Tumult, der Zerbrechlichkeit des Menschen gilt.
Doch hier wird nur geredet. In beiden Häusern. Auf der großen Bühne spricht die ukrainische Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matvichuk über "Democracy under Fire", und nebenan, wo ich mit etwa fünfzig Personen sitze, geht es um den letzten Krieg in Europa, der am 14. Dezember vor dreißig Jahren beendet wurde. Durch Verhandlungen, die all diese Fragen aufrufen, die auch heute drängen: Ist oder wäre es schon Frieden, wenn es keine regulären Toten mehr gibt? Ist es noch Frieden, wenn der Krieg jederzeit wieder auszubrechen droht, und wer wacht darüber, dass die Verträge eingehalten werden?
Drei Menschen reden miteinander; die Konstellation ist nicht einfach. Es gibt ein Leidensgefälle. Caterina Lobenstein, Redakteurin der Zeit, befragt Vedran Dzihić. Politologe aus Wien, das ist sein Beruf, aber er hat den Krieg, von dem hier die Rede ist, auch erlebt. So etwas kann die Fragende befangen machen, und es schickt den Befragten in diesen schmalen Raum des öffentlichen Sprechens über den eigenen Schmerz. Fühlbar soll es sein, "authentisch", aber niemanden überfordern, auch nicht den Sprechenden selbst. Das braucht, wenn es gut gehen soll, eine gewährende und zugleich haltende Präsenz der Fragenden, aber Lobenstein hat eben auch einen weiteren Gast. Das ist Simone Gaul, Filmemacherin und Podcasterin der Zeit. Die hat sich im Podcast "Irma - Das Kind aus Srebrenica" über fünf Folgen einem Augenblick des Jugoslawienkrieges gewidmet, einer Szene von einigen Minuten. So will es des Menschen Herz, so will es der menschliche Verstand: in einem Moment soll die ganze Geschichte aufbewahrt sein. In einem Hier & Jetzt, widmet man ihm nur die tiefste Aufmerksamkeit, soll sich auch das Unbegreifliche begreifen lassen können. Wenigstens im Nachhinein.
In dem Moment, um den es geht, im Juli 1995, standen sich auf dem Gelände der UN-Truppen in Srebrenica fünf Menschen gegenüber. Die bosnische Stadt war seit drei Jahren von den serbischen Truppen umzingelt, und das niederländische UN-Kommando hatte den Schutz der etwa 25.000 Menschen in der Stadt garantiert. So flohen die, als die serbische Armee die Stadt einnahm, zu denen, die ihnen Sicherheit versprochen hatten. Aus den ehemals 600, gut ausgerüsteten Soldaten waren aber in den vergangenen Jahren um die 400 geworden, schlecht ernährt, frustriert und schließlich wehrlos, denn ihr Oberbefehlshaber vor Ort hatte sie zuletzt sogar ihre Waffen an die Serben übergeben lassen, nachdem von der UN keine Hilfe kam. Er hatte Angst. Und sie hatten noch ihre Uniformen und das Vertrauen der zu ihnen Geflüchteten.
Da stand ein Mann, im Pulk, und hielt ein Baby auf dem Arm, ein Mädchen von knapp anderthalb Jahren. Gab es der Krankenschwester Christine Schmitz und sagte, die Mutter wäre gestorben. Es war ihm klar, sagt Simone Gaul auf der Bühne, die für ihren ungeheuer eindrucksvollen Podcast mit allen noch Lebenden dieser Szene gesprochen hat, dass die Belagerer ihn töten würden. Ihn wie alle achttausend Knaben und Männer, die damals, beim Völkermord von Srebrenica, unter den Augen der UN-Soldaten aus der Menge abgeführt wurden. Ein Blauhelm stand dabei, ein Arzt in Uniform, als ein serbischer Soldat den Vater des Mädchens packte, "dann verhandelten alle ein bisschen", das Mädchen blieb bei der Krankenschwester, und sein Vater, Nusret Havanović, wurde viele Jahre später als ein Ermordeter in einem Massengrab identifiziert.
Fünf Menschen und einige Minuten, in denen sich Leben und Tod entscheiden. Nicht durch unmittelbare Gewalt, sondern in einem Dickicht aus Gefühlen, Gedanken und ad-hoc-Prognosen. Was wäre geschehen, hätte der niederländische Blauhelm den Vater geschützt, unter Einsatz seines Körpers, seiner Uniform, seines Status als UN-Soldat?
