Wolf Haas

Der Brenner und der liebe Gott

Roman
Cover: Der Brenner und der liebe Gott
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009
ISBN 9783455401899
Gebunden, 200 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Der Brenner, Expolizist und Exdetektiv, hat endlich einen guten Job gefunden. Noch nie im Leben hat er sich so wohlgefühlt. Aber es wäre nicht der Brenner, wenn es lange dauern würde, bis wieder was passiert. So sorgt eine Tafel Schokolade für eine Kettenreaktion, an deren Ende sieben Begräbnisse stehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009

Rezensent Richard Kämmerlings entdeckt in der Krimiliteratur eine "neue Universalität" und stellt drei Krimiautoren und ihre jüngsten Bücher vor, die, jeder auf seine Weise, die Genregrenzen ausweiten. Nach Einschätzung des Rezensenten hat sich Wolf Haas mit seinen Büchern am deutlichsten von den drei Autoren aus den Krimigefilden entfernt. Hatte er bereits 2003 zwar nicht seine Hauptfigur, den Privatdetektiv Simon Brenner, dafür aber seinen Erzähler, einen "schwadronierenden Kneipenphilosoph", sterben lassen, inszeniert er sich als Autor nun indirekt als Gott, der seinen Erzähler auch nach dessen Tod "munter weiterquasseln" lassen kann, so der Rezensent. Und so ist es vor allem diese "selbstironische erzähltheoretische Pointe", die ihn am aktuellen Fall fasziniert, in dem Brenner, mittlerweile vom Privatdetektiv zum Fahrer und Aufpasser abgestiegen, einem Korruptions- und Bauspekulationsverbrechen auf der Spur ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2009

"Ein schönes Panoptikum fragwürdiger Sozalcharaktere" hat Haas da versammelt, findet Essayist Karl-Markus Gauß und liest sich mit gewohntem Hochgefühl auch durch den siebten Roman von Wolf Haas. Denn alles ist so wie immer, erfährt man von Gauß, und im Besonderen der Erzähler. Der ist nämlich nach seinem vermeintlichen Abtreten im Vorgänger - Gauß erklärt in einem kleinen Exkurs, dass Erzähler nur Perspetiven des Autors sind und darum nicht sterben können - nun wieder in der üblichen "schwadronierenden" Erzähllaune mit schräger Grammatik und angenehm unzeitgemäßen Lebensvorstellungen. Und auch Brenner ist so mürrisch geblieben, wie er früher war, ist Gauß beruhigt und erwähnt im Vorbeigehen noch den Plot als über alle Maßen verzwickt, bei dem im Verlauf wieder eine ganze Reihe böser Kerle sterben. Das passionierte Urteil von Gauß: Mindestens so lange wie Donna Leons "Brunetti" darf "Brenner" ruhig noch leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.10.2009

Etwas mehr selbstsicheres Schlafwandlertum hätte Wolf Haas bei seinem siebten Brenner-Krimi gut getan, meint Tobias Lehmkuhl, den der Roman zu sehr ans Reißbrett erinnert. Dabei kommt der neue Band für Lehmkuhl zunächst noch wie seine Vorgänger daher und die gefielen ihm recht gut: Schlaumeier als Erzähler, viele Leichen, philosophische Exkurse - das gibt es alles auch bei "Der Brenner und der liebe Gott". Nur, so Lehmkuhl, es wirkt im neuen Buch halt "alles ein bisschen müde und schlaff". Dabei will Lehmkuhl den neuen Wolf Haas eigentlich mögen. Doch selbst das Infrage stellen seiner eigenen Rezensionskriterien bringt ihn nicht davon ab, feststellen zu müssen, dass neben der generellen Spritzigkeit auch noch das Kolorit fehlt. Wien, Kitzbühel, die Figuren - alle blass gezeichnet. Rezensent Tobias Lehmkuhl hätte das Buch lieber nicht gelesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2009

