Tomer Gardi

Liefern

Roman
Cover: Liefern
Tropen Verlag, Stuttgart 2026
ISBN 9783608502633
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von und in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer. Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten.  "Liefern" erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.02.2026

Einen "Meister des beispielhaften Erzählens" nennt Rezensent Mladen Gladic den in Israel geborenen Autor Tomer Gardi. Denn Gardis Erzählungen erscheinen dem Kritiker wie Beispiele im eigentlichen Wortsinn: Sie zeigen das Konkrete, was sonst neben oder hinter dem Allgemeinen unbemerkt bliebe bzw. sie erzählen von jenen, die die Normalität am Laufen halten, indem sie "Liefern", was diese Normalität zum Funktionieren braucht. Damit gelingt Gardi etwas, was viele vor ihm versucht haben, lobt Gladic. Er bringt uns die oft brutalen Verhältnisse zu Bewusstsein, unter denen eine neue Klasse zu arbeiten gezwungen ist und entblößt so das brüchige Fundament, auf dem unsere Normalität fußt. Oder wie Gladic es ausdrückt: Hier schreibt ein Autor, der wissen will, wie die Dinge funktionieren, warum sie so funktionieren, und was droht, wenn "etwas dazwischen kommt". Wie die Sprache dazwischen kommen kann, damit hat sich Gardi 2016 in "Broken German" beschäftigt, nun sind es die Schicksale der Lieferantinnen und Lieferanten aus Eritrea, Venezuela oder Indien, von denen er mit viel Empathie und Humor erzählt, so der beeindruckte Rezensent.

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