Vincenzo Consolo

Bei Nacht, von Haus zu Haus

Roman
Cover: Bei Nacht, von Haus zu Haus
Folio Verlag, Wien 2003
ISBN 9783852562506
Gebunden, 169 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maria E. Brunner. Das Sizilien der 1920er-Jahre - Großgrundbesitzer, verarmter Adel, faschistische Schlägertrupps, Sozialrevolutionäre und ein englischer Okkultist mit seinen sexualmagischen Riten - als Parabel für die Gesellschaft unserer Tage.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.03.2004

Als eine Neuerfindung der "missbrauchten" Sprache und Wiederbelebung einer versunkenen sizilianischen Welt bestaunt Volker Breidecker den historischen Roman, der zwar "keine leichte Kost" sei, doch als eine "bestechende Parabel auf die Gegenwart" eine "wunderbare Zumutung an den Leser" darstellt. Consolo beschreibt die Ankunft Aleister Crowleys und seines heidnischen Gefolges in einem sizilianischen Fischerdorf kurz vor der Machtergreifung der Faschisten. Der Autor verweigert sich dabei nicht nur radikal der Romanform und dem konventionellen Sprachgebrauch, er berührt durchgängig die "Grenzen zum Lyrischen", während er einen "polyphonen Gesang" gegen die "rüde Sprache der Politik" anhebt, schwärmt Breidecker. Den "gesamten Kosmos der Literatur" hat der Rezensent in dem Roman entdeckt und ihn als Anklage der Zustände Italiens unter Berlusconi gelesen - die "große Blase des Lärms" und des "faulen Zaubers". Auch die Übersetzung vermochte unseren Rezensenten zu begeistern: sie sei das Beste, "was im prosaischen und unmelodischeren Deutsch zuwege zu bringen war."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2004

Franz Haas kann sein Erstaunen nicht verhehlen, dass der Roman des italienischen Autors Vincenzo Consolo erst nach elf Jahren in einer deutschen Übersetzung erscheint. Zunächst rühmt er die "brillante" Übersetzung von Maria Brunner und ihr sehr informatives Nachwort, mit dem sie den deutschen Lesern Hilfestellung bei der Durchdringung der vielen "literarischen Anspielungen" gibt, die dieser vielschichtige Roman enthält. Das Buch spielt in einer kleinen sizilianischen Stadt in den 1920er Jahren, in der ein verrückter englischer Sektenguru auftaucht, während gleichzeitig der Faschismus in der Gegend Einzug hält, fasst der Rezensent zusammen. Die Übersetzerin weise darauf hin, dass der Roman ebenso als Parabel der 1990er Jahre in Italien gelesen werden kann, meint Haas. Er entwickelt aber nicht nur ein "metaphorisches Gesellschaftsbild", sondern ist durch seine vielen literarischen Verweise auch ein "Echotext", der sich beispielsweise mit Carlo Emilio Gaddas "Die Erkenntnis des Schmerzes" auseinandersetzt, weiß der Rezensent. Er zeigt sich sehr angetan von der "virtuos vielstimmigen Technik", mit der Consolo seine Geschichte entwickelt, und lobt besonders, dass er bei aller "politischen Deutlichkeit" nicht der Versuchung anheim fällt, eine gar zu einfache "antifaschistische Botschaft" an seine Leser zu bringen.
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