Thomas Harlan

Heldenfriedhof

Roman
Cover: Heldenfriedhof
Eichborn Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783821807645
Gebunden, 584 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

20. Mai 1962. Auf der Kriegsgräberstätte Opicina im Karst vor Triest macht der Friedhofswärter eine grausige Entdeckung: Das Grab des ehemaligen SS-Kommandeurs wurde geöffnet und der Leichnam verschleppt. Und: 14 Unbekannte haben sich offenbar in derselben Nacht auf dem Friedhof ihr eigenes Grab geschaufelt und darin umgebracht. In der Redaktion einer kleinen Triester Zeitung kommt es daraufhin zu Tumulten - denn wenige Wochen vorher hatte dort jemand einen Roman angeboten, der genau diese Ereignisse voraussagend beschrieben hatte. Der Autor hatte bei der Suche nach seiner 1944 im ehemaligen Vernichtungslager San Saba verschwundenen Mutter herausgefunden, dass ein Großteil der damaligen deutschen Wachmannschaften in polnischen Vernichtungslagern ihren Dienst verrichtet hatten. Und dass sie bei Kriegsende nach Deutschland und Österreich fliehen und mit Hilfe alter Kameraden ihr ehemaliges Netzwerk wieder knüpfen konnten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.06.2007

Rezensent Andreas Dorschel ist so beeindruckt von Thomas Harlans neuem Roman, dass seine Kritik in eine Art feierliches Stakkato gerät, welches es dem Leser nicht ganz einfach macht, die Gründe für die Begeisterung nachzuvollziehen Man kann diesen Roman, der SS, KZ und Nachkriegszeit offenbar literarisch komplex verschachtelt, nicht so einfach nacherzählen - soviel scheint klar. Dorschel scheint besonders ergriffen davon, wie Harlan es schafft, einem historischen Geschehen im Nachhinein nicht einen Sinn beizumessen, der es in das Licht einer falschen Versöhnung taucht. Harlan hat für Dorschel auf jeden Fall Bedeutenderes für die Aufarbeitung der Vergangenheit in Romanform geleistet, als Günter Grass, den Dorschel als allzu komaptibel und vokshochschulhaft empfindet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.03.2007

Einen "großen, unerbittlichen und zugleich verwundbaren" Roman über den Holocaust sieht Bert Rebhandl in Thomas Harlans Buch "Heldenfriedhof". Er liest das Werk als Versuch, die nationalsozialistischen Verbrechen und ihre unvollständige Sühne zu beschreiben, findet aber auch das Bestreben des Autors darin wieder, die Taten und das mangelnde Schuldbewusstsein seines Vaters Veit Harlan, einem der wichtigsten Filmemacher im Nationalsozialismus, zu exorzieren. Die komplexe Konstruktion des Werks, die wuchernde Sprache sowie die ständigen Wechsel von Perspektive, Erzähler und Tonlage machen das Buch seines Erachtens zu keiner leichten Lektüre. Anders aber als viele triviale Filme und Ergüsse über den Holocaust zählt er Harlans Buch zu den Werken, "hinter die das Wissen nicht mehr zurückkann".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2006

"Heldenfriedhof" von Thomas Harlan ist das Zeugnis einer obsessiv zu nennenden Beschäftigung des Autors mit den Verbrechen der NS-Zeit und der mangelhaften oder oft fehlenden Verfolgung der Täter, teilt ein tief beeindruckter Edo Reents mit. Er beschreibt den Roman als kaum lesbar, verwirrend und in seiner Detailgenauigkeit beinahe unerträglich und apostrophiert ihn als ein Monstrum aus Tatsachenberichten, Zeugenaussagen und Fiktion, das mit "literarischen Maßstäben" allein nicht wirklich zu fassen und zu würdigen ist und gleichwohl die allergrößte Achtung abverlangt. In der Rahmengeschichte wird von Enrico Cosulich erzählt, der einen Roman über die von der "Aktion Reinhard" verübten Verbrechen in Triest schreibt, die Binnengeschichte bildet dieser Roman selbst, erklärt der Rezensent. Insbesondere die von jeglicher Psychologisierung freien, kühlen Schilderungen vom Leben im Konzentrationslager oder im Warschauer Ghetto haben Reents tief bewegt, wobei er das größte Verdienst des Romans darin sieht, dass Harlan jegliche "Einfühlung", insbesondere in die Persönlichkeiten der NS-Täter, unterbindet.
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