Haruki Murakami

Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

Roman
Cover: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783518396971
Taschenbuch, 541 Seiten, 14,27 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Annelie Ortmanns und Jürgen Stalph.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

In einer Mehrfachbesprechung befasst sich Ulrich Greiner im Aufmacher der Buchmessenbeilage mit mehreren Romanen des japanischen Schriftstellers Haruki Murakami.
1.) Haruki Murakami: "Naokos Lächeln" (DuMont)
2.) Ders.: "Gefährliche Geliebte" (DuMont)
Bei diesen beiden Romanen schätzt der Rezensent besonders, dass Murakami hier "sehr einfache Geschichten sehr einfach erzählt", die nach Greiners Ansicht deshalb so fesselnd und authentisch sind, weil sich der Autor auf den Inhalt der Geschichten konzentriert und nicht die Kunst der Literatur in den Vordergrund stellt. Greiner räumt ein, dass dies nicht von jedem Kritiker geschätzt wird, doch er selbst zeigt sich von der Schilderung "traurig-schöner, nicht selten tödlicher Liebesbegegnungen" sehr berührt. Zu den großen Stärken Murakamis in "Naokos Lächeln" gehört nach Greiner die Fähigkeit des Autors, Liebes- und auch sexuelle Dinge "sehr direkt" zu beschreiben, wobei der Rezensent betont, dass es eigentlich der Protagonist Toru ist, der erzählt. Dies sei wichtig, da durch diese Erzählperspektive die intimen Szenen nie peinlich geraten - es gibt keinen Betrachter von Außen, sondern Toru erzählt das, was er erlebt. Dass dieser Roman insgesamt nicht zu einem "trivialen Liebesroman" geraten ist, liegt nach Greiner vor allem in Murakamis Kunst des Weglassens. So werde das Äußere der Personen - wenn überhaupt - nur beiläufig geschildert. Lebendigkeit ergibt sich, wie der Leser erfährt, vor allem durch die Begegnungen und Gespräche. Ein weiterer Aspekt, der Greiner an diesem Roman wichtig erscheint, ist das Thema Erinnerung, oder besser gesagt: der Wunsch, Erinnerung festzuhalten bzw. die Angst, Erinnerungen für immer zu verlieren.
3.) Ders.: "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" (Suhrkamp)
4.) Ders.: "Wilde Schafsjagd" (Suhrkamp)
Diese beiden "quasi futuristischen Romane" Murakamis zeigen nach Greiner eine andere Seite des Erzählers, nämlich seine "architektonische Kühnheit", bei der die einzelnen Parameter, wie der Rezensent anerkennend anmerkt, auf das Genaueste durchdacht sind. Aber die Qualitäten Murakamis erschließen sich nach Greiner nicht unbedingt von selbst, viel müsse vom Leser selbst erschlossen und entdeckt werden, "benannt" werde vom Autor wenig. Doch auch wenn der Rezensent Murakamis Buch "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" eher ausgemachten Science-Fiction-Liebhaber ans Herz legt, so zeigt er sich insgesamt von Murakamis "immer spannenden, weitläufigen und oft irrläufigen Geschichten" äußerst angetan, besonders weil der Leser immer wieder mit einer "Ahnung des Wiedererkennens" konfrontiert werde.
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