Mittlerweile selbst Teil der Zeitgeschichte, aber noch immer aktuell - mit bahnbrechenden Untersuchungen der fünfziger und sechziger Jahre, dem Beharren auf der Unterscheidung zwischen Demokratie und Diktatur und dem Eintreten für die freiheitlich demokratische Grundordnung, hergeleitet aus den Erfahrungen der Geschichte insbesondere des 20. Jahrhunderts, hat Karl Dietrich Bracher seinen Ruf als "Alt- und Großmeister", als "Pionier der Zeitgeschichtsforschung" gewonnen. Dem 1959 gegründeten Bonner Seminar für Politische Wissenschaft hat er eine Orientierung gegeben und zur Legitimation verholfen. Der Band bietet eine Rückschau auf Herausforderungen bei der Etablierung der zweiten deutschen Demokratie, Erinnerung an Erreichtes und versteht sich als normativer Wegweiser für die Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2009
Eine Dissertation über Karl Dietrich Bracher liest Rezensentin Petra Weber gern, mit dieser hat sie sich allerdings ein wenig schwer getan. Weber würdigt Bracher als einen der Gründungsväter der Politikwissenschaft, der, geschult in den USA, die Disziplin als "Wissenschaft der Demokratie" begriff. Sein wegweisendes Werk "Die Auflösung der Weimarer Republik", in dem der Brünings Notstandsverordnungen für den Untergang der Demokratie verantwortlich machte, schätzt sie ebenso wie seine Opposition gegen Obrigkeitsstaat und Notstandsgesetze, die ihn 1968 auch auf die Seiten der Studenten geführt hat (Militanz und Marxismus haben ihn dann aber zurückgeschreckt). Dass die Rezensentin mit der vorliegenden Arbeit unzufrieden ist, liegt vor allem an der sehr unsicheren und unstimmigen Beurteilung von Brachers Rolle in der politischen Öffentlichkeit. Und die vielen Interviews,die Quadbeck mit Kollegen und Schülern geführt hat, waren der Rezensentin auch "keine reine Freude", so unsystematisch und unstrukturiert findet sie sie aufbereitet.
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