Thomas Kapielski

Ortskunde

Eine kleine Geosophie
Cover: Ortskunde
Urs Engeler Editor, Basel 2009
ISBN 9783938767627
Gebunden, 130 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Ulbenort. Bei Ausgrabungen in Ulbenort entdeckte man jüngst in etwa vierundfünfzig Meter Tiefe eine erstaunlich gut erhaltene U-Bahnstation. Selbst Wartende funktionierten noch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2009

Für den hier rezensierenden Schriftsteller Stephan Wackwitz ist dieses Büchlein, dessen Autor er "beträchtliches literarisches Können" bescheinigt, leuchtendes Beispiel dafür, dass die Deutschen eine der bedeutendsten komischsten Literaturen der Welt besitzen. Thomas Kapielskis Beschreibungen von Ortschaften, "die Grüfflingen heißen oder Holzem, Pfungen-Neftenbach oder Humptrup" und die es Wackwitz' Eindruck zufolge zum großen Teil wirklich zu geben scheint, stellten eine enorme poetisch-surreale Fallhöhe bereit, die dieser "komische Weltchronist" dann mit großer Meisterschaft herabsteige, um in "gravitätisch altmeisterlichem Ton" allerlei Apokalyptisches, Atavistisches und Alkoholisiertes zu Protokoll zu geben. Erkenntnis des Rezensenten: je genauer man Deutschland (auch Allerweltsstädte wie Frankfurt und Berlin) betrachte, desto seltsamer sehe es aus und desto abgründiger komisch schaue es vor allem zurück.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2009

Wenn der sonst so kunstvoll räsonierende Autor mal schweigt, horcht Oliver Jungen auf. Die Orte, denen Thomas Kapielski in diesem Band sozusagen das Wort überlässt, haben aber auch was zu sagen, findet Jungen. Ortsnamen, wie Humptrup, oder Ganglöffsömmern lassen ihn die phonetisch-geografische Fallhöhe erahnen, die hier ausgemessen werden soll. Lustig ist das immer noch, meint der Rezensent. Doch versteht Jungen das Buch vor allem als "böses Kompendium" über Glücks- und Lebensfeindlichkeit aller Art. Böse, weil es sich "selbst demontiert", kommentarlos.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2009

Paul Jandl outet sich als großer Fan des "Multivirtuosen" Thomas Kapielski, und er schätzt seine Erkundungen der deutschen Provinz in "Ortskunde" ebenso wie seine Expeditionen ins philosophische und alltägliche Gestrüpp in "Mischwald". In "Ortskunde" reist der Autor in deutsche Provinznester, die sich allein durch ihre aberwitzigen Namen auszeichnen wie "Twülpstedt" oder "Mosebolle", erklärt der Rezensent. Gern ergibt er sich der "expressionistischen Wucht" einer Beschreibung des "Leubener Binnensees", und auch das ausschließlich durch die Krankheiten seiner Bewohner wahrgenommene "Monschau" scheint einen hohen Unterhaltungsfaktor für Jandl bereitzuhalten. Die Komik von Kapielskis Texten entsteht für den Rezensent aus der "Fallhöhe zwischen Unschuld und Aufklärung" und er genießt in vollen Zügen, so scheint's, dessen an "dunklen Ahnungen" und "großer Hellsichtigkeit" reichen Reisen in die Provinz.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.05.2009

Als "Meister des Improvisierten" sowie der "Kunst- und Lebensbastelei" huldigt Rezensent Wilhelm Trapp Thomas Kapielski, dessen neuem Buch er eine "beträchtliche Apercu-Quote" bescheinigt. Kapielski habe hier unter anderem die schönsten - sprich schrägsten - deutschen Ortsnamen (wie Schnürpflingen oder Sterbefritz) zusammengetragen. Zwar weiß der Rezensent nicht immer, was genau dieser Autor ihm eigentlich sagen möchte. Trotzdem streift er höchst fasziniert durch das, mit kuriosen Anmerkungen gespickte lakonische Universum dieser Miniaturweltbetrachtungen.
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