Anno Domini 900: Von drei Himmelsrichtungen durch unerbittliche Feinde bedrängt, während in der vierten Richtung nur der Ozean lag, schien es, dass der christlichen Bevölkerung keinerlei Spielraum mehr blieb. Und im Schatten des Jahrtausendwechsels befürchteten viele, dass der Antichrist erscheinen würde, um die Welt in Blut zu ertränken und ihr Ende anzukünden. Doch das Christentum brach nicht zusammen. Vielmehr wurde in den Erschütterungen jener furchtbaren Zeiten eine neue Zivilisation geschmiedet. In weit ausholendem epischem Zugriff, der uns von der Kreuzigung Christi zum Ersten Kreuzzug mitnimmt, vom Prunk Konstantinopels zu den trostlosen Küsten Kanadas, ist "Millennium" die brillante Darstellung einer schicksalsträchtigen Revolution: dem Auftauchen Westeuropas als einer unterscheidbaren, expansionistischen Macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2009
Seine Weltuntergangsstimmung hätte Tom Holland dem Rezensenten schon ein bisschen weniger salopp und ranschmeißerisch und dafür mit mehr Fußnoten, Analysen und Belegen vermitteln müssen. Gut möglich, dass Dirk Schümer dann richtig bange geworden wäre angesichts so mancher Parallele zwischen heute und der Ära Karls des Großen. Dampfplaudernde Ereignisgeschichte a la Dan Brown kann Schümer nicht gebrauchen, und auch den Augenzeugenbericht vom ersten Kreuzzug nimmt er Holland nicht ab.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009
Tom Hollands populärwissenschaftlicher Ansatz, das Mittelalter als Vorläufer der Moderne darzustellen, geht für den Rezensenten Urs Hafner in Ordnung. Man dürfe halt nur nicht mehr davon erwarten als eine pointierte Zusammenstellung bereits bekannter Geschichten. Seine besondere Stärke findet Tom Holland dabei in der Darstellung der Machthaber: Ironisch und mit psychologischem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm hier, "rasant" zu erzählen, lobt Hafner. Seine umfassendere Deutung des Mittelalters als Vorläufer der Aufklärung - inklusive Reformpapst Gregor VII. als Wegbereiter von Schwulenhochzeit und Multikulturalismus - sei dagegen lediglich dazu da, diese Herrschergeschichten zusammenzuhalten, befindet der Rezensent.
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