Aufgewachsen auf dem Bauernhof seiner Großeltern in Bornstedt bei Potsdam, verbringt Wolfgang Joop die ersten acht Lebensjahre dort. Der große Garten und der nur wenige Schritte entfernte Park Sanssoucis waren in der Vorstellung des Kindes sein Reich. Er erzählt von Familienfesten, die aus dem Ruder laufen, von seiner lebenshungrigen Mutter, seiner ersten Liebe - die Potsdamer Pfarrerstochter -, der bleiernen Zeit nach dem Umzug nach Braunschweig, die einer Vertreibung aus dem Paradies gleichkam. Wir erfahren von seiner Einsamkeit, davon, wie er im Internat mit selbstgezeichneten Pin-up-Girls erstes Geld verdiente, von seiner Zeit an der Kunsthochschule Braunschweig und den ersten Erfolgen als Designer - zu einer Zeit, als das Wort "Modedesign" noch gar nicht zum deutschen Wortschatz zählte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.09.2019
Petra Kohse ist hin und weg von Wolfgang Joops Autobiografie, auch wenn es sich eigentlich weder um ein Idyll handelt, was Joop hier zeichnet, noch um eine stringente Aufstiegsgeschichte. Wie ein Album, in dem der Autor herumblättert, erscheint ihr das Buch mit seinen Zeitspüngen und Schlaglichtern auf Skurriles, Schmerzhaftes, Unverständliches im Leben und Wirken des Modemannes. Daneben bietet Joop der Rezensentin noch zweierlei: Ehrlichkeit und ein Stück DDR-Geschichte aus einem etwas anderen Blickwinkel, dem des Jungen aus Potsdam, der als weitgereister Großvater in das Haus seiner Kindheit zurückkehrt.
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