Schlagzeilen in den Zeitungen bestimmen, was wichtig ist - aus Perspektive der Zeitgenossen. Dem historischen Blick zeigt sich ein ganz anderes Bild. Klaus Zeyringer erzählt von mehr als fünfzig historischen Ereignissen, wie sie damals in der Presse wahrgenommen wurden, und die Historikerin Ursula Prutsch präzisiert deren Bedeutung und Auswirkungen aus heutiger wissenschaftlicher Sicht: wie zum Beispiel Propaganda den ersten globalen Krieg legitimierte; wie eine Revolution den Devotionalienmarkt belebte; welch fatale Rolle Zeitungen bei Wirtschaftskrisen spielten; wie der Kolonialismus Aufstände dämonisierte; wie 2001 Schlagzeilen zum Gegenschlag riefen …
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2025
Ein schlaues Buch über Medien und ihren Umgang mit weltverändernden Ereignissen haben Klaus Zeyringer und Ursula Prutsch laut Rezensent Paul Jandl geschrieben. Ein frühes Beispiel in dieser mehrere Jahrhunderte umfassenden Studie ist die Pestepidemie des 18. Jahrhunderts, erklärt der Kritiker, über die europaweit viel berichtet wurde, außer in der Pariser "Gazette", die sich lieber den Jagderfolgen Ludwigs XV widmete. Angesichts der Berichterstattung über die französische Revolution wiederum wird deutlich, wie schnell Aufklärung in Mythenbildung umschlagen kann. Insgesamt beschleunigt sich in dem Zeitraum, den die Autoren untersuchen, das Pressegeschäft enorm, erläutert der Rezensent, wo Nachrichten früher teils viele Tage unterwegs waren auf dem Weg zu den Empfängern, verbreiten sie sich im Fernsehzeitalter in Windeseile. Das jüngste Beispiel eines weltverändernden Ereignisses, über das Zeyringer und Prutsch in diesem starken, sorgfältig erarbeiteten Buch schreiben, ist Jandl zufolge 9/11 - seither gelten andere Regeln, nämlich die eines Kulturkampfes zwischen dem Westen und fundamentalistischen Kräften.
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