Uwe Timm

Freitisch

Novelle
Cover: Freitisch
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2011
ISBN 9783462043181
Gebunden, 136 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Am Freitisch saßen sie mittags beieinander, in der Kantine einer spendablen Versicherung, und ihre Gespräche kreisten um Gott und die Welt und einen gemeinsamen Bezugspunkt: Arno Schmidt. Als sie sich in Anklam wiedertreffen, prallen zwei Lebensentwürfe aufeinander. Der Erzähler hat hier als Lehrer gearbeitet, Deutsch und Geschichte, und führt seit seiner Pensionierung ein Antiquariat. Der andere, Euler, damals Mathematiker mit literarischen Ambitionen, kommt als Investor und sondiert das Terrain, um eine Mülldeponie zu bauen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Liest man Kristina Maidt-Zinkes ausführlichste Besprechung der 136 Seiten starken Novelle, hat man unweigerlich die Verfilmung von Uwe Timms neuester Variation auf die bundesrepublikanischen sechziger Jahre vor Augen, beziehungsweise kann man sich die eigene Lektüre fast sparen. Den inneren Kitt bildet eine Freundschaft zwischen vier Studenten, die sich mittags am universitären Freitisch treffen, um dort ihrer gemeinsamen Verehrung für - "ausgerechnet" - Arno Schmidt zu frönen. Viele Jahre später und vor wiedervereinigter Kulisse (in Anklam, Mecklenburg) erinnern sich zwei der vier Freunde mit Wehmut an diese und andere alte Lieben und an die Zeit, als Literatur noch vollumfänglich Halt und Trost zu spenden vermochte. Timm ist eine "hinterhältige kleine Hommage" an Schmidt gelungen, so die Rezensentin, in seiner nicht unironischen, knappen Haltung ist das Buch auch eine Art Gegenentwurf zu Schmidts Monumentalwerk "Zettel's Traum".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011

Auch in seiner jüngsten Novelle spielt Uwe Timm mit autobiografischen Motiven, wenn er zwei Münchner Studenten in den 60er Jahren auf eine Arno-Schmidt-Wallfahrt schickt, stellt Rezensentin Ina Hartwig fest. Für sie geht es hier um eine Bestandsaufnahme der Achtundsechziger. Hartwig bewundert Timms Gespür für den Zwiespalt zwischen "politischer Dogmatik und der Sehnsucht nach Selbstaufgabe", der die beiden Schmidt-Bewunderer umtreibt. Und wenn er die Studenten 40 Jahre später wieder zusammenführt, kann man aufs Schönste  nachvollziehen was aus den Wünschen von einst geworden ist, stellt sie eingenommen fest. Mitunter findet sie den Autor etwas zu "konventionell", etwa wenn er das mecklenburgische Anklam, in dem sich die Protagonisten wiederbegegnen, in einem geschichtlichen Abriss nach Art eines Touristenführers beschreibt. Gut gefallen hat ihr dagegen der Einfall, dass der Schmidt-Fan Euler jetzt just an der Heimstadt seines einstigen Idols als Investor eine Müllverbrennungsanlage hochziehen will.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

136 Seiten - eine "schmale Novelle"? Rezensent Martin Halter meint wohl eher das Fleisch in Uwe Timms neuem Buch. Es ist ihm sichtlich zu mager ausgefallen, zu nostalgisch, zu unkritisch und in der Rückschau auf Arno Schmidt und den Geist der 60er auch verspätet. Zwar findet der Rezensent Schmidt als Kristallisationspunkt eines Stammtisches jugendlicher Aufbrüchler ganz gut gewählt, die Wehmut angesichts der alten Zeit scheint ihm aber zu überwiegen und der Muff nicht wirklich weggeblasen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2011

Wer so viel Arno Schmidt bemüht wie Uwe Timm in seiner Erzählung "Freitisch", der fordert den Vergleich geradezu heraus, meint Rezensent Frank Schäfer und überprüft, ob Timm diesem standhält. Schon auf der Metaebene spare die als Novelle getarnte Schmidt-Hommage nicht an Bezügen zum literarischen Vorbild: auch Timms Text komme als mit "Bildung prunkende" und langen, abschweifenden Reflexionen angereicherte Ich-Erzählung daher, die keinen Kalauer auslasse. Inhaltlich gehe es gleichermaßen Schmidt huldigend weiter, so Schäfer: Vier literaturambitionierte Studenten diskutieren im München der Sechziger Jahre über ihr Idol, um ihm schließlich persönlich ihre Ergüsse vorzulegen. Vierzig Jahre später - der Rezensent freut sich über diese "hübsch ironische" Pointe - stellt sich heraus, dass der ehemalige Schmidt-Gegner literarische Erfolge feiert, während der einstige Schmidt-Epigone sich der Literatur ab- und der Müllindustrie zugewandt hat. Dank seiner flüssigen, zurückhaltenden Erzählstimme entgehe Timm zwar der drohenden Epigonalität, für eine richtige Hommage fehle es aber noch an der nötigen "sprachlichen Dehydrierung". So bleibt es nur der "halbe Spaß", urteilt der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.03.2011

Hingerissen zeigt sich Judith von Sternburg von Uwe Timms Novelle "Freitisch". Die Geschichte um zwei einstige Arno-Schmidt-Adepten, einen pensionierten Lehrer und einen Müll-Unternehmer, die sich zufällig in Anklam wieder begegnen und über ihre Studentenzeit in München plaudern, ist in ihren Augen alles andere als spektakulär. Die Erinnerungen an die alten Zeiten scheinen ihr eher harmlos, die "wildeste Geschichte" handelt von einem Besuch bei Arno Schmidt, der ziemlich abweisend reagiert. Nichtsdestoweniger findet die Rezensentin diese Novelle sehr sympathisch. Das liegt für sie an der "feinen Ironie" sowie an der "Sanftmut" und der "Unverlogenheit", die hier wunderbar stimmig zusammengehen.
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