Klappentext
Herausgegeben von Kayoung Kim, Lisa Marie Zander, Marius Töpfer, Thies Warnke. In Marseille wird eine McDonalds Filiale besetzt und selbstorganisiert weiterbetrieben, in Hamburg wird aus einer alten Kaserne ein Ort für Kunst, Kultur und Gewerbe, ein ehemaliges Toilettenhäuschen ist nun ein selbstorganisiertes Stadtteilzentrum. In Berlin wird aus einer über Nacht gebauten Hütte ein politischer Versammlungsort, in Malaga ist das "unsichtbare Haus" ein Kulturzentrum. Solidarische Initiativen, selbstorganisierte Treffpunkte, künstlerische Interventionen, utopische Feste und soziale Architekturen sprießen aus den Löchern im Gefüge der Städte. Mikropolitische Praxen greifen Beziehungen, Bedarfe und Interessen vor Ort auf, schaffen soziale und räumliche Fakten und unterlaufen auf diese Weise eingefahrene politische Prozesse. Die Beitragenden dieses Buches berichten, sprechen und reflektieren darüber was es heißt, gemeinsam die Stadt zu durchlöchern. So nimmt dieses Buch jene mikropolitischen Vorgehens- und Seinsweisen in den Blick, die vielerorts auf die Handlungsmacht alltäglicher Beziehungen setzen und damit die Stadt von ihren Rissen her radikal verändern. Mit Beträgen von: Kike España, Ingo Böttcher und Barbara Niklas, Petra Barz und Liz Rech, Jesko Fezer, Jeanne van Heeswijk, L'après M und Thies Warnke, Sandy Kaltenborn, Fran Edgerley und Aska Welford, Christoph Schäfer, Lisa Zander und Marius Töpfer.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 28.02.2026
Städte durchlöchern, ein Recht auf Stadt in der Tradition des Soziologen Henri Lefebvre einfordern, geht so etwas heute in Zeiten des grassierenden Neoliberalismus und einer zersplitterten Linken überhaupt noch? Ja, doch, glaubt Rezensentin Amanda Böhm nach diesem Buch. In dem von Kayoung Kim, Lisa Marie Zander, Marius Töpfer und Thies Warnke herausgegebenen Band kommen in insgesamt zwölf Beiträgen Aktivisten aus unter anderem Hamburg, Marseille und London zu Wort, die von stadtpolitischen Kämpfen und Interventionen berichten. Besonders beeindruckt ist Böhm von einem Bericht aus Marseille über eine von Angestellten übernommene und nach solidarischen Prinzipien betriebene - ausgerechnet - McDonalds-Filiale. Aber auch sonst findet sie viel Inspirierendes in diesem Band, der aus dem Austausch mit Aktivisten entstand und auf produktive Weise Stadttheorie mit praktischer Anschauung und Handlungsaufforderung vereint.