Toni Morrison

Gott, hilf dem Kind

Roman
Cover: Gott, hilf dem Kind
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017
ISBN 9783498045319
Gebunden, 208 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thomas Piltz. "Gott, hilf dem Kind" setzt den mit "Jazz" begonnenen Zyklus fort, in dem Morrison die Situation der Schwarzen in den USA beleuchtet. Lula Ann ist ein so tiefschwarzes Baby, dass ihre Mutter Sweetness bei der Geburt fast zu Tode erschrickt und der Vater die junge Familie auf der Stelle verlässt, weil er nicht glauben kann, dass dieses Kind von ihm ist. Sweetness erzieht Lula Ann zu Gehorsam und Unterwürfigkeit, nur nicht auffallen, aus Angst vor rassistischen Angriffen. Doch die heranwachsende Tochter sträubt sich gegen die verordnete Angepasstheit. Sie ändert ihren Namen in Bride, kleidet sich in provokant strahlendes Weiß, macht Karriere bei einer Kosmetikfirma, verliebt sich in einen geheimnisvollen Mann und befreit sich auf ihre Weise von der Vergangenheit. Zwei starke Frauen, zwei verschiedene Lebensentwürfe, in dem Versuch, sich zu schützen und gleichzeitig zu behaupten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2017

Angela Schader bewundert Toni Morrison sehr, vor allem für ihr Debüt "Sehr blaue Augen", doch gerade im Vergleich zu diesem frühen Werk fällt der neue Roman "Gott, hilf dem Kind" in Schaders Augen deutlich schwächer aus. Natürlich ist Morrison noch immer eine souveräne Erzählerin, sie beherrscht charmante Seitenblicke und edle Vignetten so gut wie "stählerne Fußangeln". Auch das auf verschiedenen Ebenen wiederkehrende Motiv aus "Nacht und Eis" gefällt Schader. Doch in der Geschichte um die junge Bride, die als tiefschwarzes Kind sogar von den eigenen Eltern stigmatisiert wird, dann jedoch zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau aufsteigt, um schließlich nach der Trennung von ihrem Geliebten die eigene Vergangenheit zu erforschen, erkennt die Rezensentin auch die Tücken einer erzählerisch überladenen Konstruktion.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2017

Ulrich Baron sieht in Toni Morrisons neuem Roman ein altersweises Werk über Verantwortung und Fehlbarkeit. Baron lernt darin afroamerikanischen Selbsthass kennen und wie weit die Schatten einer schwarzen Kindheit reichen können. Formal bürdet ihm Morrison einiges auf. Gleich vier laut Rezensent nicht eben zuverlässige Ich-Erzählerinnen teilen sich die Geschichte. Es gibt haufenweise lose Fäden und scheinbare Widersprüche in der Erzählung und jede Menge Überraschungen, erklärt Baron. Dass der Text am Ende dennoch Sinn ergibt und sich Form und Inhalt aufeinander beziehen lassen, scheint Baron ein Beweis für das Können der Autorin zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2017

Laut Hubert Spiegel hat sich Toni Morrisons Schreiben verändert. Der neue Roman ist schlanker, der magische Realismus wird sparsamer eingesetzt, und die Figuren müssen mit wenig Raum auskommen und sich als wechselnde Ich-Erzähler die Geschichten teilen, erklärt er. Ökonomischer und konzentrierter heißt laut Spiegel bei dieser Autorin aber nicht gleich weniger Empathie. Auf Morrisons Charaktere mit ihren Wurzeln in der amerikanischen Geschichte von Rassentrennung und Sklaverei trifft Spiegel auch in diesem Buch. Und sie müssen nach wie vor leiden und kämpfen, wie Spiegel festhält. Ein bisschen zu viel für so ein schmales Buch, findet er.
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