Yasushi Inoue

Schwarze Flut

Roman
Cover: Schwarze Flut
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518223345
Gebunden, 189 Seiten, 13,75 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Otto Putz. Japan, 1949, vier Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation. Angst herrscht und Not. Arbeitskämpfe finden statt, die Staatsbahn kündigt Massenentlassungen an. In dieser Situation verschwindet Shimoyama Sadanori, der Generaldirektor der Staatsbahn, und wird am folgenden Tag tot aufgefunden. Selbstmord? Ein von Kommunisten verübter Mord? In seinem 1950 veröffentlichten Roman "Schwarze Flut", Kriminalgeschichte und Gesellschaftsroman in einem, der zusammen mit den Novellen "Der Stierkampf" und "Das Jagdgewehr"eine Art Triptychon bildet, zeichnet der Autor vor dem Hintergrund dieses bis heute ungelösten Falls, der noch immer nicht aus dem kollektiven Gedächtnis Japans verschwunden ist, das Psychogramm des Journalisten Hayami Takuo nach, der verbissen nach der Wahrheit in diesem Fall sucht. Doch schnell, wenngleich untergründig, wird klar, dass es um eine andere Wahrheit geht ? den Tod von Hayamis Ehefrau, die Jahre zuvor zusammen mit einem anderen Mann Selbstmord beging.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2001

Rund 50 Jahre nach seinem Erscheinen in Japan kommt der Erstlingsroman dieses preisgekrönten Autors auf den deutschen Markt, den Ludger Lütkehaus als kühn und kompromisslos empfindet, und das bei einem Autor, der dem Rezensenten bislang als "die personifizierte Verbindlichkeit" gegolten hat. Lütkehaus verortet Inoue als weder traditionalistisch verankerten noch experimentell angehauchten Autor, der ein zutiefst humanistisches Anliegen vertrete. Als besondere Qualität sieht es der Rezensent an, dass Inoue die dem Roman zugrundeliegenden Gefühle von Kälte, Misstrauen, Fremdheit nicht preisgebe oder zugunsten optimistischerer Lösungen verrate. Der Leser, schreibt Lütkehaus, sieht sich am Ende ziemlich frustriert: Die kriminalistisch angehauchte Handlung - es geht um den vermeintlichen Mord oder Selbstmord des Staatsbahnpräsidenten in einer politisch aufgeheizten Atmosphäre - bleibe ebenso offen wie die erotischen oder publizistischen Verwicklungen. Stattdessen erlangte Lütkehaus das Gefühl, abgründige Wahrheiten zu erahnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2001

Sebastian Domsch schildert unaufgeregt den erst jetzt übersetzten Roman "Schwarze Flut" des japanischen Nobelpreisträgers Inoue, den er als beispielhaft für dessen literarische Entwicklung ansieht. Das Buch stammt aus dem Jahr 1950; ihm liegt Domsch zufolge ein authentischer Fall zugrunde: der mutmaßliche Selbstmord des Generaldirektors der japanischen Eisenbahnen. Im Mittelpunkt des Romans steht ein Journalist, der diesen Fall recherchieren muss. Diese Recherche sei geradezu langatmig geschildert, meint Domsch. Der soziale Hintergrund der Geschichte dagegen, der Kampf mit den Gewerkschaften beispielsweise, sei weitestgehend ausgeblendet, was Domsch zu der Vermutung veranlasst, dass es Inoue um ganz andere Themen zu tun gewesen sein muss: die Auseinandersetzung mit dem Tod, die sich für den Rezensenten auch in der zentralen Farbmetaphorik des Buchs ausdrückt. Anders als seinem Protagonisten, der seinen Beruf aufgibt, sei Inoue mit dem Roman die berufliche Emanzipation gelungen, schreibt Domsch.
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