Tijan Sila

Die Fahne der Wünsche

Roman
Cover: Die Fahne der Wünsche
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2018
ISBN 9783462051346
Gebunden, 320 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Was ist das für ein Land, in dem schon das Flippern ein Verbrechen ist? Crocutanien, ein totalitärer Staat am Rande Europas, versinkt im Chaos. Mittendrin: ein junger Rennradfahrer, der lernt, nicht aufzugeben, auch wenn es scheinbar nichts mehr zu gewinnen gibt. Tijan Sila erzählt von der Macht und Ohnmacht des Einzelnen in einem amoralischen System und von der revolutionären Kraft des Flipperns.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2019

Man könnte den Roman des in Sarajevo geborenen Schriftstellers Tijan Sila als Parabel auf Titos Jugoslawien lesen, wenn im totalitären Crocutanien das Flippern verboten, dem Marschall-Vater dagegen gehuldigt wird. Aber Rezensent Kristoffer Patrick Cornils lässt sich nicht täuschen: Der Titel, weiß er, spielt auf Klaus Theweleits "Männerphantasien" an, und deshalb erkennt er in Crocutaniens System die Kombination aus faschistischer Ideologie und heterosexistischen Männlichkeitsentwürfen. Der Roman um den jungen Ambrosius muss als Kommentar zu Incel-Terrorismus, rechtsextremer Identitätspolitik und Verfügbarkeitsvorstellungen gelesen werden, weiß der Rezensent und schaudert, da die Probleme in der realen Welt noch viel schlimmer sind als im "ekligen" Crocutanien.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.10.2018

Hymnisch bespricht Rezensent Ulrich Gutmair Tijan Silas neuen Roman "Die Fahne der Wünsche", der nicht nur im Titel an Klaus Theweleits Studie "Männerphantasien" über den faschistischen Mann angelehnt ist. Der Kritiker lässt sich von dem in Sarajevo geborenen und in Kaiserslautern als Berufsschullehrer tätigen Autor mit ins fiktive Crocutanien nehmen, liest die Coming-of-Age-Story des Helden Ambrosio, der sich als Radrennprofi aus einem totalitären Regime befreit und erfährt viel über den Zusammenhang von "Männlichkeitswahn, Homophobie, Frauenhass und systemischer Gewalt" und dessen Ursprung in faschistischen und populistischen Regimen. Darüber hinaus staunt der Rezensent, wie ihm Sila die Dynamiken und Codes von Jugendkulturen offenlegen kann. Der Autor erscheint wie ihm ein Punk, der mit Witz, "No-Bullshit-Attitude" und Klugheit verdrängte und verborgene Konflikte unter der Oberfläche sichtbar macht.

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