Aus dem Koreanischen von Kim Hiyoul und Heidi Kang. Als sein Vater von Seoul in eine Kleinstadt strafversetzt wird, kommt der zwölfjährige Han Pyongtae in eine neue Schule. Schon bald stellt er fest, dass hier ganz andere Regeln herrschen: Der ein wenige ältere Klassensprecher Sokdae tyrannisiert seine Klassenkameraden und zwingt sie zu willenloser Unterwerfung - mit Billigung der Lehrer. Han Pyongtae nimmt den Kampf auf, doch auch er ist nicht immun gegen die Verführung durch die Macht. Das Klassenzimmer wird zur Bühne eines unerbittlichen Machtkampfes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.03.2004
Obschon Yi Munyols Roman gelegentlich die "Grenze zur plakativen Parabel" überschreite, erkennt unser Rezensent Ludger Lütkehaus in diesem "asiatischen Pendant" zu Robert Musils kakanischem Kadettenroman "Die Verwirrungen des Zöglings Törless" ein "passagenweise atemberaubendes Psychogramm" der "diktatorisch regierten 'Klassen'-Gesellschaft". Erzählt wird die Geschichte des Han Pyongtae, der als 12-Jähriger in eine Provinzschule versetzt wird und sich in der neuen Klasse dem tyrannischen System des Klassensprechers Om Sokdae zu unterwerfen hat. Hans anfänglicher Widerstand wird gebrochen oder vielmehr aufgeweicht: Lütkehaus sieht Han dem "zynischen Charme" Oms nicht gewachsen. Später kommt es zur Entmachtung Oms und der "demokratischen Wendung", die den Schülern von der etablierten Autorität des Lehrers mit dem Rohrstock eingebläut wird: "Die Paradoxie der ? aufgenötigten Demokratisierung könnte nicht drastischer geschildert werden", versichert unser Rezensent. Das "Nachspiel des Romans" zur Zeit der koreanischen Wirtschaftswunders halte schließlich mit "böser Ironie" ein offenes Ende bereit. "Die unaufgelösten inneren Spannungen, die gebliebenen autoritären Strukturen hinter der Fassade der Demokratisierung sind schwerlich prägnanter darzustellen", staunt unser beeindruckter Rezensent.
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