Klappentext
Nur wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem Jugendknast hat Joran bereits jede Hoffnung auf einen Neuanfang verloren. Weil er Geld braucht, schleicht er sich nachts zu der Tankstelle, die er vor sieben Jahren überfallen hat. Die Tankstelle ist längst verlassen, doch statt der Beute, die er in einem Kanalschacht verstecken konnte, findet Joran eine Leiche: Aras, sein damaliger Freund und Komplize. Ist der Dritte im Bunde sein Mörder? Entsetzt merkt Joran, dass er nicht allein ist auf dem heruntergekommenen Gelände. Da ist Edda, ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Und Charu, die sich als Fotografin von Lost Places mit ihrer Glitzerkatze einen Namen machen will. Der Tote im Schacht wird für alle drei zu einer schicksalhaften Verbindung.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2026
Rezensentin Katrin Doerksen ist angetan von diesem neuen Krimi-Roman des Hamburger Autors: Sie folgt darin Joran, der nach einem misslungenen Tankstellenüberfall für sieben Jahre ins Gefängnis musste und sich jetzt wieder in seinem Leben zurechtfinden muss, so Doerksen. Ziellos und ohne wirklichen Anknüpfungspunkt zieht es Joran in ein verfallenes Gewerbegebiet, wo er mit der elfjährigen Edda und der Frau Charu auf andere, ähnlich verirrte Figuren trifft, resümiert die Kritikerin. Einen Großteil seiner Faszination zieht der Text laut Doerksen aus der Beschreibung solcher sogenannter "Lost places", also Orte, die die Rückstände menschlicher Anwesenheit zeigen und durch Vernachlässigung zu Ruinen geworden sind. Ähnlich wie die Figuren, fallen solche Orte aus unserer "kapitalistischen Verwertungslogik" heraus, dienen keinem expliziten Zweck mehr und müssen in einer Art Parallelwelt des Verfalls weiterexistieren, so die Kritikerin. Dass sich daraus jedoch auch eine Gemeinschaft bilden kann, weiß der Autor intelligent-ironisch aus der Figuren-Innensich zu schildern, auch wenn sich dagegen seine Dialoge etwas zu sentenzhaft und bemüht dunkel lesen, findet Doerksen. Nichtsdestotrotz erlaubt die clever konstruierte Handlung einen unsentimentalen Blick auf "verborgene Lebensrealitäten", für den allein sich die Lektüre allemal lohnt, lobt die Rezensentin.
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