Klappentext
Der alte Max hat alle Zeit. Draußen vor dem Fenster legt sich der Schnee wie eine Decke über das Dorf. Da dringt das Läuten des Totenglöckchens durch die Stille. Es schlägt für den Schorsch, der viel mehr war als nur ein Freund, ein Leben lang. So macht sich Max am Abend auf zur Totenwacht, wo die Alten zusammenkommen, um des Verstorbenen zu gedenken und sich zu erinnern. Eine ganze Nacht erzählen sie von den Freuden bei der Ernte, von Abenden in der Wirtsstube, vom kleinen Glück. Und vom Schorsch. Aber auch von der Enge im Dorf und dem eisigen Schweigen. Erst im Morgengrauen kehrt der Max heim. Im Licht des neuen Tages ist ihm klar: Nichts davon wird wiederkommen. Nur die Erinnerungen an dieses Leben bleiben, solange er da ist ...
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.02.2025
Marie Schmidt hält den neuen Roman von Tommie Goerz für ziemlichen Kitsch. Vielleicht hätte Goerz lieber bei seinen erfolgreichen Franken-Krimis bleiben sollen, meint sie. Die Story um einen alten Mann im Fichtelgebirge, der wegsterbenden Freunden und Sitten nachtrauert, der über alte Apfelsorten, Pilze und Kräuter salbadert und urige Heimeligkeit ausstrahlt, nimmt Schmidt genau bis zu dem Punkt mit, wo die Romantik erdrückend wird. Schmidt ist dieser "genießerische Abgesang" auf eine vermeintlich heile alte Welt nicht so ganz geheuer, mit so viel "Wohligkeit" wird einem hier die Weltabkehr dargebracht, dass alle schmerzhafte "Erkenntnis", die generiert werden könnte, unterdrückt wird.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.01.2025
Für Rezensent Bernd Noack trifft Tommie Goerz den Ton in diesem schmalen Provinzroman. Ein Dorf im Fichtelgebirge, ein Mensch stirbt, man hält Totenwache, nichts weiter. Eine Momentaufnahme, die durch feine Konstruktion, unaufgeregte Sprache und genaue Beobachtungen überzeugt, findet Noack. Schicksal und Rituale erscheinen als Nebensache in dieser hermetischen Welt, die der Autor nicht voyeuristisch schildert, sondern diskret, fast schüchtern, aufrichtig jedenfalls, erklärt der Rezensent. Nicht einmal der Tod ist hier ein welterschütterndes Ereignis, sondern er passiert eben, so Noack, immer spürbar im Text ist allerdings Tommie Goerz' "Liebe zu den Menschen".
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2025
Tommie Goerz, eigentlich erfolgreicher Franken-Krimi-Autor, wagt mit 71 Jahren seinen zweiten Roman, freut sich Rezensent Andreas Platthaus. Die Geschichte ist ein tiefgründiges Porträt des dörflichen Lebens im fiktiven Austhal im Fichtelgebirge. Im Mittelpunkt steht Max Malter, der während der Totenwache seines Freundes Georg Wenzel auf das frühere Dorfleben zurückblickt: einst von Vertrautheit geprägt, heute von Neubürgern und Veränderungen geprägt, resümiert der Kritiker. Goerz erzählt unprätentiös und intensiv von Tradition, Verlust und Wandel, ohne nostalgisch oder reaktionär zu wirken. Wie große Schneebücher der Weltliteratur (zum Beispiel der "Zauberberg") nutzt er das Motiv des Schneetreibens als Symbol für die Vergänglichkeit menschlichen Strebens. Goerz gelingt ein literarisches Glanzstück, das Provinz und Menschlichkeit in den Fokus rückt, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 11.01.2025
Nach dem "Gesellen-" kommt schon zwei Jahre später jetzt das "Meisterstück" des Autors Tommie Goerz, hält Rezensent Jan Drees zu diesem Buch über ein fränkisches Dorf und seine Todesfälle fest: Der 80-jährige Bauer Max hört die Glocke, die immer nur geläutet wird, wenn jemand stirbt, diesmal ist es sein Freund Schorsch. Der Roman kreist um die Totenwache für Schorsch, die zum katholischen Ritus und Rhythmus des Dorfes ebenso gehört wie Taufen und Hochzeiten, erfahren wir. Während der Wache wird das ganze Dorfleben erinnert, zwischen gesellschaftlichen Zwängen, Ausländerfeindlichkeit und den ganz eigenen Regeln einer Gemeinschaft. Für Drees nachdenklich, andächtig und im gewohnt ruhigen, sicheren Stil verfasst, wie er schließt.
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