Europa neu denken - ein Appell!
Mit Europa war einst die große Hoffnung auf einen Kontinent des Friedens und Wohlstands verbunden. Nach vielen Krisen scheint es heute damit vorbei zu sein. Viele Europäer sehen in der EU nur noch ein bürokratisches Monster. Doch es gibt überhaupt keinen Grund, sich enttäuscht oder zornig abzuwenden. Es gilt, das unerhörte Experiment der europäischen Einigung schwungvoll fortzusetzen. Dabei geht es um den Beweis, dass geteilte Souveränität die Staaten und Völker nicht schwächt, sondern stärkt, dass Vielfalt nicht spaltet, sondern zusammenführt. Thomas Schmid plädiert für ein Europa, das Experimente und unterschiedliche Geschwindigkeiten zulässt, das liberaler wird und dem Einbruch globaler Konflikte nicht mit Festungsdenken begegnet. Die europäische Einigung wird den Nationalstaat überwinden, ohne die Bürger heimatlos zu machen. Die hoffnungsvolle Botschaft des Autors lautet: Europa bleibt sich treu, indem es sich neu erfindet - kühn und pragmatisch zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2016
Thomas Schmid kennt Europas Schwächen und er spart nicht in seiner Bestandsaufnahme nicht mit beißender Kritik an der EU-Bürokratie, dem Euro und der Osterweiterung. Das gesteht im Daniel Brössler gern zu, auch wenn er all dies nicht zum ersten Mal liest. Doch von Schmids Vorschlägen zur Rettung oder Neubelebung der EU ist der Rezensent weniger überzeugt: Als fehlte nur der "politische Wille" um der offenkundigen Vernunft den Weg zu ebnen, und schon gäbe es eine gemeinsame Außenpolitik, Englisch als einziger Amtssprache und keinen fahrlässigen Europa-Enthusiasmus mehr.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016
Thomas Schmids Argumentation, dass die EU wie auch schon früher aus ihrer Krise gestärkt hervorgehen könnte, findet Rezensent Michael Gehler bemerkenswert. Zumal der Autor gelassen und unaufgeregt, wie Gehler schreibt, zwei Auswege aufzeigt: politischer Wille zur Fehlerkorrektur und Umbau des Unionsgefüges, wie etwa ein temporärer Rückzug von der Eurozone oder auch die Lockerung der ehernen Mitgliedschaft und ihre Umwandlung in Assoziierungen. Als existentiell für das Fortbestehen der EU, erklärt Gehler, sieht der Autor die Befriedung und Stabilisierung des Nahen und Mittleren Ostens an.
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