Vielleicht trifft sich alles Grübeln letztlich an diesem Punkt - ob es Möglichkeiten des Handelns gibt, die sich erst erkennen lassen, wenn man sie nutzt. Die man schafft, indem man sie ergreift. In diesem winzigen Moment, in diesem Augenblick, da noch nicht geschehen ist, was alle erwarten. "Freiheit", heißt es bei Erich Mühsam, 1934 im KZ Oranienburg ermordet, "ist nichts, was gewährt werden kann. Freiheit wird genommen und gelebt."
Gegen die Angst, ohne die Angst, neben der Angst? Bei seinem Bruder und ihm, sagt Vedran Dzihić, habe dieses Gefühl entgegengesetzte Folgen gehabt. Die beiden bosnischen Jungen waren über viele Monate fern von ihren Eltern interniert; die Familie konnte später nach Österreich fliehen. Erst nach und nach, sagt Dzihić, sei das Grundvertrauen, mit dem er aufgewachsen sei, in seiner multikulturellen, multiethnischen und -religiösen Nachbarschaft, von der Furcht abgelöst worden. Zuletzt war sie "mit menschlichem Maß kaum mehr zu fassen". Dzihić studierte in Wien Politik, engagiert sich zivilgesellschaftlich, er schreibt und spricht. Verhält sich zum Vertrauen wie ein Gärtner, mitten im Klimawandel. Sein Bruder rührt bis heute nicht an Vergangenes.
Dreißig Jahre ist das Friedensabkommen von Dayton her, über dessen Weisheit die Meinungen auseinander gehen. Wer ins ehemalige Jugoslawien fährt, so Dzihić, wird drei Geschichten des Krieges hören, eine bosnische, eine kroatische und eine serbische (und sie in den Schulbüchern lesen), die sich schärfer als noch vor fünfzehn Jahren widersprechen. Inzwischen gab es wirtschaftliche Verschlechterung, die Pandemie, und das europäische Projekt hat an Strahlkraft verloren. Der aktuelle "28-Punkte-Plan" für beziehungsweise gegen die Ukraine, von dem mutmaßlich in diesen Minuten im Großen Haus die Rede ist, kann nicht einmal von jenem Optimismus zehren, der in den neunziger Jahren die Weltpolitik so sentimental wie geschäftsfördernd umflorte.
Als Dzihić von der ungeheuren Stille spricht, die an den Gedenktagen über Bosnien liegt, wird die Stille im Raum präsent. Sie hat nicht nur mit dem Thema zu tun. Für manche vielleicht berührt sie, wie bei mir, eine schuldbewusste Erinnerung an die kognitive Abwehr, die mit diesem Krieg verbunden war. Das harmlos-eruptive Betonen, wie kompliziert das alles sei, wie mühsam zu verstehen. Eine inneres Bild des Balkan, das so viele Gespräche bestimmte, in denen Goethes "Wenn hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen" nachzuschwingen schien. Als wären wir, die westlichen Europäer, auf einem anderen Stand der Humanität; ziviler und der Barbarei für immer entrückt. Manches Mal war es nur das Kräuseln der Stirn über die so schwer auszusprechenden jugoslawischen Namen von eben denselben, die sich bei der Erwähnung von Versailles, von Waterloo und Chappaquiddick die schönste lautmalerische Mühe gaben - .
Es war hier auch eine Stille, die im Zuhören entsteht, selbst wenn man Zuhörenden zuhört. Hier sprachen zwei nicht unmittelbar Beteiligte mit einem Opfer des Krieges, und die Disziplin der Seele, die keine Rechthaberei oder Pointe braucht, die beim Empfinden bleibt, ohne sich von ihm davontreiben zu lassen, bestimmte die Atmosphäre. Eine Sachlichkeit in der Trauer und ein Respekt vor dem, was sich nicht übersetzen lässt. Weil kein Flor und kein Fluss breit genug.
Die ärztliche Uniform, die Vertrauen einflößt, auch wo es vergeblich ist, musste nicht zum Einsatz kommen. Keinerlei Ohnmacht im Saal, nur eine schweigende, konzentrierte Aufmerksamkeit. Auch für die serbische Protestbewegung, an die man zum Schluss erinnerte, die, so wehrlos wie friedlich, zum Rücktritt des autokratischen Präsidenten Vučević führte und bislang unvermindert anhält. Und aus dem westlichen Europa wenig Rückhalt erfährt.
24.11., Berliner Ensemble: "Wie lang ist der Schatten des Kriegs?" Anlässlich des 30. Jahrestages zum Ende des Bosnienkrieges ein Gespräch mit Vedran Dzihić und Simone Gaul; Moderation: Caterina Lobenstein
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