Yevgenia Belorusets

Zündhölzer

Cover: Zündhölzer
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751810753
Gebunden, 136 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Katja Petrowskaja. Aus dem Russischen von Claudia Dathe. Ein Keller in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine. Von irgendwoher tönen Stimmen aus einem Radio, die von der politischen Lage, den Möglichkeiten des Sieges im Kampf und den patriotischen Pflichten berichten. Sascha und Alexandra, beide siebzehn Jahre alt, haben sich hier versteckt. Es ist stockfinster. Zwischen altem Gerümpel suchen sie nach Zündhölzern und finden keine. Unter anderen Umständen würde so eine jugendliche Liebesgeschichte ihren Anfang nehmen, doch in Yevgenia Belorusets' erstem auf Deutsch erscheinendem Theaterstück herrscht der Ausnahmezustand, der ihr Heimatland seit der ersten Angriffswelle Russlands vor über zehn Jahren erfasst hat. Zündhölzer erzählt in drei Akten von der Suche nach einem Ausweg, von der menschlichen Tragödie des zufälligen Aufeinandertreffens mit der Hoffnung in einem Keller und von der Notwendigkeit, immer und überall Streichholzvorräte anzulegen, die einen doch nicht davor retten können, vom Krieg ganz und gar verschlungen zu werden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.06.2026

Ein bisschen fühlt sich Kritiker Carsten Hueck bei dem Versuchsaufbau von Yevgenia Belorusets' Stück an "Warten auf Godot" erinnert, denn auch hier warten "zwei schwarze Schatten", Alexandra und Sascha, allerdings im Kellerloch, denn es ist Krieg, um sie herum furchtbare Geräusche. Postapokalytisch wirkt es für Hueck, wie die beiden nach Streichhölzern suchen, das Vorbild dieser Situation ist aber die reale Sprengung des Karchowska-Damms, wie er in Katja Petrowskajas Nachwort liest. Die beiden machen Witze und flirten, bis eine Frau als dritte Person in den Keller kommt und sie dazu bewegt, ihn zu verlassen, erfahren wir. Ihnen wird dann aber schnell eröffnet, dass sie im Zuge einer rituellen Zeremonie verspeist werden sollen - für den Rezensenten eine Abrechnung mit Totalitarismus und sowjetischer Grausamkeit in der Ukraine, die ihm die Sinnlosigkeit des Krieges auf erschreckend deutliche Weise vor Augen führt.