Fußgängerzonen werden heute vielerorts als Problemzonen wahrgenommen. Seit den Sechzigerjahren graben Großmärkte an den Stadträndern dem innerstädtischen Einzelhandel das Wasser ab, der Online-Handel mit seinem 24 / 7-Service ist in den vergangenen 20 Jahren als Konkurrenz hinzugekommen, und die Ladenmieten erlauben meist nur noch Filialisten, in den Hauptgeschäftsstraßen präsent zu sein. Die Stadtzentren stehen daher vor einem Wandel, der Fragen des Verkehrs ebenso berührt wie der Nutzungsmischung. Es lohnt sich, über die Weiterentwicklung der Innenstädte nachzudenken, bieten sie doch gut proportionierte Stadträume, die sich zur Begegnung jenseits von Shopping-Streifzügen eignen, und zum Teil Stadtbilder, die tief in der Historie der Städte wurzeln. Zu dieser Geschichte gehört auch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ansichtskarten der Fünfziger- bis Siebzigerjahre sind ein Dokument des Wandels der Stadtzentren in der Bundesrepublik und der DDR: ihres baulichen Wandels ebenso wie der Veränderungen der Konsumgesellschaft. Ein Blick zurück auf diese vielerorts schon wieder verschwundene jüngste Vergangenheit kann helfen, lokale Besonderheiten zu erkennen und für die Weiterentwicklung der Innenstädte als mögliche Identitätsstifter zu aktivieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2020
Rezensent Hannes Hintermeier schaut sich mit dem Architekturkritiker Ulrich Brinkmann alte Postkarten an. Was darauf zu sehen ist - Blumenkübel, Brunnen, "westdeutsche Fußgängerzonenherrlichkeit" - stellt Hintermeier den deutschen Wiederaufbau lebhaft vor Augen: den Stolz darauf, aber auch die Versäumnisse, oder, um es mit Hintemeier zu sagen, was in die "Waschbetonhose" ging. Wenn der Autor die Innenstädte von Paderborn, Kassel, Dresden, Bremen u.a. in Augenschein nimmt, ahnt der Rezensent die Uniformität des Zeitgeistes.
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