Trotzdem zuhause
Memoir

Penguin Verlag, München 2026
ISBN
9783328604495
Gebunden, 256 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
"So beginnt meine Geschichte. Als Tochter einer weißen Frau und eines Schwarzen Mannes. Zwischen Sange, Südtansania, und Gera, Thüringen. Zwischen kolonialer Vergangenheit und DDR-Diktatur." Tupoka Ogette schreibt von der Suche nach Zugehörigkeit, vom Leben im Widerspruch, im Dazwischen. Sie erzählt vom Aufwachsen als Schwarzes Kind in der DDR, von Flucht, Verlust, Sexismus und Gewalt - aber auch von Liebe, Mutterschaft, Resilienz und Selbstermächtigung. Von Freundschaften, die sie schließt, und solchen, die sie verliert. Vom Neuanfang in der BRD. Und davon, die Ruhe im Sturm zu finden."
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 29.04.2026
Rezensent Alisa Schellenberg erfährt im neuen Buch der Antirassismus-Trainerin Tupoka Ogette viel über das Aufwachsen der Autorin in der DDR und später in West-Berlin, weniger über gesellschaftliche Mechanismen und Strukturen. Wie die Autorin ihr eigenes Leben und ihren eigenen Schmerz schildert, den alltäglichen Rassismus, den sie trotz Schutz durch ihre Großeltern erlebte, findet Schellenberg berührend, weil intensiv erzält. Eine deutsche Biografie, in der die DDR-Zeit nur einen Teil ausmacht, und in der es auch um "Überanpassung" geht, um Missbrauch und schließlich um Befreiung, ein Bericht ohne Erklärung, so Schellenberg sichtlich beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2026
Rezensentin Josephine Allotey wird nicht so recht warm mit dem Memoir der bekannten Rassismuskritikerin. Darin erzählt die Autorin von ihrer Kindheit als schwarzes Kind in der DDR, von der frühen, plötzlichen Abschiebung ihres Vaters, einem Studenten aus Tansania, und der Erziehung ihrer politisch interessierten Mutter, resümiert die Kritikerin. Alltagsrassismus und Zugehörigkeitssehnsüchte treffen auf eine zunehmende Sexualisierung von Außen; die Realitäten des "Frauwerdens und die des Schwarzseins" prallen aufeinander, schildert Allotey. Das alles wird jedoch in einer kontrolliert-kühlen Sprache erzählt, die die Ereignisse eher ausstellt, als sie wirklich zu erzählen, moniert die Kritikerin. Auch wenn sie die Gründe der Autorin für diesen Ton - die Vermeidung eines Voyeurismus und einer Retraumatisierung von ebenfalls Betroffenen - nachvollziehen kann, schwächen sie den Text letztendlich. Trotz der Intensität, die manche Szenen dennoch entfalten können, kommt die Rezensentin nicht an der nüchternen Distanz des Textes vorbei.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.03.2026
"Hass und Niedertracht sind allgegenwärtig", zeigt Tupoka Ogette in ihrem Memoir, das Rezensent Tobias Lehmkuhl alternativ und vielleicht treffender als Autobiografie bezeichnen würde - "Hass und Niedertracht", die sich hier und gegenüber dieser Autorin meist als subtiler Alltagsrassismus äußern. Diesen Alltagsrassismus sichtbar zu machen, der in der DDR genauso allgegenwärtig ist wie im vermeintlich aufgeklärten Multikulti-Nachwende-Berlin, ihn an die Oberfläche zu bringen, zu durchleuchten und seine Effekte emotional nachvollziehbar zu machen, darum geht es Ogette, erklärt der Rezensent. Zugleich jedoch erzählt die Autorin auch davon, was man diesem Hass entgegen setzen kann: Den Schutz eines liebevollen Zuhauses, die Fürsorge in echten Freundschaften, die Unterstützung und Zuneigung einer Wahl-Familie, die Förderung von Talenten und Interessen, Souveränität, Selbstliebe und Selbstwirksamkeit - all das konnte und kann Tupoka Ogette dem Hass entgegensetzen und natürlich: "ein gut geschriebenes Buch!", so der wohlwollende Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.03.2026
Ein rundum starkes Buch liest Rezensent Tobias Lehmkuhl: Tupoka Ogette legt hier eine klassische Autobiografie vor und zeichnet nach, wie ihr Leben in zwei deutschen Staaten - zunächst in der DDR, dann in der BRD - von Rassismus geprägt war. Dabei konzentriert sich Ogette, deren Vater aus Tansania stammt, auf alltägliche, keineswegs spektakuläre Fälle von Diskriminierung, auf dem Spielplatz, in der Schule und so weiter. Nicht ein großes Trauma, sondern viele kleine Traumata haben ihr Leben geprägt; das ihr gleichwohl nicht entglitten ist, auch weil es positive Gegengewichte gab, unter anderem ihre stets für sie kämpfende Mutter. All das fügt sich zu einer literarisch sehr gut durchgearbeiteten Darstellung eines selbstbewussten Lebens, freut sich Lehmkuhl.