Tobias Escher zeigt, dass im Fußball eine neue Zeitrechnung begonnen hat. Längst haben KI-Modelle und die Auswertung riesiger Datenberge Einzug gehalten in das Daily Business der großen Clubs. Es geht um viel Geld, die immer wichtiger werdende Rolle der Datenanalysten, die Jagd nach den perfekten Spielern und die schwindende Entscheidungsmacht der Trainer.Jede Bewegung, jede Ballberührung, jeder Zentimeter des Platzes wird inzwischen im Fußball vermessen, analysiert und von KI-Systemen ausgewertet. In Sekundenbruchteilen wird das Spielgeschehen analysiert und die Bewegungen und der Fitnessstatus der Spieler auf dem Feld ausgewertet. Während Klubs viel Geld an Daten-Firmen bezahlen, um den Erfolg auf dem Rasen zu maximieren, unterhält die internationale Elite längst eigene Analyseabteilungen, die helfen sollen, die größten Talente auf der Welt zu identifizieren, ehe die Konkurrenz sie wegschnappt. Am Ende wartet die große Frage: Lässt sich der Fußball mithilfe von Daten, Zahlen und KI-Modellen entschlüsseln? Wie funktionieren die Modelle, die den Blick auf den Fußball revolutionieren? Und wie wichtig bleibt der Faktor Mensch? Tobias Escher zeigt die Möglichkeiten und Schattenseiten des neuen datengetriebenen Profifußballs, was hinter den Kulissen passiert und wie sich die Klubs auf die Zukunft einstellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2026
Rezensent Daniel Theweleit liest interessiert Tobias Eschers Buch über die Datenrevolution im Fußballsport. Die gibt es, wie die historische Herleitung Eschers zeigt, tatsächlich schon länger: Statistiken zum Beispiel über Chancenverteilung wurden schon vor dem Zweiten Weltkrieg erstellt, vor 30 Jahren tauchte dann der "Expected Goals"- oder "X-Goals"-Wert auf, der die Wahrscheinlichkeit eines Torerfolgs jedes Torschusses angibt. Während die "X-Goals" inzwischen im Sportjournalismus allgegenwärtig sind, dreht sich das Rad bereits weiter, 3D-Modelle erfassen die Spieler auf dem Rasen längst in jeder Millisekunde mit Haut und Haaren. Und in Zukunft wird wohl auch ChatGPT eine Rolle spielen, liest der Kritiker. Problematisch ist, dass die Datenanalysen eher den reichen als den armen Vereinen nutzen und deshalb die Ungleichheit im Profifußball verstärken werden, erfährt Theweleit zudem. Und doch zeigt ihm dieses kenntnisreich geschriebene Buch, dass ein Verzicht auf Verdatung "eher zum Abstieg als zum nächsten Titel" führen wird.
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