Keinesfalls dürfe man Wolf Haas unterschätzen. So beschwört die Rezensentin Daniela Strigl wohl weniger die vielen begeisterten Leserinnen und Leser als die Kollegenschaft. Unterschätzt werde er etwa, weil seine Romane mit dem Protagonisten namens Brenner Krimis sind. Das sind sie, so Strigl, zwar tatsächlich und sehr wohl, aber doch solche von ganz besonderer Machart. Sprachlich gesehen. Die Sprache des Erzählers - der übrigens seit dem Ende des letzten Bands eigentlich tot war bzw. ist und nun trotzdem weiterquatscht -, diese Sprache sei eben das Eigentliche, ein verführerischer Dauerton aus dem "urösterreichischen" Geiste der "Suada". Diesmal geht dem Brenner, der sich als Chauffeur verdingt hat, gleich am Anfang ein Kind verloren. Eine Abtreibungsklinik und ein Verein namens "Proleben" spielen eine wichtige Rolle. Gespenstisch nah an der Wirklichkeit findet Strigl das. Und "geradezu beflügelt" scheint ihr der Autor in dieser nach dem Tod des Erzählers eigentlich unmöglichen Fortsetzung seines Erfolgsmodells.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.09.2009

Als glanzvolles Hybrid zwischen Kunst und Populärkultur lobt Rezensent Peter Unfried diesen siebten Brenner-Roman von Wolf Haas. Zwar scheint ihn das Buch nicht durchweg zu überzeugen. Auch traut der Rezensent wohl seinem Geschmack nicht immer hundertprozentig über den Weg. Trotzdem ist er höchst fasziniert, wie es diesem Autor gelang, den im Teil sechs umgekommenen Ich-Erzähler wiederzubeleben und seinen Protagonisten Brenner gereift zurückkehren zu lassen. Der Kern des Buchs besteht Unfried zufolge aus "klugen, cleveren Aphorismen, Beobachtungen und Erkenntnissen" über Gott, die Angestellten, die Frauen, kurz: die Welt. Die Geschichte spielt, wie wir außerdem lesen, in unserer kalten kapitalistischen Warenwelt und es gibt - so der Rezensent - im Buch, was es auch "auf Erden" gibt: wenig Gott nämlich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.09.2009

Rezensent Tobias Gohlis ist derart begeistert von diesem neuen Brenner-Krimi, dass er sich schreibend fast in Ekstase deliriert - für den Leser nicht immer ganz zu durchschauen, aber doch ansteckend wegen des anhaltenden Rezensentenüberschwangs. Dass Wolf Haas' Ton "Jimi Hendrix" sei, lesen wir beispielsweise. Und dass nach dem ewigen Leben als Steigerung "Brenner und der liebe Gott" komme. Dass Haas uns aus der Realität der Plattitüden wegzaubert und insgesamt mit seinem Krimi "organisierte Klischeeflucht" betreibe. Dabei gibt dieser Autor den Informationen des Rezensenten zufolge gleichzeitig "dem halbtoten Klischee seine literarische Alltagstauglichkeit, sprich Lebenskraft zurück". Verstehe das, wer will. Unmissverständlich ist allerdings das Rezensentenlob, Haas sei nicht nur ein "großer Erzähler, Satiriker und Sprachkünstler", sondern auch ein genauer "Plot-Bastler".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.08.2009

Erfreut zeigt sich Sylvia Staude von Wolf Haas' neuem Brenner-Krimi, nachdem der Autor 2005 eigentlich Schluss machen wollte mit seinem kauzigen Ermittler. Wie sie berichtet, hat Expolizist und Exdetektiv Brenner jetzt einen Job als Chauffeur für einen Bauunternehmer gefunden, mit dem er rundum zufrieden ist. Doch die Freude währt nicht lange: als die Tochter des Bauunternehmers verschwindet, nimmt Brenner die Sache in die Hand. Staude schätzt den Stil von Haas, den sie als "zarte Dauer-Ironie mit Derbheitsspitzen" beschreibt, und findet insbesondere dessen Erzählerstimme reizvoll. Die Handlung scheint ihr bei Haas eher zweitrangig, gleichwohl werden "Plausibilität und Logik" nicht missachtet.