Yasunari Kawabata

Schneeland

Erzählung
Cover: Schneeland
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518223765
Gebunden, 214 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Eines der Hauptwerke des japanischen Nobelpreisträgers für Literatur Yasunari Kawabata (1899-1972) ist von Tobias Cheung neu, erstmals textgetreu übersetzt worden. Kawabatas "Schneeland" liegt jenseits hoher Berge, fern von Tokyo. Shimamura, ein Müßiggänger und Ästhet aus Tokyo, fährt mit dem Zug zu einem der dortigen Kurorte, wo er Komako, eine Geisha, trifft, deren Eigenwilligkeit und Schönheit ihn fesseln. Mehrfach kehrt er zu ihr zurück. Jedoch je eindringlicher Shimamura versucht, ein klares Bild von Komako zu gewinnen, desto unschärfer und verschwommener kommt ihm das Wahrgenommene vor. Er spürt darin eine Wirklichkeit, nach der ihn verlangt. Diese Wirklichkeit ist scheinbar äußerlich, und doch erfüllt sie das Innere - wie die Kälte, die durch das Zugfenster strömt, in deren Spiegelungen sich innen und außen beglückend und geheimnisvoll überlagern. Um diese Wirklichkeit, die sich entzieht, geht es Kawabata ebenso wie seiner Hauptfigur. Dementsprechend hat er die Geschichte erzählt, schwebend, flirrend, rätselhaft anziehend...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2004

Irmela Hijiya-Kirschnereit preist diesen Roman aus dem Jahr 1948 des japanischen Autors Yasunari Kawabata als "zweifellos" eines der "wichtigsten" japanischen Werke des 20. Jahrhunderts an, wobei sie betont, dass er die Erwartungen an das Genre eigentlich nicht erfüllt. Es handelt sich dabei nämlich eher um ein im Verlauf von 14 Jahren entstandenes "Konglomerat" von "Erzählskizzen" um den reichen Shimamura, der "auf der Suche nach sich selbst" in den Norden des Landes reist und dort der Geisha Komako und dem Mädchen Yoko begegnet, erklärt die Rezensentin. Für sie liegt die "Magie" dieses Buches weniger in der insgesamt eher "unscheinbaren" Handlung, als vielmehr in der Schilderung der "vielschichtig verknüpften sinnlichen Eindrücke", die verschiedene Zeitebenen durchdringt. Dieser "durch und durch ästhetisierte Text", der vieles in der "Schwebe" lässt und mitunter an die "Grenze der Verständlichkeit" stößt, verlangt natürlich nach einer besonderen Übersetzung ins Deutsche, betont Hijiya-Kirschnereit. Und hier setzt auch ihre Kritik an der Neuausgabe und Neuübersetzung des Romans an. Sie findet die Übertragung durch Tobias Cheung nämlich viel zu "hölzern und umständlich" und befürchtet, dass dies die Leser eher abschreckt. Zwar habe der Übersetzer zudem manchen Fehler der deutschen Fassung von 1957 korrigiert, doch habe er seinerseits auch einige neue Schnitzer zu verantworten, moniert die Rezensentin. So bleibt ihr nur der Wunsch, dass diesem "modernen Klassiker" demnächst eine "Neuübersetzung" zuteil wird, die dem Rang des Buches gerecht wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2004

Ein bisschen unheimlich ist es dem Rezensenten Andreas Breitenstein schon, aber ändern kann er es nicht: Dieses Buch, ein gelegentlich Thomas Manns "Zauberberg" an die Seite gestellter Klassiker aus dem Jahr 1948, entspricht so ganz und gar dem Klischee, das man von japanischer Literatur hat. Es biete eine Mischung aus "Schönheit, Reinheit und Fremdheit, Artistik, Erotik und Hermetik". Der in Tokio lebende Schriftsteller Shimamura reist jedes Jahr ins Schneeland der Provinz und vergnügt sich dort mit einer Geisha. Wahres Gefühl aber kennt er nicht, noch den Tod einer weiteren Geliebten beschreibt er einzig in ästhetischen Kategorien. Breitenstein räumt ein, dass sich die "Beziehungsdynamik" zwischen dem Schriftsteller und der Geisha dem unbefangenen Leser nicht durchweg erschließt. Umso mehr aber könne man aus dem Nachwort des Übersetzers lernen, dessen Übersetzung dem Rezensenten allerdings "etwas manieriert" vorkommt.
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