Klappentext
Aus dem Französischen von Nathalie Lemmens. Virginia wird 1986 im Karibischen Meer geboren. Wie schon ihre Geschwister vor ihr erblickt sie das Licht der Welt an Bord der Artemis. Das Segelschiff ist der ganze Stolz ihres Vaters Peter Tangvald: Neun Jahre hat er daran gebaut und fährt nun mit seiner Familie von Hafen zu Hafen. Doch an seinem großen Freiheitstraum wird er schließlich zugrunde gehen: Vor der Insel Bonaire erleidet die Artemis Schiffbruch, Virginias Vater und Schwester kommen ums Leben. Ihr Bruder ist der einzige Überlebende - bis er später selbst auf hoher See verschwindet. Obwohl Virginia das Schiff schon als Zweijährige mit ihrer Mutter verließ, haben die Tragödie und das Leben auf See sie nie losgelassen. Wie kann sie dem Schatten ihres Vaters entkommen? Wie die eigene Herkunft zwischen den Weltmeeren fixieren?
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.08.2026
Vaterbücher gibt es eine Menge, weiß Rezensent Leander Berger, Virginia Tangvalds Debüt setzt sich von ihnen aber dadurch ab, dass es im Ozean spielt. Den "existenziellen Magnetismus des Meeres" hat schon Herman Melville gezeigt, auch Tangvalds Vater Peter Tangvald war als Hochseesegler davon fasziniert und umsegelte mehrmals die Welt umsegelt, ganz ohne Technik. Die mythische Umschwärmung des rätselhaften Vaters ist auch zentrales Thema des Romans, wie Berger verrät. Die Autorin selbst ist auf hoher See geboren, ihre Mutter ist mit ihr an Land geflohen, als sie ein Kleinkind war, ein fast prophetischer Akt, denn Peter Tangvald und zwei seiner anderen Kinder sind später im Meer gestorben, lesen wir. Die Autorin macht dem Kritiker zufolge sichtbar, wie schwierig es ist, sich von diesem Übervater zu befreien und was ein Leben auf See für Frau und Kinder bedeutet. Die Verwirrung des Vaters ob einer sich verändernden, zunehmend technisierten Welt beurteilt sie ebenso wenig wie seine "dunklen Geheimnisse" - Berger hätte sich diesen "Mut zur erzählerischen Lücke" auch bei einigen Gefühlsschilderungen der Autorin gewünscht, ist aber insgesamt ziemlich zufrieden mit dem Buch und der Sogwirkung, die das strudelnde Meer hier entwickelt.
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