Edition FotoTapeta, Berlin 2026
ISBN
9783949262623 Broschiert, 126 Seiten, 15,00
EUR
Klappentext
Die russische Invasion hat tiefe Narben in der ukrainischen Gesellschaft hinterlassen, doch aus den Trümmern erwächst eine beispiellose Kraft des Widerstands.Im Zentrum dieses Essays steht die "Kultur des Trotzdem" - jene unbeugsame Haltung, mit der die Ukraine dem übermächtigen Aggressor die Stirn bietet. Wolodymyr Jermolenko entschlüsselt den ukrainischen Freiheitsbegriff "Wolja", der nicht nur Recht, sondern auch Willensanstrengung verlangt. Während russische Besatzer Museen plündern und Geschichte stehlen, blüht die ukrainische Kultur unter Beschuss auf: Theater in Bunkern, Literatur zwischen Explosionen, Kunst an der Front. Der verwebt Autor die Tiefengeschichte der Ukraine von antiken griechischen Kolonien bis zur Gegenwart und demaskiert Russlands nekrophile "Thanatokratie" als Herrschaft durch den Tod. Der Kampf der Ukraine wird zur existenziellen Lektion für ein Europa, das zwischen exzessivem Individualismus und dem Vergessen seiner Werte zu zerreißen droht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.07.2026
Wolodymyr Jermolenko hat laut Rezensent Christian Thomas ein lesenswertes Buch über die kulturellen Wurzeln der Ukraine geschrieben, das sich leider teils ein wenig in einem pastoralen Tonfall verliert. Eine wichtige Rolle im Buch spielt die Stadt Cherson, die von Putin immer wieder besonders hart attackiert wurde, was nicht nur militärische, sondern auch historische Gründe hat und auf eine russische Geschichtsfälschung verweist, die der Ukraine jegliche Eigenständigkeit abspricht. Jermolenko holt weit aus, unter anderem geht es im Buch zurück zu den alten Griechen, die Begriffe der Agora und des Agon werden mobilisiert, außerdem will der Autor den aus der Mode gekommenen Begriff des Heldentums rehabilitieren. Wenn der Autor gegen den russischen Totalitarismus anschreibt, folgt Thomas ihm gern. Gleichzeitig aber merkt der Rezensent an, dass das in 35 Kapitel aufgeteilte Buch viele Themen nur kurz anreißt und immer wieder die philosophische Stringenz einem arg salbungsvollen Tonfall opfert. Die "Remythologisierung" des Ukraine-Konflikts, an der sich Jermolenko versucht, ist doch nicht so ganz Thomas' Sache. Dennoch findet sich, endet die ambivalente, aber in der Tendenz positive Besprechung, viel "nüchterne Einsicht" in diesem Buch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.06.2026
Arno Widmann lernt von Wolodymyr Jermolenko, was wir Europäer von der Ukraine lernen können. Laut Widmann ist das vor allem der Kampf, also das Kämpfen, das wir zugunsten des Verhandelns und Argumentierens verlernt hätten, wie der Autor schreibt. Kämpfen statt reden, das ist laut Widmann die Devise. Und er weiß mit Jermolenko auch wieso: Weil das Gute sonst auf den "Friedhof des Guten" kommt. Das Gute muss sich wehren, schreibt Widmann und verweist auf die militärischen Lehren, die die Ukrainer für uns tagtäglich absolvieren und vermitteln.
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