Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod.
Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert. Und desto dringlicher stellen sich ihm und den Deutschen zwei Fragen: Was kann man tun? Und in was für einem Land wollen wir eigentlich leben?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.09.2018
Wer sich mit anderen Augen betrachtet, wird sich selbst ein Fremder, weiß Marie Schmidt und bespricht drei Romane, in denen es vordergründig um Migranten geht, tatsächlich jedoch um das Land, in das sie kommen. Timur Vermes malt in seiner Romansatire einen großen Treck Elender aus, der sich von der Sahara aus auf den Weg nach Europa macht und den Kontinent in Angst und Schrecken versetzt. Schmidt erkennt viel "Abnick-Material" in den grob geritzten Figuren, dem ehrgeizigen Staatssekretär, dem blöden Fernsehsternchen und den skrupellosen Managern. So sind'se! Den Applaus von der falschen Seite kann Vermes nicht gewollt haben, räumt Schmidt ein, hält dem Autor jedoch vor, dass er ihm nicht genügend vorgebeugt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2018
Rezensent Tilman Spreckelsen hat Timur Vermes' Roman zur Migrationsdebatte mit gemischten Gefühlen gelesen. Er folgt hier einer Privatfernseh-Moderatorin, die mit ihrer Sendung "Nadeche Hackenbusch ist ein: Engel im Elend" in ein afrikanisches Flüchtlingslager reist, sich dort in einen gecasteten Flüchtling verliebt und mit diesem die Flucht aller 150.000 Lagerbewohner durch den Nahen Osten gen Deutschland organisiert, während in Deutschland nach einem Putsch gegen Merkel strikte Maßnahmen gegen Zuwanderung eingeleitet werden. Vermes' Entscheidung, die Story aus den Perspektiven des Flüchtlingszugs, des Fernsehsenders und der neuen Bundesregierung zu erzählen, scheint dem Kritiker gefallen zu haben. Die Story und einige Figuren - insbesondere die in aufreizender Naivität geschilderte Moderatorin - bleiben ihm trotz ebenso drastischer wie "grotesker" Momente indes zu farblos. Als Beitrag zur Migrationsdebatte mit besonderem Blick auf den Rechtsruck in Politik und Gesellschaft liest Spreckelsen den Roman allerdings mit Gewinn.
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