Klappentext
Du sitzt im Taxi in Amsterdam, aber seltsamerweise musst du selbst fahren, während der Taxifahrer daneben sitzt. Ein Bekannter aus dem Internet umarmt dich zu Hause, du fühlst dich seit Langem wieder geborgen, dann aber kommt dein Mann mit den Kindern die Treppe hinauf - alles verschwindet, und du wachst auf. Wolfram Lotz hat sich in europäischen Internetforen auf die Suche nach Träumen gemacht und sie in seine ganz eigenen literarischen Erzählungen übertragen. Es sind merkwürdige, komische Träume, die einem immer wieder sehr vertraut vorkommen - weil es die Träume wirklicher Menschen sind und weil die Welt, in der wir leben, ja wirklich ziemlich komisch ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2026
Wolfram Lotz hat sich auf die Suche gemacht: In verschiedenen Internetforen hat er Träume gesammelt, die Nutzer sich gegenseitig geschildert haben, was den Rezensenten Maximilian Mengeringhaus ein bisschen an eine moderne Form von Volksliedsammlungen erinnert. Inhaltlich ist quasi alles vertreten, erfahren wir: Tina Turner, die plötzlich am eigenen Arbeitsplatz auftaucht und Augentropfen braucht, Eltern, die ihre Kinder nicht mögen oder ein "beißwütiges MacBook". Mengeringhaus fragt sich natürlich, welchen Anteil Lotz selbst an den Texten hat, was gekürzt oder neu montiert wurde und wieviel er angeglichen hat, um die Texte in eine stilistische Einheit zu bringen. Lotz interessiere bei den Träumen vor allem das Verrückte, das oft Komik und Grauen vereint, schildert der Rezensent. Das Buch mag ein "Materialsteinbruch", macht aver viel Spaß, findet der Kritiker, der ihm zudem eine "eigentümliche Poesie" attestiert.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2026
Rezensent Felix Stephan zeichnet Wolfram Lotz als radikal eigenwilligen Autor, der Öffentlichkeit meidet und literarische Arbeit als existenzielles Experiment versteht, sich vom Kritiker aber immerhin zu Hause besuchen lässt. Stephan widmet der bisherigen Karriere des Autors viel Platz in seiner Kritik, bis er zum vorliegenden Buch kommt. Dessen Ausgangspunkt sind Träume aus europäischen Internetforen, fünf Jahre lang gesammelt, um "Europa" nicht politisch, sondern aus dem "kollektiven Unbewussten" heraus zu erkunden. Die hier erzählten Träume verlaufen oft überraschend positiv, es sind keine ausweglosen Alpträume, sondern Geschichten von Hilfe und Beruhigung, fast ein wenig unspektakulär. Eigentlich ja "totale Anti-Geschichten", wie Lotz selbst meint, die aber dennoch erzählt werden müssten, sie seien ja Teil der Realität. Für den Kritiker ist dieses genau beobachtende Buch schon jetzt die vermutlich "witzigste und geistreichste" Veröffentlichung des Frühjahres.
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